Nachbarn hatten viel Spaß beim Rodenbecker Herbstmarkt 2018

Beim 13. Herbstmarkt in Minden war ganz schön was los für die ganze Familie - Siedlergemeinschaft Rodenbeck stellt sich vor

Nicht nur mit der Ballschleuder traf der Rodenbecker Herbstmarkt dieses Jahr wieder voll ins Schwarze – Fotos: onm

“So viel los war hier noch nie”, freut sich Ortsvorsteher Müller. Der Rodenbecker Herbstmarkt 2018 fand nach einem Aussetzer wieder auf dem Schulgelände am Pivittskamp in Minden statt und Hunderte Nachbarn mit ihren Kindern kamen zum Spielen, Verweilen und Schnacken vorbei.

Nachdem der letzte Herbstmarkt wegen angekündigter Bauarbeiten an der Thomaskirche stattfinden musste (siehe unser Bericht), konnte sich der 13. Herbstmarkt in Rodenbeck wieder an gewohnter Stelle ereignen – mit deutlich mehr Platz für alle Aktivitäten. Denn zwischenzeitlich ist die Käthe-Kollwitz-Realschule in das Schulgebäude eingezogen, wofür der Jugendtreff Westside weichen und in die zu Ostern auf dem Fußballfeld eröffnete Containeranlage umziehen musste (wir berichteten). Kurzum: Anstatt nur zwischen Schützenheim und Schule zu feiern, konnte dieses Jahr auch der gesamte Schulhof, der für die Realschüler neu gepflastert wurde, für das Herbstfest genutzt werden.

Yücel Öznur zeigte am Beispiel des umgestalteten Wäschekorbs, wie einfach es ist, die motorischen Fähigkeiten der Kleinsten zu trainieren

Das kam gut an und machte sich an der Besucherzahl deutlich bemerkbar. Schon von Weitem sah man, dass da was geboten wird. Wenn man in der Rodenbecker Siedlung wohnt, kann man am Samstagnachmittag ja auch mal vorbeischauen. So trudelten Hunderte von Familien nach und nach ein, die über den privaten Flohmarkt schlenderten, mit den Kindern an zahlreichen Kreativspielen teilnahmen oder bei Kaffee und Kuchen, Bratwurst und Bier, Falafel und Quarkbällchen die Sonne genossen und mit den Nachbarn ins Gespräch kamen. „Man sieht sich ja viel zu selten“, merkte eine Besucherin an.

Genau das wollen Ortsvorsteher Bernd Müller, Integrationsbeauftragter Kameran Ebrahim, Stadtteilmanager Christian Niehage und Guido Niemeyer, die vielen Aktiven des Kinder- und Jugendzentrums Westside, der Hohenstaufen- und Käthe-Kollwitz-Realschule, der Schützenverein Minden-West sowie die umliegenden Kindergärten erreichen: dass alle Nachbarn, egal welcher Herkunft, in lockerer Runde zueinanderfinden, um mehr über den einen oder die andere zu erfahren, um vielleicht auch im Anschluss in Kontakt zu bleiben.

Tatsächlich lernten auch wir wieder neue Gesichter kennen. Zum Beispiel Yücel Öznur, die die Internationale Mutter-Kind-Gruppe für 0- bis 3-Jährige in Dankersen leitet. Sie zeigte auf, wie einfach und günstig es sein kann, die motorischen Fähigkeiten der Kleinsten zu trainieren. Einfach kreuz und quer ein paar Strippen über einen Wäschekorb gespannt, kleines Spielzeug verschiedenster Formen reingeworfen und den Griff der Grillzange mit weichen Tüchern einschlagen – schon ist das Korbspiel fertig, aus dem man „fischen“ kann. Je unförmiger das Spielzeug, umso schwerer kann man es mit der Zange durch die Fäden ziehen.

Ansonsten stehen sie und ihre Kolleginnen vom Caritasverband Minden (Fachdienst für Integration und Migration) auch in Bärenkämpen, Rodenbeck, in der Innenstadt, an der Kaiserstraße und im Familienzentrum Kita Leonhardi an jeweils ein oder zwei Tagen pro Woche von 10 bis 11.30 Uhr zur Verfügung, um mit den Kindern aller Nationen zu spielen, tanzen, musizieren, malen und zu basteln. So können Eltern Kontakte knüpfen, Gespräche führen und ihre Babys und Kleinkinder fördern. Und das seit über zehn Jahren. Näheres findet man auf der Webseite des Caritasverbands.

Von der Kaffee- und Kuchentafel zur Siedlergemeinschaft Rodenbeck – wen man alles auf dem Rodenbecker Herbstfest kennenlernen kann (Mitte: 1. Vorsitzender Günther Brandt)

Obwohl sie am 25. August ihr 25-jähriges Jubiläum feierte, dürfte auch die Siedlergemeinschaft Rodenbeck nicht jedem bekannt sein. Von dem früheren Vorsitzenden Günter Ickler (†) wiederbelebt, nachdem es bereits in den 1950er Jahren die Siedlungsgemeinschaft Bastorpstraße gab, kann der Verein zurzeit stolze 130 Mitglieder zählen, zu denen Haus- und Grundstücksbesitzer wie auch Mieter gehören, erklärte Günther Brandt, aktuell 1. Vorsitzender der Rodenbecker Siedlergemeinschaft, die dem Verband Wohneigentum Nordrhein-Westfalen e.V. angehört.

Der Vorteil als Vereinsmitglied ist schnell gefunden: Für einen Jahresbeitrag von 30 Euro gibt es verschiedenste Rabatte bei Versicherungen, Baumärkten, Gartencentern und vieles mehr (siehe Webseite des Verbands Wohnungseigentum). Petra Meier, Stellvertretende Kassiererin, machte zudem auf das gemeinschaftliche Kaffeetrinken im Gemeindehaus der Thomaskirche aufmerksam, das die Frauen der Siedlergemeinschaft organisieren. (Lohnt sich garantiert vorbeizuschauen bei dem wohlschmeckenden Kaffee, den sie beim Herbstmarkt ausschenkte). Außerdem trifft man sich jedes Jahr zur Weihnachtsfeier, macht gemeinsame Ausflüge, und Rechtsberatung sowie eine Gratis-Zeitung mit Gartentipps gibt’s obendrauf.

Während unsere Redakteurin wie gebannt auf die Steinmagneten-Spiele des Thomaskirche-Kindergartens starrte und sich anschließend nicht mehr von den Farb-Pust-Künsten der Kinder losreißen konnte, hielt der Rodenbecker Ortsvorsteher eine Begrüßungsrede an die Gemeinde und unterhielten Jugendliche mit einer Tanzvorführung.

Statt feste Räume für den Kinder- und Jugendtreff Westside wird der rote Teppich vor der “übergangsweisen” Containeranlage ausgerollt

Nicht so erfreulich war die Ausführung von Ortsvorsteher Müller uns gegenüber, dass der Kinder- und Jugendtreff Westside wohl noch einige Jahre in der Containeranlage verbringen soll, voraussichtlich bis 2024. Dann soll auch die Käthe-Kollwitz-Realschule wieder umverlegt werden, die zurzeit alle Räume des Schulgebäudes belegt, und eine Grundschule am Pivittskamp einziehen. Für die Frage, warum dieses ganze Hin und Her, war leider keine Zeit übrig. Dafür rollte man am Eingang des Westside-Containers wie bei den Filmfestspielen den roten Teppich aus.

Der Kistenknipser mit Zauberspiegel: Steffen Boeckhs neuer Sofortbildapparat kam zum Einsatz

Begeistert von der Inneneinrichtung führte Müller durch die “übergangsweise” angelegte Anlage. Wie schon in den ehemaligen Räumen gegenüber stehen Kicker und Billardtische, Küchenzeilen zum gemeinsamen Kochen, Familienspiele, WCs, jede Menge Sitzgelegenheiten und ein Chill-Raum zur Verfügung. Neu sei die kleine Turnhalle (genannt „Bewegungsraum“) und dass man sich bei der Spielausgabe Fahrräder, Skateboards, Gokarts und andere Fortbewegungsmittel ausleihen kann.

Im Eingangsflur trafen wir am Aktionstag schließlich auf einen „alten Bekannten“, den wir letztes Jahr beim 12. Herbstmarkt in der Thomaskirche kennenlernten: „Kistenknipser“ Steffen Boeckh aus Bielefeld. Mitgebracht hat er dieses Mal eine Art Zauberspiegel mit Equipment aus England. Der etwa 1,50 Meter große Spiegel mit silbernem Zierrahmen beinhaltet Spiegelglas, wie man es aus Krimis kennt (nur die Polizei kann die zu vernehmende Person sehen, nicht umgekehrt). Mit der Besonderheit: Der Spiegel wird zum Touchscreen. Das Kind kann sich lebensgroß im Spiegel betrachten, auf „Touch here“ tippen, dann dauert es einige Sekunden, und schon kann es ein Sofortbild mit Hintergrundumrahmung vom 13. Rodenbecker Herbstmarkt mitnehmen. Ein Service, den vor allem die von Akteuren geschminkten Kinder in Anspruch nahmen.

Uns fiel noch auf, dass die Außenwände vom Schützenhaus Minden-West frisch gestrichen wurden, nachdem sie von Vandalen beschmiert wurden. So konnten sich die Hochzeitsgäste, von denen einige im Verlaufe des Nachmittags zum Staunen der Besucher in schicken Anzügen mit Buffet-Schalen quer übers Herbstfest zum Vereinshaus liefen, trotz des Trubels drum herum so richtig wohlfühlen und feiern. Die Schützenvereinsmitglieder selbst waren mit ihrem gut besuchten Bier- und Grillstand vertreten und sorgten für reichlich Sitzgelegenheiten unter freiem Himmel.

Vom Grillstand des Schützenvereins Minden-West aus hatten Besucher eine gute Übersicht übers Veranstaltungsgelände und konnten es sich richtig gutgehen lassen

Letztlich beschenkte uns Amal Hamdan vom Interkulturellen Treff der Diakonie mit ihrem selbstgemachten Falafel und brachte – auch zur Freude der Stellvertretenden Bürgermeister Ulrieke Schulze und Harald Steinmetz, die vorbeikamen – gleich ihre ganze „Familie“ mit. Von Senela Milosevic-Hamdan gab’s handgemachte Quarkbällchen auf serbische Art (weil sie halt aus Serbien kommt), und Baken Hassan, Amer Rashid, Nihad Samiery und Samia Al Arafat halfen tatkräftig dabei, die Leckereien unters Volk zu bringen.

Also rundherum gelungene vier Stunden bei strahlendem Sonnenschein im „verrufenen“ Mindener Viertel Rodenbeck, die Lust auf mehr machen.

Apropos mehr … hier noch ein paar Bildchen:


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