“MS Wissenschaft” hat Anker in Minden gelichtet

Nach dreitägigem Aufenthalt hat das Wissenschaftsschiff "MS Wissenschaft 2015 Zukunftsstadt" in der Stadt Minden abgelegt und ankert Familie Scheubner in Münster

Frau Scheubner auf fahrendem Schiff
Kapitänin Karin Scheubner verabschiedete sich mit einem Lächeln von der Stadt Minden auf ihrem Schiff “Jenny” alias “MS Wissenschaft 2015” bei Fahrt auf Münster – Fotos: onm

“Dieses Mädchen und der Junge können sich gar nicht lösen von dem Schiff, so viel gibt es zu entdecken”, freute sich Karin Scheubner über den regen Besuch der Ausstellung MS Wissenschaft 2015 Zukunftsstadt auf ihrem Schiff vor Anker in der Stadt Minden. “Nun heißt es aber Abschied nehmen, unsere nächste Station ist das Hafenfest in Münster.”

Am vergangen Mittwoch endete die dreitägige Wissenschaftsausstellung an der Liegestelle Fuldastraße in Minden, die den kompletten Frachtraum des umdekorierten Schiffes des Kapitän-Ehepaars Karin und Albrecht Scheubner füllte. Schon von Weitem konnte man den Begriff Zukunft in riesigen Buchstaben erkennen und das gelb lackierte, hundert Meter lange Schiff nicht verfehlen.

Betritt man das Innere des Frachtschiffes, erwarten einen – kindgerecht gestaltet in leuchtenden Farben, aber nicht verspielt – unglaubliche Städtevisionen. Ernst zu nehmende Themen wie neuheitliche Verkehrssysteme, energie-gewinnende Gebäude, moderne Großbaustellen und zukunftsträchtige Fortbewegungsmittel werden in Modellen und an Monitoren zum Greifen nah veranschaulicht. Gleichzeitig laden Exponate zum Mitmachen ein – immer vor dem Hintergrund, Energie einzusparen und wertvolle Ressourcen zu schonen.

Dabei war es gar nicht so einfach, an dem großen Tisch “Bau deine Stadt der Zukunft” oder an Bildschirmen Städte zu konstruieren: Wo Industrie ist, müssen Bäume stehen, müssen Wohnhäuer her und Arbeitsplätze geschaffen werden. Unter einem astronauten-ähnlichen Helm wiederum wurde erläutert, was Einsatzkräfte der Feuerwehr und Polizei zukünftig für eine Rolle spielen. An einem anderen Platz sieht man einen erwachsenen Mann Bauklötze stapeln, die Container darstellen sollen. Ein junges Ehepaar wiederum richtete gerade ein Haus energiesparend ein.

Insbesondere Erwachsene haben großes Interesse an der Wissenschaftsausstellung am letzten Tag in Minden gezeigt
Insbesondere Erwachsene haben an der “MS Wissenschaft Zukunftsstadt” am letzten Ausstellungstag in Minden großes Interesse gezeigt

Jede Konstruktion ist so gestaltet, dass man aktiv werden musste, um Näheres zu erfahren – ob nun Themen-Schubladen geöffnet oder Kopfhörer aufgesetzt werden mussten, man sich aufs Holzfahrrad schwingen, einen Fragebogen am Computer ausfüllen oder Knöpfe drücken musste. Kinder aus Städten, die die “MS Wissenschaft” bereits anfuhr, hinterließen Zeichnungen ihrer Vorstellungen von Zukunftsstädten. Mindener Kinder erfreuten sich am Selfie-Automaten, wo sie ihr Selbstporträt vor einen selbst gewählten Städtehintergrund setzen und ausdrucken konnten (allerdings erst, nachdem sie ihre E-Mail-Adresse eingaben – die Bilder konnte man am Bildschirm auch nicht löschen).

Besonders interessant fanden wir Entwürfe über fliegende Autos, die man an Tablets einsehen konnte. Hier haben Ideentüftler zum Schwerpunktthema Pendlerverkehr aus aller Welt bereits genaue Vorstellungen. Unter PAV (“Personal Aerial Vehicle”) verstehen sie ein persönliches Luftfahrzeug von beispielsweise MyCopter. Die Größe entspricht einem durchschnittlichen Kleinwagen mit zwei Sitzplätzen und einer Reichweite von rund 100 Kilometern.

Nicht zu übersehen war auch Urban Gardening. Der “städtische Garten” soll dazu anregen, selbst auf dem kleinsten Platz, wie einen Balkon, Kräuter oder Gemüse anzubauen, zum Beispiel in entleerten Getränkebehältnissen, alten Eimern oder gebrauchten Brötchenkisten. Vorreiter sind hier die Städte Minden, Heidelberg und Linz, die von der “MS Wissenschaft” auf ihrer Route als “Essbare Städte” ausgewiesen sind.

Karin Scheubner
Karin Scheubner steht schon bereit für die Fahrt Richtung Münster

Zum 14. Mal unternimmt das Ehepaar Scheubner mit ihrem Event- und Ausstellungsschiff MS Jenny alias “MS Wissenschaft” die lange Reise auf dem Wasser durch 41 Städte Deutschlands und Österreichs (siehe auch unser Vorbericht). “Unsere Bewerbung für die Ausschreibung im nächsten Jahr haben wir bereits eingereicht”, erklärt Karin Scheubner, die sich auch um eine Facebook-Seite kümmert, wo sie Bilder und Informationen einstellt.

Besonders stolz ist sie auf die Urkunde, die im Bord-Café an der Wand hängt. Sie zeichnet das Schiff als “Ausgewählten Ort 2010” aus, verliehen von einer unabhängigen Jury der Initiative “Deutschland – Land der Ideen”, die unter Schirmherrschaft des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler stand. “Das Ehepaar Scheubner hat die Chance genutzt, Gewohntes zu überdenken und neue Wege mit der MS Jenny als Ausstellungs- und Eventschiff einzuschlagen”, heißt es unter anderem in der Begründung.

Dass die Würzburger Familie das Schifferleben und die Fahrten als “MS Wissenschaft” liebt, zeigt sie zu jeder Zeit an jedem Ort. “Ich möchte keine Arbeit machen, wo keiner kommt”, erklärte Karin Scheubner stolz und verweist auf ihre Homepage, wo auch durch “Kapitänchen Alina” verdeutlicht wird, dass der Schiffernachwuchs sich keine Sorgen zu machen braucht: Schiff und Arbeitskleidung sind schon vorhanden – und Wasser gibt es mehr als genug.

Wir wünschen der sympathischen Familie Scheubner, den Nachwuchswissenschaftlern der “MS Wissenschaft”, die alles geduldig erklärten, sowie dem Schiffsjungen, der gerade das Deck des Frachtschiffes scheuerte vor der Fahrt nach Münster, jederzeit gute Fahrt. Auf das wir uns hoffentlich im nächsten Jahr wiedersehen.


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