Moorhus eröffnete Bildungszentrum für nachhaltige Entwicklung

"Torfstecher Karl" ließ sich zum Auftakt des BNE-Regionalzentrums in der NABU-Station Lübbecke die Angebote außerschulischer Umweltbildungseinrichtungen erklären

Rainer Eschedor (re.), der neben Führungen im Großen Torfmoor in Lübbecke auch aus der Museumsbrennerei Hille bekannt ist, begrüßte als “alter Torfstecher Karl” seine Gäste in der NABU-Station “Moorhus” zum Auftakt- und Vernetzungstreffen des BNE-Regionalzentrums

Das NABU-Besucherzentrum Moorhus am Großen Torfmoor in Lübbecke (auch “Hiller Moor” genannt) feierte am vergangenen Samstag seinen Auftakt als Regionalzentrum im Landesnetzwerk “Bildung für nachhaltige Entwicklung NRW” (kurz: BNE) mit einem kreisweiten Vernetzungstreffen. Eingeladen waren außerschulische Bildungsakteure sowie Schulen und Kitas aus dem Kreisgebiet Minden-Lübbecke.

“Die Auftakt- und Vernetzungsveranstaltung war ein voller Erfolg”, teilt Ramona Gieseking, zuständig beim NABU-Besucherzentrum “Moorhus” für die regionale Netzwerkarbeit und Kooperationen, mit und erklärt: “Der Aufbau eines kreisweiten Netzwerks außerschulischer (Umwelt-) Bildung ist ein wichtiger Schritt für die strukturelle Verankerung von BNE in der Bildungslandschaft. Das Aufsuchen unterschiedlicher Lernorte und die feste Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern werde in Zukunft immer bedeutsamer für den Schulalltag.”

Was damit gemeint ist, wollte Moorführer Rainer Eschedor in der Gestalt des “alten Torfstechers Karl” genauer wissen und begrüßte seine Gäste auf ungewöhnliche Art und Weise: “Was ist denn hier los? Was machen denn die ganzen Leute hier?“, so “Karl” am 10. März im Moorhus. “Auf dem großen Koffer, den ich gefunden habe, steht ‘Bildung für nachhaltige Entwicklung’. Mit diesem sperrigen Begriff kann ich nicht so viel anfangen.” So erzählte er lieber vom Torfstechen, der Entstehung des Naturschutzgebietes „Großes Torfmoor“ und was er dort bis heute als Moorführer „Umweltbildung zum Anfassen“ so mache (siehe dazu auch unser Bericht mit Fotos aus 2014), und überließ die Erklärung den Teilnehmern des Treffens.

Nach Grußworten von Dr. Beatrix Wallberg, Leiterin des Kreisumweltamtes Minden-Lübbecke, und Sandra Meier vom NABU-Vorstand, erläuterte Julia Kreimeier, die für das BNE-Programm im Moorhus zuständig ist, die „Landesstrategie Bildung für nachhaltige Entwicklung – Zukunft Lernen NRW“. Diese Strategie verfolge unter anderem das Ziel, die Förderstrukturen zugunsten außerschulischer Umweltbildungseinrichtungen zu verbessern. Bildung für nachhaltige Entwicklung soll hierbei die klassische Umweltbildung ergänzen und erweitern, mit der Menschen in die Lage versetzt würden, Wissen über Nachhaltigkeit praktisch anzuwenden und Auswirkungen von Entscheidungen auf künftige Generationen sowie auf das Leben vor Ort bzw. global einzuschätzen.

Hartmut Damke (re.) vom Welthaus Minden erklärte den Teilnehmern sein “Weltverteilungsspiel”, das auf die ungerechte Verteilung des Welteinkommens über die Kontinente aufmerksam machen soll

Wie das in der Praxis aussehe, zeigte Umweltbildungskoordinatorin Ulrike Meier-Hohmann anhand des Bildungsmoduls „Moor und Klima“ auf. In dem Angebot für 10- bis 14-jährige Schülerinnen und Schüler werde die klassische Moorexkursion mit Experimenten, Spielen und Interaktionen aus dem Moorkoffer sowie einem Online-Lernmodul kombiniert. Dabei diene das “Hiller Moor” als regionale Verknüpfung und Ausgangspunkt der Thematik menschenverursachter Klimaveränderungen und deren Folgen wie Dürrekatastrophen, Überschwemmungen und Flucht.

Die Kinder durchwandern also online die verschiedenen Klimazonen und vertiefen dort ihr Wissen. Um anschließend die Fragen aus dem digitalen Quiz beantworten zu können, werden sie aufgefordert, selbst zu recherchieren, Experimente durchzuführen und Szenarien zu diskutieren. „Die Online-Module werden nicht nur eingesetzt, um an die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen anzuknüpfen, sondern sind auch ein didaktisches Mittel, um den Umgang mit digitalen Medien zu üben“, so Meier-Hohmann.

Mit dem Bildungskoffer „Mister Müll“ stellte Nicolai Meyer, Ansprechpartner für die Kampagne „Schule der Zukunft“, ein weiteres Beispiel aus der BNE-Praxis vor. Bei diesen Spielen gehe es um die Themen Mülltrennung, Upcycling bis hin zur Herstellung einer Wurmfarm, um aus den Bioabfällen im Klassenzimmer Kompost zu gewinnen. Die vielfältigen Bildungseinheiten des Koffers hätten bereits Lehrkräfte und die Vertreterin einer Kita begeistert.

Beim anschließenden „Weltverteilungsspiel“ stellte Hartmut Damke vom Welthaus Minden die Gäste auf die Probe, als sie sich in Relation zur Weltbevölkerung auf die fünf Kontinente verteilen sollten. Noch spannender wurde es, als er das Welteinkommen als kleine Schokoladenstücke auf die Kontinente verteilte. „Da spürt man die Ungerechtigkeit direkt. Ich fühle mich gedrängt, meinen Kontinent zu verlassen“, meinte eine Teilnehmerin während des Spiels, die stellvertretend für den afrikanischen Kontinent stand.

Bei Getränken und Snacks in der Moorhus-Cafeteria ergaben sich anregende Gespräche zwischen den zahlreichen Anbietern außerschulischer Umweltbildung

“Nun kann ich mir schon ein bisschen mehr unter dieser Bildung für nachhaltige Entwicklung vorstellen”, gestand sich der “alte Torfstecher Karl” nach den Workshops ein.

Das sei jedoch längst nicht alles, erklärte Gieseking. „Sie alle sind mit Ihren Angeboten, Projekten und Ideen Teil einer vielfältigen Bildungslandschaft für Nachhaltigkeit“, betonte sie, womit die zahlreich erschienenen Gäste der Veranstaltung gemeint sind, worunter sich auch Vertreter der Volkshochschule Minden / Bad Oeynhausen, Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Minden, vom Landfrauenverband, Kirchenkreis, von der Biologischen Station Minden-Lübbecke, vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), der Waldstation Krausebuche sowie freiberufliche Umweltbildnerinnen befanden.

Damit sowohl die Anbieter außerschulischer Bildung als auch die Vertreter der Schulen und Kitas miteinander ins Gespräch kommen und ihre Wünsche und Bedürfnisse aufzeigen konnten, gab es im letzten Teil der Veranstaltung – bei Snacks und Getränken in der Moorhus-Cafeteria – noch jede Menge Raum für Austausch und Notizen (zum Beispiel an Stellwänden).

Aufgrund der regen Beteiligung werden wohl weitere Netzwerktreffen folgen.

Wer sich mit eigener Einrichtung oder als Einzelperson am regionalen BNE-Netzwerk beteiligen möchte oder an dem BNE-Angebot im Mühlenkreis allgemein interessiert ist, findet weitere Informationen und Ansprechpartner auf der Website www.moorhus.eu.

Quelle Text und Fotos: Pressemeldung Ramona Gieseking vom NABU-Besucherzentrum Moorhus, Umformulierung: OctoberNews


Diesen Bericht teilen: