Modern wirkende Fenster oft auf Stand der 70er Jahre

Aktion der Verbraucherzentrale NRW in Minden: energetische Fenster-Oldtimer ausmustern - Informationsstand am 3. Juni 2017 vor dem toom-Baumarkt

Fenster mit Kunststoffrahmen sehen auf den ersten Blick neu aus, könnten aber Exemplare aus den 1970er, 80er oder 90er Jahren sein, die längst nicht mehr der heutigen Wärmeschutzverordnung gerecht werden – Symbolfoto: onm

Manche Fenster mit Kunststoffrahmen entspringen aus einer „Zeit, in der noch reichlich VW-Käfer unterwegs waren, Elvis‘ letzte Single im Radio lief und fast alle Telefone Wählscheiben hatten: aus 1977“, wissen die Expertinnen der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW) in Minden und stellen ihre neue Aktion „Wir blicken durch: Fenster richtig planen“ vor.

„Mittelalterliche Bleiglasfenster oder die Originalfenster alter Fachwerkhäuser sind nicht gerade Energiesparmodelle – das wird kaum jemanden überraschen. Doch auch manche Exemplare mit Kunststoffrahmen und Doppelverglasung tragen bereits historische Züge“, wie Energieberaterin Kerstin Pahnke von der Mindener Verbraucherzentrale am 4. Mai 2017 in einer Presseversammlung ausführte. „Unbeschichtete Isolierglasfenster aus den frühen 1990er Jahren sind schon energetische Oldtimer.“

Damals trat die erste Wärmeschutzverordnung in Kraft. Sie schrieb erstmals vor, wie viel Wärme durch neue Fenster entweichen darf. Erst 1995 wurde diese Vorgabe deutlich verschärft – und danach noch mehrfach. „Die heute erlaubten Grenzwerte sind viel niedriger. Der Verlust darf nicht einmal halb so hoch sein wie 1994“, erklärte Pahnke weiter. Im Februar 2002 wurde sie dann von der Energieeinsparverordnung (EnEV) abgelöst, die die Wärmeschutzverordnung (WärmeschutzV) und die Heizungsanlagenverordnung (HeizAnlV) vereint. Technisch möglich wurden die geringeren Verluste unter anderem durch eine Metallbedampfung der Scheiben.

Diese Wärmeschutzverglasung sei jedoch im Neubau längst Standard und könne die aktuellen Grenzwerte sogar noch deutlich unterschreiten. Pahnke zufolge sei nur gut jedes zweite Fenster in Deutschland mit Wärmeschutzglas ausgestattet – daher die Fenster-Aktion, die seit dem 27. März bis zum 19. Mai 2017 läuft. (ON: Zudem sei für 2021 der europäische Neubaustandard „Niedrigstenergiehaus“ anvisiert, siehe Bericht DeutscheHandwerksZeitung).

Wie groß der Unterschied von verloren gegangener Heizungswärme zwischen Alt- und Neubaufenstern ist, zeigt die Tabelle der VZ NRW auf

Wie viel Wärme durch ein Fenster verloren geht, gibt der sogenannte U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) an laut Bericht Verbraucherzentrale NRW. Je größer der U-Wert ist, desto mehr Heizungswärme geht verloren. Die SI-Einheit (SI = Système international d’unités, dt.: Internationales Einheitensystem) des U-Werts ist W/(m²·K) (Watt pro Quadratmeter und Kelvin). Entscheidend ist dabei der Wert des kompletten Fensters. Wie groß der Unterschied zwischen Einscheibenglas und Drei-Scheiben-Wärmeschutzglas ist, zeigt die nebenstehende Tabelle deutlich auf.

Für fast alle, die noch Scheiben aus der Zeit vor 1995 haben, sei daher eine Modernisierung empfehlenswert, so Pahnke. Dies bestätigte ihr der neue Baudezernent Lutz Freiberg des Kreises Minden-Lübbecke. Ihm sei der Klimaschutz sehr wichtig, weshalb er die Fenster-Aktion der Verbraucherzentrale gerne unterstütze. „Neue Fenster oder zumindest neue Gläser sparen nicht nur Heizkosten, sondern machen auch winterliche Aufenthalte in Fensternähe viel angenehmer.“

Zudem sei die Innenfläche bei Wärmeschutzverglasung einfach wärmer, ergänzte Pahnke und verriet einen Trick: „Einfach im Dunkeln ein Feuerzeug vor die Scheibe halten und auf die Spiegelungen der Flamme achten. Bei Wärmeschutzverglasung ist mindestens ein Spiegelbild anders gefärbt als die restlichen.“ Weitere Tests kann man unter www.verbraucherzentrale.nrw/fenster abrufen.

Kerstin Pahnke, Energieberaterin der Verbraucherzentrale in Minden, Michael Wehrmann, Kriminalhauptkommissar der Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke, und Lutz Freiberg, Baudezernent des Kreises Minden-Lübbecke (v. li.), klärten über Energiesparmaßnahmen rund ums Thema Fenster auf – Foto: VZ NRW

Bei einer Modernisierung kann neben dem Wärmeschutz auch der Einbruchschutz des Fensters verbessert werden, betonte Michael Wehrmann, Kriminalhauptkommissar der Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke. Er machte darauf aufmerksam, dass man schon bei Angebotsanfragen an den Einbruchschutz denken sollte: „Nachrüsten ist immer teurer und kommt dann häufig zu spät.“ Nähere Hinweise findet man unter www.k-einbruch.de.

Die Energieberaterin zog Fazit: „Hitze-, Lärm- und Einbruchschutz, Bedienkomfort und Barrierefreiheit sind einige wichtige Punkte.“ Erst die unterschiedlichen Ansprüche in diesen Bereichen machten das passende Fenster zu einer individuellen Angelegenheit. Zudem müssten Rahmen und Glas immer gut auf den Rest des Hauses abgestimmt und fachgerecht eingebaut werden, sonst könnten sie ihre Wirkung nicht richtig entfalten.

Daher laden die Experten dazu ein, am Samstag, 3. Juni 2017, doch einmal den Aktionsstand am toom-Baumarkt in der Hämelstr. 9 in Minden zu besuchen. Zwischen 9 und 14 Uhr können sich Interessierte hier rund um das Thema Fenster-Planung persönlich informieren und beraten lassen.

Weitere Unterstützung bei Überlegungen zur Fenstermodernisierung gibt es bei der Energieberatung der Verbraucherzentrale NRW in der Beratungsstelle Minden (Portastr. 9 – im Schinkelbau). Telefonisch können auch Termine für Beratungen direkt vor Ort gemacht werden unter 0571 / 38 63 79 06 oder 0211 / 33 99 65 55.

Textquelle: Verbraucherzentrale NRW in Minden, Ergänzung: OctoberNews


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