Mit so einem Dreck spiele ich nicht

Was unschuldige Mädchen sich nicht zu Weihnachten wünschen

Ist Beachvolleyball das bessere Weihnachtsgeschenk? Foto: Namira McLeod

Ist ein Vereinsgutschein für Beachvolleyball das bessere Weihnachtsgeschenk? Symbolfoto: onm

Mitten im Kaufhaus-Weihnachtstrubel auf der Suche nach einer netten Aufmerksamkeit fallen plötzlich neben einem die Worte: „Mit so einem Dreck spiele ich nicht!“ Schlagartig dreht man sich um, denn das passt ja so gar nicht zu der Weihnachtsstimmung, in die man sich doch hineinbegeben will.

Da stehen zwei Mädchen, adrett gekleidet, im Alter von ca. 8 Jahren an einem Spielzeugstand und unterhalten sich anscheinend über ihre Lieblingsgeschenkwünsche. Im Augenwinkel erkennt man eine kleine Kugel in der Hand des Mädchens, was den Satz ausgesprochen hatte, die prompt wieder in den Spielzeugstand zurückgeschleudert wurde. Die beiden Mädchen grabbeln noch an weiterem Spielzeug herum und verschwinden.

Was war das denn?! Völlig aufgelöst unterhält man sich mit seinem Gegenüber und versucht, eine Erklärung zu finden. Das kann doch nicht wahr sein! Haben Sie das eben mitgekriegt? Das waren zwei kleine Mädchen, in netten Kleidchen angezogen. Und dann so ein Ausspruch. Das gibt’s doch nicht. Was sind das denn für verwöhnte Gören? Als ich in dem Alter war, hätte ich das niemals gesagt. Das kommt davon, wenn die heute so mit Smartphones und Co. von ihren Eltern verwöhnt werden. Dann zeigt man noch mal, wie groß die beiden waren, gingen einem gerade mal bis zur Hüfte.

Zugegeben, diese wundersame kleine transparente Kugel näher betrachtet, aus Kunststoff mit irgendeiner Figur drin, verspricht nun wirklich nicht, der Hit des Jahres für junge Mädchen werden zu können. Aber der Ton macht die Musik! Irgendeine nichtssagende Spielzeugkugel als „Dreck“ zu bezeichnen, und das aus einem „unschuldigen“ Kindermund, dazu noch von einem Mädchen. Ist das zeitgemäß?

Dieses Wort hätte man eigentlich zum Wort des Jahres wählen sollen: zeitgemäß. Einst von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in die Welt gesetzt, „Privatsphäre sei nicht mehr zeitgemäß“, verbreitet sich dieses Wort wie ein Virus in den Köpfen der Menschen, ob nun dafür oder dagegen gesprochen wird. Dann gibt es noch den Slang der heutigen Jugend, den, wie auch Elterngenerationen davor, kein erwachsener Mensch versteht. Hinzu kommen die Internetaktivitäten von klein an und vor allem das mobile Zeitalter. Scheint eine fatale Mischung zu sein, in der die heutige Jugend aufwächst. Aber ist das der Grund, warum ein ca. 8-jähriges Mädchen sagt „mit so einem Dreck spiele ich nicht“?

Man weiß es nicht. Vielleicht hat sie auch einfach einen schlechten Tag gehabt und ihrem Ärger an dieser Spielkugel Luft gemacht. Was ja dann typisch erwachsen wäre und besser, als den Ärger herunterzuschlucken. Gut, dass die Eltern das nicht mitgekriegt haben. Was auch immer dieses kleine Mädchen in dem Moment empfand, ist heute soundso wieder vergessen bei den massenhaften Eindrücken, die sie in ihrem noch so jungen Leben zu verarbeiten hat.

Vielleicht wäre ein Vereinsgutschein, z. B. für Beachvolleyball, das richtige Geschenk für dieses Mädchen – da kann sie die „Kugel“ dann richtig mit Schmackes wegfeuern und sich gleichzeitig im Sand wühlen. An der Ausdrucksweise wird sie sicherlich später noch feilen, wenn sie plötzlich jemanden rufen hört: „Mit so einem Dreck spiele ich nicht.“ ;o)


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