Mindenerin setzt in Berlin Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung

"Das große Wegwerfen hat ein System" - GreenFairPlanet aus Minden und Misereor sammelten 36.000 Unterschriften und fordern von Politikern verbindliche Zielvorgaben

Bankett Albani
Elisabeth Schmelzer, GreenFairPlanet, übergibt an den Bundestagesabgeordneten Stephan Albani ein Essenspaket mit „geretteten“ Lebensmitteln aus Berlin

Mit einer spektakulären Aktion zum besorgniserregenden Ausmaß von Lebensmittelverschwendung machte die Mindenerin Elisabeth Schmelzer vor dem Bundestag in Berlin am vergangenen Sonntag aufmerksam. Gemeinsam mit Aktivisten des Hilfswerks „Misereor“ aus Aachen forderte sie an einer 12 Meter langen Tafel mit „geretteten“ Lebensmitteln einen Aktionsplan mit verbindlichen Zielvorgaben, um die Lebensmittelverschwendung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu reduzieren.

„Das große Wegwerfen hat System“, erklärt Jutta Sundermann, Sprecherin der Kampagne „Leere Tonne – Wegwerfstopp für Supermärkte“ am Welternährungstag. „Das weltweite Produktionssystem setzt auf Billig- und Überschussproduktion. Der Handel und die halbe Gastronomie wetteifern darum, immer volle Regale und Büffets zu präsentieren und werfen dann viele Millionen Tonnen Nahrungsmittel weg, die nicht verwendet wurden.“ Viele Verbraucher würden so mehr Lebensmittel kaufen, als sie tatsächlich verzehren können.

„Weltweit hungern mehr als 800 Millionen Menschen, und gleichzeitig geht ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel verloren“, ergänzt Sarah Schneider, Referentin für Landwirtschaft und Ernährung bei „Misereor“ und zuständig für die Kampagne „Kein Essen für den Eimer“.

Bankett Tafel
Bei Wind und Wetter sorgten die Aktivisten von GreenFairPlanet und Misereor an einer 12 Meter langen Tafel mit „geretteten“ Lebensmitteln für ordentlich Aufmerksamkeit vor dem Bundestag in Berlin

Es war bitterkalt und regnete unaufhörlich, aber die zahlreich erschienenen Aktivisten von GreenFairPlanet und „Misereor“ hatten gute Laune. Denn das Interesse von Passanten sowie Bundestagsabgeordneten und ihren Mitarbeitern war groß vor dem Bundestagsgebäude, die alle Essenspakete mitbekamen. So gesellten sich unter anderem dazu: Stephan Albani (MdB, CDU, Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Oldenburg / Ammerland), Dr. Gesine Lötzsch (MdB, Die Linken, Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Bundestages), Ulli Nissen (MdB, SPD, unter anderem stellvertr. Mitglied im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft) sowie Dr. Maria Flachsbarth (MdB, CDU, Abgeordnete für den Wahlkreis Hannover-Land II).

„Das hat uns motiviert, weiterzumachen“, so Schmelzer. „GreenFairPlanet bleibt dran, wenn es um die Wertschätzung von Lebensmitteln geht.“

Sämtliche Lebensmittel des üppigen Banketts waren in Berlin vor dem Müll gerettet worden. „Sie sind allerdings nur ein Bruchteil der Waren, die jeden Tag aussortiert werden. Pro Kopf und Tag gerechnet werden in Berlin mehr Lebensmittel verschwendet, als alle Menschen in Köln essen könnten“, kritisiert Sundermann. „Seit Jahren wird über das Problem der Verschwendung geredet – aber es passiert viel zu wenig. Wir brauchen gesetzliche Regelungen, weil Supermärkte zum Beispiel mit Werbekampagnen für Großpackungen und Mengenrabatte die Wegwerfspirale weitertreiben.“

Beide Kampagnen, des Aachener Vereins Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR und Mindener Vereins GreenFairPlanet, „Kein Essen für den Eimer“ und „Leere Tonne“ fordern von der Bundesregierung einen Aktionsplan mit verbindlichen Zielvorgaben, um die Lebensmittelverschwendung entlang der gesamten Produktions-, Handels- und Konsumkette zu reduzieren.

„Lebensmittelverschwendung ist ein Skandal“, so Sarah Schneider weiter. „Ganz besonders dann, wenn Lebensmittel im globalen Süden produziert werden, dort wertvolle und begrenzte Ressourcen wie Land und Wasser verbrauchen und um die halbe Welt transportiert werden, um anschließend bei uns im Müll zu landen. Es ist ein wichtiger Schritt, in Deutschland gegen die Verschwendung von Lebensmitteln vorzugehen.“

Mehr als 36.000 Unterschriften sind insgesamt bislang bei den Kampagnen eingegangen. Während Misereor seine Aktion „Kein Essen für den Eimer“ mit der Übergabe der Unterschriften an die Agrar-Staatssekretärin Dr. Maria Flachsbarth am Sonntag beendete, sammelt das Bündnis „Leere Tonne“ weiter.

Die beteiligten Organisationen Slow Food Youth, foodsharing-Netzwerk, BUNDjugend und Aktion Agrar planen weitere kreative Aktionen in vielen Innenstädten und wollen Gelegenheiten nutzen, miteinander ins Gespräch zu kommen und Politiker zum Gespräch aufzufordern.

Quelle: GreenFairPlanet, Elisabeth Schmelzer, Fotos: Jakob Huber, Stephan Albani, Gesine Lötzsch


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