Mindener Tauziehen 2014 very british

Great Britain Club veranstaltete 6. Tauziehen-Wettbewerb in Minden

6. Mindener Tauziehen Wettbewerb
Nur nicht loslassen und kräftig ziehen, lautete das Motto beim Mindener Tauziehen – Fotos: onm

Wenn Frauen und Männer an einem Strang ziehen, kann das nur eines bedeuten. Sie messen sich im Tauziehen auf die gute alte englische Art: Vereinte Kräfte bündeln, Seil strammhalten, ordentlich ziehen und mit aller Macht dagegenhalten, damit der Gegner keine Chance hat.

Am 23. August 2014 fand der 6. Mindener Tauziehen-Wettbewerb auf dem Hindenburg Sportplatz am Weserstation statt, veranstaltet vom Great Britain Club e.V. aus Minden. Alle Einnahmen aus dem Speis-und-Trank-Verkauf kommen dem Interkulturellen Begegnungszentrum Juxbude e. V. in Minden zugute, ein multikultureller Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche, der dieses Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert.

Elf Männermannschaften und vier Frauenmannschaften zerrten an dem Tau, als wenn es kein Morgen gäbe – bestehend aus jeweils sechs Tauziehern und zwei Ersatzleuten. Dabei galt es, die vorgegebene Markierung auf der gegnerischen Seite des gut 4 cm dicken Seils mit den nackten gewässerten Händen auf die eigene Seite zu ziehen, diese musste also die gelbe Linie auf dem Rasen übertreten. Die blaue Markierung auf beiden Seiten des Seils gibt vor, bis wohin das Seil gegriffen werden darf. Ein Mannschaftsmitglied feuert laut mit “Zieht!” die eigenen Tauzieher an. Die zwei unverkennbaren Schiedsrichter mit ihren hohen Hüten gaben das Kommando: “Pick up the rope!” (Hebt das Seil auf) “Take the strain!” (Spannt das Seil) “Pull!” (Zieht). Die Frauenmannschaft “Maids of Kolben” brachte sogar ihren eigenen Dudelsackspieler und Trommler mit zur Stärkung.

6. Mindener Tauziehen Wettbewerb
Ex-Vize-Weltmeister Andrew Munton hatte sichtlich Spaß an seiner Veranstaltung

Veranstalter und 1. Vorsitzender des Great Britain Club Andrew “Andy” Munton versuchte jedenfalls, den Wettbewerb so authentisch wie möglich auszurichten, denn er weiß, wovon er spricht. Das wurde schließlich schon in seiner Heimat England auf jeder Dorffete gespielt. Da sich das “Tug of War” (Tauziehen) über die Jahre zum ernsthaften weltweiten Sport entwickelte, müssen – wenn auch einfache – Regeln eingehalten werden, welche bei internationalen Wettkämpfen die TWIF (TUG OF WAR Federation) festlegt. Schließlich wurde Andy damals erfolgreich Vize-Weltmeiter (1987) und englischer Meister (1990/91).

Beim diesjährigen Mindener Tauziehen konnte die Männermannschaft “Amingos” und die Frauenmannschaft “No Chance” den jeweils ersten Platz erringen. Sodann folgten “Fünf vor 12”, “Maids of Kolben” und “Windlicht” (Plätze 2 bis 4) bei den Frauen und “Full Pull”, “Siemans 1″, Zech Club”, “Denn man tau”, “Holzhacker”, “MD Einrichtung”, “Rasche”, “Casa + Corte”, “Siemans 2” und “Die Frittes” (Plätze 2 bis 11) bei den Männern. Den stolzen Siegern wurden Pokale überreicht.

Alles Menschen aus der Region Minden bzw. Minden-Lübbecke, worauf Andy besonderen Wert legt. Ob sich Firmenangestellte oder z. B. private Freunde zur Mannschaft zusammenschlossen, war völlig freigestellt. “Die Veranstaltung soll lokal, freiwillig und kostenlos bleiben”, betont Andy, der damals als Stahlbetonbauer in Deutschland arbeitete (u. a. hat er den Toom Markt in Porta Westfalica mit aufgebaut) und sich dazu entschied, in Minden niederzulassen. Robert Lyle Anderson (Schiedsrichter des Great Britain Club) stammt übrigens aus Australien.

6. Mindener Tauziehen Wettbewerb
Die eigene Mannschaft lautstark mit “Zieht!” anzufeuern, ist unerlässlich beim Tauziehen

Auf jeden Fall hieß es beim Mindener Tauziehen in den Vorrunden erst mal “jeder gegen jeden” (also Männer gegen Männer und Frauen gegen Frauen). Sodann gab es ein Viertelfinale, ein Halbfinale und die finale Endrunde. Dabei wurde mächtig Testosteron produziert und bis zum Umfallen am Seil gezogen, während von Zuschauerseite aus laut angefeuert und mitgefiebert wurde: “Zieht mal wie Männer!” “Los Frauen, zieht, zeigt, was Ihr drauf habt!” Bei so vielen Besuchern, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten, war die Stimmung grandios.

Schließlich hatte die Veranstaltung noch mehr zu bieten, z. B. traditionell zubereitete “Fish and Chips”, “Scottish Haggies” und “Steak n Onion” von Glenn MacDonald (Mr Mac’s Fish N Chips), englisches Bier, Ale und Cide, sehr gefragte Lebensmittelprodukte aus England am “Juxbude”-Stand, aber auch deutschen Kaffee und Kuchen vom Jugendhaus Alte Schmiede, alkoholfreie Getränke und Barre Pilsener.

6. Mindener Tauziehen Wettbewerb
Fish and Chips traditionell britisch zubereitet muss man einfach mal probieren

Außerdem stellte sich “The Royal British Legion Minden Branch eV” vor. Der gemeinnützige Verein wurde 1921 von britischen Veteranen gegründet und hat hauptsächlich den Zweck, Familienmitglieder von gefallenen britischen Soldaten bzw. ehemaligen Truppenmitgliedern finanziell größtmöglichst in Notlagen zu unterstützen. Heidi und Michael “Joe” Roberts erklärten, wie das funktioniert: Wenn z. B. die Stromrechnung nicht bezahlt werden kann, gehen sie zu den Leuten nach Hause, schauen sich das Problem genau an und lassen sich Kontoauszüge und dementsprechende Unterlagen zeigen. Nach erfolgreicher Prüfung wird ein Antrag fertig gemacht, der zur Zentrale nach England geschickt wird. Dort wird darüber entschieden, ob man den Hilfebedürftigen finanziell unterstützen wird oder nicht. “Luxusgüter wie z. B. Flachbildschirm-Fernseher unterstützen wir nicht”, betont Heidi – und es gab einige, die das versucht haben.

6. Mindener Tauziehen Wettbewerb
Heidi und “Joe” Roberts (rechts im Bild) haben ein Herz für britische Familien in Minden

Michael Roberts war damals übrigens Autoschlosser bei der britischen Armee und war deshalb mit seiner Frau Heidi, mit der er über 45 Jahre verheiratet ist, in vielen Ländern der Welt stationiert. Den Spitznamen “Joe”, unter den ihn die meisten Leute kennen, hat er von britischen Soldaten erhalten, da er damals “Joe Brown” ähnelte und es einfach zu viele Michael’s gab.

Als Symbol für die Legion steht die Mohnblume (engl. “Poppy”), wie man deutlich am Stand erkennen konnte, wo sie Utensilien wie z. B. Schlüsselanhänger gegen Spenden überreichten. “Das Symbol bezieht sich auf die Toten des Ersten Weltkrieges, die in der Mehrzahl auf den Flandrischen Mohnfeldern gefallen sind. Symbolisch steht jede Mohnblume für einen gefallenen Soldaten. Bis heute ist man bei diesem Wahrzeichen geblieben und führt es im offiziellen Wappen der Legion”, erklärt Vorsitzender Kenneth Adams im Nachhinein. An der Kriegsgräberstätte im Mindener Stadtteil Todtenhausen legen sie jedes Jahr Erinnerungskränze nieder. Wichtig ist, dass der Verein nicht nur finanziell unterstützt, sondern auch sonst eine vertrauensvolle Kontaktstelle für ehemalige britische Truppenangehörige, ihre Witwen und Angehörigen darstellt.

In diesem Sinne: HERZLICHEN DANK für euren schönen Kugelschreiber, liebes Ehepaar Roberts, der hat unserer Redakteurin bereits im Notfall geholfen, als die Bleistiftmine abbrach auf der Veranstaltung! :o)

Die Idee zum Mindener Tauziehen entstand übrigens während der Stadtaufführung “Schlacht bei Minden”, die den gemeinschaftlichen Sieg der Briten, Preußen und Hannoveraner in 1759 über die Franzosen nachstellte, erklärte uns Andy Munton. “Die Briten wollten etwas zurückgeben.” 

Alles in allem war es eine überaus gelungene Veranstaltung mit großartigen Sportlern, sympathischen Menschen und einer tollen bier- und sektnassen Siegesfeier. Wir haben uns sehr wohl gefühlt und hatten viel Spaß am vergangenen Samstag, trotz zwischenzeitlichem “very british” Regenschauer.

Daher senden wir liebe Grüße und sagen HERZLICHEN DANK an Andy Munton und den “Great Britain Club” aus Minden! Nun aber zur Bildergalerie:


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