Mindener Pioniere marschierten zum 60-jährigen Jubiläum auf

Rund 500 Soldaten vom Panzerpionierbataillon 130, britischen Amphibien-Ingenieurstrupp und der Bundeswehr traten zum Jubiläumsappell vor Preußen-Museum Minden an

Mit Fackeln zum Jubiläumsappell: Die Mindener Pioniere eröffneten auf dem Simeonsplatz vor öffentlichem Publikum das Festprogramm zu ihrem 60-jährigen Jubiläum am Standort Minden – Fotos: onm

Eine beeindruckende Veranstaltung bot das Panzerpionierbataillon 130 vergangenen Sonntag auf dem Simeonsplatz. Zum 60-jährigen Jubiläum der Mindener Pioniere des Heeres und der Bundeswehr am Standort Minden marschierten rund 500 Soldaten, gemeinsam mit ihren britischen Kameraden vom 23rd Amphibious Engineer Troop, dem Heeresmusikkorps Kassel und dem Mindener Bürgerbataillon, vor dem Preußen-Museum auf – voller Stolz vor den Augen der bürgerlichen Zuschauer und geladenen Ehrengäste.

Fast auf die Stunde genau vor 60 Jahren, so Pressestabsoffizier und Major André Burdich, am 3. Februar 1959, richtete das Pionierbataillon 1 aus Dedelsdorf seinen ersten Appell an die Stadt Minden. Sie wurden in die Herzog-von-Braunschweig-Kaserne im Mindener Ortsteil Rodenbeck verlegt. “Und es soll genauso kalt gewesen sein”, scherzte Oberstleutnant Helge Lammerschmidt in seiner Begrüßungsansprache.

Seitdem habe die Bundeswehr, die Mindener Pioniere und die Stadt Minden eine gemeinsame, 60-jährige Geschichte aufzuweisen. Die Garnisonsstadt Minden biete den Soldatinnen und Soldaten ein Zuhause, eine Heimat und Rückhalt. “Die Einbindung in Gesellschaft, Verwaltung und Öffentlichkeit ist ein klares Spiegelbild dafür, wie tief unsere Soldatinnen und Soldaten sowie unsere zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Region und in das Umfeld integriert sind”, erklärte Lammerschmidt. Und “seit 2014 sind wir in Minden erneut nicht mehr alleine und stolz darauf, unsere britischen Kameraden des 23rd Amphibious Engineer Troop mittelfristig in einen binationalen Verband integrieren zu dürfen”. Die britischen Streitkräfte vom 75 Engineer Regiment aus England (dazu gehört unter anderem auch der 412 Amphibious Engineer Troop) wurden am 14. Oktober 2014 am Standort Minden aufgenommen, nachdem der Standort Hameln aufgelöst wurde, und ergänzen die Arbeit des Panzerbataillons 130.

Mit schwerem Geschütz marschierten die Mindener Pioniere zum Jubiläumsappell

Lammerschmidt hob hervor, dass der Bundeswehrstandort Minden mit Lage an der Weser insgesamt über eine “einzigartige Ausstattung” verfüge und das Beste ist, was in Deutschland und nicht sogar Europa vorhanden” sei. Zudem sei er stolz auf jeden einzelnen seiner Soldatinnen und Soldaten, die sich zur freiheitlich demokratischen Grundordnung (Grundgesetz) bekannt hätten, die in 2019 ihr 70-jähriges Bestehen feiere.

Einen wesentlichen Beitrag zum “Brückenschlagen” habe seit Einzug der deutschen Truppen in 1959 auch das Mindener Bürgerbataillon geleistet, eine Vereinigung von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Minden, die laut ihrer Vereinssatzung dem Zweck des “Erhalts, der Pflege und Förderung alten Mindener Brauchtums, der Pflege der sozialen Bindungen innerhalb der Bürgerschaft der Stadt Minden sowie der Pflege des Kulturgutes der Stadt Minden” diene. “Über viele Jahrzehnte entwickelten sich zwischen den Einheiten der Mindener Pioniere und den Kompanien des Bürgerbataillons vielfache Kontakte”, so Stadtmajor Heinz Joachim Pecher in seiner Rede. Und noch heute würden Kameradschaftsabende und Weiterbildungsveranstaltungen regelmäßig durchgeführt. “Vergleichsschießen und regelmäßige Teilnahme an den monatlichen Appellen sowie andere Aktivitäten ergänzen bis heute das Bild gemeinsamer Unternehmungen.”

Stadtmajor Heinz Joachim Pecher überreichte Oberstleutnant Helge Lammerschmidt als Dank für die 60-jährige Zusammenarbeit feierlich ein historisches Bild vom ersten Mindener Freischießen auf dem Rathausvorplatz

Am 22. Oktober 1993 wurde offiziell zwischen der Stadt Minden und dem Panzerpionierbataillon 130 eine Patenschaft geschlossen, die den Bürgerinnen und Bürgern insbesondere beim ‘Mindener Freischießen’ deutlich werde, so Pecher – ein wiederkehrendes Fest, das im Sommer 2019 wegen der Bauarbeiten in der Innenstadt wohl auf dem Simeonsplatz am Preußen-Museum stattfinden wird.

Zurückzuführen sei das ‘Mindener Freischießen’ laut Überlieferungen auf Schießübungen, die Anfang des 17. Jahrhunderts den Bürgern zur Pflicht gemacht wurden. Sodann beschloss der Rat, diese Schießübungen im Rahmen eines großen Festes einzubinden, und zwar möglichst im Sommer vor der Ernte. Der beste Schütze wurde für ein Jahr von der Steuer befreit. Daher wohl der Name „Freischießen“ (siehe auch Wikipedia). “Die ganze Bürgerschaft zog schließlich am 28. Juli 1682 auf die Simeonsmarsch hinaus und schoss”, heiße es in einer Chronik laut Geschichtsausführungen des Mindener Bürgerbataillons zum 325-jährigen Jubiläum.

Und genau dieses Bild, was man auf der Webseite des Mindener Bürgerbataillons findet, wurde nach dem Aufmarsch der Truppen beim anschließenden Empfang im Ständersaal des Preußen-Museums von Stadtmajor Pecher an Oberstleutnant Lammerschmidt feierlich überreicht.

Chronologie des Bundeswehrstandortes Minden von 1959 bis 2015, die in einer 30-seitigen Broschüre zum Jubiläumsjahr 2019 erschienen ist, herausgegeben vom Panzerpionierbataillon 130

Auch Bürgermeister Michael Jäcke richtete – nach einem Begrüßungsrundgang entlang der in Reih und Glied stehenden Mindener Pioniere auf dem Simeonsplatz – Grußworte an die zahlreichen Ehrengäste, darunter Landtagsmitglieder, ehemalige Kommandeure, der Polizeipräsident und Familienangehörige der Streitkräfte, gratulierte den Mindener Pionieren zum 60-jährigen Jubiläum und dankte den Soldatinnen und Soldaten für ihren weltweiten Einsatz für Frieden, Sicherheit und Freiheit. “Minden war und ist eine Stadt mit Geschichte, auch mit Militärgeschichte, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht”, betonte Jäcke und fuhr fort: “Dabei war die Verteidigung Mindens einst Sache der Einwohner. Die Wehrpflichtigen des Mittelalters waren die Bürger.” Alle zwei Jahre erinnere das ‘Mindener Freischießen’ daran sowie die Patenschaft zwischen der Bundeswehr und der Stadt Minden.

“Die Bundeswehr ist aber auch ein Wirtschaftsfaktor für die Stadt Minden”, erklärte Jäcke weiter. Sie wolle jetzt rund 20 Millionen Euro in Minden investieren. Im Gegenzug biete Minden ein breites Sport- und Kulturangebot für die Soldatinnen und Soldaten und ein “Einkaufszentrum, das demnächst fertig wird” (wobei er selbst ein Lächeln an dieser Stelle einwarf). “Die Bundeswehr ist ein Teil der Gesellschaft, wenn der Sohn oder die Tochter sich verpflichten.”

Vor der Tribüne mit zahlreich erschienenen Ehrengästen richtete auch Bürgermeister Michael Jäcke Grußworte an die Soldatinnen und Soldaten

Im gleichen Zuge erinnerte Mindens Bürgermeister an die Aktion “Gelbes Band” 2011 und 2012, die eindrucksvoll gezeigt habe, “dass sich die Mindener Bürgerinnen und Bürger eng mit den Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz verbunden fühlten. Wir haben dazu als Stadt im März 2012 die ‘Rückkehrer’ aus dem Kosovo und Afghanistan zu einem Empfang ins Rathaus eingeladen, um sie zu würdigen und Respekt zu erweisen.” Jäcke wünschte schließlich “allen Kameradinnen und Kameraden, dass sie wohlbehalten nach Minden zurückkehren”.

Der Einmarsch aller Truppenteile fand – vom Spiel des Heeresmusikkorps Kassel und den Klängen des Mindener Bürgerbataillons abgesehen – im fast lautlosen Rahmen statt und dauerte rund eine Stunde. Geplant und organisiert wurde die Jubiläumsfeier von den Mindener Pionieren seit Oktober letzten Jahres.

Doch nun zu unserer Bildergalerie:

Das Panzerpionierbataillon 130 konnten wir übrigens schon zum Tag der offenen Tür 2018 der Bundeswehr in der Herzog-von-Braunschweig-Kaserne in Minden-Rodenbeck live und in Action erleben – siehe unsere Fotostrecke auf Facbook und unser Video von der Geräteschau auf YouTube vom 7. Juli 2018.

Apropos Video. Zuguterletzt folgt unser aktuelles Video vom Jubiläumstag:

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