Mindener Nordfriedhof auch Begegnungsstätte

Friedhofsmeister Pamin führt Bürger der Stadt Minden über den Nordfriedhof, erläutert vielfältige Bestattungsmöglichkeiten und macht als Ort der Entspannung aufmerksam

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Friedhofsmeister Alwin Pamin erläutert bei einer Führung über den Mindener Nordfriedhof verschiedene Bestattungsmöglichkeiten – Foto: Pressestelle Minden

Eine Runde Laufen, sich mit der Nachbarin auf einen Spaziergang treffen oder mit dem Hund Gassi gehen – das hört sich alles nach einem entspannten Tag im Park an. Doch hier geht es um den historischen Nordfriedhof der ostwestfälischen Stadt Minden. Ein Friedhofsmeister erläuterte Besuchern die vielfältigen Bestattungsmöglichkeiten und macht darauf aufmerksam, dass dieser Ort auch der Entspannung dienen kann.

18 Hektar Fläche laden jederzeit zu einer Entdeckungstour durch die denkmalgeschützte Friedhofsanlage ein. Als Vorbild für die 1903 erschlossene Anlage dienten die im 18. Jahrhundert entwickelten englischen Landschaftsgärten. Sie zeichneten sich dadurch aus, dass keine strengen geometrischen Muster und Linien der Gestaltung zugrunde lagen. So bietet Alwin Pamin, Friedhofsmeister für die städtischen Friedhöfe in Minden, auch Führungen auf dem Mindener Nordfriedhof an.

Während der rund zwei Stunden vermittelt Pamin viele hilfreiche, spannende, interessante wie auch skurrile Fakten rund um das Thema Vielfalt in der Bestattung – die pflegefreie Grabstätte für die Urnen- oder Erdbestattung. Zum Einstieg: In Minden gibt es zwei städtische Hauptfriedhöfe (Nord- und Südfriedhof) sowie zwölf weitere Anlagen. 22 Mitarbeiter kümmern sich ganzjährig um die Pflege und Instandhaltung. Circa 60 Prozent der Mindener entscheiden sich für eine Urnenbestattung.

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Pamin beantwortet alle Fragen der Teilnehmer rund um das Thema Beerdigung – Foto: Pressestelle Minden

„In den vergangenen Jahren hat sich jedoch ein regelrechter Leichentourismus über die Grenzen hinweg entwickelt“, erklärt Pamin. „Die Einäscherung ist in Polen, Tschechien oder den Niederlanden preiswerter.“ Die Urne könne anschließend mit nach Deutschland genommen und auf einem Friedhof der Wahl beerdigt werden. Dabei seien die Richtlinien jedes Bundeslandes zu beachten. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise ist 2014 das Bestattungsgesetz geändert worden. Soziale Veränderungen in der Gesellschaft sowie der Wegfall des Sterbegeldes machten die Anpassung notwendig, so Pamin.

In Minden sei es möglich, eigene Wünsche und Vorstellungen für das Begräbnis umzusetzen. „Die Urnenreihengräber inklusive Pflege werden am häufigsten nachgefragt“, verdeutlichte Pamin. Diese könnten auch schon vorab gekauft oder reserviert werden. Eine individuelle Gestaltung mit kleineren Grabmalen oder Kissensteinen sei ebenfalls möglich.

Dabei gehe der Trend weg von Familiengräbern und hin zu neuen Bestattungsformen. Beim halbanonymen Grab zum Beispiel könnten die Angehörigen bei der Beisetzung mit anwesend sein. Auf einer kleinen Tafel würde der Name des Verstorbenen vermerkt. „Für die Trauerarbeit ist es unerlässlich, einen Platz zu haben, an dem auch getrauert werden kann. Viele stellen Grabkerzen auf oder bringen frische Blumen mit. Das ist wichtig, um den Verlust zu verarbeiten“, betonte Pamin.

Auf Nachfrage einiger Interessierter stellte Pamin während der Führung unterschiedliche Erdbestattungen vor: Beispielsweise würden Urnenreihengräber angeboten, die die Städtischen Betriebe Minden (SBM) pflegt. Eine individuelle Gestaltung ist möglich, sollte sich aber dem Gesamtbild anpassen. Urnen können auch in Rasenreihengräbern beigesetzt werden. Außerdem bietet der Nordfriedhof anonyme, halbanonyme Urnengräber und den Urnenhain an.

Wer sich für ein Kolumbarium (Grabkammern bzw. Urnenwand mit reihenweise angebrachten Nischen zur Aufnahme von Urnen) entscheide, könne auf dem Südfriedhof in Minden-Rodenbeck zwischen Einzel- und Doppelplätzen wählen.

Gräber im Bestattungsgarten beispielsweise würden für 20 Jahre von den SBM gepflegt. Die Kosten dafür seien für den gesamten Zeitraum in einer einmaligen Gebühr enthalten. Ebenfalls angeboten würden Partnergräber sowie Rasenreihengräber mit und ohne Pflanzstreifen. Können sich Angehörige nicht weiter um die Pflege kümmern, sorgen die SBM für ein gepflegtes Grab.

Zum Abschluss der Führung überraschte Alwin Pamin die Teilnehmer noch mit etwas Geschichte: Es sei Napoleon Bonaparte zu verdanken, dass Europa überhaupt namentlich kenntlich gemachte Gräber besitze. “In früheren Zeiten war ein Grabstein nur der oberen Gesellschaftsschicht vorbehalten. Und heutzutage ist es sogar so, dass Grabsteine keine Pflicht mehr sind.”

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Zum Leben gehört auch der Tod, wussten schon unserer Urahnen, die ihre Familiengräber mit Steinskulpturen wie hier auf dem Melaten-Friedhof in Köln schmückten – Foto: onm

Wir ergänzen die Pressemeldung der Stadt Minden durch ein paar

Hilfreiche Links und Informationen

Die Anschrift der Friedhofsverwaltung lautet:
Städtische Betriebe Minden
Grünflächen- und Bestattungswesen
Große Heide 50, 32425 Minden

Friedhofsmeister Alwin Pamin erreicht man unter der Telefonnummer 0571 / 89 935.

Was kostet eine Beerdigung?

Diese Frage dürfte jeden interessieren, der eine/n Angehörige/n bestatten muss. Leider werden die Kosten allzu gern verschwiegen. Transparenz findet man hier weder bei den Berichterstattungen noch bei den Bestattungsunternehmen im Internet. Schließlich kann eine Beerdigung in die Tausende von Euros gehen und hat schon manche Angehörige in den Schulden getrieben.

Die aktuellen Friedhofsgebühren der Stadt Minden findet man auf der Webseite der Stadt.

Hinzu kommen die Kosten eines Bestattungsunternehmens sowie eventuelle Fremdleistungen. Hier empfehlen wir die Webseite Bestattungen.de, die unter Wissenswertes / Beispielbestattungen tabellarische Aufstellungen der einzelnen Kostenpunkte liefert, zum Beispiel für eine Erdbestattung.

Welche Bestattungen in Deutschland erlaubt sind, führt das Internetportal Anwalt.de in einem aktuellen Bericht aus.

Termine nächste Führungen 2015

Nordfriedhof: 26. August und 21. Oktober 2015 jeweils ab 17 Uhr
(Treffpunkt Marienstr. 136, 32425 Minden (Google Maps) – Eingang zur Kapelle, Start am Infopavillon)

Am 13. September 2015 ist “Tag des Denkmals

Friedhof Minderheide: 9. September 2015


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