Mindener Kaninchen- und Geflügelschau 2017 im London-Look

Rassegeflügel- und Kaninchenzüchter aus Minden-Lübbecke stellten 192 Tiere in der Kuhlenkamp-Schule in Minderheide zur Schau und ein besonderes Highlight

Das war zwar nicht das Highlight der Rassegeflügel- und Kaninchen-Ausstellung 2017 in Minden, aber das farblich wohl außergewöhnlichste Zuchtkaninchen: der Farbenzwerg japanerfarbig mit Zufalls-Streifen von Wolfgang Schmidt, Vorsitzender des Kreisverbands Minden-Lübbecke-Herford – Fotos: onm

„Brexit? Nicht mit uns. Wenn wir nicht zum Berg können, kommt der Berg eben zu uns.“ So oder so ähnlich haben wohl die Tierzüchter aus dem Kreis Minden-Lübbecke gedacht, als sie die täuschend echt wirkende Londoner Tower Bridge nach Minden holten zur 74. Rassegeflügel- und Kaninchenschau in der Förderschule Kuhlenkamp. Rund 100 Gäste schlossen sich dem an.

Anja Horstmann, 1. Vorsitzende des KTZV Kuhlenkamp, begrüßte herzlich alle Gäste und kuschelte mit ihrer eigens gezüchteten Kaninchenrasse

Zum 74. Mal trafen sich Kleintierzüchter aus dem Mühlenkreis am vergangenen Wochenende in der Kuhlenkamp-Schule im Mindener Stadtteil Minderheide, um ihre bekannten und neuesten Kreationen zu präsentieren. Vorsitzende Anja Horstmann vom Kleintierzuchtverein (KTZV) Kuhlenkamp 1943 e.V. (bzw. W 800 Kuhlenkamp), lud wieder zum gemeinsamen Austausch ein.

Wobei 192 Tiere, davon 94 Kaninchen, zwei Gänse, acht Enten, 63 Hühner und 25 Tauben, sich vorher dem Urteil der Preisrichter stellten und gute Ergebnisse erzielten. Anschließend konnten die in der Turnhalle ausgestellten Tiere von allen Vereinsmitgliedern und Besuchern bewundert werden. Erneut aktiv dabei waren der Rassekaninchenzuchtverein (RKZV) W 92 Hahlen-Holzhausen II und die Vereinsmitglieder des W 90 Hille-Oberlübbe.

Die KTZV-Vorsitzende Horstmann selbst stellte vier Zwergrexe Dalmatiner Schwarz-Weiß aus und erklärte: „Es war gar nicht so leicht, dieses Jahr so viele Zuchttiere zusammenzubekommen.“ Schließlich machte die Geflügelpest Anfang des Jahres den Züchtern einen Strich durch die Rechnung (siehe auch unser Bericht). „Aufgrund der Aufstallpflicht gab es Zuchtprobleme, beispielsweise wurden Eier nicht befruchtet.“ Zudem bekam sie Rückendeckung vom Verein (weil sie sich aufgrund privater Probleme eine Zeit lang zurückziehen musste), wofür sie sich herzlichst bei allen Ausstellungshelfern bedankte.

192 Tiere und die großartige Nachbildung der berühmtesten Londoner Brücke, der Tower Bridge, füllten die Turnhalle in Minderheide

Ihr Vater Herbert Horstmann erklärte indessen stolz: „Und dieses Mal können wir drei neue Jugendzüchter begrüßen.“ Der ehemalige Vorsitzende des KTZV Kuhlenkamp setzte sich zwar nach über 60 Jahren Vereinsarbeit zur Ruhe (siehe auch unsere Berichte von 2015 und 2016), wirkt aber hier und da noch bei den anderen Vereinen mit, insbesondere wenn es um die Nachwuchsförderung geht, die aufgrund sinkender Mitgliedszahlen dringend benötigt wird.

Deutsche Kleinwidder-Familien (Hängeohr-Kaninchen) konnten sich in aus Holz handgefertigten, großen Käfigen tummeln

Außerdem gab seine Tochter während der Empfangsrede bekannt, dass seine Neuzüchtung in 2017 anerkannt wurde, nämlich ein Rassekaninchen, das der Größe zwischen einem Zwergkaninchen und einem normal großen Kaninchen entspricht. Dafür musste er seine Tiere unter anderem auf großen Schauen ausgestellt haben, bis das Komitee vom Landesverband Westfälischer Rassekaninchenzüchter die neue Züchtung anerkannte. Als Nächstes wird er mit seinen Tieren am 4. November in Friedewalde vertreten sein (ab ca. 14 Uhr beginnt dort die Preisverleihung).

Davon abgesehen brachte der Horstmann-Clan zwei große handgezimmerte Holz-Volieren (Kleintierkäfige) aus der „guten alten Zeit“ mit, wo sich zwei Familien, insbesondere die Kaninchenkinder, sehr zur Freude der kleinen Besucher so richtig austoben konnten.

Das absolute Highlight der Ausstellung ist jedoch KTZV-Kuhlenkamp-Mitglied Peter Wegener zu verdanken. Der Hobby-Handwerker baute nach Vorlage eines Fotos, das die Vorsitzende Horstmann aus London mitbrachte, die Tower Bridge in Pappmaché nach – detailverliebt und farbig gestaltet mit einer Breite von circa acht Metern und Höhe von rund vier Metern. Logisch, dass hier das Gruppenbild des Tages entstand:

22 Kleintierzüchter, darunter acht Jungzüchter, sowie weitere Vereinsmitglieder und Gäste folgten auch 2017 der Einladung des KTZV Kuhlenkamp 1943 e.V. unter Vorsitz von Anja Horstmann (re.), die dieses Mal unter Wirkung von Peter Wegener London nach Minden holte

Entstanden sei die Idee aus der Liebe zu Wegeners Tieren heraus. Schließlich züchtet er seit über zehn Jahren moderne englische Zwergkämpfer (siehe unser Bericht), mit denen er schon so manche Preise abräumte. Wegener selbst war nicht zu sehen, aber sein Enkel Till Waltemathe aus der Jugendgruppe. Er erhielt unter anderem für seine eigenen Hahnenkämpfer den Ehrenpreis 2017 der LV Westfalen-Lippe Jugend überreicht.

Harald Steinmetz (li.), 2. Stellvertretender Bürgermeister von Minden, überreichte nicht nur Preise an den Nachwuchs, sondern machte auch darauf aufmerksam, dass dringend Räume für die Minderheider Heimatstube gesucht werden

Und damit stand er nicht alleine da. Jede Menge Pokale, Medaillen wie auch echte Schiefertafeln und Ehrenpreise aus Porzellan wurden auch in diesem Jahr an herausragende Züchterinnen und Züchter verteilt. Mit Kaffee und Kuchen wurde auch nicht gespart. Und bei der Tombola gab’s wieder kleine Preise zu gewinnen.

Allerdings machten die Vereinsvorsitzenden sowie der 2. Stellvertretende Bürgermeister der Stadt Minden, Harald Steinmetz (Mindener Initiative), auch auf Missstände aufmerksam. So sucht die „Heimatstube“ dringend neue Räumlichkeiten (ca. 25 bis 30 Quadratmeter), weil die Kulturgemeinschaft Minderheide aus ihren Räumen raus muss und schon auf einer Baustelle lebt. Unter anderem stellt die Heimatstube seit 1959 Exponate aus der Minderheider Landwirtschaft aus. Diese möchte sie auch für die Nachwelt erhalten, so Steinmetz.

Kreisverbandsvorsteher Wolfgang Blase machte auf massive Nachwuchsprobleme bei Rettungskräften aufmerksam und sucht ebenfalls Räume für seinen Verein

Des Weiteren meldete sich Wolfgang Blase aus Bad Oeynhausen, Kreisverbandsvorsteher der Rassegeflügelzüchter Minden/Westf., mit einer erschreckenden Meldung zu Wort: In Minden gebe es massive Nachwuchsprobleme bei der (Freiwilligen) Feuerwehr. „Wer wird die Feuer künftig löschen, wenn es brennt?“, betonte Blase. Aber auch beim Roten Kreuz und den Johannitern fehle die Jugend.

Außerdem suche auch sein Verein im Altkreis Minden (also Bad Oeynhausen, Minden, Petershagen, Porta Westfalica oder Hille) dringend neue Räumlichkeiten, allerdings in der Größe einer Sporthalle. Rita Czech, Schriftführerin des Vereins, war ebenfalls anwesend.

Wie alle Redner lobte zuguterletzt auch Steinmetz die Ausstellung, bedankte sich bei Peter Landwehr und Anja Horstmann für die Einladung zur Eröffnungsfeier der diesjährigen Rassegeflügel- und Kaninchenschau des KTZV Kuhlenkamp. Schließlich sei dies „der einzige Verein in unserem Umfeld, der noch beide Tierarten präsentiert und auf internen Vereinsmeisterschaften Preise und Ehrungen vergibt“. So eine Ausstellung mit ihren sehenswerten Tieren habe immer einen besonderen Reiz.

Seines Wissens nach hätten viele Studien ergeben, dass es „das menschliche Wohlbefinden steigert, wenn wir Tiere um uns haben. Sie vermitteln Freude und Gelassenheit, helfen Stress abzubauen und tragen so auch zur Gesunderhaltung des Menschen bei.“

ON: Das unterzeichnen wir blind. Denn wer kann diesen Augen schon widerstehen?

Das wohl kuschelweichste Kaninchen dieser Ausstellung :o)

Nun aber zu unserer vollständigen Bilderstrecke vom 28. Oktober:

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Wenn Sie mit der Mouse, dem Finger oder Stift über die Slideshow fahren, können Sie die Bilder vergrößern („Fullscreen“). Sollten Sie die Slideshow nicht sehen können, haben Sie die Möglichkeit, sich diese direkt in unserer Flickr-Galerie anzuschauen.


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