Mindener Fachausschuss bringt Licht ins Dunkel der Kita Rodenbeck

Jugendhilfeausschuss der Stadt Minden tagte im "Haus der Begegnung" und führte durch Neubau – weder Kosten noch Einweihung bekannt gegeben

Peter Kienzle, Erster Beigeordneter der Stadt Minden, Elke Kehrer, Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, und Jugendamtsleiter Rainer Mohnfeld führten neben weiteren Vortragenden durch die Sitzung des öffentlichen Jugendhilfeausschusses im Tagungsraum der neuen Kita Rodenbeck – Fotos: onm

Leiter Wolfgang Vehlewald und rund 25 weitere städtische Bedienstete brachten beim öffentlichen Jugendhilfeausschuss am vergangenen Mittwoch etwas Licht ins Dunkel der neu errichteten Kita Rodenbeck mit “Haus der Begegnung” in Minden. Fragen zu den Kosten wurden jedoch nicht beantwortet.

Es klang fast wie Hohn, als Kita-Leiter Vehlewald – nach unserem Bericht vom 7. Januar, mit dem wir auf den “wie aus den Boden gestampften” gelben Neubau am Zehlendorfer Weg aufmerksam machten und auf unsere E-Mail-Anfrage keine Antwort von ihm erhielten – wie selbstverständlich durch die nagelneu eingerichteten Räume führte und sinngemäß meinte: “Natürlich hat jemand das gebaut.” Auch Rodenbecks Ortsvorsteher Bernd Müller konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, der “selbstverständlich” unseren Bericht las, wie er zugab.

Denn der gesamte Jugendhilfeausschuss der Stadt Minden, das Jugendamt unter Leitung von Rainer Mohnfeld, der Erste Beigeordnete Peter Kienzle (unter anderem zuständig für Soziales und Jugend), Quartiersmanager Christian Niehage (der beim Spaziergang durch Bärenkämpen den Neubau erwähnte) und viele weitere Beteiligte, die am 21. Februar in den Räumlichkeiten der neuen Kita Rodenbeck mit “Haus der Begegnung” tagten, wussten zumindest über die Existenz des Neubaus Bescheid. Jugendhilfeausschuss-Vorsitzende Elke Kehrer begrüßte die anwesenden Gäste.

Warum der auffällige Neubau bisher von der Stadt Minden weder öffentlich kommuniziert noch Erbauer oder Kosten bekannt gegeben wurden, bleibt jedoch weiterhin ein Rätsel. Zwar waren Presseanfragen während der öffentlichen Jugendhilfeausschuss-Tagung – auf die nicht etwa die Stadt Minden, sondern Burkhard Brauns, Stellvertretender Sprecher der AfD Minden-Lübbecke, aufmerksam machte, der an der Sitzung als Zuschauer teilnahm – und das Fotografieren (auch der Innenräume) verboten laut Stadt-Reglement, wie Kienzle erklärte (unsere Fotos entstanden vor Beginn der Sitzung).

Burkhard Brauns (2. v. li., AfD Minden-Lübbecke) machte auf die Tagung des Jugendhilfeausschusses aufmerksam, nahm aber nur als Zuhörer teil. Nilufar Omari und Assia Ziane wurden von Kindertagespflege-Leiterin Larissa Lorenz und Jugendamtsleiter Rainer Mohnfeld gelobt für ihre tatkräftige Unterstützung (Dolmetschen und Tagespflege). Rodenbecks Ortsvorstehr Bernd Müller (li.) und Hans-Joachim Dubbel (re.), Vertreter der Polizei, hörten bei der Tagung aufmerksam zu.

Dennoch konnten wir wenigstens die Hauptfrage klären, nämlich die nach dem Erbauer. Während der Besichtigung Kita-Leiter Vehlewald darauf angesprochen, antwortete dieser, dass ein “Herr Köster” Eigentümer wäre, der “mehrere Immobilienobjekte in Minden” besäße (wobei hier vermutlich die Köster-Gruppe aus Osnabrück gemeint ist, eine der größten Bauunternehmen in Deutschland).

Soweit, so gut erklärte Vehlewald während der Sitzung, dass “man” bereits 2013 beschlossen habe, im Stadtbezirk Rodenbeck einen derartigen Neubau für Kindergartenplätze zu schaffen. Doch der Bau habe sich verzögert, kam nicht zügig voran, so Vehlewald. Wann mit dem Bau begonnen und wann das Gebäude fertiggestellt wurde, konnte man den Ausführungen des Jugendausschusses nicht entnehmen, nur, dass es “eigentlich 2015” schon stehen sollte und man im August 2017 den “Betrieb wiederaufnehmen” konnte.

Hinter den Zeilen gelesen müsste es also die Stadt Minden gewesen sein, die den Neubau in Auftrag gegeben hat, und nicht etwa irgendein “privater Investor, der für Kapazitäten am Zehlendorfer Weg sorgen” möchte (siehe unser vorangegangene Bericht), dessen Namen man nicht preisgeben wollte – was sich so liest, als hätte ein “unbekannter Spender ein Herz für Kinder”. Und eine bundesweit bekannte Baufirma hat den Auftrag anscheinend ausgeführt. Ein Investor hat schließlich nur eines im Sinn: möglichst viel Kapital aus der Anlage herausschlagen.

Dass hier wohl ein “wunder Punkt” getroffen wurde, zeigte sich im Verhalten des Ersten Beigeordneten Kienzle, der auf unsere Frage nach den Baukosten im angehobenen Ton antwortete, dass diese Kosten doch keine Rolle spielen würden, die Stadt Minden “miete die Räume nur an”. Die Frage auf Mietkosten spezifiziert, dürfe diese nur von zugelassenen Mitgliedern, die sich in der Sitzung versammelten, gestellt werden, so Kienzle. Auch die Frage nach den Personalkosten steht noch offen.

Zudem wäre im letzten Jahr beschlossen worden, die Nutzung des Gebäudes zu erweitern, erklärte Vehlewald. Insgesamt seien nun folgende öffentlichen Einrichtungen in dem gelben Blockbau geplant bzw. schon mit Stellen besetzt:

  • In der Kita Rodenbeck mit Spielplatzgelände würden sechs Angestellte arbeiten und 45 Plätze (für 20 Kinder im Alter von bis zu 3 Jahren und maximal 25 Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren) zur Verfügung stehen, von denen 38 Kinder mit Migrationshintergrund und zwei Kinder deutscher Herkunft bereits ihren Platz gefunden hätten.
  • Seit August 2017 unterstützt Quartiersmanager Niehage in Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen, Wohnungsbaugesellschaften und dem Quartiersbeirat mit 13 Akteuren (Altersstruktur 16 bis 61) die Rodenbecker Anwohner bei der Vernetzung, Förderung von Ehrenämtern und Projektideen sowie Verbesserung der materiellen Situation. Als Vorschlag nannte er Workshops und die Gestaltung von Stromkästen mit Graffitis für ein besseres Wohnumfeld. Mit Rodenbecks Quartiersmanager Guido Niemeyer (siehe unser Bericht mit Link zum Interview) könne man so an zwei Standorten in einem Bezirk agieren.
  • Die Kindertagespflege “Regenbogen” unter städtischer Leitung von Larissa Lorenz hat ebenfalls Räume zur Verfügung, von denen sie aus agieren kann mit zahlreichen Kräften (bis auf drei seien alle selbstständig tätig). Die Mitarbeiterinnen arbeiten eng mit dem Kinderschutzbund und den insgesamt sechs Großtagespflegestellen in Minden zusammen. Allerdings gestalte sich die andauernde Zunahme von Tagespflegekindern (Ende 2017: 265) schwierig, Lorenz wünscht sich hier mehr Unterstützung, weil “ausschließlich Flüchtlingskinder gefördert” würden.
  • Außerdem betonte Lorenz die Schlüsselstellung der beiden Frauen Nilufar Omari (38) und Assia Ziane (45), die seit rund zwei Jahren tatkräftig unterstützen, indem sie beispielsweise Eltern von Flüchtlingskindern bei Arztbesuchen begleiten und bei der Übersetzung helfen. Omari spricht die Sprachen Persisch und Urdu und hat Zertifikate zur Tagespflegeperson und Integrationsassistentin erworben, Ziane als qualifizierte Kindertagespflegeperson kann Arabisch und Französisch sprechen und besitzt elfjährige Erfahrung als Taubstummenlehrerin.
  • Für das Jugendamt Minden, das ebenfalls Räume anmietet, war Leiter Rainer Mohnfeld anwesend, der sich insbesondere bei Omari und Ziane bedankte: “Danke, dass Sie das für den Stadtteil tun, mit Ihren zahlreichen Sprachen unterstützen. Vielen Dank, dass es Sie beide gibt und dass Sie das für uns tun.” Außerdem betonte er, dass man darauf hinarbeite, eine “gemeinsame deutsche Kindergartensprache” zu sprechen. Das “Jugendhaus” biete Direktangebote im Hause und Zimmer, die “mädchenspezifiziert” angepasst wurden.
  • Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Fachbereich 4, hat auch ein Büro im Hause und biete Sprechstunden zur erzieherischen Beratung an.
  • Vom Jugendtreff Westside, dessen Name ebenfalls an der Klingelanlage zu finden ist, wurde unseres Wissens nach nichts verlautbart (siehe dazu unser Bericht über das Aufstellen einer Containeranlage als Übergangslösung).
Eine Übersichtskarte mit Darstellung sämtlicher Kindertageseinrichtungen in Minden hing während der Sitzung an der Wand

Zum letzten Punkt verkündete Daniela Thoring von der städtischen Jugendsozialarbeit aber, dass “kein Bedarf für weitere Jugendzentren” bestehe, es gebe bereits fünf davon in Minden. Im Anschluss entschied der Jugendhilfeausschuss über die Höhe der Bedarfsförderung. Statt 12 sollte es nur noch sieben Förderangebote geben. Das Ehrenamt will man mit 50 Prozent bezuschussen (max. 10 Euro/Tag). Dabei orientierte sich Thoring stets an der Stadt Bad Oeynhausen als Positivbeispiel.

Insgesamt macht die Einrichtung mit ihren sechs öffentlichen Stellen im Erd- und Obergeschoss einen ordentlichen, freundlichen Eindruck, wo sich die Kinder aus Rodenbeck wie auch die Angestellten sicher wohlfühlen können. Ob Spielzimmer, Schlafräume, Küchen, Wickeltisch, Hobbyraum im London-Look mit Billardtisch und Fernseher für die Erwachsenen, Konferenzzimmer mit Projektor, Garderobe, Duschen, getrennte WCs, etc. – hier ist für alles gesorgt. Ein Schneemann aus Plastikbechern empfängt zurzeit die Gäste im Eingangsbereich, an den Decken hängt Gebasteltes und die meisten Möbel und Spielgeräte sind aus stabilem Holz gefertigt.

Ein genaues Datum der offiziellen Einweihung wurde jedoch nicht bekannt gegeben, diese soll nach bisheriger Kenntnis voraussichtlich im Frühjahr dieses Jahres erfolgen.

++ UPDATE ++

Am 20. April 2018 fand die offizielle Einweihungsfeier der Kita Rodenbeck mit “Haus der Begegnung” in Minden statt. Burkhard Brauns war auch an diesem Tag dabei und hat uns ein paar schöne Aufnahmen im Pocketformat mitgebracht:


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