Minden-Lübbecker Wirtschaft trotz Bedenken weiter im Konjunkturhoch

Gewerbliche Wirtschaft bewertet ihre Geschäftslage trotz Fachkräftemangel und Rahmenbedingungen auch in 2016 positiv - Beschäftigung von Flüchtlingen

IHK Bielefeld - Foto: onm
Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistung im Kreis Minden-Lübbecke blicken hoffnungsvoll in die Zukunft laut aktueller Konjunkturumfrage der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld – Foto: onm

Blickte Handel und Wirtschaft im Kreis Minden-Lübbecke im Herbst letzten Jahres aufgrund schwieriger Auslandsmärkte, zunehmendem Internethandel und geänderten gesetzlichen Rahmenbedingungen noch durchwachsen in die Zukunft, zeigt das aktuelle Konjunkturumfrageergebnis der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen zu Bielefeld doch ein positives Bild auf. Auch die Geschäftslage bis Ende 2016 wird positiv eingeschätzt.

Dipl.-Ing. Helmut Dennig (Vorstandsvorsitzender der Denios AG, Bad Oeynhausen) und Dr. Martin Ahnefeld (Geschäftsführer der Ahnefeld GmbH & Co. KG, Minden) sowie der Mindener IHK-Zweigstellenleiter Karl-Ernst Hunting präsentierten am 24. Februar 2016 die Ergebnisse der Konjunkturumfrage in der IHK-Zweigstelle in Minden, an der sich von Mitte Dezember 2015 bis Ende Januar 2016 277 Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistung mit insgesamt über 22.000 Beschäftigten beteiligten (zum Vergleich: An der Herbstumfrage 2015 beteiligten sich „nur“ 274 Unternehmen mit aber insgesamt über 23.000 Beschäftigten – siehe Bericht).

Die Umfrageergebnisse befinden sich seit sechs Jahren in einer Aufschwungphase, so die IHK in Minden. Das Bild mit durchgängig positiven Umfrageergebnissen wird jedoch durch das negative Umfrageergebnis bei den zukünftigen Erträgen in der Industrie gestört. Dennig: „Darauf wird es Reaktionen geben. Dazu zählt möglicherweise auch die hohe Bereitschaft für Investitionen in diesem Jahr in Produktinnovationen.“

Als Risikofaktoren für die zukünftige Entwicklung sehen die Unternehmen – je nach Branche mit unterschiedlichen Gewichtungen – vor allem die Auslands- und Inlandsnachfrage, die Arbeitskosten und den Fachkräftemangel. „Die gute Konjunktur ist kein Dauerzustand und kann sich schnell wieder ändern, beispielsweise bei steigenden Zinsen, steigenden Energiepreisen und zunehmenden Grenzkontrollen“, betonte Dennig.

Zum Sorgenkind entwickeln sich insbesondere die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, so Ostwestfalens IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven im aktuellen IHK-Magazin 03/2016. „Zum fünften Mal in Folge sehen die Unternehmen hier zunehmende Risiken. Auf sinkende Ölpreise als Konjunkturstütze zu setzen, ist auf Dauer zu wenig. Bürokratieaufwand rund um den Mindestlohn, Rente ab 63 oder Einschränkungen im Zusammenhang mit Werkverträgen werden vom Mittelstand als Schwächung seiner Wettbewerbsfähigkeit verstanden. Die politisch Verantwortlichen müssen sich mehr für ein innovatives, verlässliches und die Unternehmen stärkendes Umfeld einsetzen.“

Mit mehr Beschäftigten kann in diesem Jahr im Kreis Minden-Lübbecke vornehmlich in der Industrie gerechnet werden, aber auch teilweise beim Handel und abgeschwächt bei den Dienstleistern. Für die Zukunft rechnen rund 77 Prozent der Industrieunternehmen mit steigenden Auslandsumsätzen, etwa ein Prozent mit fallenden. Besonders beschäftigtenstärkere Unternehmen zeigen eine hohe Neigung zu Investitionen in Produktinnovationen und Kapazitätsausweitungen, sie haben hohe Umsatzerwartungen für 2016 und eine hohe Einstellungsbereitschaft beim Personal.

Insbesondere setzt die ostwestfälische Wirtschaft dabei auf die Beschäftigung von Flüchtlingen, wie man dem aktuellen Magazin der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld und zahlreichen Pressemeldungen entnehmen kann. „Wir bringen Menschen und Arbeit zusammen“, lautet beispielsweise das aktuelle Motto der Bundesagentur für Arbeit. Andreas Feuchert, Teamleiter des Integration-Points (IP) in Herford, wirbt mit dem „Potenzial, das Asylbewerber und Flüchtlinge bieten“ und sieht darin eine „spannende Herausforderung“. In Zusammenarbeit mit Jobcentern, Sprachenschulen, Volkshochschulen und anderen Stellen soll eine berufliche Orientierung und Integration in den Arbeitsmarkt möglich werden.

Auch in Minden gibt es seit Ende Januar dieses Jahres einen solchen „Integration Point“ (erreichbar unter: minden.integrationpoint@arbeitsagentur.de) und einen Internetauftritt des Kreises Minden-Lübbecke unter www.integration-im-muehlenkreis.de, unterstützt von Landrat Dr. Ralf Niermann. Dort seien schon über 300 Flüchtlinge beraten worden (Stand Mitte Januar). Zum gleichen Zeitpunkt wurde von der Stadt Minden verkündet, dass in dem ehemaligen Sparkassen-Gebäude in der Innenstadt eine Anlaufstelle für Flüchtlinge entstehe, um das Jobcenter Minden und andere städtische Einrichtungen im Mühlenkreis entlasten zu können. Denn „alle (Flüchtlinge) haben regelmäßig Termine, brauchen Beratung, gelegentlich einen Krankenschein und bekommen alle 14 Tage Taschengeld als Scheck ausgezahlt, wenn sie kein eigenes Konto haben“, so die Stadt Minden in ihrer Pressemeldung vom 26. Januar 2016 (wurde gelöscht).

Ob der Flüchtlingsstrom letztendlich für einen Wirtschaftsaufschwung sorgen wird, sei ungewiss laut einer Studie des IWF, wie ein umfangreicher Beitrag aus Die Welt vom 20. Januar 2016 zeigt. Hier muss noch einiges in Bewegung gesetzt werden.

Laut Dr. Ahnefeld liegen im Minden-Lübbecker Handel jedenfalls – verglichen mit den Umfrageergebnissen aus den zurückliegenden Jahren – zusammenfassend die Werte auf sehr hohem Niveau. Erfreulich sei für viele Handelsunternehmen die momentan bessere Ertragslage und bessere Ertragsaussichten bis zum Jahresende. Die Umsatzerwartungen liegen ebenfalls auf hohem Niveau: Rund 36 Prozent der Handelsunternehmen rechnen mit steigenden Umsätzen, vier Prozent mit fallenden.

„In der Dienstleistungsbranche haben sich alle Umfrageergebnisse gegenüber der Herbstumfrage 2015 verbessert“, so Dr. Ahnefeld. Ausnahme sei eine leichte Verschlechterung bei den (Provisions-) Umsätzen für die bevorstehenden 12 Monate. So erwarten aktuell rund 29 Prozent der befragten Betriebe in diesem Jahr steigende (Provisions-) Umsätze und ca. 10 Prozent fallende.

Quelle: Pressemeldung IHK in Minden, Ergänzung Flüchtlinge: OctoberNews


Diesen Bericht teilen: