„Minden, das ist meine Stadt und bleibt auch meine Stadt“

Bürgermeister Michael Buhre verabschiedete sich zum Ende seiner 11-jährigen Amtslaufzeit von der Stadt Minden in einer bewegenden Feier im Rathaus

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„Er war mehr als ein Funktionsträger, der ein Amt ausgeführt hat“ – ganz im Stil der Blues Brothers verabschiedete sich Michael Buhre während seiner Abschiedsfeier von seinem Amt als Bürgermeister – Fotos: onm

„Minden, das ist meine Stadt, und das bleibt auch meine Stadt.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich Bürgermeister Michael Buhre zum Ende seiner 11-jährigen Amtslaufzeit am Nachmittag des 9. Oktober 2015 im Rathaus Minden.

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Zum Abschied mit Luftballons durch die Drehtür – Mindens Verwaltungsmitarbeiter waren kreativ, um Michael Buhre Danke zu sagen

Sie drängelten sich mit bunten Luftballons durch die Drehtür, projizierten Erinnerungsfotos an die Rathauswand, spielten Livemusik, setzten ihn auf eine Parkbank, überreichten Blumen und Geschenke, entführten ihn in die Welt der Blues Brothers und schwangen das Tanzbein sowie bewegte Reden zu Ehren von Michael Buhre, dessen offizielle Amtszeit am 13. September dieses Jahres endete. Mitarbeiter der Mindener Stadtverwaltung richteten für ihn am vergangenen Freitag eine Abschiedsfeier aus und luden Gäste aus dem Kreis Minden-Lübbecke ein, bevor der 54-Jährige zusammen mit seiner 42-jährigen Lebensgefährtin Dr. Gerlind Pracht für drei Wochen in den Urlaub fährt.

„Dieser 11-jährige Ausflug in die politische Verantwortung, und zwar in die Umsetzungsverantwortung, die hat mich schon ein ganzes Stück demütiger werden lassen. Ich kann das allen, die meinen zu wissen, wie es geht, die diese ganz einfachen Rezepte haben, nur empfehlen, sich in Situationen zu begeben, in denen man auch tatsächlich etwas umsetzen muss und dafür am Ende auch verantwortlich ist. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Erfahrung machen konnte und durfte. Ich bin auch sehr dankbar für die vielen Menschen, die ich kennengelernt habe und die mir nahe gekommen sind. Ich bin mir sicher, diese Erfahrung wird mich künftig prägen.“

Minden ist bunt
„Minden ist bunt“ – ein von Kindern in verschiedenen Sprachen unterzeichnetes Willkommensplakat wurde an die Wand projiziert

Diese und weitere Dankesworte und Erklärungen richtete Bürgermeister Buhre an seine zahlreichen Verwaltungsmitarbeiter, Freunde und Gäste, die ihm 11 Jahre lang treu zur Seite standen, sowie an seine Mitstreiter der vergangenen Bürgermeisterwahl und seinen Nachfolger Michael Jäcke, der zusammen mit seiner Frau der Feier beiwohnte.

Moderiert von Ute Hildebrandt, zuständig für die Personalentwicklung der Stadt Minden, der es „eine Ehre“ war, die verschiedenen Beiträge anzukündigen, begann der Veranstaltungsnachmittag mit der Band ZHREEE, die Michael Buhre in der „Langen Nacht der Toleranz“ kennenlernte, wobei der Begriff Toleranz zum aktuellen Flüchtlingsthema passe und sich Buhre damit identifizieren könne.

Im Anschluss folgte eine 15-minütige Rede des Ersten Beigeordneten Peter Kienzle, zuständig für den Bereich Soziales, Jugend, Recht, Bürgerdienste, Sicherheit und Ordnung der Stadt Minden. Er bedankte sich für die „enge, intensive Zusammenarbeit“ im Namen aller Angestellten und betonte die Eigenschaft Buhres, wie er „bewusst und klar verständlich“ mit Sprache umgehe, „aber auch zwischen den Zeilen lesen“ könne. „Heute vor fast 11 Jahren, am 10. Oktober 2004, etliche Minuten vor 19 Uhr war bereits klar, als die Kandidaten gespannt auf ihr Wahlergebnis warteten: der neue Bürgermeister heißt Michael Buhre.“ Doch vor der Zeit als Verwaltungsoberhaupt, im Juli 1989, nannte man Buhre noch „Inspektor“ – lang ist’s her – eine Hierarchie wäre unter Buhres Vorsitz jedoch niemals zu finden gewesen. Buhre habe stets „glaubwürdig gelebt“, seinen „Handlungsauftrag niemals aus den Augen verloren“ und für die Schulbildung wichtige Weichen gestellt. „Im Mittelpunkt steht der Mensch“, sei Buhres Motto gewesen. „Und nun, wie geht’s nun weiter?“, fragte Kienzle.

Bürgermeister Buhre auf Parkbank
Bürgermeister Buhre fühlte sich sichtlich wohl auf der extra für ihn aufgestellten Parkbank. Ansonsten wäre ein Stillstand wohl eher nichts für ihn.

Eine Parkbank wurde aufgestellt – ein Hinweis auf „Minden ist bunt“. Der Ex-Bürgermeister durfte darauf Platz nehmen und sich vorstellen, wie es ist, wenn man den ganzen Tag lang darauf sitzen und warten müsste, dass etwas passiert – an der „Buhre Avenue“. „Doch diese Bank ist nichts für ihn“, betonte Kienzle und überreichte zum Abschied ein eingerahmtes Bild, auf dem drei Menschen auf einer Parkbank an der „Buhre Av“ sitzend zu sehen sind, die den Anschein von Perspektivlosigkeit vermitteln. Nicht nur ein Dankeschön für Buhres Aktivitäten, sondern vielleicht auch ein kleiner Denkanstoß, dass es immer noch Menschen in der Stadt Minden gibt, die keine Arbeit haben, von der Unterstützung des Jobcenters abhängig sind und/oder auf der Straße leben müssen.

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Peter Kienzle überreichte symbolisch die „Buhre Avenue“
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Egon Stellbrink zitierte zum Abschied den verstorbenen Richard von Weizsäcker

Doch „bevor du in die Bronx reist“, moderierte Hildebrandt weiter, stand nach einer musikalischen „ZHREEE“-Pause der Stellvertretende Bürgermeister Egon Stellbrink am Rednerpult. Etwas heiser hielt er sich kurz und äußerte in „bescheidener kleiner Form“: „Man muss gehen, solange man laufen kann.“ Wissentlich, dass Buhre auch nach seiner Amtszeit nicht auf seinen „vier Buchstaben“ sitzen bleiben wird, zitierte er Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker: „Jetzt bin ich im Ruhestand, das heißt, ich darf arbeiten.“ Stellbrink überreichte Buhre einen Gutschein für das Restaurant Böhmerwald, denn „jetzt ist erst mal Zeit zum Ausgehen“.

Michael Schweiß
Hilles amtierender Bürgermeister Michael Schweiß hatte sich hörbar Gedanken gemacht zum Abschied seines Ex-Kollegen

Sodann folgte eine ausführliche Rede von Michael Schweiß, Bürgermeister der Gemeinde Hille, stellvertretend für den Kreis Minden-Lübbecke. Er freute sich über die Einladung – mit einem „weinenden Auge, weil wir uns dann nicht mehr so oft sehen werden“, befürchtete er – und nahm „die Ehre im Namen der früheren, amtierenden und kommenden Kollegen“ gerne entgegen. Sodann verriet er ein „besonderes Geheimnis“: „Es ist nicht nur so, dass wir beide Michael heißen und beide im Abi-Jahrgang waren auf dem Herder-Gymnasium. Auch der künftige Bürgermeister der Stadt Minden war zufällig auch in diesem Jahrgang. Also irgendetwas Seltsames ist dort mit uns geschehen – und wir waren einfach dafür vorgesehen.“

Weiter lockerte Schweiß mit einer Anekdote auf: „Fährt ein Verwaltungsbeamter mit einem Zug zu einem Besprechungstermin außerhalb seines Büros. Am Zielort angekommen steigt er aus und setzt sich im Schneidersitz neben die Gleise am Bahnsteig. ‚Was tun Sie da?‘, fragt ein Passant. Und der Beamte antwortet: ‚Mein Körper ist zwar hier, aber ich muss warten, bis der Geist angekommen ist‘.“ Diese kleine Geschichte sage etwas aus über das Tempo und die Arbeitsweise von Beamten, so Schweiß – ein Vorurteil gegenüber allen „Verwaltungsmenschen“. „Lieber Michael, ich kenne dich bereits seit unserer gemeinsamen Schulzeit, und ich weiß, dass dein Geist immer schnell da war, und du dieses Vorurteil in keinster Weise bestätigst.“

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Sandra Janke von der SPD-Fraktion Königstor überreichte als Andenken ein gerahmtes Interview

Schweiß machte zudem auf das 25-jährige Jubiläum von Buhres Verwaltungsarbeit aufmerksam (seit 1990), seine 11-jährige Amtslaufbahn als Bürgermeister und bemerkte, dass das Erscheinungsbild sich verändert habe: „Das Haupthaar ist dünner geworden, es ist silberfarben geworden.“ Überleitend auf das Edelmetall Silber, das eine hohe Leitfähigkeit besäße, lobte er Buhres Gedanken, die eine sehr schnelle Leitfähigkeit hätten: „Du bist ein aufmerksamer Zuhörer, und deine Gedanken sind auf Höhe des Geschehens.“ Besonders blieb Bürgermeister Schweiß in Erinnerung, dass sich die Stirn von Michael Buhre „so ganz leicht kraus zog“, wenn es viele und lange Wortbeiträge gab und die Richtung verloren ging. Dann wusste Schweiß: „Jetzt kommt eine Meldung von Michael. Und da hast es präzise und auf das Wesentliche reduziert. Und das habe ich immer bewundert.“

Bevor das Mindener Bürgerbataillon mit Blumenstrauß „bewaffnet“ und in voller Traditionsmontur zur Dankesrede antrat, verkündete Ute Hildebrandt den aktuellen Stand an Spenden, die bis dato die Stadt Minden erreichten: Ganze 39.000 Euro sind bereits zusammengekommen. Das Geld soll laut Buhre komplett der Flüchtlingshilfe zugutekommen, und zwar für das freie WLAN, Arbeitsmaterial für den Deutschunterricht, Betreuungsangebote und sonstige Hilfsprogramme.

„Das Freischießen ist ein fester Bestandteil in Minden“, kündigte die Moderatorin nun an. Stadtmajor Pecher sei urlaubsbedingt leider verhindert gewesen, weshalb Horst-Günter Dorau, Hauptmann und Kompaniechef des 6. Mindener Bürgerbataillons, das Mikro übernahm. In einer kurzen, aber bewegten Rede fasste er letztendlich zusammen: „Sie werden immer einen festen Platz in unserer Gemeinschaft haben.“

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Was wäre die Stadt Minden ohne ihre Schützenvereine? Horst-Günter Dorau (re.), Kompaniechef des 6. Mindener Bürgerbataillons, überreichte eine Ehrenmedaille an Buhre

Nach einem Auftritt von „Minden Moves“, die eine spektakuläre Breakdance-Show auf die Matte legten, bedauerte Dieter Pohl, Vorsitzender des Seniorenbeirats, dass man ihn und seine Mitglieder wohl vergessen habe, einzuladen. Aber „du kommst ja bald ins Seniorenalter, dann kommste zu uns“, scherzte er gegenüber Buhre. Sodann bedankte sich Pohl für die Unterstützung des Seniorenbeirats der Stadt Minden. „Da Michael ja bald in die 50+ Gruppe einsteigen wird“, ergänzte Moderatorin Hildebrandt, „geht es mit dem FMC weiter.“

Minden Moves
Die Tanz-Akrobatik-Gruppe „Minden Moves“ zeigte mit eindrucksvollen Bewegungen, dass Jugendliche nicht nur vorm Computer hocken

Der Freizeitmitarbeiterclub Minden e.V., kurz FMC, ist ein Zusammenschluss ehrenamtlicher Mitarbeiter in der kommunalen Kinder- und Jugendarbeit in Minden und vertritt die Interessen der Kinder und Jugendlichen gegenüber Politik und Verwaltung. So trugen Frank Blietz, Karsten Geier, Kristin Steinmeier, Jörg-Uwe „Itty“ Niemeyer und Nils Karlson „Kurti“ Hering eine Art Wortgefecht auf der Bühne vor. Mit „Ich bin schon alt, ich bin mittelalt, ich nicht mehr so jung, ich bin jung, und ich jünger“ stellten sie sich in Reih und Glied vor, und genauso wortgewandt verabschiedeten sie sich wieder: „Heute ist nicht alle Tage, Michael war ein guter Bürgermeister, keine Frage.“ Dr. Kerstin Heidelmann erzählte sodann märchenhaft die Reise von „Boom, das Reh“, als Metapher auf Michael Buhres Lebens- und Amtsweg.

Doch genug geredet, Ex-Bürgermeister Buhre und Bürgermeister in Spe Jäcke, jeweils mit Frau an der Seite, sollten aktiv werden. Uwe Pascewitsch, der Buhre 2004 kennenlernte, forderte zur Trommelperformance auf. Und wer hätte es gedacht, das Zusammenspiel klappte perfekt und hörte sich verdammt gut an:

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Wobei Bürgermeister in Spe Jäcke, auch wenn es ein bisschen unbeholfen aussah, am besten den Takt hielt laut Aussage eines professionellen Schlagzeugers, dem wir das Video vorspielten. Wenn das kein gutes Omen ist für die nächsten fünf Jahre Stadtregierung. Selbst richtete er natürlich auch ein paar Worte an Buhre:

Bürgermeister Michael Jäcke
Der strahlende Nachfolger Bürgermeister Michael Jäcke sieht in Buhre einen echten Freund

„Nach dem Abitur haben wir uns ein bisschen aus den Augen verloren, aber in 2000 haben wir uns wiedergesehen. Wir sind dann gemeinsam im Wahlkampf losgetigert. Du bist heute ein von vielen Menschen in dieser Stadt geschätzter und anerkannter Bürger. Unser Weg führte uns dann einige Jahre durch ein Tal der Tränen, wie bei der Agenda 2010. Aber ich glaube, was dann folgte, war aus meiner Sicht eine richtig gute und erfolgreiche Zeit. Ich glaube, ich habe aber auch aus einem Grund heute das Recht, hier zu sprechen: Du hast mir geholfen, die vielen Steine aus dem Weg zu räumen. Und gerade die letzte Woche im Rathaus hat mir gezeigt, dass ich in dir einen echten Freund habe, und dafür danke ich dir von ganzem Herzen, lieber Michael.“

Aber was wäre der Mensch, wenn es nicht auch Unterstützung „von oben“ gäbe. Dr. Heinrich Winter, Pfarrer im Ruhestand, erinnerte an „das Salz der Erde“. Damals übergab er Buhre eine Schale mit Salz, nun solle Michael Jäcke sie während seiner Amtslaufzeit stets vor Augen behalten. Auch Sandra Janke, Stadtverordnete der SPD-Fraktion im Bezirk Königstor, ließ es sich nicht nehmen, Buhre zu verabschieden. Mit einem gerahmten Interview von 2004 im „Das Königsthor“ bedankte sie sich für die langjährige gute Zusammenarbeit.

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Dr. Heinrich Winter, Pfarrer i. R., erinnerte die beiden Bürgermeister an „das Salz der Erde“

„Last but not least“ rockte der Vorstand der Mindener Stadtverwaltung auf. Stadtkämmerer Norbert Kresse, Erster Beigeordneter Peter Kienzle, Fachbereichsleiter Andreas Fabry, Beigeordnete Regina-Dolores Stieler-Hinz, Beigeordneter Lars Bursian und Beigeordneter und Betriebsleiter Peter Wansing von den Städtischen Betrieben Minden schritten auf musikalisches Kommando (R. Schmitt) ganz im Stil der „Blues Brothers und Sister“ cool durch die Besuchermenge, standesgemäß mit verkettetem Aktenkoffer in der Hand. „Nein, wir wollen heute nicht unsere Steuern nachzahlen, das haben wir schon“, erklärten sie Buhre.

Blues Brothers und Sister
Die „Blues Brothers und Sister“ sehen in Michael Buhre mehr als nur einen Funktionsträger, der sein Amt ausgeführt hat

„Aber wir wissen, dass Michael ein Filmplakat von Pink Floyd an seiner Bürotür zu hängen hatte – von innen wohlgemerkt. Daher meinen wir: Michael war mehr als ein Funktionsträger, der sein Amt ausgeführt hat.“ Damit der nun „arme Mann“ auch genügend „Verpflegung“ auf seinem neuen Weg hat, öffneten sie den Aktenkoffer und überreichten Buhre ein Toastbrot, zwei Dosen Bier und ein Erinnerungsfoto. Ein Bürgermeister-Blues mit Gänsehaut-Feeling. Spätestens jetzt verstummte die Stimme des Ex-Würdenträgers.

Michael Buhre Abschiedsworte
Michael Buhres Abschiedsworte waren ergreifend wie kritisch zugleich

Nach einem ZHREEE-Pause-Moment war die Stimmgewalt Buhres natürlich wieder da, schließlich ging es an seine Abschlussrede, bevor er sich in den Ruhestand verabschiedete. Neben den oben genannten Erklärungen erwähnte er, dass man Eigenverantwortung übernehmen und nicht an andere abwälzen oder auf die Umstände schieben sollte; betonte, dass Medien „einen ganz schönen Einfluss haben“, wobei es viele verantwortliche Journalisten – auch in Minden – gäbe, aber auch welche, die sehr leichtfertig mit ihrer Verantwortung umgehen würden; und dass „Wutbürger tendenziell gefährliche Menschen“ wären, womit man politisch überhaupt nicht spielen sollte; sowie:

„11 Jahre Bürgermeister, das ist ja nicht alles, was mich mit diesem Rathaus verbindet. Ich bin 26 Jahre hier in diesem Rathaus Kollege gewesen. Und ganz ehrlich, das fällt mir richtig schwer, die Kolleginnen und Kollegen zurückzulassen. Ich werde mich mit euch immer verbunden fühlen – das ist mal sicher.“ Buhre bedankte sich bei allen Mitwirkenden, seiner Familie, seiner „tollen Truppe“ und Stellvertreter, dass diese „so viele repräsentative Termine wahrnahm, sodass er sich um andere Dinge kümmern“ konnte, bei der SPD-Fraktion, die ihn stets mitgetragen hat, bei den Angestellten der Stadtverwaltung, die sich auch um das Gemeinwohl kümmern, bei den „Blues Brothers“ und vielen anderen.

Bürgermeister Michael Buhre Gabentisch
Mit lockerer Haltung, an seinem Gabentisch stehend, zeigte sich Bürgermeister Michael Buhre zum Abschluss der Veranstaltung im Rathaus Minden

Schlussendlich richtete er folgende Worte an Mindens neuen Bürgermeister Michael Jäcke: „Michael, ich beneide dich, dass du jetzt der Chef bist. Lieber Michael, erst mal Respekt und Anerkennung, dass du dich dieser Aufgabe stellst. Es ist nämlich wirklich notwendig, dass es überhaupt Menschen gibt, die sich einer solchen Verantwortung stellen wollen, da gibt’s gar nicht so viele. Ich wünsch‘ dir ganz viel Kraft, ganz viel Energie, ganz viel Durchhaltevermögen. Du weißt, du wirst das brauchen. Ich wünsch‘ dir allerdings auch ganz, ganz viele inspirierende und glückliche Momente mit Menschen und Situationen. Und daraus kann man dann auch ganz viele Stärken ziehen. Also viel Erfolg und vor allem: Bleib du selbst. Das ist wichtig.“

Die Stadt Minden muss nun rund 10 Tage ohne Bürgermeister auskommen. Am 20. Oktober 2015 wird Michael Jäcke sein Amt antreten.


„So, sehr geehrter Herr Buhre, das ist mein Beitrag zu Ihrem Abschied. Auch wenn ich Sie nur kurz kennenlernen durfte seit meinem Umzug nach Minden im Jahr 2013, so sind Sie mir doch als offener, freundlicher Mensch in Erinnerung geblieben. Da ich mir stets erst einmal selbst einen Eindruck von Menschen verschaffe, bevor ich sie wenn überhaupt ‚verurteile‘, hat mich am meisten Ihre spontane, persönliche Anwesenheit auf Kanzlers Weide beeindruckt, als die Iren zu Gast waren. Denn nach einer regelrechten Hetzjagd durch die Bevölkerung und bekannten örtlichen Zeitungen konnten wir beide gemeinsam für Ruhe in der Stadt sorgen (siehe mein Artikel). Insoweit stimme ich Ihnen zu, dass Medien einen großen Einfluss haben, aber auch etwas Positives bewirken können – insbesondere für die Schwächeren und Wehrlosen in unserer Gesellschaft. Und damit meine ich nicht nur die Flüchtlinge, sondern auch Arbeitslosengeld-II-Empfänger, Behinderte und Obdachlose. In dem Sinne, lieber Herr Buhre, bleiben Sie gesund, genießen Sie Ihren Urlaub, ich gönne es Ihnen von Herzen. Sie haben Ihren Dienst getan. Ich werde Sie vermissen. Ihre Namira McLeod.“


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