Minden baggert an!

Wie Baustellenfahrzeuge beim Shoppen in Minden mitmischen und die Obermarktpassage Patienten in den Keller schickt

Bagger in der Innenstadt - Fotos: onm
Dieser Bagger kam uns beim Shoppen in der Mindener Innenstadt entgegen – Fotos: onm

Man traut seinen Augen kaum. Mitten am Tage gegen 15 Uhr kommt uns am 10. April 2014 ein Bagger in der Einkaufspassage der Mindener Innenstadt entgegen.

Dass die Innenstadt von Minden in Westfalen zurzeit komplett saniert wird, ist ja mittlerweile bekannt. Alles soll schöner werden, insbesondere die Bepflasterung und der Scharn. Dass die Baustellenfahrzeuge aber unter der Woche sich mitten beim Shopping unter’s Fußvolk mischen, haben wir erst am vergangenen Donnerstag entdeckt. Man kommt ja schließlich nicht alle Tage von Rodenbeck in die City, nur wenn man Termine wahrnehmen und/oder Anschaffungen tätigen muss, die man halt nur in der Innenstadt erledigen kann.

Außerdem gibt es hier keine kostenlosen Parkmöglichkeiten mehr, in jeder Straße und auf jedem Parkplatz wird abkassiert. Nun ja, wird Zeit, sich auf’s Fahrrad zu schwingen – das Wetter soll ja besser werden. Obwohl, Fahrradständer konnten wir auf Anhieb nicht entdecken. Aber es gibt ja genügend Baustellenabsperrungen, in der gesamten Innenstadt verteilt, vielleicht darf man daran übergangsweise sein Fahrrad anketten. Oder muss man jetzt als Fußgänger den Bus nehmen? Schließlich sind 29 der „Roten Renner“ jetzt testweise mit kostenfreien WLAN-Hotspots ausgestattet.

Nun ja, ist man erst mal in der Mindener Innenstadt angekommen, wird man praktisch „überfallen“ von zahlreichen, in der gesamten City verteilten Kleinbaustellen. Und wie praktisch zeitgleich mt.de über das baggernde Minden berichtete, kommen noch rund 100 Telekom-Baustellen im gesamten Stadtgebiet hinzu – kein Wunder, dass in Rodenbeck ständig das Netz ausfällt.

Aber wir lassen uns das außergewöhnliche Shopping-Erlebnis nicht nehmen, schließlich wirbt die Stadt Minden plakativ mit „Betreten der Baustelle erwünscht!“.

Betreten der Baustelle erwünscht
Besuchern soll mit diesem Plakat die Baustelle Minden schmackhaft gemacht werden – Foto: onm

So müssen wir uns halt damit abfinden, dass während der Verschönerungsaktion der Mindener Innenstadt immer wieder Wege aufgerissen, dann wieder zugeschüttet, Gassen versperrt und Umwege in Kauf genommen werden müssen und Baustellenfahrzeuge „mitshoppen“. Bis die Baustelle Minden irgendwann passé ist und man sich an der neuen Beflasterung, den hoffentlich verbleibenden historischen Laternen, den frisch gestrichenen Hausfassaden und dem bisher verschollenen Weserspucker, dessen Plattform schon erkennbar ist, erfreuen kann.

Wir schlendern weiter und stoßen auf die Stadthalle Minden mit ihrer Obermarktpassage. Die Außenfassade zum Haupteingang sieht vielversprechend aus, schaun wir doch mal rein, was die neue Wahlheimat Minden noch zu bieten hat. Uns stockt der Atem. Wir finden ein fast leerstehendes Gebäude vor. Leere Schaufenster, geschlossene Läden, mit Bauplanen überspannte Innenbalkone, meterhohe Baustellenzäune, geisterhafte Stimmung – das gesamte Innenleben wirkt wie ein verlassenes Dorf. Anscheinend hat die Innenarchitektur in der Vergangenheit genauso ausgesehen, wie ein eigenes kleines überdachtes Dorf, war bestimmt mal ganz niedlich anzusehen.

Patienten müssen in die untere Etage - Foto: onm
Patienten müssen in die untere Etage – Foto: onm

Weniger erfreulich ist, dass Patienten anscheinend in den Keller geschickt werden, denn ein Schild mit einem Pfeil nach unten an einer der Aufzugstüren verrät, dass man „zu den Ärzten“ in den Keller fahren muss. (Ein Grinsen konnten wir uns an dieser Stelle nicht verkneifen, mussten an die Musikband denken). Und dieser Aufzug macht nicht gerade einen vertrauensvollen Eindruck. Über weiteren Fahrstühlen wurde „zur oberen Verkaufsebene“ und „Stadthalle“ überklebt. Die obere Etage ist also komplett abgeriegelt, die Rolltreppen nach oben sind mit Ketten und Schildern versperrt mit dem Hinweis „Kein Durchgang zur Oberma_ktstraße, Zugang nur zum Parkdeck“.

Nur das Hinweisschild vom Jack Wolfskin StoreWEITERHIN FÜR SIE DA! Unser freundliches Team bleibt wie bisher an gewohnter Stelle in der Obermarktpassage für Sie im Einsatz. jetzt auf 200 qm“ zeigt auf, dass im Erdgeschoss ein Laden geöffnet hat. Ansonsten scheint sich alles nur im Keller der Stadthalle Minden abzuspielen. Denn hier befindet sich zumindest das gut besuchte Kaufland, die Parkebenen und eben die Ärzte.

Ein Blick auf die Webseite www.obermarkt-passage.de verrät, dass die Firma Centermanagement Obermarktpassage Minden auch hier eine Baustelle hat. Die „Hausordnung“ dieser Firma erinnert ebenfalls an vergangene Tage. Doch nachfolgend erst einmal zur Veranschaulichung ein paar Innen- und Außenaufnahmen rund ums Gebäude:

Etlichen Berichten zufolge meldete ja die 1984 von der Wiesbadener Secur Verwaltungs-GmbH erbaute Obermarktpassage im Oktober 2010 Insolvenz an und es musste ein neuer Eigentümer gefunden werden. Schade, hätte man in diesem Jahr doch das 30-jährige Jubiläum feiern können. Zurzeit verwaltet und vermietet die Treureal GmbH die Immobilie. Im Februar dieses Jahres stand man wohl kurz vor einem Kaufvertragsabschluss mit dem amerikanischen Unternehmen Cerberus Capital Management. Die Zeit wird zeigen, ob ein neu gestaltetes Einkaufscenter noch realisiert wird.

Alles in allem erscheint die Innenstadt Minden wie eine einzige Großbaustelle, alles wird versucht, etwas getan, mehreres ausprobiert und viel studiert. Die Einwohner haben leider das Nachsehen – aber zumindest wird einem immer und immer wieder vermittelt, dass sich etwas tut. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

++ Update ++
Jetzt schließt auch noch der letzte Laden in der Obermarktpassage, weil es auf der Baustelle nicht weitergeht: Am 14. Juli 2014 beginnt der Räumungsverkauf des „Jack Wolfskin Store“, siehe Bericht auf mt.de.

++ Update ++

Zum 31. Oktober 2018 schloss auch das Parkhaus an der Obermarktpassage, siehe Bericht auf mt.de.


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