Max Bahr Baumarktkette am Abgrund

Alle Max Bahr Filialen in Deutschland werden schließen

Max Bahr Baumarktkette schließt alle Filialen
Max Bahr Baumarktkette schließt alle Filialen – Quelle: MaxBahr-Sale.de

Erst am 17. November berichtete OctoberNews über die erschreckenden Schilder an den Informationsständen des Max Bahr Baumarkt in Porta-Westfalica Barkhausen mit der Aufschrift “Ihr Gegenüber ist bald arbeitslos” und erwähnte, dass diese Filiale doch eigentlich gar nicht von der Schließung betroffen ist lt. damaliger Auflistung auf der Max Bahr Sales-Webseite. Nun ist der Alptraum eingetroffen.

Die Hauptzentrale der Baumarkt MAX BAHR GmbH & Co. KG in Hamburg (Leiter: Jens-Sören Schröder, Geschäftsführer: Olaf Galler, Lutz Rucktäschel, Frank Hachmann) gibt auf ihrer Webseite bekannt, dass alle 124 Max Bahr Filialen schließen. Bereits am 25. Juli 2013 meldete Max Bahr Insolvenz an. Als Insolvenzverwalter ist jetzt Christopher Seagon bestellt.

Zwar sollen einige Max Bahr Filialen in Deutschland wie auch bereits geschlossene Praktiker Baumärkte von der Supermarktkette Globus, von Hagebau und Bauhaus übernommen werden, es scheint jedoch in den Sternen zu stehen, wie viele und welche Mitarbeiter der Max Bahr Kette dann von den Abnehmern eingestellt werden. Dagegen lehnen sich Max Bahr Angestellte in ganz Deutschland auf, sie demonstrieren, sie telefonieren andere Baumärkte ab und suchen verzweifelt selbst nach Käufern „ihrer“ Filialen, sie setzen sich mit den Immobilienbesitzern in Verbindung, sie wollen selbst auf Lohn verzichten und hoffen auf Unterstützung der Gewerkschaft und des Max Bahr Konzerns selbst. Die ganze Misere sei „zum Heulen“, schließlich sei es „ihr Zuhause“, wo sie alles erlernt haben.

Doch der Kampf der ca. 3.200 Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze scheint ins Leere zu gehen, vielerorts sollen die Filialen zum 31. Januar 2014 geschlossen werden, und im Rahmen des bereits laufenden Insolvenzverfahrens wurde vielen bereits die Kündigung ausgesprochen. Letztendlich wird der Geschäftsabschluss dem der insolventen Dachmarke Praktiker ähneln (s. Geschäftsbericht 2012 von Praktiker) und unterm Strich mit einem dicken Minus abschließen, bei Praktiker war es Ende 2012 ein negatives Ergebnis vor Ertragssteuern von 164,6 Mio. Euro.

Anders sieht es hingegen für „Schnäppchenjäger“ aus. Diese freuen sich seit Wochen über Rabatte von 20 bis 40 % auf Neuware, wobei abzusehen ist, dass in den letzten Tagen des Abverkaufs die Ware – genau wie bei den ehemaligen Praktiker Baumärkten – zu Schleuderpreisen fast verschenkt werden wird. Da kann man sich kurz vor Weihnachten noch ordentlich mit Renovierungsmaterial, Baumaschinen und Kleinmöbeln eindecken, um dann im Frühjahr mit der Verschönerung der Wohnung oder des eigenen Hauses loslegen zu können. Und Handwerksbegeisterte finden unter dem diesjährigen Gabentisch ganz sicher mal die „richtigen“ Geschenke, die nach Weihnachten nicht gleich wieder auf mysteriöse Weise über Auktionsplattformen „verschwinden“.

Alles in allem ein verfluchtes Jahr 2013 für alle Mitarbeiter aller Firmen, die dieses Jahr pleite gingen bzw. in 2012/2013 schlechte Zahlen schrieben, ob Praktiker, Max Bahr, A.T.U, die Soehnle Professional GmbH & Co. KG, Walter Services, die SAUERBREI Logistics GmbH, Bestsale24, die 4tiitoo AG, die Fensterfabrik Montag und viele andere.

Insgesamt befindet sich in Deutschland lt. InsolvenzPortal die Zahl der Firmen- und Verbraucherinsolven in 2013 jedoch auf dem niedrigsten Stand seit 14 Jahren – nach Schätzungen der Creditreform gab es 26.300 Unternehmenszusammenbrüche im Gegensatz zum Vorjahr von 28.720. Aber kein Grund zur Freude, denn für 2014 rechnen die Experten mit einer ähnlichen Zahl.

Für alle Max Bahr Filialen Deutschlands heißt es zukünftig jedenfalls nicht mehr: „Schön, dass Sie da sind“. Diese Zeit ist vorbei – wirklich schade, denn in Max Bahr Baumärkten hat sich die Redaktion immer besonders wohl gefühlt, weil stets kompetent und freundlich beraten wurde und die Einrichtung so übersichtlich war, dass sich auch jeder Laie zurechtfand. Das müssen Hagebau, Baumarkt und Global erst mal toppen – mit hoffentlich den übernommenen Mitarbeitern der Max Bahr Filialen.

Und nicht zu vergessen: Letztendlich sind Spekulationsgeschäfte der Metro AG und der insolvente zentrale Vermieter der Max Bahr Baumarktkette, die deutsche Moor Park MB, eine Untergesellschaft der Londoner Investmentfirma Moor Park Capital Partners, schuld an dem Desaster. October News hatte ausführlich recherchiert.

Mit dem Anschluss in 2007 an Praktiker kam der Untergang – 134 Jahre Baumarktgeschichte geht den Bach runter. Das Werbeplakat mit der Aufschrift „Wir haben schon Ihrem Urgrossvater weiter geholfen“ (s. For Sale) trifft den Nagel auf den Kopf.


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