Love and Peace auf der Landpartie 2015 in Bückeburg

Von Blumenmädchen über 70er Jahre Sounds bis hin zu tiefschwarzen Accessoires gab es am Schloss Bückeburg eine Menge zu erleben

Fürst Alexander Schaumburg-Lippe - Fotos: onm
Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe hatte zur Landpartie 2015 “Flower Power 70er” in und um sein Schloss Bückeburg geladen – Fotos: onm

Umringt von Blumenmädchen, Rosenblüten, Schokoladenduft und Gewürznoten, serviert mit einem Klang von “Anita” und “Yes Sir, I can Boogie” der 70er Jahre – das war die 16. Landpartie am Schloss Bückeburg am vergangenen Wochenende, zu der auch dieses Mal Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe geladen und die schönst Gekleidetsten reich beschenkt hatte.

So manch ein Besucher hat alle drei Veranstaltungstage in der Fürstenstadt verbracht, um die zahlreich prachtvollen Stände im Schloss und Garten bestaunen, ihre Angebote anprobieren und verköstigen zu können. Wohin man schaute, die beschauliche Kleinstadt war voll mit Menschen aus Deutschland und anderen Herren Ländern, die nur eines wollten: ein Mal (oder zum wiederholten Male) am Leben “ihres” Schlossherren teilhaben. Und der Wettergott war ihnen gnädig.

Getreu dem diesjährigen Motto “Flower Power” leuchtete das Blütenmeer im Schlossgarten bei strahlendem Sonnenschein farbenkräftig wie nie zuvor. Genau wie die Kleider und Hüte der Herrschaften sich dem blumig-bunten Style der “Hippie”-Generation anpassten. Entführt in ein Jahrzehnt voller Liebe, Disco-Musik und Leichtigkeit ließen wir uns am Sonntagnachmittag erstmals vom Zauber der spektakulären Kulisse einer Landpartie im niedersächsischen Bückeburg treiben.

junge Frauen in Weiß
Wenn schwäbische Pralinen so reizvoll serviert werden, kann man sich schnell in die “Love and Peace”-Generation hineinversetzen

Schon am Eingang bekommen wir einen Gutschein des Bielefelders Modeunternehmens “Wellington of Bilmore” in der Art einer 10-Euro-Note überreicht, den man am Stand auf der Schlossbrücke direkt einlösen konnte. Vorbei am Schlossteich, auf dem bunt geschmückte Floße schwammen, “Love”- und “Peace”-Flaggen am Wegesrand und Lavendel-Sträußen stoßen wir zuerst auf zwei bezaubernde junge Frauen ganz in Weiß gekleidet mit Blumenranken im Haar. Leckerer kann man wohl die süßen Pralinen des traditionsreichen Kaffee- und Schokoladen-Fachgeschäftes Gmeiner aus dem baden-württembergischen Appenweier nicht präsentieren.

Doch da lockt schon die nächste Attraktion: die Revue “Licht aus! Spot an!” auf der Flower-Power-Bühne. Auf einer Holzterrasse mit reichlich Sitzgelegenheiten machte man es sich unter Sonnenschirmen gemütlich und lauschte der Darbietung. “Ilja Richter” moderierte wie in alten Zeiten die Kultsendung “Disco” und ließ “Marianne Rosenberg”, “Sexy Hexy Rex Gildo”, “Baccara” und andere bekannte Musik-Ikonen auftreten – live und in Farbe. Dass es sich dabei nicht um die echten Stars handelte, fiel fast nicht auf, da sie sich kleideten und sangen wie ihre Vorbilder.

Helga Feddersen und Dieter Hallervorden
Ganz im Stil von Helga Feddersen und Dieter Hallervorden tanzten und sangen die Künstler sich in die Herzen ihres Publikums

Eine hatte sich “extra chic gemacht” und ihre schrille Stimme war nicht zu überhören: “Helga Feddersen“. Das Double der Hamburger Ulknudel brachte wie ihr Original das Publikum zum Lachen. Stilvoll im Bademantel gekleidet enthüllte sie ihren pink-weiß gepunkteten Badeanzug zu dem bekannten Song “Die Wanne ist voll” und umgarnte mit “Ilja, you make me crazy”, der den “Dieter Hallervorden” machte.

Losgerissen von der Bühnenshow sorgte auch Patricia Lauer aus Oldenburg (“isEDEL“) mit ihren Sprühsalzen “für feinste Sinne” und verhehlte nicht, dass Rikscha-Fahrer Max gerade bei dieser Sommerhitze sich gern mit gewürzten Gurken erfrischte. Ihre edlen Flaschen, dessen Inhalt sich manche Dame aufgrund der Parfum-Form aufs Handgelenk sprühte, versprechen 6 Monate bis zu einem Jahr Haltbarkeit bei regelmäßiger Anwendung auf die Rohkost.

Ebenfalls aus Oldenburg präsentierte sich “Bastwöste & Co.“. Ihre südländischen Spezialitäten aus beispielsweise Schafskäse, Artischocken, Mozzarella und Antipasti erfreuten sich großer Beliebtheit. Kaum zu glauben, dass sie bei so viel Auswahl sich lediglich “Olivenstand” nennen, denn sie sind deutschlandweit auf Wochenmärkten unterwegs. Wie so viele andere Marktständler auf der Landpartie mit ihren unterschiedlichsten Produkten verkaufte das Familienunternehmen “Rêve de Fromage” aus Pohnsdorf zum Beispiel einen “Traum von Käse”, den wir gern leergekauft hätten, jedoch nur davon träumen können.

Weggeschwenkt von den Köstlichkeiten geht es Richtung Kleidung. Das Modegeschäft “Meier” mit Schneiderei aus Norderstedt und Hamburg ist scheinbar bekannt wie ein bunter Hund unter den “betuchten” Gästen. In diesem Zelt wurde nicht nur geshoppt, sondern auch gleich Maß genommen und Änderungswünsche notiert.

Karin Scholz Leder Kunst
Karin Scholz präsentierte im Schloss Bückeburg ihre stilvollen Taschenwerke aus feinstem japanischen Rindsleder sowie Schmuck in zeitlosem Schwarz

Ein besonderes Mode-Schmankerl haben wir jedoch neben vielen anderen Ausstellern im Schloss Bückeburg entdeckt, was sich mit seinen tiefschwarzen Accessoires deutlich abhob von der bunten Masse: Karin Scholz’s “Leder Kunst” aus Düsseldorf. Ihre luxuriösen Handtaschen sind alles Unikate, haben im wahrsten Sinne des Wortes Gesicht, Laptoptaschen werden auf Maß gefertigt, und wer ein Bild seines Haustieres mitbringt, kann seinen Liebling praktisch als “Superoriginal” auf einer Tasche verewigen lassen und sich umschultern.

Taschen wie auch Möbel fertigt Karin Scholz seit rund 31 Jahren in reiner Handarbeit. “Der Schmuck ist nur ihr Hobby”, erklärt Herr Mai, ihr Mann und gleichzeitig größter Bewunderer ihrer Kunst. “Angefangen hat sie damals mit Puppen. Das Werkzeug und Handwerk für die Taschen hat sie sich selbst erarbeitet. Ich bin voller Begeisterung für ihr Werk. Das ist ihre Leidenschaft, sie macht den ganzen Tag nichts anderes. Dafür putzt sie nicht, kocht nicht, macht nicht den Haushalt.” Eine besondere mehrlagige Technik aus edlen Materialien erlaubt die sozusagen 3D-mäßige Erscheinung der Details.

“Ich repariere auch, zum Beispiel Reißverschlüsse”, ergänzt sie. “Ich habe viele Stammkunden. Ein Mal im Jahr am 1. November lade ich alle, die bei mir jemals eine Tasche gekauft haben, zum Tag der offenen Tür ein. Dabei kommen teils Stücke von vor 30 Jahren zum Vorschein, die bis heute von ihren Besitzern getragen werden.” Schwarz ist halt zeitlos – und Qualität zahlt sich aus. Sonderanfertigungen, wie die Handtaschen mit Haustier, können dabei schon 2000 bis 4000 Euro kosten. Wer Karin Scholz und ihre Lederkunst selbst erleben möchten, sollte vom 25.-28. Juni 2015 zur “Turn und Taxis Gartenschau” nach Regensburg kommen. Alle Stationen bis hin zum Weihnachtszauber am Gendarmenmarkt in Berlin findet man auf ihrer Homepage.

Apropos Berlin: Unsere Redakteurin hatte ein Déjà-vu im Schloss. “Hoffnung Berlin” weckte in ihr eine jugendliche Erinnerung. Bei diesem Gürtelmacher hatte sie damals an seinem noch kleinen Stand am Warschauer Platz kurz nach der Wende ihren ersten Gürtel gekauft und kann sich noch gut daran erinnern, wie peinlich es ihr war, dass er um ihre (vergangene) Wespentaille Maß nahm. Denn jeden Gürtel mit Schnalle kann man sich selbst zusammenstellen.

Gewinner Hutprämierung
Gewinnerinnen Margit Grandes und Renate Bunk (v. re.) freuten sich über Präsente des Schlossherrn bei der Hutprämierung

Im Schlossgarten spielten sich derweil Darbietungen der fürstlichen Hofreitschule, Porzellanvorführungen, Blütenballetts, Malereivorführungen, Vorträge über Pflanzen, Jazz-Musik und Modenschauen ab. Das Highlight war eine Hutprämierung im Rosenrondell. Fürst Alexander höchstpersönlich überreichte Geschenke an die modebewussten Damen, Herren und Kinder. Margit Grandes aus Hannover errang den ersten Platz und wurde mit einem ökologisch handgefertigten, hübsch verpackten Fotoalbum zur “Dame mit dem chicsten Hut” gekürt.

Ganz gerührt von ihrem Geschenk war Renate Bunk aus Müßlingen/Stolzenau. Stolz hielt sie den großen Porzellanhund in der Hand, der ihr vom Fürsten überreicht wurde. Dieser Tag wird ihr ewig in Erinnerung bleiben, denn ihr Hund war gerade verstorben.

Ein gelungener Abschluss einer dreitägigen Veranstaltung, die jedes Jahr Tausende von Menschen anzieht. Und die nächste Bückeburger Landpartie steht schon in Planung …

Planung am Computer
Woran in den 70ern noch nicht einmal zu denken war, gehört auch im Schloss Bückeburg zum Handwerkszeug für die Landpartie-Planung: der Computer

Jetzt aber zu unserer vollständigen Fotostrecke:


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