Kurz nach „Knut“: 1. Tannenbaum-Weitwurf in Minden

Schützengilde Minden-Nordstadt lud 2018 zum neuen Freizeitsport ein und lies Bäume fliegen - Andreas Gertzen setzte ersten Rekord mit 7,10 Metern

5,80 Meter war zwar nicht das Maß aller Dinge beim ersten Tannenbaum-Weitwurf-Wettbewerb der Schützengilde Minden-Nordstadt, dafür sah dieser Wurf unglaublich gut aus und die Teilnehmer hatten Spaß an der Sache – Fotos: onm

Weihnachten ist gelaufen, die Tanne an „Knut“ aus dem Fenster werfen war gestern, und die Winter-Sonne lacht. Die richtige Zeit, um sich am Tannenbaum-Weitwurf 2018 im Freien zu probieren – dem ersten Wettbewerb seiner Art in der Stadt Minden, wozu die Schützengilde Nordstadt am vergangenen Samstag einlud.

Baum fest umklammern und möglichst weit von sich stoßen – ein Spaß, an den sich die Frauen genauso herantrauten wie die Männer

Schon 2015 kam unsere Redaktion auf die irrsinnige Idee, man könne sich doch im Weihnachtsbaum-Weitwurf versuchen, allerdings im Rahmen des schwedischen Sankt-Knut-Tages und im Sinne von: Wenn schon ein Lkw von der Jugendfeuerwehr vorbeikommt, dann könne man den Baum doch vom Balkon direkt auf die Ladefläche schmeißen oder so (siehe unser Bericht). Da ist der Gedankensprung von Thora Aßmann und Marcus Bleidorn aus der Mindener Nordstadt dann doch etwas ausgeklügelter:

Auf den Sandweg zwischen Bierpohlsportplatz und Schützenhaus gelegt hat man so richtig viel Platz, um Schwung zu holen, sich an verschiedenen Techniken auszuprobieren und das Maßband anzulegen. Tannenbäume in verschiedenen Größen waren genug vorhanden – für die Kleinsten bis zum 2,50-Meter-Baum. Ab 15 Uhr ging’s los. Gegen ein Startgeld von 2 Euro durfte jeder Teilnehmer die Tanne seiner Wahl mindestens zwei Mal fliegen lassen. Kinder waren umsonst dabei.

Jetzt hieß es, das nadelige Gewächs in den Arm nehmen, Stamm umgreifen (ob unten, in der Mitte oder wie man halt dachte, dass die Tanne am weitesten fliegt), Anlauf nehmen und mit ordentlich Schwung vom Körper wegstoßen – vergleichbar mit der Technik des Baumstammwerfens bei Highlandgames. Und Andreas Gertzen hatte den Dreh raus. Unter 15 Teilnehmern in der Erwachsenen-Liga legte er mit 7,10 Metern praktisch den ersten Rekord beim Tannenbaum-Weitwurf der Schützengilde Minden-Nordstadt vor (Stand: 16.05 Uhr) – und das im eleganten Schritt mit dem größten aller Bäume, wie man sieht:

Andreas Gertzen machte es vor: Er schleuderte den ausgedienten Weihnachtsbaum 7,10 Meter weit durch die Luft

Aber auch die Jugend war nicht ohne: Niklas Bleidorn erreichte mit 6,90 Metern eine stattliche Bestleistung unter seinen vier Mitstreitern. Und Hannes Bleidorn holte sich mit 5,10 Metern den Sieg im Kinder-Quintett. Die teilnehmenden Frauen und Mädchen standen zwar nicht ganz oben auf der Liste von Thoras Mutter Sonja Aßmann, strengten sich aber ebenso an und hatten genauso viel Spaß wie die Männer.

Und darum ging es hauptsächlich: Spaß an der Sache – und die Menschen im Herzen der Stadt Minden zusammenzubringen, so Sonja Aßmann. Der Stadtteil Nordstadt liegt schließlich genau in der Mitte Mindens (siehe Karte auf Wikimedia). Außerdem versorgte der Schützenverein alle Teilnehmer und Gäste mit Bratwurst, Glühwein, Kakao, Kinderpunsch, Kaffee und Bier zu humanen Preisen – draußen auf dem Platz wie drinnen im Schützenhaus, falls die Hände abfrieren, nachdem die Sonne verschwand an dem lauen Januar-Nachmittag.

Dort, wo die Tanne mit der Schnittstelle des Stammes auftrifft, wird die Wurfweite gemessen

Besucher aus der Nachbarschaft fanden nur vereinzelt zum Spiel, weshalb die Schützengilde und ihre Familien mit rund 50 Anwesenden mehr unter sich waren. Aber so ist das halt beim ersten Mal. Der neue Freizeitsport „Tannenbaum-Weitwurf“ muss sich erst rumsprechen. Familie Aßmann ist jedenfalls guter Hoffnung. Das Apfelfest mit Flohmarkt und Livemusik in den Vorjahren brauchte ja auch erst Anlauf. Mittlerweile sei es eines der beliebtesten Feste in der Gegend, erklärte Sonja Aßmann.

Im Übrigen laden sie und Fritz Aßmann, der 1. Vorsitzende der Schützengilde, schon jetzt zum Osterfeuer am 31. März 2018 ein sowie zum Schützenfest zu Pfingsten am 2. Mai. Wobei Letztgenanntes ihr Hauptanliegen ist: möglichst viele junge Menschen für den Schießsport zu begeistern. Nur so kann der Erhalt des Vereins mit all seinen Veranstaltungen gesichert werden.

Umgeschaut im Vereinsheim (mit Gaststätte und Schießstand) bietet dieses tatsächlich auch viel Platz zum Üben und Feiern. „Das Image des Sportschützen hat ja in den letzten Jahren sehr gelitten“, weiß Sonja Aßmann. „Nachdem wir die Öffentlichkeit aber teilhaben ließen und Interessierte auch mal Probeschießen durften, seitdem verbessert sich auch das Image des Sportschützen und unserer Schützengilde.“

Diesen Drei ist der erstmalige „Tannenbaum-Weitwurf“-Spaß in Minden zu verdanken: (v. li.) Sonja Aßmann, Thora Aßmann und Marcus Bleidorn

Ein paar Jugendliche während der Veranstaltung darauf angesprochen, scheint die Begeisterung wirklich groß zu sein. Gern werben sie dafür, dass jeder Interessierte jeden Donnerstag vorbeischauen kann. Von 18 bis 20 Uhr übt die Jugend an der Waffe und von 20 bis ca. 23 Uhr trainieren die Erwachsenen. Des Weiteren könne man die Mitglieder jederzeit auf Veranstaltungen kennenlernen und sie darauf ansprechen.

Dass hier Offenheit gegenüber Neuankömmlingen und eine angenehme Atmosphäre unter „Normalbürgern“ (sprich: keine Snobs) herrscht, haben wir schon beim Besuch des letzten Apfelfests gemerkt, und wurden wieder begeistert. Daher schließen wir mit weiteren Fotos unserer Bilderstrecke und sagen „Herzlichen Dank an die Ausrichter und Helfer für die gelungene Veranstaltung. Wir haben uns sehr wohl gefühlt“.

Und wer weiß, vielleicht tritt ein Team vom Schützengilde Minden-Nordstadt e.V. bald gegen Teams aus anderen Städten an – denn mittlerweile gibt’s in vielen Städten sogar Deutsche Meisterschaften, in Düren vom „St. Anna Schützen Berzbuir 1893 e.V.“ schon seit 2012.

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Wenn Sie mit der Mouse, dem Finger oder Stift über die Slideshow fahren, können Sie die Bilder vergrößern („Fullscreen“). Sollten Sie die Slideshow nicht sehen können, haben Sie die Möglichkeit, sich diese direkt in unserer Flickr-Galerie anzuschauen.


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