Kupferrote Mondfinsternis am Nachthimmel über Minden

Himmelsereignis des Jahrhunderts am 27. Juli 2018 in Minden beobachtet - kleinster Vollmond des Jahres strahlte rot - Mars so groß zu sehen wie zuletzt vor 15 Jahren

An einem Feldrand im Mindener Stadtteil Rodenbeck trafen Hobbyastronomen und -fotografen aufeinander, um das Himmelsereignis des Jahrhunderts zu beobachten: den Vollmond, der sich rot verfärbte, und den Mars, der seit 15 Jahren nicht so nah zur Erde war – Fotos: onm

Für die einen war’s der schönste Vollmond, den sie je am Nachthimmel sahen, für die anderen der kleinste des Jahres. Einigen konnte der “Blutmond” nicht rot genug sein und Hobby-Astronome freuten sich am vergangenen Freitag über die längste Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts. Dann war da auch noch der Mars in Opposition und die ISS mit Alexander Gerst an Bord düste vorbei. Ein Himmelsspektakel, das man auch in Minden beobachten konnte.

Gegen 21 Uhr Teleskop, Fernglas und Kamera verstaut, machten wir uns – wie viele Tausend Menschen auf diesem Erdball – am 27. Juli 2018 auf, um einen lichtarmen Platz in Minden zu finden, von wo aus man das Himmelsereignis des Jahrhunderts gut beobachten konnte: die totale Mondfinsternis (auch “MoFi” genannt), bei der der Vollmond in kupferroter Farbe erscheint (auch als “Blutmond” bezeichnet), weil er sich komplett im Kernschatten unseres Planeten Erde befindet. Außerdem war der Mars in Opposition und so groß wie letztmals vor 15 Jahren zu sehen.

Um 22.04 Uhr war der Himmel noch viel zu hell zum Mond-Beobachten über den Feldern von Minden-Rodenbeck

Über Zugangswege zu freien Feldern am Ortsteilrand von Rodenbeck gefunden, konnte man schon von Weitem erste Sternengucker erkennen, die ihre Stative justierten. Auch am angestrebten Feldrand, wo unsere Redakteurin und ein Hobbyastronom das Equipment aufbauten, befanden sie sich in bester Gesellschaft. Ein Hobbyfotograf hielt gleich zwei Kameras für das große Ereignis bereit, und ein ebenso begeisterter Freund freute sich über das große Interesse. Doch dann hieß es erst mal warten bei noch gut 25 Grad sommerlicher Außentemperatur.

Der Himmel war diesig und Straßenlaternen störten die Sicht auf die Mondfinsternis, die sich in dieser Art laut DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) erst an Silvester 2028 wiederholen würde. Zudem gebe es erst am 9. Juni 2123 eine drei Minuten längere Mondfinsternis zu sehen. Keine guten Aussichten, wenn man bedenkt, dass erst die Kinder der Enkelkinder davon etwas haben könnten. Aber das Warten hat sich gelohnt.

Gegen 22.10 Uhr meldete der Hobbyfotograf, dass er den Mond im Visier habe, knapp über der Dachspitze eines Bauernhauses am Horizont. Mit dem bloßen Auge war er jedoch noch nicht zu erkennen, obwohl er nach Expertenberechnungen bereits um 21.29 Uhr in den Kernschatten der Erde eintrat. Aber dann: Rund fünf Minuten später zeigte er sich schemenhaft im blass-roten Schimmer. Kein Wunder, der Nachthimmel über Minden wurde jetzt erst dunkel und klarte sich langsam auf. Aus Südosten aufgehend wanderte das “rote Wunder” zwar zügig gen Südwesten, aber auch um 22.20 Uhr wollte es sich noch nicht wirklich klar zeigen – bis der Himmel endlich schwarz wurde.

Nur ganz blass ist der rote Vollmond um 22.20 Uhr am Horizont zu erkennen (siehe Pfeil)

Nun wurde es aber Zeit, zwischenzeitlich haben sich schließlich zwei ältere Damen zu uns gesellt, die sich schon sehr interessiert mit Jupiter– und Saturn-Beobachtungen durchs Teleskop und Fernglas die Zeit vertrieben. Wobei zu erwähnen ist, dass der Planet Saturn mit seinen Ringen für den Hobbyastronomen erstmals so klar zu erkennen war durch seinen 900 x 114 Millimeter-Reflektor (Spiegelteleskop) – sehr zur Freude aller Anwesenden.

Punkt 22.34 Uhr flog dann die ISS mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst (voraussichtlich ab Herbst Kommandant auf der Internationalen Raumstation, engl.: Commander of the International Space Station) an Bord vorbei – ein weiteres Highlight an diesem späten Abend. Logisch, dass wir ihm zugewunken haben, auch wenn er sich rund 400 Kilometer über unseren Köpfen bewegte.

Schon die Beine in den Bauch gestanden und der ISS den Rücken zugekehrt, kam nun auch Bewegung in den “Blutmond”. Der rote Vollmond war nicht mehr zu übersehen und leuchtete immer stärker. Warum das so war, hier eine Kurzerklärung:

Die Erde wurde auf gerader Linie zur Hälfte auf der einen Seite von der Sonne angestrahlt, weshalb sich auf der gegenüberliegenden Seite ein Schatten bildete. Der Mond drang auf gleicher Linie in den Schatten (Kernschatten) ein und wurde damit abgedunkelt (Mondfinsternis). Da die Sonne aber 109 Mal größer ist als die Erde, gehen die langwelligen roten Sonnenstrahlen (kurzwelliges blaues Licht wird in der Erdatmosphäre gestreut) praktisch an der Erdkugel vorbei, werden aber durch die Erdatmosphäre gebrochen und in Richtung des Mondes gelenkt. Somit wurde der Mond in rotes (Sonnen-) Licht getaucht, erstrahlte also fürs menschliche Auge sichtbar in leuchtend roter Spektralfarbe. (Sonnenstrahlen an sich sind ja nicht farbig, sondern sozusagen “weißes Licht”). Im Übrigen kann eine totale Mondfinsternis nur bei Vollmond eintreten, weil Sonne und Mond sich von der Erde aus gesehen gegenüberstehen müssen.

Der “Kupfermond” um 23.12 Uhr kurz vor Verlassen des Kernschattens

Jedenfalls dauerte die totale Mondfinsternis mit dem roten Vollmond bis genau 23.13 Uhr. Das faszinierende Himmelsspektakel in Minden-Rodenbeck war somit in voller Pracht “nur” rund eine halbe Stunde lang für uns gut sichtbar – und nicht etwa 103 Minuten, die sie insgesamt dauerte (genauer: 103,5 Minuten von 21.29 Uhr bis 23.13 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit laut Astronomie.info, eine empfehlenswerte Website des schweizer Vereins Astroinfo). Auch leuchtete der Mond nicht “blutrot”, wie von manchen Medien kommuniziert, sondern eher kupferrot, wie von Experten beschrieben, müsste unserer Meinung nach also “Kupfermond” und nicht “Blutmond” genannt werden.

Anschließend verflüchtigte sich der Mond langsam in den Halbschatten – ein ebenso grandioses Himmelsschauspiel, das sich daran erkennen ließ, dass links vom Mond erst so ein greller weißer Punkt auftauchte – der Mond selbst, der halt aus dem Erdschatten immer weiter heraustrat, bis er schließlich in weißer lichtstarker Pracht erschien, wie man ihn kennt.

Und obwohl er unter Experten als der kleinste Vollmond des Jahres gilt, weil ihn am Freitag satte 406.220 Kilometer von der Erde trennten, konnte der Hobbyastronom durch sein Teleskop mithilfe eines speziellen Mondfilters seine Oberfläche ganz nah erkennbar machen. Ob Krater oder Berge – beim Beobachten durch das Okular bekam man das Gefühl, als könne man auf dem Mond spazieren gehen – getreu den US-Amerikanern Neil Armstrong und Edwin Aldrin (Junior), die laut Wikipedia-Ausführungen am 21. Juli 1969 als erste Menschen den Mond betraten, der in Zukunft bekanntlich noch eine bedeutende Rolle bei der Reise zum Mars einnehmen wird.

Der Vollmond, wie wir ihn sonst kennen (Archivfoto von 2014)

Apropos Mars: Auch dieser – im Vergleich zur Erde mit knapp 6800 Kilometern Durchmesser etwa halb so große – vierte Planet im Sonnensystem war am 27. Juli greifbar nah, und zwar schräg nach rechts unten vom Mond aus gesehen als kleiner gelb-oranger Punkt. Durch das Teleskop betrachtet war er auch nicht viel größer als mit bloßem Auge zu erkennen. Dennoch kann man diese Beobachtung als kleine Sensation betrachten. Denn der Mars befand sich in Opposition. Diese Konstellation, bei der sich zwei Himmelskörper von der Erde aus betrachtet im Winkelabstand von 180 Grad zueinander befinden, war zuletzt vor 15 Jahren, am 28. August 2003, gegeben.

Für alle Anwesenden war die kupferrote Mondfinsternis und die Beobachtung der anderen Planeten am Nachthimmel über den Feldern von Rodenbeck auf jeden Fall ein spannendes und faszinierendes Himmelsereignis, wovon man noch länger zehren kann. Und wer weiß, vielleicht sieht man sich am 13. August 2018 irgendwo in Minden zum Sternschnuppen-Gucken (für Fachkreise: Meteor-Strom der Perseiden im Maximum – um Neumond perfekte Bedingungen, bevorzugt in der zweiten Nachthälfte). Bis dahin wird unsere Redakteurin hoffentlich genug Geld für eine Schnellwechselplatte für ihre NIKON D7200 zusammenhaben, die ihr vor Kurzem ärgerlicherweise zerbrach. So musste sie in der “Nacht der Nächte” ohne Stativ auskommen.

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Textquelle: Wikipedia, Zeit online, astronomie.info, OctoberNews


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