Künstler Frank Bölter ließ großes Papierschiff in Minden zu Wasser

Kunstprojekt gelungen: Neun Meter langes Papierschiff "PS Minden" schwamm am Vatertag 2017 mit dem Faltkünstler aus Köln auf der Weser in Minden

Am Weserufer in Minden zu Wasser gelassen schwamm das Papierschiff „PS Minden“ in Übergröße des Künstlers Frank Bölter mit ihm und anderen an Board nach der Jungfernfahrt im Badebereich auf der Weser – Fotos: onm

Über acht Monate hat das „PS Minden“ (Papierschiff Minden) zuerst in der Bürgerhalle, dann in einem leeren Ladengeschäft im Rathaustrakt auf seinen großen Einsatz warten müssen. An Christi Himmelfahrt 2017 war es soweit: Das neun Meter lange Faltboot des Künstlers Frank Bölter aus Köln wurde auf der Weser in der Stadt Minden zu Wasser gelassen – und schwamm.

Wer kennt sie nicht, die kleinen Schiffchen, die man aus Serviette, Deko-, Drucker- oder Zeitungspapier faltet – aus Spaß am Basteln, zu Dekorationszwecken oder als Koordinationsübung. Der international bekannte Künstler Frank Bölter denkt da etwas weiter, genauer gesagt an Origami (japanisch: falten und kami = Papier), die Kunst des Papierfaltens. Dabei greift er Dinge aus dem alltäglichen Leben weltweit auf, wie Häuser, Autos, Panzer, aber auch Fantastisches wie Ufos, setzt sie meist in Bezug auf den jeweiligen Ort und dessen Geschichte, und baut sie aus Papier oder Pappe nach – in Lebensgröße oder überdimensional, wie ein schwimmfähiges Papierschiff.

Hierbei sucht der in Köln lebende und arbeitende Künstler stets Menschen aus der unmittelbaren Umgebung vor Ort, die an seinem Kunstprojekt aktiv mitwirken. So geschehen in der ostwestfälischen Stadt Minden. Im September letzten Jahres funktionierte er den Marktplatz kurzerhand zur Werft um und faltete aus insgesamt 18 x 9 Meter Materialfläche zusammen mit rund 20 Beteiligten ein Schiff aus 300 Gramm schwerem Tetrapak in den Maßen von circa 9 Meter Länge, 2,50 Meter Höhe und 2,50 Meter Breite.

Das überdimensionale Papierschiff des Künstlers Frank Bölter wird zu Wasser gelassen – ein außergewöhnliches Ereignis, das sich Hunderte Mindener von der Glacisbrücke und vom Weserufer aus nicht entgehen ließen am Vatertag

Das Verbundmaterial, bestehend aus Kunststofffolie, Aluminiumfolie und beschichtetem Karton, wie man es von Milchpackungen her kennt, hat den Vorteil gegenüber herkömmlichem Papier, dass der Karton nicht so schnell durchweicht. Das kleine Papierschiffchen wurde somit zum großen „Milchtüten“-Schiff, mit Heißpistolen zusammengeschweißt aus mehreren Tetrapak-Bahnen – aber ganz in Weiß und getauft auf den Namen „Papierschiff Minden“ (kurz: PS Minden).

Das Besondere daran: Es kann auch Menschen transportieren. „Drei bis vier Erwachsene hat es gehalten, je nach Gewicht und ob es strikt nach meiner Anleitung gebaut wurde oder nicht“, erklärte Bölter. Denn nicht immer halten sich die Mitwirkenden an seine Anweisungen, wie zum Beispiel 2016 in Marseille. Die Festivalbesucher von „Travellings“ ignorierten die Vorstellung des Künstlers, lebensgroße Papierflieger in riesige Origami-Türme fliegen zu lassen (in Bezug auf „Nine-Eleven“ – Terroranschläge am 11. September 2011 in den USA) und entschieden sich stattdessen dafür, Schiffe, Autos und einen Swimmingpool als Symbole des friedlichen urbanen Zusammenlebens zu falten. Nur eine Gruppe von origami-verständigen Besuchern faltete am Ende des Festivals einen originalgroßen Papierpanzer.

Bürgermeister Michael Jäcke (re.) watete in kurzen Hosen durch die Weser nach seiner kurzen Mitfahrt im „PS Minden“, um an Land zu kommen

Hier in Minden schien die Arbeit mit den 20 „Bootsbauern“ Anfang September 2016 nicht ganz so kompliziert gewesen zu sein. Es gab wohl die einen oder anderen, die mit den riesigen Ausmaßen des Papierschiffs nicht klarkamen oder an der falschen Stelle falteten, aber im Großen und Ganzen zeigte sich der in Lippstadt geborene Künstler zufrieden. Ob das Kunstwerk schwimmen kann, konnte es jedoch erst über acht Monate später beweisen, nämlich am 25. Mai 2017 zu Christi Himmelfahrt bzw. Vatertag (wobei ein Bezug zum Feiertag oder der Stadt Minden seitens des Künstlers nicht zu erkennen war).

Das Schiff wurde aus seiner „Glashülle“ (leerstehendes Geschäft im Rathaus-Neubau) befreit, mit rund 20 Helfern durch die Innenstadt über die Glacisbrücke getragen„und auf dem Weg dorthin wurden es immer mehr Leute“, merkte Bölter an (wahrscheinlich, weil gleichzeitig Vatertag und das Familienfest auf Kanzlers Weide gefeiert wurde) -, bis es schließlich neben der Glacisbrücke zur Jungfernfahrt auf der Weser auslaufen konnte.

Mit „Kapitän“ Frank Bölter an Board brauchte es noch Schubser von der DLRG, und los ging’s. Doch obwohl Bölter mit seinen überdimensionalen Papierschiffen schon anderthalb Stunden lang die Nordsee durchquerte und mal am Strand von Sri Lanka ankerte (siehe seine Website), ließ die Stadt Minden (vermutlich aus Sicherheitsgründen) das „PS Minden“ ohne den Mindener Bürgermeister Michael Jäcke nur einige Meter bis zur mit Bojen ausgewiesenen Badefläche am Weserstrand schippern.

Ahoi, Seemänner! Auch wenn die beiden Männer rechts und links von Bürgermeister Jäcke und Künstler Frank Bölter (der sich trotz Rock ’n’ Roll-Koteletten und bei 25 Grad im Schatten mächtig in Schale schmiss) sich nur als „passendes Beiwerk“ bezeichneten, ist das Gesamtbild doch sehenswert

Nichtsdestotrotz waren die Glacisbrücke und der Weserstrand voll mit Zuschauern, insbesondere als Bürgermeister Michael Jäcke am Badestrand kurz dazustieg. „Man wurde überhaupt nicht nass in dem Schiff und es glitt ganz seicht dahin“, freute er sich nach der Kurzfahrt und watete schließlich, sportlich, wie er ist, in kurzen Hosen durch die Weser zurück ans Ufer.

Zwei Mädchen hingegen stiegen zu dem Künstler ins Boot und trieben noch eine Weile – auch ohne Künstler – auf dem Wasser. Ein Spaß, den man halt nicht jeden Tag mitmachen kann.

Später sollte das „PS Minden“ wieder an Land geholt, entfaltet und lauter keine Schiffchen draus gebastelt werden. Doch da waren wir nicht mehr dabei, sondern am Vatertag an vielen anderen Stellen unterwegs. Insgesamt war das jedenfalls eine großartige Aktion des deutschen Papierfaltkünstlers Frank Bölter. In diesem Sinne senden wir herzliche Grüße nach Köln und sagen Danke, dass die Mindener Bürgerinnen und Bürger daran teilhaben durften.

Ein paar mehr Bildchen gibt’s auch noch:


Diesen Bericht teilen: