Künstler der Lüfte: Drohnen-Piloten beim FPV Festival Friedewalde 2019

Beim dritten FPV Festival Friedewalde 2019 zeigten Drohnen-Piloten, was in ihnen steckt – Fotos und Video: onm

Ob im Freestyle, Teamrace oder Qualify fürs Finale – um die 200 Drohnen-Piloten konnten sich fünf Tage lang beim 3. FPV Festival in Friedewalde austoben, bis der letzte Akku versagte, der Vorrat an Rotorblättern zuneige ging oder das Flugobjekt am berüchtigten Holzpfosten zerschellte.

Nur Fotos schießen oder Filmchen drehen ist langweilig. Wie Niklas Solle alias ‚Upsidedown FPV‘ wird es wohl vielen Piloten ergangen sein, bevor sie zum Drohnen-Rennen kamen. Er stieg 2012 auf Multikopter (bzw. die kleineren Quadkopter) um, nachdem sein Nachbar „so ein Gerät“ hatte. Außerdem begann Ende 2011 mit dem Saarländer Rolf Venz aus Bexbach ein regelrechter Hype. 2014 gründete sich zudem die Facebook-Gruppe ‚FPV Racer Germany‘, der mittlerweile über 9000 Mitglieder angehören. Seitdem gibt’s kein Zurück mehr für den heute 19-Jährigen, der schon an internationalen Wettbewerben teilnahm, auch in den USA.

Während Feierlustige mit Bollerwagen durch Friedewalde liefen, zog es Drohnen-Pilot und 3D-Kunstflieger Niklas Solle am Vatertag wie seine Mitstreiter zum FPV Festival

Als Ausgleich zum FPV Festival führte er beim Sportfest Friedewalde nebenan einen 3D-Kunstflug vor. Die zackigen und schnellen Bewegungen seines Modell-Hubschraubers erinnerten an die Flugkünste einer Libelle, die vor den Augen der staunenden Vatertags-Feiernden zu tanzen begann. Doch wie alle anderen Festival-Teilnehmer zwischen ca. 14 und 60 Jahren (darunter auch einige Frauen) musste auch Niklas wieder zurück an die Videobrille, wenn er noch Punkte sammeln wollte. Tatsächlich holte er beim Finale am Sonntag den 3. Platz in der Klasse ‚Racer‘ (schnellere Pro-Klasse) und damit einen Bronze-Pokal.

Die Kunst, eine Renn-Drohne zu fliegen, beherrschte aber vor allem Marcel Gregor. Wie alle Piloten ist auch er unter einem Nicknamen bekannt und nennt sich ‚RaiToR‘. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Stundenkilometern auf der Hürdenstrecke holte er 19 Punkte in der Racer-Klasse. Ob er die Runden-Bestzeit von 27 Sekunden (die am Finaltag gegen ca. 14 Uhr bekannt wurde) schlagen konnte, ist uns nicht bekannt. Aber er errang Platz 1 und einen Gold-Pokal.

Wohl verdient, wie alle Freestyler und diejenigen, überwiegend jungen Teilnehmer, die in der ‚Gaudi‘-Klasse antraten. Bei teils stürmischen Wind am Donnerstag und brütender Sommerhitze am Sonntag lenkten die rund 200 Piloten ihre 400 bis 500 Gramm leichten, teils selbst zusammengebauten Drohnen (bestehend aus Frame (Grundrahmen), Propeller, Motor, Videosender- und -empfänger, Platinen), bestückt mit Akkus und Analog-Kamera für die 1:1-Direktübertragung, per Fernsteuerung und Videobrille (die die Flugdaten an das Tracking-System überträgt zur Auswertung, die Flüge aufzeichnen und abspielen kann) so geschickt wie möglich durch den Parcours.

Wer noch nie (auch für uns war es das erste Mal) Drohnen-Rennen gesehen und vor allem gehört hat, hier ein kurzer Videoausschnitt vom FPV Festival Friedewalde 2019:

YouTube

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Mannshohe Netze schützten dabei die Zuschauer vor den rasanten Fliegern, die im hinteren Teil des Parcours, also hinter dem berüchtigten großen Holz-Hindernis, an dem zahlreiche Kopter crashten, auch mal das eine oder andere Loch ins Netz schnitten. Dass Zuschauer an dieser Stelle mindestens einen Meter Abstand zum Netz einhalten, darauf passte Christopher ‚Captain‘ Rohe schon auf. Mit Argusaugen und Megaphone ‚bewaffnet‘, gab er auch sämtliche Anweisungen an die Piloten. Denn „Race Copter sind keine Spielzeuge!“, stellt Mitorganisator Philipp Seidel auf seinem Blog klar, wo insbesondere Anfänger hilfreiche Tipps finden.

Frauen waren zwar die Ausnahme beim Festival, dennoch holte sich Daniela Seel alias ‚FPV Angioletta‘ den 1. Platz in der ‚Gaudi‘-Klasse

Wichtig sei auch, dass die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen 100 Meter Höhe nicht überschritten werden bei den Drohnen-Flügen, erklärte Veranstalter und Gründer Marc ‚Macki‘ Prieß in einem Interview vor Ort. Ob es im Freien windig sei oder nicht, spiele dabei keine Rolle. „Die Copter sind so klein und kraftvoll, dass sie keine große Windangriffsfläche bieten. Da kann man sich drauf einstellen als Pilot.“

Nur die Hitze am vergangenen Sonntag machte zu schaffen, da wurde jeder noch so kleine Schattenplatz im eigenen Zelt, unter den Lkw-Hängern, unter Bäumen oder neben Containern ausgenutzt, wovon einer zum Ärger der Veranstalter in Flammen aufging. Doch so schnell wie eine Frau „wir brauchen Feuerlöscher“ rief, brachten zig Menschen mit Wasser gefüllte Flaschen und Eimer herbei, um das Feuer im Müllcontainer zu löschen. Vermutlich führte ein überhitzter Akku zum Brand – ein Verschleißteil, das praktisch nach jeder Flugrunde ersetzt werden musste. Der schnellen Reaktion der jungen Leute war es zu verdanken, dass nichts Schlimmeres passierte, das Feuer konnte gebannt werden.

Überhaupt herrschte an Christi Himmelfahrt wie auch am Final-Sonntag, an denen wir vor Ort waren, eine unglaublich angenehme, friedliche Stimmung auf dem Festival-Gelände (von den Drohnenflügen mal abgesehen, die wie laute Bienenschwärme klangen). Durchweg alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren ausgeglichen, zugänglich und offen für jede Detailfrage. Nur die Veranstalter, darunter auch Sven Claar, Daniel Koch und am Tracking-System Niels Troist, waren im Organisationsstress. Nichtsdestotrotz nahm sich ‚Macki‘ etwas Auszeit und schilderte, wie es zum ersten FPV Festival in Petershagen kam:

Veranstalter und Gründer Marc ‚Macki‘ Prieß hatte sichtlich Spaß auf dem Festival und gratulierte am Finaltag jedem einzelnen Pokal- und Medaillensieger

Seit 2014/15 beschäftige sich der heute 34-Jährige mit dem Thema Race Copter. Dann knüpfte der gebürtige Friedewalder Kontakte zum ortsansässigen Sportfest-Veranstalter. Diesem legte er ein Konzept vor und erläuterte ihm anhand Beispielen ähnlicher Drohnenrennen, wie so etwas vonstattengehen kann. Nachdem alle Formalitäten geklärt und Genehmigungen eingeholt waren, konnte es 2016 losgehen, das 1. FPV Festival Friedewalde war geboren – wobei FPV für „First Person View“ stehe, also die Person, die durch das Tragen einer Videobrille den Eindruck erhalte, selbst im Cockpit des unbemannten Flugobjekts zu sitzen.

Seitdem soll das Festival jedes Jahr stattfinden, konnte aber 2018 aus uns unbekannten Gründen nicht durchgesetzt werden. Umso mehr freute er sich, dass es 2019 weiterging. So dauerte der finale Sonntag rund drei Stunden länger als geplant. Aber das für Donnerstag angekündigte ‚Dragrace‘ musste dennoch abgesagt werden. „Aus Sicherheitsgründen, wir haben einfach kein größeres bzw. längeres Feld bekommen“, antwortete Rohe auf unsere Nachfrage.

Ungewöhnlich waren auf jeden Fall drei Szenen während der Veranstaltungstage:

  • Als für die Flugkünste eines Freestylers kräftig applaudiert wurde, murmelte er leise vor sich hin: „Ist das peinlich.“
  • Die Antifa machte mit einem Stand auf sich aufmerksam.
  • Und ein Storch wollte wohl auch mal den Parcours austesten, nur deutlich langsamer, über die Hürden hinweg und in kreisenden Bewegungen (vielleicht wollte er die Holland-Acht versuchen?).

Erwähnenswert ist auch, dass Mitstreiter und interessierte Zuschauer über große Bildschirme, die in einem Lkw untergebracht waren, und kleine Displays hinter den Sitzplätzen der Piloten sowie die Teammitglieder über vernetzte Videobrillen die Flüge mitverfolgen konnten. Das sah dann so aus:

Über Displays und vernetzte Videobrillen konnten Teammitglieder die Flüge der Piloten live mitverfolgen

Letztendlich sollen die Erlöse wie bisher einem guten Zweck zugutekommen, in diesem Jahr der Deutschen Kinderkrebsstiftung. Zudem rief der ‚Captain‘ die Teilnehmer dazu auf, ihre Pfandflaschen zu spenden. Und zuguterletzt ging noch ein mit allen Unterschriften der Teilnehmer versehenes aufblasbares Badespielzeug in Gestalt eines Einhorns für 250 Euro unter den Hammer.

Wäre da nicht der Sonnenbrand vom Sonntag, hätte das 3. FPV Festival in Petershagen-Friedewalde auch Spaß gemacht, aber so … Nee, nee, Scherz beiseite. Die Veranstaltung war wirklich der Hammer, perfekt ausgerichtet und können wir jedem nur empfehlen, dabei zu sein und mitzuerleben. Wie schon beim Entstehen des Gruppenfotos laut gefordert: „Auf dass es 2020 wieder stattfindet!“ – Wir drücken die Daumen.

Bis dahin viel Spaß mit unserer umfassenden Bildergalerie:


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