Kreis Lippe veröffentlicht „Masterplan 100 % Klimaschutz“

Während der UN-Klimakonferenz in Bonn gibt Lippes Landrat Dr. Lehmann fertigen Masterplan bekannt und will Vorbildrolle im Klimaschutz einnehmen

Für mehr grüne Energie und weniger Treibhausgas: Landrat Dr. Axel Lehmann hält den „Masterplan 100 % Klimaschutz“ für ein besseres Klima im Kreis Lippe in der Hand

Während in Bonn durch zahlreiche Demonstrationen gegen geplante Maßnahmen der UN-Klimakonferenz klar wird, dass die Bundesrepublik Deutschland deutlich bei ihren Klimazielen hinterherhinkt, gibt Landrat Dr. Lehmann den fertigen „Masterplan 100 % Klimaschutz“ für den Kreis Lippe bekannt – für mehr grüne Energie und weniger Treibhausgase. Damit will der Kreis eine Vorbildrolle einnehmen.

Seit 2012 fördert das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) mit der Nationalen Klimaschutzinitiative ausgewählte Kommunen und Landkreise in Deutschland mit dem „Masterplan 100 % Klimaschutz“. Wer dem beitritt, verpflichtet sich, den Ausstoß von Treibhausgasemissionen bis 2050 um 95 Prozent gegenüber 1990 zu mindern und den Endenergiebedarf in diesem Zeitraum zu halbieren.

Laut Umweltbundesamt konnten 1990 allein 1251 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen (Kohlendioxid-Äquivalente) verzeichnet werden und 2016 906 Millionen Tonnen (Stand: 20. März 2017 – siehe Bericht). Dies entspricht einer Minderung von 27,58 Prozent in 26 Jahren. Die Bundesregierung hat sich jedoch im Jahr 2007 mit dem „Integrierten Energie- und Klimaprogramm“ national zu einer 40-prozentigen Minderung der deutschen Treibhausgasemissionen bis 2020 (gegenüber 1990) verpflichtet. Dass dieses Ziel de facto nicht zu erreichen sei, wurde jüngst in der COP 23 – UN-Klimakonferenz 2017 in Bonn debattiert – womit die deutsche Bundesregierung als „Prediger des Umwelt- und Klimaschutzes“ und nach dem VW-Abgasskandal weltweit in die Kritik geraten ist.

Das lässt der Kreis Lippe nicht auf sich sitzen. Als einer von 22 Teilnehmern hat er sich den Zielen des BMUB angeschlossen und einen entsprechenden „Masterplan 100 % Klimaschutz – Gemeinsam für ein Klima mit Zukunft“ im Rahmen des Regionalbündnisses 2050 ausgearbeitet und nun die Beschlussvorlage 130/2017 veröffentlicht. Mit dem fertigen Masterplan können die Kreisverwaltung und der KlimaPakt Lippe nun konkrete Initiativen vorlegen.

„Klimaschutz darf und kann nicht aufgeschoben werden. Durch die vielen Ideen und die Motivation der Beteiligten sowie die vorhandene Infrastruktur können wir die Maßnahmen zeitnah umsetzen“, freut sich Landrat Dr. Axel Lehmann über die Ergebnisse.

Die Treibhausgasemissionen seien von 1990 bis 2015 zwar schon gesunken, sollen aber im Kreis Lippe bis 2050 drastisch reduziert werden – Quelle: „Masterplan 100 % Klimaschutz“ Kreis Lippe

Für das ehrgeizige Ziel muss man natürlich auch die Ausgangslage kennen. Dem Masterplan kann man entnehmen, dass sich die Treibhausgasemissionen im Kreis Lippe im Jahr 2015 auf rund 2,8 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente beliefen und die Energieverbräuche auf 8116 Gigawattstunden (Strom, Wärme, Kraftstoffe). Zurückgerechnet auf das Jahr 1990 wurde ein Gesamtenergieverbrauch von 9266 Gigawattstunden errechnet. Somit müsste der Endenergiebedarf des Kreises Lippe bis 2050 auf 4633 Gigawattstunden sinken und die Treibhausgasemissionen auf rund 140.000 Tonnen.

Mit verschiedenen Konzepten zu den Arbeitsschwerpunkten „Klimaschutz im persönlichen Lebensumfeld“, „Bau und Technologie“ und „Nachhaltige Mobilität“ will Lippe die Vorgaben erfüllen. „Die erarbeiteten Maßnahmen greifen Bereiche aus dem Zukunftskonzept Lippe 2025 auf und ergänzen sie. Damit können wir eine ganzheitliche Strategie zum nachhaltigen Klimaschutz vorlegen“, erklärt der Landrat.

Dr. Ute Röder, Fachbereichsleiterin Umwelt und Energie des Kreises: „Im vergangenen Jahr haben wir über 150 Gespräche mit Fachleuten geführt und unser zukünftiges Vorgehen an die Ergebnisse angepasst. Uns ist es wichtig, dass wir dabei keine starren Maßnahmen benennen, sondern einen dynamischen Prozess starten, aus dem weitere Handlungsfelder hervorgehen können.“

Die Kooperation und Vernetzung mit den lippischen Kommunen und den regionalen Unternehmen sowie die Beteiligung der Lipper sei ein wesentliches Merkmal des Masterplans. „Unser Motto heißt: Gemeinsam für ein Klima mit Zukunft. Die Projekte sind daher so ausgelegt, dass jeder seinen Teil dazu beitragen kann“, betont Olrik Meyer, Fachgebietsleiter Immissionsschutz und Energie des Kreises Lippe.

Wie die Zusammenarbeit genau aussehen kann, zeigen beispielhaft zwei Initiativen: Zwischen Lemgo und Bad Pyrmont ist unter Beteiligung von Phoenix Contact eine Schnellbuslinie entstanden, um den ÖPNV für Arbeitnehmer attraktiver zu machen. Als Modellprojekt wird sogar angestrebt, elektrisch betriebene Busse auf der Strecke einzusetzen. Des Weiteren soll ein Mehrwegbecher-System in Lippe entstehen. Entwickelt wurde die Idee bei der Veranstaltung „Lab of the Region“ von der Hochschule OWL und der Peter-Gläsel-Stiftung. Die „Coffee-to-go“-Alternative, angeregt vom BUND Detmold, habe auch Zuspruch von der Stadt Detmold, den regionalen Stadtwerken und der Abfallbeseitigung-GmbH Lippe bekommen.

Insgesamt sieht das Förderprogramm des Bundesumweltministeriums „Masterplan 100 % Klimaschutz“ vor, dass alle beteiligten Kommunen bis 2020 ihre Ideen umsetzen müssen. Dafür bekommt der Kreis Lippe 750.000 Euro vom Bund zur Verfügung gestellt, zusätzlich kann eine ausgewählte Einzelmaßnahme mit 200.000 Euro bezuschusst werden. Der Kreis selbst investiert rund 190.000 Euro. Für das Programm sind beim Kreis zudem drei Masterplanmanager aktiv, die sich speziell mit der Umsetzung beschäftigen.

Alle Informationen über den 233 Seiten umfassenden „Masterplan 100 % Klimaschutz“ des Kreises Lippe findet man auf der Website www.klimapakt-lippe.de, den Masterplan an sich und Analyseteile hier.

Quelle Text und Foto: Pressestelle Kreis Lippe, Umformulierung/Ergänzung: OctoberNews


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