Köln-Mindener Eisenbahn – Themenführung in Minden

Ab 8. Oktober 2016 werden Führungen in der Mindener Neustadt angeboten - beginnend mit dem Bahnhof Minden, Laxburg, Bahnhofskaserne, Bahnhofsviertel

Der historische Bahnhof Minden ist eng mit der Metropole Köln verbunden – das und vieles mehr erklären Städteführer ab sofort auf gemeinsamen “Reisen” mit ihren Gästen durch die Geschichte der Mindener Neustadt – Archivfoto: onm

Ein neues Angebot für alle, die mehr über die Geschichte der ostwestfälischen Stadt Minden wissen möchten, bietet die Minden Marketing GmbH ab 8. Oktober 2016 an: Gästeführer Norbert Ellermann wird durch die Mindener Neustadt führen.

Los geht’s diesen Samstag um 16 Uhr am Bahnhof Minden, der einen besonderen Bezug zur Metropole Köln hat, nämlich die “Cöln-Mindener Eisenbahn” – die ehemals erste Zugverbindung zwischen dem Ruhrtal und einst westfälischen Kohlerevier. Der Mindener Bahnhof wurde als Endpunkt der Köln-Mindener Eisenbahnlinie erbaut.

Bereits 1825 veröffentlichte der Fabrikant Friedrich Harkort erste Pläne und Überlegungen über die Anlegung von Eisenbahnen im Ruhrtal, im westfälischen Kohlerevier sowie zu den Nordseehäfen. Er beschrieb die Vorteile billiger Eisenbahntransporte für die Steigerung des Absatzes, Erhöhung der Produktion und damit verbundener Gewinnmaximierung. 1831 schlägt Harkort zudem die Stadt Minden als “Ausgangspunkt einer Eisenbahnlinie an den Rhein bei Köln” vor.

Nachdem die preußische Staatsverwaltung den Bau dieser Bahnlinie mit öffentlichen Mitteln 1832 ablehnte, forderte das Mindener Eisenbahnkomitee die Gründung einer privaten Aktiengesellschaft. 1836 war es dann soweit: Die “Rhein-Weser-Eisenbahn-Aktiengesellschaft” wurde geboren. Guter Dinge wurde 1838 mit den ersten Bauarbeiten begonnen. Der Traum währte jedoch nicht lange: Das Kapital reichte nicht aus und staatliche Mittel wurden verweigert.

Aber es tat sich was in 350 Kilometer Entfernung. Am 29. Oktober 1838 wurde die erste preußische Eisenbahnlinie zwischen Berlin und Potsdam in Betrieb genommen und von dem 43-jährigen Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV. von Preußen euphorisch angepriesen: „Diesen Karren, der durch die Welt rollt, hält kein Menschenarm auf.“ Während Friedrich Wilhelm III (König von Preußen) im Alter von 68 Jahren die Teilnahme an der Jungfernfahrt verweigerte mit den Worten: „Kann mir keine große Seligkeit davon versprechen, ein paar Stunden früher von Berlin in Potsdam zu sein.“

Nichtsdestotrotz: “Et kütt, wie et kütt”, wie die Kölner zu sagen pflegen. Die Eisenbahn brachte Bewegung in die Welt – und in den Geldbeutel der Staatskasse. Im ersten Jahr wurden zwischen Berlin und Potsdam 674.171 Personen befördert, ein Reingewinn von 80.884 Talern. Pferdekutschen hatten ausgedient.

Der Ausbau des Schienennetzes nahm jetzt Fahrt auf und war nicht mehr aufzuhalten. Noch im gleichen Jahr 1838 wurde das erste preußische Eisenbahngesetz verabschiedet. Das Königreich Hannover sah zudem den Eisenbahnbau als Staatsaufgabe an – getrieben von Industrie, Militär, Wirtschaft und Politik. So wurde am 10. April 1841 ein Staatsvertrag zwischen Preußen und Hannover über den Bau einer durchgehenden Eisenbahnverbindung zwischen Berlin und dem Rheinland über Hannover und Minden geschlossen.

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Der historische Deutzer Bahnhof in Köln verbindet noch heute die Weserstadt Minden mit der Rhein-Metropole – Archivfoto 2008: onm

Der Grundstein war gelegt. Nun konnte es auch in der Weserstadt weitergehen. Am 9. Oktober 1843 wurde die “Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft” (kurz: CME) gegründet. Trotz diverser Streitigkeiten zwischen den Städten und Landkreisen über den genauen Verlauf begannen die Bauarbeiten der Bahnlinie zwischen Köln-Deutz und Minden. Denn am 18. Dezember 1843 erhielt die CME die Konzession zum Bau einer Eisenbahnstrecke, die die Metropole Köln mit den Städten des rheinisch-westfälischen Industriegebietes verbinden und in Minden den Anschluss an das Streckennetz der Königlich Hannöverschen Staatseisenbahnen herstellen sollte.

Jetzt fehlte nur noch der Bahnhof. So begann man 1844 mit den Bauarbeiten zur Anlage des künftigen Bahnhofs Minden und der militärischen Befestigungsanlagen. Das Bahnhofsgebäude wurde im romantischen Baustil mit seinen mittelalterlich gestalteten Türmen und Zinnen am 15. Oktober 1847 schließlich im Rohbau fertiggestellt und Ende 1848 als Endbahnhof der CME dem Verkehr übergeben.

Währenddessen wurde der Streckenausbau im Mindener Gebiet ab März 1846 vorangetrieben, wie auch im Rheinland, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen, bis man schließlich am 15. Oktober 1847 die Eröffnung einer durchgehenden Eisenbahnverbindung “Magdeburg – Hannover – Minden – Cöln” feiern konnte.

Minden und Köln sind seitdem untrennbar miteinander verbunden, wie man deutlich an den beiden Wappen hoch oben an den Türmen des historischen Mindener Bahnhofs erkennen kann. Doch noch etwas verbindet die beiden Städte an Weser und Rhein: Beide liegen in Nordrhein-Westfalen und beide haben einen Dom.

Aber was reden wir. Wer mehr über die Entwicklung des Bahnhofsviertels, die (durch Dachstuhlbrand beschädigte) Bahnhofskaserne und das wohl kleinste Quartier Mindens: die Laxburg, erfahren will, sollte die 90-minütige Führung mit Norbert Ellermann am 8. Oktober nicht verpassen.

Treffpunkt:
16 Uhr
Haupteingang am Bahnhof Minden (Google Maps)

Die Kosten betragen 5 Euro pro Person.

Quelle: Stadt Minden, museumseisenbahn-minden.de, preussenchronik.de, OctoberNews


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