Kleintierzucht ist Generationensache in Minden

Beim Kleintierzuchtverein Kuhlenkamp in Minden zählt vor allem die Liebe zum Tier und zur Familie - zu Besuch bei der 72. Rassegeflügel- und Kaninchenschau

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25 Jahre Mitgliedschaft im Landesverband der Westfälischen Kaninchenzüchter haben Anja Horstmann geprägt. Stolz hält sie eines ihrer Zuchtkaninchen im Arm. – Fotos: onm

66 Kaninchen, 55 Hähne und Hennen sowie 28 Tauben und drei Gast-Enten waren auf der 72. Rassegeflügel- und Kaninchenschau am vergangenen Samstag in Minden die Hauptattraktion. Doch auch ihre „Eltern“ sind nicht zu verachten: Seit fünf Generationen wird die Kleintierzucht in den Familien bereits weitergegeben. „Das Schöne an dem Verein ist das Familiäre, dass alle füreinander da sind, ein richtiger Zusammenhalt“, schwärmt Jugend- und Ausstellungsleiterin Anja Horstmann.

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Herbert Horstmann ist schon seit 60 Jahren dabei

Seit 72 Jahren präsentieren Kleintierzüchter aus dem Mühlenkreis jährlich ihre Erfolge bei der Rassegeflügel- und Kaninchenschau in Minden, veranstaltet vom „KTZV Kuhlenkamp 1943 e.V.“ bzw. dem „Kleintierzuchtverein (KTZV) W 800 Kuhlenkamp e.V.“, wie er im Kreisverband gekennzeichnet wird. Wobei die Kennzeichnung „W 800“ immer im rechten Ohr des Tieres zu finden ist, erklärt Herbert Horstmann, 2. Vorsitzender des KTZV und Vater von Jugendleiterin Anja. Ist auf der Tafel am jeweiligen Tierkäfig beispielsweise die Ziffer „754“ zu finden, stehen die Zahlen von links nach rechts für den Monat (Juli), das Jahr (2015) und die Nummer im Zuchtbuch. Alttiere werden zudem gewogen, Jüngere nicht, wobei Zuchtkaninchen meist um die sieben bis acht Jahre alt werden – mit Ausnahme von Horstmanns Ältesten, der ihm vor 15 Jahren hinterherlief.

Soweit zur Theorie. Die Praxis ist natürlich wesentlich spannender. So wollte Herbert Horstmann eigentlich aufhören mit dem Züchten, erzählt seine Tochter, hat es sich im Alter aber anders überlegt und eine neue, unglaublich schöne Kaninchenrasse herausgebracht, die „Klein Rexe castorfarbig“ – eine Mischung aus „Castor Rexe“ und „Zwerg Rexe castorfarbig“ – wobei die Größe irgendwo dazwischen läge. Das samtig Braun bis Schwarz schimmernde kurzhaarige Fell erinnert an einen Zwergotter, nur wesentlich weicher, gleichmäßiger und schimmernder. Aber Bilder sagen manchmal mehr als Worte:

Nur die Käfigtür sollte man besser nicht öffnen während der Ausstellung, denn dann macht es sich gleich an der Papierplane zu schaffen.

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Die 14-jährige Celine Horstmann brachte Lose an den Mann

„Nun sind Papa und ich im Rex-Club“, freut sich Anja Horstmann. „Mein Vater ist ja schon über 60 Jahre im Verein. Und mein verstorbener Opa Wilhelm hat ja den Verein mitbegründet mit fünf bis sechs Leuten. Außerdem gibt es schon eine vierte Generation: Meine Nichte Celine stand ja heute an der Lostrommel. Und mein 10-jähriger Neffe Jamie ist auch schon dabei.“

Fünf Generationen findet man auch bei der Familie Lohmeyer, erklärt Anja Horstmann. August Lohmeyer hat den Verein ebenfalls mitbegründet, sein Sohn Werner, Tochter Gunhild Nommensen und ihr Enkelkind sind ebenfalls dabei. Und die Familie Rohlfing scheint sich die Kleintierzucht praktisch „auf den Leib geschrieben“ zu haben. Gerätewart Friedhelm und 2. Schriftführer Achim Rohlfing errangen bei der Ausstellung so viele Preise für ihre kleinen Kaninchenrassen, vom Ortsvorsteher-Pokal über den Stadt-Ehrenpreis bis zur Landesverbandsmedaille, da brauchten sie sich eigentlich gar nicht wieder zurück an den Tisch setzen. Margarete Rohlfing sorgte derweil zusammen mit Barbara Nommensen und Sabine Wehling für die soziale Betreuung der tierischen wie menschlichen Besucher.

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Der birkenfarbige Zwergkämpfer zeigte sich wie auf dem Laufsteg

Peter Landwehr, 1. Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins Kuhlenkamp, ist stolz darauf, auf Ausstellungen dieser Art immer wieder beachtliche Leistungen der Kleintierzüchter vorstellen zu können, wobei die Bewertung der ausgestellten Tiere sicher nicht leicht gewesen sei unter den erfahrenen Preisrichtern. Er hofft, mit der jährlich stattfindenden Rassegeflügel- und Kaninchenschau möglichst viele Freunde für die Kleintierzucht gewinnen zu können.

Auch Hans Jürgen Wolff, SPD-Stadtverordneter Minderheide, gab zu verstehen, dass es „im Zeitalter von Tablets und Smartphones schön sei, wenn Kinder sich mit Tieren beschäftigen“. Stellvertretender Bürgermeister Egon Stellbrink, Günter Welle, 1. Vorsitzender des Skat- und Doppelkopf-Clubs, Thorsten Benner, 1. Vorsitzender der Siedlergemeinschaft, Arnold Straubhaar, Ehrenmitglied des Landesverbandes Westfälischer Rassekaninchenzüchter, Nicole Kalau und Ernst Rethmeier, Beisitzer im Kreisverband der Rassegeflügelzüchter Minden, sowie Stefanie Diekmann-Wilharm, 2. Vorsitzende des Kreisverbandes der Rassekaninchenzüchter Minden Lübbecke Herford – die alle in der Jury saßen – können dem nur zustimmen. Denn leider fehle es noch immer an Nachwuchs.

Till Waltemathe ist schon dabei in der Jugendgruppe. Mit seinen vier „modernen englischen silberhalsigen Zwergkämpfern“ (zwei Hennen und zwei Hähnen) bereiste er bereits zusammen mit seinem Opa Kreis- und Landesschauen. „Und zu Hause habe ich noch einen Hahn“, erzählt er selbstbewusst.

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Till Waltemathe tourt mit Opa Peter und seinen Rassehähnen und -hennen durch Kreis- und Landesschauen
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Ein Hahn, wie er im Buche steht – der schwarze moderne englische Zwergkämpfer

Peter Wegener wird diese Woche mit seinem Enkel Till in Hannover, Pulheim und Essen unterwegs sein, zu Weihnachten geht’s nach Dortmund. „Spaß und Freude an den Tieren ist die Hauptsache“, betont er. Er züchtet seit 10 Jahren ein und dieselbe Rasse, mit mehreren Farbenschlägen (moderne englische Zwergkämpfer – silberhalsig, birkenfarbig und schwarz). 20 Tiere hat er allein am Wochenende in Minderheide ausgestellt, diese überwiegend mit „Sehr gut“ (sg) und sogar „Hervorragend“ (hv) bewertet wurden, für sieben seiner Tiere erhielt er sogar Auszeichnungen.

Des Weiteren waren unter den Rassegeflügelzüchtern vertreten: Günter Gottschalk mit seinen „New Hampshire weiß“, Volker Bensiek mit „lachsfarbenen Zwerg-Lachshühnern“, Rolf Heumann und Hans Krumme mit „Zwerg Wyandotten“ (gelb columbia und gestreift) sowie Jochen Strese mit seinen „federfüßigen Zwerghühnern Isabellporzellanfarbig“. Auch sie konnten sich jeweils über Zuschlagspreise und Ehrenpreise freuen.

Auch Taubenrassen waren auf der Ausstellung zu sehen, wie beispielsweise die „Show Racer“ von Gerd Gronemann, deren ungewöhnliche Kopfform hervorstach:

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Die „Show Racer“ von Gerd Gronemann mit ihrer interessanten Kopfform lassen schon mal fragen, ob es sich hier wirklich um eine Taube handelt

Insgesamt eine nette kleine Veranstaltung mit zahlreichen Beteiligten, bei der es sehr familiär zuging – Neuankömmlinge und Besucher aber jederzeit herzlich willkommen geheißen werden. Eine Weihnachtsfeier ist auch schon in Planung.

Tätowiermeister und Ehrenmitglied Adolf Landwehr konnte zudem seinen 80. Geburtstag feiern. In gemütlicher Kaffee-Kuchen-Runde gratulierte man ihm ganz herzlich und Thorsten Benner übergab ihm ein Geburtstagsgeschenk.

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Die stolzen Preisträger der 72. Rassegeflügel- und Kaninchenschau in Minden

Und jetzt zu unserer vollständigen Bilderstrecke:


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