Klamotten kann man immer umtauschen? „Denkste!“

Verbraucherzentrale-Beratungsstelle in Minden berät am Weltverbrauchertag 2018 vor Ort und online über Shopping-Irrtümer

Worauf man beim Kauf und Umtausch von Waren achten sollte, darüber berät die Beratungsstelle Minden der Verbraucherzentrale NRW am Weltverbrauchertag 2018 – Symbolfoto: markusspiske/pixabay CC0

Zum Weltverbrauchertag 2018 berät die Beratungsstelle Minden der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW) über weitverbreitete Irrtümer beim Shopping – vor Ort und im Internet. Denn nicht in jedem Fall haben Kunden das Recht, die Ware einfach so umzutauschen oder das Geld zurückzuverlangen.

Oft liest man in Geschäften und auf Onlineshop-Plattformen: Gekaufte Ware ist vom Umtausch ausgeschlossen.“ In welchen Fällen diese Händlervorgabe in Ordnung ist und Kunden irren, wenn sie auf ihre vermeintlichen Rechte nach dem Kauf bestehen, dies ist eines der Themen am diesjährigen Weltverbrauchertag, zu dem die Verbraucherzentrale in Minden am Donnerstag, 15. März 2018, einlädt.

Shoppingfans und Schnäppchenjäger können an diesem Tag unter dem Motto „Denkste!“ ihr Wissen rund um die gängigsten Rechtsirrtümer beim Kaufen und Bezahlen von Waren testen und Tipps zum richtigen Umgang mit ihren Einkäufen im Laden erhalten.

„Verbraucher benötigen hier dringend eine ordnende Orientierung und objektives Wissen, um einwandfreie Kaufentscheidungen zu treffen und bei Problemen angemessen zu reagieren“, weiß die Verbraucherzentrale NRW. Seit 1983 wird daher jedes Jahr der Weltverbrauchertag gefeiert, um öffentlich auf aktuelle Themen zur Verbesserung des Verbraucherschutzes aufmerksam zu machen.

Denn was auf den ersten Blick als gutes Recht der Kunden erscheint, erweise sich beim genauen Hinsehen oftmals als ein weitverbreiteter Irrglaube. Zudem würden die unterschiedlichen Regeln für Waren aller Art im Geschäft oder im Online-Handel für viele Konsumenten immer unüberschaubarer erscheinen. Kunden seien nämlich oft auf die Kulanz der Händler angewiesen.

Ratsuchende, die testen möchten, welchen Rechtsirrtümern sie beim Kaufen und Bezahlen unterliegen, können ihr Verbraucherwissen am Weltverbrauchertag auf den Prüfstand stellen – entweder beim Besuch der Beratungsstelle am 15. März in der Zeit von 9 bis 13 Uhr und 14.30 bis 18 Uhr in der Portastraße 9 in Minden (Google Maps) oder auf der Internetseite der Verbraucherzentrale NRW. Dort findet sich neben zahlreichen Informationen auch ein Online-Quiz, das Aufschluss zu den gängigsten Fehlinformationen beim Warenkauf im stationären oder virtuellen Handel geben soll.

Vorab vermittelt die Verbraucherzentrale NRW ein paar Beispielfälle, die Verbrauchern beim Kauf und Umtausch von Waren begegnen könnten:

Verträge nicht nur mit Unterschrift gültig

Wer Brötchen beim Bäcker kauft, dem wird sofort klar, dass es sich hierbei um einen Kaufvertrag handelt, bei dem niemand etwas unterschreiben muss. Bei einem mündlichen Vertragsabschluss am Telefon hingegen kann sich aus einem bloßen Telefongespräch eine bindende Zahlungsverpflichtung ergeben. Der Einkauf von Waren oder die Zustimmung zu Serviceleistungen vollzieht sich also häufig ohne Unterschrift und ist somit gültig. (ON: Also Vorsicht bei Werbeanrufen – nicht gleich mit „Ja“ zustimmen und/oder unbedarft Adress- und Kontodaten rausgeben)

Zwingend unterschrieben werden müssen jedoch alle Vereinbarungen, die in Schriftform abgeschlossen oder auch noch durch einen Notar beglaubigt werden müssen – wie etwa bei einem Immobilienerwerb. (ON: Fehlt eine Unterschrift eines Vertragspartners, kommt es nicht zum Kauf)

Preisauszeichnungen nicht immer bindend

Auch wenn ein Smartphone beispielsweise zum Preis von 79 Euro beworben wird, muss der Verkäufer es nicht zwangsläufig zu diesem Preis verkaufen. Die Preisangaben bei Waren in Prospekten, Schaufenstern oder auf einer Webseite sind für Händler nicht bindend. Maßgeblich ist immer der Preis, über den sich Käufer und Verkäufer an der Kasse (ob offline oder online) verständigen. Trotzdem dürfen Verkäufer natürlich nicht bewusst mit falschen Preisen werben.

Umtausch und Rückgabe nicht selbstverständlich

Viele Geschäfte bieten ihren Kunden die Möglichkeit, gekaufte Waren innerhalb eines bestimmten Zeitraums einfach wieder umzutauschen. Oft erstatten die Unternehmen dann den Kaufpreis oder stellen einen Warengutschein aus.

Diese weitverbreitete Praxis und der rechtliche Umstand, dass bei Online-Käufen die georderten Waren tatsächlich zurückgegeben werden können, führen jedoch zu dem Irrglauben, es bestehe ein Recht auf Umtausch. Ein Umtausch oder die Rücknahme von Artikeln ist aber reine Kulanz des Verkäufers. Insbesondere beim Kauf von teuren Waren im stationären Handel sollten sich Kunden vorab im Laden nach den Umtauschbedingungen erkundigen und sich vorsorglich eine Umtauschmöglichkeit – etwa auf dem Kassenbon – schriftlich bestätigen lassen.

Garantie und Gewährleistung nicht dasselbe

Die Begriffe „Garantie“ und „Gewährleistung“ sind streng voneinander zu unterscheiden.

Bei der Garantie handelt es sich um eine freiwillige Zusage von Herstellern, für die Qualität oder Funktionstüchtigkeit ihrer Produkte geradezustehen. Diese Selbstverpflichtung gilt für die von den Herstellern individuell angegebenen Funktionen und Zeiträume. Eine Garantiezusage der Hersteller ist jedoch nicht zu verwechseln mit der gesetzlichen Gewährleistung.

Bei der Gewährleistung sind die Händler in rechtlicher Verantwortung. Sie müssen für zwei Jahre nach dem Kauf bzw. nach Übergabe der Ware an den Kunden dafür einstehen, wenn die gekaufte Ware nicht einwandfrei ist.

Zeigen sich nach dem Kauf Mängel, müssen Kunden den Händlern jedoch zunächst eine Chance geben, die Ware zu reparieren oder durch eine fehlerfreie zu ersetzen. Erst in einem zweiten Schritt können Kunden von dem Kaufvertrag zurücktreten und auf die Erstattung des Kaufpreises bestehen.

Nicht jede Giro-Card-Zahlung ist rückbuchbar

Das Zahlen mit Karte statt mit Bargeld ist auf dem Vormarsch. Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen dem Bezahlen mit Giro-Card und Unterschrift und dem Bezahlen per Giro-Card und PIN.

Nur wer seine Kartenzahlung auch per Unterschrift quittiert, kann den Kaufbetrag innerhalb von acht Wochen ohne Angabe von Gründen auf sein Geldkonto zurückbuchen lassen. Bei diesem sogenannten Lastschriftverfahren erteilen Kunden per Unterschrift ihre Zustimmung, dass Händler den Kaufpreis vom jeweiligen Kundenkonto einziehen dürfen.

Bei einer Kartenzahlung per PIN wird der Kaufbetrag sofort vom eigenen Konto abgebucht und an den Händler gezahlt. Eine Rückbuchung des Betrags ohne weitere Begründung ist in diesem Fall also nicht möglich.

Aber Achtung: Die Möglichkeit, eine Lastschrift zurückbuchen zu lassen, bedeutet, dass Kunden trotzdem ihrer Zahlungsverpflichtung nachkommen müssen.

Kommentar unserer Redaktion

Was anscheinend leider nicht zum Weltverbrauchertrag angesprochen wird, ist die Tatsache, dass viele Hersteller ihre Gerätschaften – zum Beispiel Computer und Haushaltsgeräte – seit Jahren so programmieren, dass sie fast auf den Tag genau nach Ablauf der Garantie oder Gewährleistungsfrist ihren Geist aufgeben. Bei unserer Redakteurin war das schon bei Waschmaschine, Netbook und Drucker der Fall. In zahlreichen Foren und Social-Media-Netzwerken ärgern sich Verbraucher seit Jahren immer wieder über diesen unhaltbaren Zustand. Hinzu kommt, dass dann die gebrauchten Geräte wenn überhaupt nur noch als „defekt“ verkauft werden können, weil sie eben nicht mehr funktionieren, also maßgeblich an Wert verlieren (genau wie beim vieldiskutierten „Diesel-Skandal“). Wir finden, hier muss dringend etwas getan werden.

Quelle: Pressemeldung Verbraucherzentrale NRW in Minden, Umformulierung/Ergänzung: OctoberNews


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