KAVG reduziert Annahme von Gewerbemüll auf Pohlsche Heide

Heizkraftwerk Minden unter Druck - KAVG muss sich an Ersatzbrennstoffmarkt orientieren - Gewerbemüll wird auf 75 Tonnen pro Tag in Hille begrenzt

KAVG-eigenes Heizkraftwerk an der Karlstraße in Minden, wo Energie in Form von Dampf für das benachbarte Chemieunternehmen Siegfried erzeugt wird – Foto: KAVG

„Die Brände aus dem Jahre 2018 sollen sich auf der Pohlschen Heide nicht wiederholen“, teilt die KAVG mit. Außerdem vermindern Störungen und Revisionen in verschiedenen Heizkraftwerken Deutschlands die Absatzmöglichkeiten am Ersatzbrennstoffmarkt – auch beim Heizkraftwerk Minden an der Karlstraße. Daher werden beim Entsorgungszentrum Pohlsche Heide in Hille aktuell nur 75 Tonnen Gewerbemüll pro Tag angenommen.

Aktuell zeige sich die gleiche Entwicklung wie im Jahre 2018: „Der Markt ist durch geplante und ungeplante Revisionen (Wartungen) der Heizkraftwerke stark unter Druck. Gleichzeitig sind die Heizwerte der Abfälle gestiegen, was ebenfalls zu verminderten Durchsätzen der Heizkraftwerke führt“, so die KreisAbfallVerwertungsGesellschaft mbH Minden-Lübbecke (KAVG). Dies führe dazu, dass die produzierten Ersatzbrennstoffe (EBS) nicht zeitnah der Energieerzeugung zugeführt werden könnten und zunächst auf der Pohlschen Heide zwischengelagert werden müssten. „Dieses bedeutet ein erhöhtes Brandrisiko, wie die Brände auf der Pohlschen Heide im Trocken- und Hitzejahr 2018 leider zeigten. Damals waren die Lagerkapazitäten per Sondergenehmigung von 10.000 auf 15.000 Tonnen erhöht worden.“

Das soll sich auf keinen Fall wiederholen. Daher begrenzt die KAVG die Kapazität wieder auf die grundsätzlich genehmigten 10.000 Tonnen und kann aus Gründen der Brandlastminimierung und Genehmigung auch keine weiteren Mengen zwischenlagern.

KAVG-Heizkraftwerk Minden: Dampf-Energie für Siegfried

In der Kreislaufwirtschaft wird bei der Abfallbehandlung unter anderem sogenannter Ersatzbrennstoff hergestellt. Auch auf der Pohlschen Heide produziert die KAVG solche Ersatzbrennstoffe. Mit diesen Brennstoffen wird in speziellen Heizkraftwerken (HKW) Energie in Form von Dampf oder Strom erzeugt. „Eine umweltfreundliche Energiequelle, denn fossile Brennstoffe werden hierdurch ersetzt“, betont die Geschäftsleitung der KAVG und erklärt:

Aus Müll wird Ersatzbrennstoff für das KAVG-eigene Heizkraftwerk Minden – Foto: KAVG

Im Herstellungsprozess werden zunächst Wertstoffe wie Papier, Kartonagen, Kunststoffe etc. unter maschinellem Einsatz abgetrennt. Der Rest, der nicht mehr zu verwerten ist, wird weiterbehandelt – auf der Pohlschen Heide auf 15 Zentimeter zerkleinert, mineralische Fraktionen abgesiebt, biologisch aktive Fraktionen gesiebt und einer Biogasanlage zugeführt. Der Rest wird dann metall- und steinfrei energetisch zu Ersatzbrennstoff verwertet. Aus rund 34.000 Hausmüll, 40.000 Tonnen Gewerbemüll, Sperrmüll und Abfällen der Wertstoffhöfe Bad Oeynhausen, Minden und Pohlsche Heide entstehen so etwa 55.000 Tonnen Ersatzbrennstoffe pro Jahr.

Im KAVG-eigenen Heizkraftwerk in der Karlstraße 43 in Minden können unter günstigen Bedingungen circa 32.000 Tonnen EBS in Dampf umgewandelt werden, der direkt ans Chemiewerk Siegfried PharmaChemikalien Minden GmbH (vormals BASF-Konzern und Knoll AG) in der Karlstraße 15 weitergeleitet wird – „eine sehr günstige, CO2-neutrale Energie für das Unternehmen“, so die KAVG.

Wäre da nicht das Problem mit der Überproduktion.

KAVG denkt über Entkopplung vom Ersatzbrennstoff-Markt nach

Die Differenz (sprich: Überproduktion) zwischen der erzeugten und der vom eigenen HKW verarbeitbaren Menge muss am Markt untergebracht werden, weiß die KAVG. Sie arbeitet daher mit Partner-Heizkraftwerken in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Hessen zusammen.

Ein Zustand, der nicht hinnehmbar sei. „Es ist nicht einzusehen, dass bester aufbereiteter CO2-neutraler Ersatzbrennstoff über Hunderte von Kilometern unter Energieeinsatz auf der Autobahn zur energetischen Verwertung gefahren wird.“ Worte aus der Chefetage der KAVG, die durchaus dem Klimaschutz-Gedanken folgen. Aber die Geschäftsleitung – bestehend aus Geschäftsführer Lutz Freiberg, Prokurist Thomas Kropp und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Matthias Specht – geht noch weiter:

„Darüber hinaus muss ganz konkret über eine Entkopplung vom EBS-Markt nachgedacht werden. Viel besser wäre eine Lösung durch Kapazitätserweiterung vor Ort.“

Doch was heißt das alles für die Baubranche in der Region?

Annahme von Gewerbemüll wird reduziert

Alles in allem sieht sich die KAVG dazu gezwungen, sich den verminderten Absatzmöglichkeiten am Ersatzbrennstoffmarkt anzupassen und kann nicht die geplanten 150 Tonnen Gewerbemüll pro Tag annehmen. Um die Verwertung andienungspflichtiger Abfälle privater Herkunft nicht zu gefährden, werde daher aktuell die Anlieferung von Gewerbemüll auf der Pohlschen Heide auf 75 Tonnen pro Tag begrenzt.

Aber: „In enger Abstimmung mit den Heizkraftwerkbetreibern und hiesigen Containerdiensten wird die Situation stetig neu analysiert und Möglichkeiten der Ersatzbrennstoffanlieferungen abgesprochen. Sollten sich die Abnahmemengen wieder normalisieren, werden die Anlieferungen für Gewerbeabfälle am Entsorgungszentrum Pohlsche Heide umgehend wieder hochgesetzt.“

Ein Licht am Horizont für insbesondere die Baubranche in der Region Minden-Lübbecke. Denn ein Ende des ‚Baubooms‘ scheint noch nicht in Sicht.

Quelle: Pressemeldung der KAVG vom 21. Juni 2019, Umformulierung/Ergänzung: OctoberNews


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