Sollte Jürgen Schnake Bürgermeister von Minden werden, würde er …

... jedes Jahr ein Großkonzert auf Kanzlers Weide organisieren - Teil 2 unserer Beitragsreihe

Kanzlers Weide - Foto: J. Schnake
Auf Kanzlers Weide könnten jedes Jahr Tausende Besucher ein Musikkonzert genießen – Foto: J. Schnake

Das waren noch Zeiten, als auf Kanzlers Weide ordentlich der Punk abging, die Fans zu Massen in die westfälische Stadt Minden strömten, um ihren Lieblingsbands nahe zu sein. Jedes Jahr in den 90ern begeisterten Livekonzerte internationaler Acts das nationale Publikum – doch das ist längst Geschichte.

Dem will Bürgermeisterkandidat Jürgen Schnake entgegenwirken. Der parteilose 45-Jährige stellt sich nicht nur am 13. September 2015 zur Wahl, sondern möchte mit seinen Ideen auch zur Verbesserung der Stadt Minden beitragen. Diese stellt er über unsere Beitragsreihe „Sollte Jürgen Schnake Bürgermeister von Minden werden, würde er …“ vor, um mit Ihnen darüber diskutieren zu können.

Und das haben Sie umfangreich wahrgenommen, liebe Leserinnen und Leser. Die ersten beiden Beiträge waren sehr erfolgreich, herzlichen Dank! Die Reaktionen auf das Vorwort und Teil 1 über das Thema Leerstandssteuer waren so überwältigend, dass Herr Schnake seitdem kaum noch mit dem Beantworten hinterherkommt.

Okay, das tut uns jetzt nicht wirklich leid – kann er sich schon mal auf sein eventuell zukünftiges Amt einstellen. Doch ab und zu muss er mal zum Einkaufen auf die Straße oder andere wichtige Dinge erledigen. „Ich gebe mein Bestes, aber mein Bestes stößt gerade an seine Grenzen“, muss er zugeben. Daher bittet Herr Schnake um Nachsicht, wenn er schon mal den einen oder anderen Kommentar übersieht bzw. etwas später darauf eingeht.

Nichtsdestotrotz stellt er nun sein zweites Thema vor, was ihm ebenfalls sehr am Herzen liegt. Er möchte gern jedes Jahr ein Großkonzert auf Kanzlers Weide organisieren, wobei hier ein Großraumparkplatz mit Grünflächen an der Weser gegenüber der Innenstadt gemeint ist, der als Veranstaltungsgelände für Livekonzerte bekannter Bands wie geschaffen ist (siehe dazu die Luftbildaufnahme in der Mitte dieses Beitrags).

Fangen wir an. Das nachfolgende Telefon-Interview zu diesem neuen Thema wurde am 24. Januar 2015 mit ihm geführt.


Teil 2: Jedes Jahr ein Großkonzert auf Kanzlers Weide

Jürgen Schnake
Jürgen Schnake freut sich über jeden Sonnenstrahl, der die beste Voraussetzung für Großkonzerte auf Kanzlers Weide bietet – Foto: onm

Jürgen Schnake: Das sieht heute wettermäßig so gar nicht nach Open Air Konzert aus.

Eine halbe Stunde, bevor wir Herrn Schnake auf Kanzlers Weide treffen wollten, fing es zu schneien. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für das zweite Thema unserer Beitragsreihe, „Jedes Jahr ein Großkonzert auf Kanzlers Weide“. Doch Herr Schnake sorgt sofort für Abhilfe.

Jürgen Schnake: Kein Problem, ich habe Ihnen gerade ein paar Bilder rübergemailt. Sollten die nicht reichen, habe ich noch jede Menge Sommerbilder auf der Festplatte.

ON: Vielen Dank Herr Schnake. Fangen wir an. Sie sprechen von Großkonzerten, was stellen Sie sich darunter vor?

Jürgen Schnake: Ich stelle mir das vor, was wir schon hatten. Wir hatten schon so viele, dass ich sie mir nicht alle merken kann. 1999 hatten wir auf jeden Fall „Metallica“, wo ich dabei war – einer der schönsten Tage meines ganzen Lebens. Ich war mit meinem Zahnarzt da.

ON: Wie passend. <lach>

Jürgen Schnake: Schon außerhalb des Geländes haben mir die Hosenbeine geflattert. Das war ein irre schöner Sommertag. Als Vorgruppen spielten Bloodhoundgang, Ministry und Sepultura, das war ein irre gutes Konzert. Die Temperaturen haben gepasst, es war alles bestens. Dann hatten wir noch „BAP“, „Die Ärzte“ und viele mehr. In den 90ern speziell gab es reichlich Großkonzerte mit Besucherzahlen im mindestens fünfstelligen Bereich. Das letzte Konzert war 2013, „Die Toten Hosen“.

ON: Das sind ja alles große Nummern, die auch eine durchdachte Organisation erfordern. Klappte denn die Organisation in Minden, ist alles gut verlaufen, gab es Verletzte?

Jürgen Schnake: Ich bin jetzt kein Mitglied der Polizei, aber ich kann mich überhaupt nicht erinnern, dass es schwere Verletzungen gab. Ich glaube, beim BAP-Konzert hat mal jemand versucht, die Weser zu durchschwimmen, aber ich bin mir nicht ganz sicher. Die haben den zurückgeholt, aber dem ist glaube ich nichts passiert. Aber all diese Großkonzerte sind meines Wissens extrem gut organisiert gewesen und sehr friedvoll abgelaufen.

ON: Warum hat die Stadt Minden denn damit aufgehört, wenn es so gut lief?

Jürgen Schnake: Das ist eine gute Frage, das weiß ich auch nicht. Es gibt Erklärungsansätze. Was mir zwischenzeitlich erzählt wurde, ist, dass nach und nach die deutschen großen Hallen, wie beispielsweise Hannover oder Bielefeld, so aufgerüstet wurden, dass große Acts einfach mit ihren Trucks ankommen, reinfahren, aufbauen, anstöpseln können und fertig. Während sie auf Kanzlers Weide richtig aufbauen müssen. Das klingt zwar erst mal logisch, aber ich habe letztes Jahr erst mit einem namhaften Veranstalter gesprochen, der mir versicherte, dass er Kanzlers Weide toll fände und dort gern was machen würde. Hier wird einfach Potenzial brach liegen gelassen – und das ist grauenhaft, finde ich.

ON: Tatsächlich haben wir im Netz einen echten Fanbeitrag zum Metallica-Konzert in Minden gefunden, der unter anderem schwer begeistert von der Organisation war. Dann muss das doch mit der Zeit irgendwie eingeschlafen sein oder jemand hatte keine Lust mehr, sich darum zu kümmern, oder wie sehen Sie das?

Jürgen Schnake: Das ist ein schöner Satz. Ich wiederhole noch mal: „Jemand hatte keine Lust mehr, sich darum zu kümmern.“ Punkt. Mehr muss ich dazu nicht sagen.

ON: Wer organisierte denn bisher diese Großkonzerte in Minden?

Jürgen Schnake: Zum Teil hatten wir einfach Glück. Soweit ich weiß, ist „Metallica“ damals ein Konzertort weggebrochen, Minden war der Ersatz. Und dann hat sich das rumgesprochen, dass Minden einen tollen Veranstaltungsort hat.

ON: Das ist großartig. Jetzt haben wir uns aber missverstanden, Herr Schnake. Kennen Sie den Namen von dem Veranstalter, der das in Minden organisierte?

Jürgen Schnake: In Minden ist natürlich „Minden Marketing“ zuständig und somit erster Ansprechpartner für solche Konzerte auf Kanzlers Weide.

Ob sich nun „Minden Marketing“ von solchen Großveranstaltungen distanzierte und/oder Verantwortliche der Stadt Minden, bleibt ungeklärt. Auch wenn vorletztes Jahr „Die Toten Hosen“ Kanzlers Weide eroberten, so klaffte von 2005 bis 2012 eine Lücke, in der keine Musikkonzerte stattfanden.

Jürgen Schnake: Was ich halt immer betone: „Das ist keine Idee, die ich mir aus den Fingern gesogen habe, sondern beruht auf den Erfahrungen, die ich eben gemacht habe.“ Wir hatten es schon, da muss nichts neu erfunden werden. Wir müssen es nur wiederbeleben. Wie so oft die Frage des politischen Willens – mehr ist es nicht. Praktisch jedes Jahr hatten wir ein schönes großes Konzert in den 90ern. Dann kam erst mal gar nichts, dann „Die Ärzte“, dann eine Zeit lang wieder nichts, und dann vorletztes Jahr „Die Toten Hosen“.

ON: Nun ist zwischen 2006 und 2007 an Kanzlers Weide der sogenannte „Weserstrand“ mit Strandbar und Sitzgelegenheiten entstanden, immer wieder erweitert worden, was unter anderem zur Folge hatte, dass die Betreiber, die Weserfreunde e.V., immer mehr Forderungen an die Mindener Bürger stellten, zum Beispiel dass kein Hund über den Sandstrand laufen darf, dass sich dort keine alkoholisierten Jugendlichen „breitmachen“ sollten usw. – überhaupt haben „normale“ Mindener das Gefühl, von „Schnöseln“, die sich dort im Sommer ansammeln, verdrängt zu werden. Schließlich war es vorher eine durchgehende Wiese an der Weser, wo sich jeder aufhalten und die Natur genießen konnte. Wäre Ihrer Meinung nach das vielleicht ein Grund, warum keine Großkonzerte mehr stattfanden? Von der Zeit her würde es ja passen. Oder könnte es vielleicht an den Wohnmobil-Besitzern liegen, die den Großraumparkplatz Kanzlers Weide doch weiträumig besiedeln?

Jürgen Schnake: Ich kann mir vorstellen, dass die „Weserfreunde“ nicht erfreut wären, wenn in unmittelbarer Nähe des Weserstrands ein Konzert stattfinden würde. Aber das kann ja kein Hinderungsgrund sein. Im Ernstfall schützt man den Bereich oder weist die „Weserfreunde“ darauf hin: Leute, wir machen mal wieder ein Konzert, kümmert euch um euer Areal. Was die Wohnmobil-Besitzer angeht: Eigentlich ist es so geregelt, dass jeder Wohnwagen nur drei Tage lang dort parken darf und dann das Gelände verlassen muss. Also dürfte es kein Problem sein, diese für ein paar Tage – vom Aufbau bis Abbau des Konzerts – vom Platz zu verweisen.

ON: Da könnte vielleicht Andreas Schöneberg (auch „Herr Schön“ genannt) weiterhelfen, der nicht nur mit den „Weserfreunden“ verbandelt ist, sondern auch jedes Jahr die „Weserlieder“ auf der gegenüberliegenden Seite der Weser in Minden erfolgreich organisiert, zu dem er auch internationale (in Deutschland meist noch unbekannte) Musikbands auf die Bühne holt.

Jürgen Schnake: Auf jeden Fall. Aber was ich noch erlebt habe bei Großkonzerten wie von „Metallica“ und „Die Ärzte“, war das Leben in der Stadt. Und das finde ich fast das Wichtigste daran. Es ist ja nicht so, dass „Die Toten Hosen“ einen Tag hier waren und Punkt. Wenn man 2013 hier war, hat man erlebt, dass auch im Vorfeld die Menschen sich darauf gefreut haben – da war so eine Art Vorfreude-Stimmung in der Stadt. Und das ist ja etwas, was mich persönlich berührt. Dass man das Klima, die Atmosphäre einer ganzen Stadt an einem einzigen Tag lange sehr positiv beeinflussen kann.

ON: Das heißt, die Leute sind nach dem Konzert noch in die Stadt, haben was gegessen und getrunken usw.?

Jürgen Schnake: Davon gehe ich ganz schwer aus. Ich weiß noch, dass ich vor Konzertbeginn gesehen habe, wie da alle hin sind. Man ging über die Weserbrücke und da waren Fans, die in Richtung Gelände gingen, das war einfach toll. Und diese Stimmung möchte ich wieder in die Stadt bringen, und zwar jedes Jahr.

ON: Das ist ein schöner Schlusssatz. Oder haben Sie noch etwas hinzuzufügen?

Jürgen Schnake: Es wird halt von einigen Seiten gerne gesagt, das wäre zu kompliziert, zu komplex, wir würden dafür nicht am richtigen Ort liegen. Minden liegt doch zentral, mit bester Anbindung an Autobahn und Bahnhof. Wer so viele Parkplätze um sich herum hat, so gut von der Autobahn und mit der Bahn zu erreichen ist, und trotzdem mitten in der Natur, besitzt doch die besten Voraussetzungen für ein Großkonzert.

ON: Und dann auch noch das Flair einer Kleinstadt aufgreift. Sonst finden ja solche Musikveranstaltungen in der Großstadt abgeschottet statt. Und so können sich die Besucher in einer Kleinstadt wie Minden frei bewegen.

Jürgen Schnake: Natürlich. Ich gehe auf jeden Fall davon aus, dass Hotels und Gastronomie bisher davon profitiert haben. Last, but not least reden wir darüber, dass jedes Konzert immer um ein Weiteres die Bekanntheit von Minden steigert. Theoretisch rackert sich die Stadtverwaltung hier ab, Minden bekannt zu machen, gerade im Hauptausschuss. Zuletzt am 22. Januar 2015 musste zugegeben werden, dass man im Umkreis von rund 100 km festgestellt hat, dass die meisten Menschen mit Minden „nichts“ verbinden. Macht man ein Mal im Jahr Großkonzerte, muss man nichts investieren, die Erfahrungswerte sind da. Und wenn es funktioniert, spricht es sich von alleine rum. Der einzige Fehler, den man nicht machen darf, ist: man darf es nicht einschlafen lassen.

ON: Zuguterletzt: Wen würden Sie gern als nächsten Act auf der Bühne auf Kanzlers Weide sehen und hören wollen?

Jürgen Schnake: Ich kann mich einfach nicht für konkrete Gruppen entscheiden, ich höre auch zu gern Sachen, die ich noch nicht so gut kenne. Für mich darf es aber auf alle Fälle rockig und mit Wumm sein.

Schlussendlich debattiert Herr Schnake noch über einen „Acker in Schleswig-Holstein“ – bekannt als das Musikfestival „Wacken“ – und über „Woodstock“. „Es gehe hier schließlich um den Marketingeffekt sowie um Geldeinnahmen für die Stadt“, meint er. Das ist natürlich völlig richtig, würde den Rahmen jedoch sprengen.

Daher bedanken wir uns an dieser Stelle für das Gespräch mit dem Bürgermeisterkandidaten und freuen uns schon auf Teil 3 der Beitragsreihe (Thema steht noch nicht fest, wird dann an dieser Stelle ergänzt).


Jürgen Schnake
– Bürgermeister(kandidat) mit Rückgaberecht –
„Minden?! Reparier‘ ich Ihnen.“
www.juergen-schnake.de

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