Sollte Jürgen Schnake Bürgermeister von Minden werden, würde er …

... jeder Mindener Familie einen "Stamm-Baum" im Glacis übertragen - Teil 3 unserer Beitragsreihe

Jürgen Schnake mit Smartphone vor Stamm-Baum
Willst du mein Stamm-Baum sein? So ungefähr könnte es zukünftig im Mindener Glacis aussehen, wenn es nach dem Bürgermeisterkandidaten Schnake geht – Fotos: onm

Das „Glacis“ ist fester Bestandteil der westfälischen Stadt Minden. Was im 18. Jahrhundert als Vorfeld preußischer Befestigungsanlagen diente, wurde im 19. Jahrhundert zu einem landschaftlichen Grüngürtel rund um die Innenstadt. Teile der Grünanlagen haben heute noch waldartigen Charakter. Tausende Bäume der verschiedensten Art und Größe zieren das Glacis und warten darauf, beachtet zu werden.

Genau hier setzt Teil 3 unserer Beitragsreihe „Sollte Jürgen Schnake Bürgermeister von Minden werden, würde er …“ ein. Bürgermeisterkandidat Jürgen Schnake stellt sich nicht nur am 13. September 2015 zur Wahl, sondern möchte mit seinen Ideen auch zur Verbesserung der Stadt Minden beitragen, um den Stein ins Rollen zu bringen und mit Ihnen darüber diskutieren zu können – dieses Mal mit dem Thema „Stamm-Baum„.

Nachdem die Themen Leerstandssteuer und Großkonzert auf Kanzlers Weide unter Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, schon immens verbreitet und bekannt gemacht wurden, wie auch in der Stadtverwaltung nicht auf taube Ohren stießen, freuen wir uns darüber, Schnakes nächste Idee zu veröffentlichen, die garantiert nichts kostet, betont er.

GlacisbrückeWir treffen uns am 11. Februar 2015 auf der Glacisbrücke, eine beliebte Fußgängerbrücke (moderne Hängebrücke) über der Weser, die den Großraumparkplatz Kanzlers Weide mit der Mindener Innenstadt verbindet. Herr Schnake empfängt uns wie immer mit offenen Armen und kann es gar nicht abwarten, seine Idee, die seit Jahren im Schubkasten schlummert, näher vorzustellen:


Stamm-Baum
Dieser große Baum könnte zu einer Mindener Familie gehören, wenn es nach Kandidat Schnake geht

„Seit eh und je sucht die Stadt Lösungen für mehr Zufriedenheit unter den Mindener Bürgern und mehr Verbundenheit zu ihrer Stadt“, referiert der 45-Jährige. „Die Mindener sollen eine emotionale Bindung zu ihrer Stadt aufbauen, sich mit ihr identifizieren können. Echte Teilhabe ist gefragt. Wunderschön. Doch bisher ist nichts passiert.“

Die Frage nach dem Warum sparen wir uns an dieser Stelle. Vielmehr interessiert uns, was hinter seiner Idee mit dem von ihm gewählten Titel „Stamm-Baum“ steckt.

ON: Moin, moin, Herr Schnake. Wie geht es Ihnen?

Jürgen Schnake: Sehr gut, vielen Dank. Ich freue mich sehr darauf, meine neue Idee vorzustellen. Wo fangen wir an?

ON: Lassen Sie uns doch zuerst nach unten auf die Innenstadtseite gehen. Dann könnten Sie uns erst einmal erklären, was sich hinter dem spannenden Namen „Stamm-Baum“ verbirgt.

Jürgen Schnake: Nichts leichter als das. „Stamm-Baum“ ist die Idee, jeder Mindener Familie einen Baum im Glacis zu übertragen. Man geht mit einem GPS-Gerät oder einer App ins Glacis, sucht sich einen Baum aus, notiert sich die exakten Koordinaten und lässt sich dann bei der Stadt eintragen. Dann gehört der Baum zu deiner Familie. Für immer. Und das Beste: Es kostet nichts.

ON: Sie meinen, dass man so eine Art Baumpate werden kann?

Jürgen Schnake: Ganz genau. Wobei ich den Begriff „Baumpate“ nicht ganz so zutreffend finde, das wäre mir zu formell, an einem passenden Begriff arbeite ich noch. Vielleicht kann man den Begriff zu einem anderen Zeitpunkt thematisieren. Hieran merkt man, dass es sich um eine neue Idee handelt. An dieser Stelle rufe ich gern alle Bürger Mindens dazu auf, einen alternativen Begriff zu Baumpate als ‚Kommentar unter diesem Beitrag‘ vorzuschlagen (bitte nicht per E-Mail oder Chat o. Ä.). Ich möchte auf jeden Fall erreichen, dass sich Mindener mit ihrer Stadt eng verbunden fühlen, aktiv teilnehmen. Ich möchte für mehr Zufriedenheit sorgen. Obwohl „aktive Teilhabe“ ein hohler Begriff ist, der immer aus der politischen Ecke kommt. Ich möchte Minden ganz konkret mit Leben füllen. Es wird gern gesagt im Rat und in der Verwaltung: Teilhabe für alle, die sollen sich doch identifizieren mit der Stadt. Aber dann kommt halt so was wie beim letzten Hauptausschuss, so eine Präsentation, wo man Menschen im Umkreis von hundert Kilometern gefragt hat, was sie mit Minden verbinden. Und die Antwort war: nichts.

ON: Ja, das hatten Sie bereits beim Thema Leerstandssteuer erwähnt.

Jürgen Schnake: Das stimmt. Das darf man aber gern noch mal wiederholen. Und so würden etliche Hunderte Mindener, so hoffe ich, zumindest schon mal was sehr Schönes mit der Stadt verbinden.

Informationstafel Mindener Glacis - © Minden Marketing GmbH - Foto: onm
Informationstafel Ausschnitt Mindener Glacis © Minden Marketing GmbH

ON: Gut. Sie sprechen von „Glacis“. Was ist der Glacis in Minden?

Jürgen Schnake: Der Glacis ist eine wunderschöne Naturlandschaft, ein Grüngürtel rund um die Mindener Innenstadt, mit ein paar Stellen, wo er unterbrochen ist, zum Beispiel an der Fischerstadt. Früher lief hier die Befestigungsanlage lang. Der Glacis ist vor allem unter Joggern sehr beliebt und bekannt. Innerhalb des Glacis gibt es natürlich jede Menge Bäume. Und von jedem Baum kann man mit einer App oder einem GPS-Gerät die exakten Koordinaten ermitteln.

Wir bleiben vor einer Informationstafel (Initiative der Minden Marketing GmbH) am Fuße der Glacisbrücke stehen, worauf der Grüngürtel wunderbar zu erkennen ist.

ON: Sie meinen, man muss ein Smartphone besitzen, um die Koordinaten des Baumes zu bestimmen?

Jürgen Schnake: Richtig. Fast jeder hat heutzutage ein Smartphone. „Geocacher“, also Leute, die mit ihrem Smartphone auf elektronische Schnitzeljagd gehen, kennen sich damit bestens aus. Man aktiviert die passende App und hält sein Smartphone direkt an den Baum. Die App ermittelt den exakten Standort und gibt Koordinaten aus, die man sich entweder aufschreiben oder speichern kann. Mit diesen Koordinaten geht man dann zur Verwaltung und lässt sich genau diesen Baum auf den eigenen Namen kostenlos registrieren. Eine entsprechende Verwaltungsstelle müsste hierfür natürlich noch eingerichtet werden. Dann gehört einem der Baum für immer – symbolisch gesehen. Er bleibt natürlich juristisch Eigentum der Stadt, aber das ist zweitrangig.

ON: Interessante Vorstellung. Und was macht man nun mit dem Baum?

Jürgen Schnake: Der Baum gehört jetzt zur Familie, ein Leben lang, wie ein „immobiles Haustier“, um das man sich kümmert. Man pflegt ihn, schaut öfters mal nach, ob sich Moos oder Schimmel bildet, ob das Efeu zu stark rangt, ob er krank ausschaut, ihm irgendetwas fehlt, ob er vielleicht von Schädlingen befallen ist usw. – Fällt einem etwas ganz Besonderes an dem Baum auf, wenn er zum Beispiel von einem Sturm stark beschädigt wurde, meldet man es der Verwaltung, die die notwendigen Maßnahmen ergreift. Wichtig ist: Die ganze Familie kann sich um ihren Baum kümmern. Wobei die Betonung auf „kann“ liegt, man muss sich nicht drum kümmern, sondern man kann. Damit ist keinerlei Verpflichtung verbunden. Es ist nicht als Ehrenamt gemeint, wie, du bist jetzt Kümmerer und musst jetzt ein Mal die Woche da hin – so ist es nicht. Es gibt keine Verpflichtung, sondern einfach nur: Das ist dein Baum – viel Vergnügen.

Stamm-Baum
„Das ist jetzt dein Baum, viel Vergnügen“, möchte Schnake eine/n Mindener/in beglückwünschen, wenn es nach seiner Idee geht.

ON: In Ordnung. Sie meinen also, wenn man sich schon den Weg gemacht hat bis zur Verwaltung, dann kümmert man sich auch darum.

Jürgen Schnake: Davon würde ich ausgehen. Wie gesagt, es gibt von mir keinerlei Vorgaben. Es gibt kein „Muss“, der Baum ist da, die Leute sind da, die haben offensichtlich ein Interesse an diesem Baum, sonst hätten sie sich ja nicht die Mühe gemacht, die Koordinaten zu speichern und ihren Baum bei der Stadt anzumelden. Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass man, wenn man seinen Baum mag, schaut, dass es ihm gut geht, dass man irgendwie seinen kontrollierenden Blick drauf hat, vielleicht guckt, ob es Sturmschäden im Herbst gibt, vielleicht Wasser fehlt im Sommer, an so einem richtig heißen Sommertag, da zumindest symbolisch einen Eimer Wasser hinträgt. Ich kann mir alles Mögliche vorstellen, aber ich glaube, den Mindenern fallen noch viel schönere, interessantere Sachen ein, als ich mir jetzt ausmalen kann.

ON: Aber sind diese Smartphone-Spielereien nicht eher etwas für junge Leute?

Jürgen Schnake: Das sehe ich nicht so. In Ausschuss-Sitzungen beispielsweise hat jeder „alte Sack“, der da sitzt, das sind zum Teil Menschen, die den Zweiten Weltkrieg noch erlebt haben, die haben auch alle ihr Smartphone. Smartphone ist eher was für die Jugend, ich glaube, das Thema ist durch, das ist nicht mehr so. Beim „Geocaching“, auch GPS-Schnitzeljagd genannt, werden beispielsweise Verstecke anhand geografischer Koordinaten ausfindig gemacht. Das heißt, irgendjemand läuft los mit einem GPS-Gerät bzw. seinem Smartphone mit aktivierter App in der Hand, versteckt eine Kleinigkeit irgendwo, und notiert dann im Netz die genauen Koordinaten. Und dann laufen andere Leute, die nur die Koordinaten haben, aber nicht wissen, wo es liegt, ebenfalls mit ihrem Smartphone los und versuchen, das Versteck zu finden. Das ist seit einigen Jahren ein weitverbreitetes Hobby. Das wäre also so eine Art Hightech-Sonntagsspaziergang.

ON: Zusammengefasst wollen Sie also ursprüngliche Spaziergänge der Familie mit modernster Technik verbinden.

Jürgen Schnake: Ganz genau. So kommen ganze Generationen zusammen. Und so kann man Kinder mehr an die Natur heranführen. Eltern könnten zum Beispiel ihre Kinder „am Baum messen“, wie groß sie schon geworden sind.

ON: Oder wenn ein Baby geboren wird, könnte man es zusammen mit der ganzen Familie vor dem Baum fotografieren, der ja nun auch zur Familie gehört.

Jürgen Schnake: Da spricht die Fotografin in Ihnen, Frau McLeod. Und es gibt sicher noch viele kreative Sachen, die man mit dem Baum verbinden kann. Nur sollte man keine Schilder anbringen, was den Baum verletzen würde, und auch keine Namen in den Stamm einritzen, wie es bei diesem hier (s. Foto) der Fall ist, der mittlerweile als Sitzgelegenheit am Wegesrand dient. Da ist mir so ein aufgemaltes Herz doch viel lieber, was deutlich macht, wie sehr Menschen mit Bäumen verbunden sind. Ich bin jedenfalls schon öfters daran vorbeigelaufen, das ist mir heute erst aufgefallen. Aber so entwickelt man auch ein Auge für die Natur, wenn man einen konkreten Bezug dazu hat.

Stamm-Baum

ON: Meinen Sie den Bezug zur Natur im Allgemeinen oder nur zum Mindener Glacis?

Jürgen Schnake: Beides. Zum Glacis, weil es in Minden ist natürlich, und zur Natur allgemein, klar. Und ich hoffe, dass eine Menge Leute durch diese Idee mehr Bezug dazu kriegen, ist auf jeden Fall eine schöne Sache. Welche Ideen sich daraus noch weiter entwickeln, verlasse ich mich voll und ganz auf die Kreativität der Mindener. Ich habe jedenfalls noch eine ganze Menge weitere Idee zu Kanzlers Weide, die ich nach und nach über Ihre OctoberNews vorstellen möchte.

ON: Vielen Dank für Ihr Vertrauen, Herr Schnake. Ihre Idee „Stamm-Baum“ dürfte jetzt allen klar sein, daher wollen wir das Gespräch an dieser Stelle beenden. Haben Sie abschließend noch etwas hinzuzufügen?

Jürgen Schnake: Ich möchte nochmals betonen, dass ich mit Absicht bei meinen Ideen, die ich schon vorgestellt habe, wie der „Stamm-Baum“, darauf geachtet habe, dass sie wenig bis überhaupt nichts kosten. Die sind alle umsetzbar. Da käme ich in ganz wenig Fällen vielleicht mal in finanzielle Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Wenn sich jetzt der Michael Jäcke von der SPD hinstellt und sagt, wir wollen ‚Bildungschancen‘ verbessern, das klingt gut, aber ist ein irrer Anspruch, das heißt, man muss die Schulen ausrüsten, mit modernster Technik am besten, mit neuem Mobiliar. Und die Realität ist so, dass die Schulen bald auseinanderfallen und keiner Geld hat für ein neues Mobiliar. Letztes Jahr hat Minden ganze Klassen in Container gesteckt, weil die Schulen auseinanderfallen. Die Umsetzung „Stamm-Baum“ kostet gar nichts.

ON: ‚Chancen‘ heißt ja nicht, das wird auch umgesetzt. Das ist wie beim Gewinnspiel: Du hast die Chance, etwas zu gewinnen, aber du musst es nicht gewinnen.

Jürgen Schnake: Und wenn du Pech hast, wählst du dann doch die Niete.

ON: In diesem Sinne bedanken wir uns bei Ihnen für das wieder einmal interessante Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Glück und Erfolg auf Ihrem Weg als Bürgermeisterkandidat für die Stadt Minden.


Dieses Bild von dem gefällten Baumstamm mit dem aufgemalten Herz, was Herr Schnake während unseres Interviews im Weserglacis entdeckt hat, möchten wir Ihnen nicht vorenthalten. So gibt es doch genau das wieder, was Herrn Schnake wie auch uns und sicher auch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, so sehr am Herzen liegt: mit der Natur zu leben und sie zu erhalten und zu pflegen.

Stamm-Baum

Schlussendlich verrät uns der unparteiische Mindener, dass man erst dann zum „offiziellen“ Bürgermeisterkandidaten wird, wenn man seine (Antrags-) Papiere von der Stadt Minden erhalten und mindestens 300 Unterstützer-Unterschriften gesammelt hat. Offiziell gibt es bis jetzt also überhaupt noch keinen Kandidaten für das Bürgermeisteramt, das derzeit noch von Michael Buhre besetzt ist. Auch Kandidat Jäcke ist nur so eine Art Ankündigung der SPD. Die Aushändigung der notwendigen Papiere hat Herr Schnake für Anfang März beantragt, woraufhin er in der Innenstadt einen Stand aufbauen, Klinken putzen, sich persönlich der Öffentlichkeit vorstellen und Unterschriften sammeln wird. Es wird sodann an den Mindener Bürgerinnen und Bürger liegen, ob er als „offizieller Kandidat“ in den Wahlkampf ziehen darf oder nicht. Selbstverständlich geben wir Ihnen rechtzeitig Bescheid und halten Sie auf dem Laufenden.

In der Zwischenzeit darf man gespannt sein auf Teil 4 unserer Beitragsreihe mit dem Motto: „Mittwoch ist Freitag“.

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