Jobcenter Minden in Umzugslaune – Fax geht nicht – Arbeitsvermittler verpatzen Termine

Der Umzug des Jobcenter Minden in das ehemalige Volksbank-Gebäude steht bevor - Leistungsbezieher müssen Einschränkungen hinnehmen

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Hinter diesen Türen des Jobcenter Minden läuft nicht alles so, wie es sollte – Foto: onm

Der Umzug des Jobcenter Minden steht unmittelbar bevor – und schon müssen Leistungsbezieher mit den ersten Einschränkungen rechnen: Die zentrale Fax-Nummer ist nicht mehr erreichbar und die Arbeitsvermittlung ist zum Vorlade-Termin nicht anwesend. Mitarbeiter des Jobcenter Minden zeigen sich hingegen bereits in Umzugslaune.

Mehrere Leistungsbezieher berichten aktuell davon, dass die zentrale Fax-Nummer 0571/89830 des Jobcenter Minden seit dem 30. September 2014 „Verbindungsfehler“ anzeigt, was heißt, dass zurzeit kein Faxversand möglich ist an die bekannte Nummer. Anscheinend wurde diese wegen des bevorstehenden Umzugs zum Ende Oktober 2014 in das ehemalige Volksbank-Gebäude abgeschaltet. Somit müssen alle Schreiben auf dem herkömmlichen Postwege versandt werden, insbesondere wichtige Unterlagen per Einschreiben (um einen Versandnachweis erbringen zu können), was die Leistungsbezieher unnötig mit Druck- und Portokosten belastet.

Da Schreiben auf dem Postwege erst einmal in der Postverteilerstelle gesammelt werden, um sie danach an die Sachbearbeiter zu verteilen, wird es – unter Anbetracht der Umzugsaktivitäten – wahrscheinlich zu einer verzögerten Bearbeitung der Anträge und Unterlagen kommen, was für Leistungsbezieher kurzfristig finanzielle Einbußen zur Folge haben kann.

Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, die Unterlagen einzuscannen (sofern man über einen Scanner verfügt) und per E-Mail an die zuständigen Sachbearbeiter zu versenden. Dieser Versand ist jedoch unsicher und bietet keinen wirksamen Nachweis, was bei Rechtsstreitigkeiten verheerende finanzielle Nachteile für die Leistungsbezieher nach sich ziehen kann.

Hier besteht somit ein ausführliches Informationsbedürfnis seitens der Mindener Bürger, die auf die Hilfe des Jobcenter Minden angewiesen sind, was seitens des Jobcenters anscheinend bisher noch nicht über die bekannten Medien erfolgt ist. Umzugsmitteilungen haben die Leistungsbezieher unseres Erachtens auch noch nicht erreicht. Daher verweisen wir an dieser Stelle noch einmal auf unseren Vorbericht.

Des Weiteren ist uns zu Ohren gekommen, dass sich die Mitarbeiter des Jobcenter Minden bereits deutlich in Umzugslaune befinden. Nur wer Termine vor Ort im aktuellen Sparkassen-Gebäude wahrnehmen muss, bekommt nebenbei fröhlich von den Sachbearbeitern zu hören: „Wussten Sie schon? Wir ziehen ja bald um.“ OctoberNews-Leser sind ja bereits informiert. Andere Leistungsbezieher wissen jedoch noch nichts davon, weshalb es zu Beschwerden kommt.

Neben der nicht erreichbaren Faxnummer scheint es aber auch Probleme bei der Terminswahrnehmung zu geben. Nicht seitens der Leistungsbezieher, sondern „Arbeitsvermittler“ des Amt proArbeit Minden-Lübbecke (was im gleichen Gebäude nur eine Tür weiter sitzt und Hand in Hand mit dem Jobcenter Minden zusammenarbeitet) waren zum vorgegebenen Termin einfach nicht anwesend. Termine, die sie selbst per „Meldeaufforderung“ bestimmten und nicht gegenüber den Leistungsbeziehern absagten.

Zur Information: Erscheint ein Leistungsbezieher unentschuldigt nicht zum Termin, erhält er eine Sanktionsauflage, womit seine Leistungen für mindestens drei Monate um 10 Prozent gekürzt werden! Fahrtkosten, die die Leistungsbezieher unnötigerweise ausgaben, werden hier noch nicht einmal erstattet – mal abgesehen von dem Arbeitsausfall bei Hartz-IV-„Aufstockern“, die sich extra beim Arbeitgeber für den Termin freinehmen mussten.

Sodann fällt bei Besichtigung des Volksbank-Gebäudes, was Ende Oktober vom Jobcenter Minden bezogen wird, auf, dass sich direkt nebenan die ZAG (Zeitarbeits-Gesellschaft GmbH) befindet, am Markt 28, die Leiharbeitskräfte vermittelt. Man will ja nicht den „Teufel an die Wand malen“ – ist aber schon auffällig. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass JobCenter in Deutschland eng mit Zeitarbeitsfirmen zusammenarbeiten, weil der Arbeitsmarkt es nicht anders zulässt.

Alles in allem hat es den Anschein, dass aus dem Umzug des Jobcenter Minden inklusive des Amt proArbeit Minden-Lübbecke ein Geheimnis draus gemacht würde. Anders lässt sich dieses Verhalten nicht erklären. Ein beispielloser Fall. Schließlich haben nicht nur die Arbeitslosengeld-II-Empfänger Informationspflichten einzuhalten, sondern auch die Geschäftsführung und die Mitarbeiter des Jobcenters.


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