IHK: Wirtschaftswachstum verlangsamt sich in Minden-Lübbecke

Schwerpunktthema beim 21. Lagebericht der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld: Flüchtlinge in Ausbildung und Arbeit

IHK Bielefeld - Foto: onm
Das Wirtschaftswachstum im Kreis Minden-Lübbecke verlangsamt sich, prognostiziert die IHK Ostwestfalen zu Bielefeld in ihrem aktuellen Lagebericht – Archivfoto: onm

Die Mindener Zweigstelle der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen zu Bielefeld rechnet mit einer Abnahme beim Wachstumstempo im Kreis Minden-Lübbecke. Dies geht aus dem 21. Lagebericht (Dezember 2016) der IHK hervor, der am 22. November 2016 veröffentlicht wurde. Zum Schwerpunktthema “Flüchtlinge in Ausbildung und Arbeit” stellt IHK Zahlen, Checklisten, Broschüren und Informationen vor.

Die aktuelle Situation der Wirtschaft im Kreis Minden-Lübbecke ist gut, die Zeichen stehen weiterhin auf Wachstum, teilt die Mindener Zweigstelle der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld mit. „Allerdings ist mit einer Abnahme beim Wachstumstempo zu rechnen. Die Prognoseinstitute haben ihre Erwartungen für das Jahr 2017 zurückgenommen“, schränkt IHK-Zweigstellenleiter Karl-Ernst Hunting ein. Das liege sicher auch an der nachlassenden Weltkonjunktur, der sich auch die heimische Wirtschaft nicht entziehen könne.

Die Schwäche der Schwellenländer, zunehmender Protektionismus und weitere Entwicklungen im Ausland würden sich im Außenhandel bemerkbar machen. Positiv für das Wirtschaftswachstum hingegen seien beispielsweise die geringe und weiter abnehmende Arbeitslosenquote in Minden-Lübbecke laut IHK.

ON: An dieser Stelle müssen wir ergänzen. Zwar ist die Zahl der Arbeitslosen insgesamt im Mühlenkreis von September bis Oktober 2016 um 409 auf 8264 gesunken. Dafür hat die Unterbeschäftigung allein in diesem einen Monat um 7,4 Prozent zugenommen laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA). Ende Oktober dieses Jahres gingen 12.385 Menschen in Minden-Lübbecke einer “Unterbeschäftigung” nach, worunter die BA unter anderem folgende Gruppen versteht: ehrenamtlich Tätige, (Alters-) Teilzeitbeschäftigte, Minijobber und Teilnehmer an diversen Maßnahmen der Arbeitsagenturen und Jobcenter. Vermittelt wird im Übrigen – wenn überhaupt – meist an Zeitarbeitsfirmen. Was zusammenfassend heißt, dass die Betroffenen aufstockend Hartz IV beziehen müssen, weil sie eben nicht genug verdienen, um für die stetig steigenden Lebenshaltungskosten aufkommen zu können. Doch selbst diese ihnen zustehenden Leistungen werden mithilfe immer schärferer Sanktionen gekürzt, bis sie komplett aus der Statistik der BA fallen. Ein Teufelskreis, der zudem hohe Verschuldung auslöst.

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Hier geht’s zur PDF-Ansicht des 21. IHK-Lageberichts (Klick auf Bild)

Hinzu kommt, so die IHK weiter, dass eher ländlich strukturierte Kommunen im ersten Halbjahr 2016 mehr Gewerbe-Abmeldungen als Anmeldungen oder nur geringfügig mehr An- als Abmeldungen zu verzeichnen hatten. Die kleineren Städte mit einem tendenziell eher kleinteiligeren Handelsbesatz würden stärker unter dem Online-Handel leiden.

Die Digitalisierung treibe den Strukturwandel im Einzelhandel ungebremst voran. Demgegenüber kämen vom stationären Einzelhandel positive Effekte für das Gemeinwohl durch ihre Sachleistungen und ihr finanzielles und ehrenamtliches Engagement. In allen drei genannten Bereichen liege das Engagement in den Grundzentren leicht über dem in den Ober- und Mittelzentren.

Das Schwerpunktthema des aktuellen Lageberichts dreht sich allerdings um Flüchtlinge in Ausbildung und Arbeit. Von wesentlicher Bedeutung für die Integration der im vorigen und diesem Jahr im Kreis angekommenen Flüchtlinge in die Gesellschaft seien neben Sprachkursen die Ausbildung und die Beschäftigung in den Betrieben. Mittlerweile gebe es für Unternehmen viele Informations- und Unterstützungsmöglichkeiten durch Netzwerke, diverse Aktionen und Ansprechpartner, etwa bei der IHK.

Trotzdem konnten bisher nur wenige Flüchtlinge im Kreis Minden-Lübbecke in Unternehmen eingestellt werden, insbesondere wegen der Sprachbarrieren. Hunting: „Die Unternehmen sollten sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten Flüchtlingen zuwenden. Das kann im Idealfall beispielsweise von Betriebsbesichtigungen über Praktika, Einstiegsqualifizierungen, einer dualen Ausbildung bis hin zur Festanstellung reichen.“ Die IHK spricht sich dafür aus, die Flüchtlinge nach Möglichkeit in eine Ausbildung zu bringen. „Das ist nachhaltiger als eine Helfertätigkeit“, so Hunting weiter. 50 Prozent der Geflüchteten seien unter 25 Jahre. Daraus ergebe sich ein großes Potenzial für die duale Ausbildung.

Die steuerlichen Aussichten für die Städte und Gemeinden im Mühlenkreis seien insgesamt und generell nicht schlecht, geht aus dem IHK-Lagebericht hervor. Für die Jahre 2016 bis 2021 werde von den Steuerschätzern durchgehend jedes Jahr ein neuer Rekord der gesamtstaatlichen Steuereinnahmen erwartet. Für die Jahre 2017 bis 2021 werde jährlich auf Bundesebene ein weiterer Gewerbesteuerrekord prognostiziert.

Allerdings nähmen im Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr die Gewerbesteuereinnahmen um rund 287 Millionen Euro (0,6 Prozent) auf rund 45,45 Milliarden Euro ab. „Insgesamt jedoch sollten unsere Kommunen in Minden-Lübbecke zurückhaltend sein und nicht an der Gewerbesteuerschraube drehen“, so Hunting abschließend.

Der aktuelle IHK-Lagebericht – inklusive Hinweisen zu Checklisten, Broschüren und Informationen rund um das Thema “Flüchtlinge in Ausbildung und Arbeit” – wird zum Durchblättern zur Verfügung gestellt (siehe Bild) und kann als PDF-Datei bei der IHK-Zweigstelle Minden angefordert werden über Christa Becker, entweder telefonisch unter 0571 / 38 53 811 oder per E-Mail an zweigstelle.minden@ostwestfalen.ihk.de.

Quelle: IHK, OctoberNews


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