IHK: Sinkender Optimismus bei Minden-Lübbecker Wirtschaft

Aktuelles Konjunkturumfrageergebnis der gewerblichen Wirtschaft - Bebauungsplan Gewerbegebiet Lahde habe gravierende Folgen für Unternehmen in Petershagen

Aus dem neuen IHK-Gebäude in Minden hallt abnehmender Optimismus trotz offensichtlich guter Konjunktur – Geschäftsführer Hunting stellt aktuelles Umfrageergebnis vor – Archivfoto: onm

„Die Konjunktur der gewerblichen Wirtschaft im Kreis Minden-Lübbecke hat sich deutlich abgeschwächt“, fasst Mindens IHK-Zweigstellenleiter Karl-Ernst Hunting die aktuellen Konjunkturumfrageergebnisse der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) zusammen. Und der neue Bebauungsplan „Gewerbegebiet Lahde“ habe gravierende Folgen für Unternehmen in Petershagen.

An der aktuellen Konjunkturumfrage beteiligten sich von Anfang Januar bis Mitte Februar 2019 insgesamt 295 Minden-Lübbecker Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistung mit insgesamt rund 23.000 Beschäftigten. Die IHK-Vollversammlungsmitglieder Birgit Gärtner und Dr. Georg Böcker sowie der Mindener IHK-Zweigstellenleiter Karl-Ernst Hunting erläutern die Ergebnisse vom 20. März 2019:

Minden-Lübbecker Wirtschaft: Abnehmender Optimismus bei guter Konjunktur

Der aktuelle Konjunkturklimaindikator habe mit 116 gegenüber der Herbstumfrage 2018 (128) deutlich nachgelassen. „Allerdings kommen wir von einem hohen Niveau mit einem starken Wachstum und generell guten Erträgen in den letzten Jahren. Deshalb sollten die nachlassenden Konjunkturwerte nicht dramatisiert werden“, so Dr. Böcker.

Die bevorstehenden zwölf Monate würden die Unternehmen schlechter bewerten als ihre gegenwärtige Situation. Mit verstärktem Blick auf die Kostenseite würden die Arbeitskosten sowie die Energie- und Rohstoffkosten mehr an Bedeutung gewinnen. Die Investitionen im Inland und im Ausland erfolgen hingegen zurückhaltender, mit Rationalisierungen auf hohem Investitionsniveau sollen die Kosten gesenkt werden. Umso mehr Gelder fließen in Produktinnovationen, um zukünftige Umsätze und Erträge erwirtschaften zu können. Der Fachkräftemangel bestehe weiterhin, werde aber in dieser Situation teilweise von den Kostenfaktoren überdeckt.

Angesichts unsicherer Wachstumsaussichten rät Dr. Böcker: „Die Kämmerer in den Minden-Lübbecker Städten und Gemeinden sollten ihre Haushalte sicherheitshalber mit zukünftig sehr moderat gerechneten Gewerbesteuereinnahmen aufstellen.“

Die Unternehmen in allen drei Teilbranchen bewerten ihre derzeitige Geschäftslage sehr deutlich beziehungsweise außergewöhnlich deutlich positiv. Die Erwartungen bei der Geschäftslage für die nächsten zwölf Monate seien in Industrie, Handel und Dienstleistungen hingegen uneinheitlich. Sie seien in der Dienstleistungsbranche deutlich positiv, beim Handel ganz knapp positiv und in der Industrie deutlich negativ.

Mit Beschäftigtenzunahmen könne laut Dr. Böcker in den nächsten zwölf Monaten vornehmlich bei den Dienstleistungen, teilweise aber auch beim Handel und in bestimmten Industrieunternehmen gerechnet werden. In der Industrie bewerten die aktuelle Ertragslage 64 Prozent der Betriebe mit gut (Herbst 2018: 64 Prozent). Dass die Erträge zukünftig fallen, sehen 41 Prozent der Unternehmen (Herbst 2018: 35 Prozent).

Laut Gärtner hätten im Handel zusammengefasst die aktuellen Ergebnisse der IHK-Halbjahresumfrage gegenüber Herbst 2018 fast durchgängig nachgelassen, teilweise sogar deutlich. Ihre aktuelle Geschäftslage bewerten 39 Prozent der Betriebe mit gut, sechs Prozent als schlecht und 55 Prozent mit befriedigend.

„In der Dienstleistungsbranche liegen alle Umfrageergebnisse im Bereich der Herbstumfrage 2018 oder haben leicht nachgelassen“, so Gärtner. 50 Prozent der Betriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage demnach mit gut, drei Prozent als schlecht und 46 Prozent als befriedigend. Die Umfrageergebnisse der Teilbranchen bei den Dienstleistern unterschieden sich teilweise stark voneinander.

Petershagen: Neuer Bebauungsplan „Gewerbegebiet Lahde“ hat gravierende Folgen für Unternehmen

Der neue Bebauungsplan 2A „Gewerbestandort Lahde“ der Stadt Petershagen wird sich negativ auf viele dort ansässige Unternehmen auswirken – zu dieser Einschätzung kommt die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK). Sie sieht das laufende Bebauungsplanverfahren deshalb mit großer Sorge.

Der neue Bebauungsplan soll einen bestehenden und rechtskräftigen Bebauungsplan ablösen. Eine Vielzahl von Unternehmen wäre durch die vorgesehene Festsetzung als Gewerbegebiet anstelle des seit 1977 festgesetzten Industriegebiets erheblich betroffen. Ein Industriegebiet bietet deutlich mehr unternehmerische Entwicklungsspielräume als ein Gewerbegebiet. Es ist eines der flächenmäßig größten Industriegebiete in Ostwestfalen und möglicherweise das größte im Kreis Minden-Lübbecke.

„Seit Jahrzehnten werden wir an allen Bauleitplanverfahren in Ostwestfalen beteiligt. Aus dieser Zeit sind uns nahezu keine ähnlichen Planungen in Erinnerung, die so gravierend in die Nutzungsrechte einer so großen Anzahl von Unternehmen eingreifen“, sagt IHK-Zweigstellenleiter Hunting.

Eine Verlagerung von Unternehmen beziehungsweise betrieblichen Anlagen in umliegende niedersächsische oder nordrhein-westfälische Kommunen erweise sich als schwierig. Zu den Gründen gehöre offenbar, dass dort kaum geeignete freie Industriegebietsflächen verfügbar seien, die zeitnah genutzt werden können. Dem industriell nutzbaren Standort Lahde komme mit seiner Konkurrenzfähigkeit zum angrenzenden Niedersachsen eine regionale Bedeutsamkeit zu.

In Gewerbegebieten würden geringere Lärm-Immissionsrichtwerte als in Industriegebieten gelten. Bei Veränderungen oder Erweiterungen bereits bestehender Betriebe wären die schärferen Anforderungen an den Lärmschutz einzuhalten. Ein Bestandsschutz für die bisherige Lärmsituation bestünde diesbezüglich dann nicht mehr. „Die Situation kann also zukünftig für viele Betriebe problematisch werden“, so der IHK-Zweigstellenleiter.

Hinzu komme, dass Betriebe in einem Gewerbegebiet keine Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz mehr für die notwendige Weiterentwicklung ihrer Anlagen erhalten, weil dafür formal die Industriegebietsausweisung erforderlich sei.

„Die Unternehmen haben bei Vertragsabschluss zum seinerzeitigen Grundstückskauf in Lahde auf die Ausweisung als Industriegebiet vertraut,“ fasst Hunting zusammen. Es bestehe die Möglichkeit, dass mit der zukünftigen Rechtskraft des Bebauungsplanes 2A und der damit verbundenen Einschränkung auf Gewerbegebiet darüber diskutiert wird, ob die Stadt Petershagen als Wirtschaftsstandort verlässlich ist.

Hunting: „Das wäre sehr schade und wir hoffen, dass es dazu nicht kommt. Vielmehr wünschen wir uns, dass die Wirtschaftsentwicklung in Petershagen positiv verläuft.“

Textquelle: Pressemeldung IHK-Zweigstelle Minden, Umformulierung/Ergänzung: OctoberNews


Diesen Bericht teilen: