IHK: Die Zeiten ändern sich – und damit die Wirtschaft 2017

Neujahrserklärung der IHK in Minden für den Kreis Minden-Lübbecke - von Kreisentwicklungskonzepte über Automobilindustrie bis zum öffentlichen Fahrstuhl

Die Zeiten ändern sich, auch rund um den Kaiser im Kreis Minden-Lübbecke – IHK Minden gibt traditionelle Neujahrserklärung zur kommenden Lage der Wirtschaft ab – Symbolfoto: onm

Deutschland und die Welt befinden sich in einer Zeit großer Veränderungen. Damit sind Anforderungen und Chancen für unsere heimische Wirtschaft verbunden, die erkannt, bewältigt und genutzt werden müssen. Das erschwert  Einschätzungen, inwieweit die robuste Konjunktur im Jahr 2017 anhalten wird, so die Zweigstelle Minden der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen zu Bielefeld in ihrer traditionellen Neujahrserklärung.

„Da sich die redaktionell abgedeckten Gebiete unterscheiden und teilweise überschneiden, haben wir darauf verzichtet, die Neujahrserklärung in Einzelpressemeldungen aufzuteilen. Die Gesamtpressemeldung ist deshalb etwas länger als gewohnt“, teilt Mindens IHK-Zweigstellenleiter Karl-Ernst Hunting mit. Die Neujahrserklärung deckt damit folgende Themen ab:

  • Konjunkturentwicklung generell
  • Minden (Mobilitätskonzept, B 65-Südumgehung, Fahrstuhl Martinitreppe)
  • Lübbecke (Wasserschutzgebiet West)
  • Bad Oeynhausen (Stadtentwicklungskonzept 2030)
  • Kreis Minden-Lübbecke (Kreisentwicklungskonzept)

Das bisherige „Konjunktur-Doping“ durch Ölpreis, Wechselkurs und Niedrigzinsen laufe aus. In vielen Staaten würden die nationalen Interessen stärker betont und die Wirtschaft mehr und mehr abgeschottet. Das erschwere die starke Exportorientierung der deutschen Wirtschaft. Die Energiewende weg von Atom und Kohle und hin zur regenerativen Energie setze sich fort. Der demografische Wandel schreite voran.

Die Automobilindustrie werde bei geringerem Fachkräftebedarf auf Elektromobilität und Digitalisierung umstellen. Bundesweit stamme der Gesamtumsatz des produzierenden Gewerbes mit Betrieben ab 50 Beschäftigten zu rund einem Viertel aus der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen. In Minden-Lübbecke sei dieser Umsatzanteil deutlich geringer, jedoch seien hier wichtige Zulieferer ansässig.

Die aktuellen kommunalen Mobilitätskonzepte wie beispielsweise in Minden mit ihren Luftqualitäts- und Lärmzielen würden schnell überholt sein. Überlegungen, wie der bisher abgasbelastete und zukünftig saubere Kraftfahrzeugverkehr aus der Stadt herausgehalten werden kann, würden schnell von Überlegungen zum Umbau der Energieversorgungssysteme abgelöst. „Deshalb sollte nicht vorschnell durch kommunale Maßnahmen die Erreichbarkeit der Innenstädte für Kraftfahrzeuge erschwert werden“, so Hunting.

Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für die geplante B 65-Südumgehung habe sich die IHK deutlich gegen eine Abbindung der Lübbecker Straße in Dützen ausgesprochen. Die an der Lübbecker Straße ansässigen Gewerbebetriebe seien teilweise vom Durchgangsverkehr und von gezielten Kundenströmen aus Richtung Hille abhängig. Bei Abbindung der Lübbecker Straße werde deshalb ein Teil dieses Umsatzes in das Gewerbegebiet Barkhausen und andere Einkaufsgelegenheiten fließen. Hunting: „Es ist möglich, dass durch darauf folgende Betriebsaufgaben im Nahversorgungszentrum Lübbecker Straße / Dützener Weg die wohnortnahe Grundversorgung der Bevölkerung nicht mehr gewährleistet werden kann.“ Das Nahversorgungszentrum sei aber Bestandteil des vom Stadtrat Minden beschlossenen gesamtstädtischen Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes.

Eine gute Idee sei der im Bereich der Martinitreppe vorgestellte öffentliche Fahrstuhl zwischen Unter- und Oberstadt in Minden. „Er kann eine funktionelle und optische Bereicherung für die Innenstadt sein. Ähnliche Fahrstühle bestehen beispielsweise bereits in Pamplona und in Estrella, Spanien“, erklärt Hunting.

Mit Sorge erwarte die IHK den Entwurf zur Neufassung der Wasserschutzgebietsverordnung für den Lübbecker Westen zur Stellungnahme. Hunting: „Wir hoffen nicht, dass es mit der angekündigten räumlichen Erweiterung und mit zusätzlichen Auflagen bis hin zu eventuellen Bauverboten zu Behinderungen bei der Ansiedlung und Entwicklung von Unternehmen kommt.“

Die Erarbeitung eines Stadtentwicklungskonzeptes „Bad Oeynhausen 2030“ sei zu begrüßen. „Wir würden uns aber freuen, wenn die Erarbeitungszeit verkürzt und das Konzept durch den Rat deutlich eher als im Frühjahr 2019 beschlossen wird“, meint Hunting. Dann sei es auch möglich, alle Aspekte ohne vorherige Auskopplung des Einzelaspektes „Wohnen“ gemeinsam zu bearbeiten. Gerade die gegenseitige Abstimmung aller Einzelaspekte, beispielsweise von Wirtschaft über Verkehr bis zum Wohnen, mache das Wesen eines Gesamtkonzeptes aus. Die IHK würde sich auch neue Formen der Bürger- und Unternehmensbeteiligung wünschen. Sie sei sinnvoll, erreiche aber mit den üblichen Verfahren in vielen Kommunen noch nicht einmal ein Prozent der Gesamtbevölkerung.

Die IHK regt ein umfassendes Kreisentwicklungskonzept für gesamt Minden-Lübbecke an. Damit könnten bisherige Fachpläne, beispielsweise zu Breitband, Kreisimmobilien, Entsorgung, Kreisstraßen, Finanzen und Gewerbegebieten zum gegenseitigen Nutzen aufeinander abgestimmt und weiterentwickelt werden. Damit verbunden sei eine Förderung der immer wichtiger werdenden interkommunalen Zusammenarbeit. Über den neuen Bundesverkehrswegeplan hinaus könnten auch Ziele zur Entwicklung des gesamten Verkehrssystems im Kreis von den Bundesstraßen über die Landesstraßen, Bahnlinien und Wasserstraßen bis zum Luftverkehr formuliert werden.

Zu den zentralen Bausteinen des Kreisentwicklungskonzeptes sollten auch dringend benötigte Lösungsansätze für die wachsenden Probleme der ländlich strukturierten Kommunen gehören. Dazu zählten beispielsweise die hohe Verschuldung, die hohe Leerstandsquote von Wohngebäuden in einzelnen Ortsteilen, der Konkurrenzkampf zwischen den Ortsteilen, die Attraktivitätsprobleme der Einkaufsgelegenheiten, die oft straßenverkehrlich nicht besonders gute Anbindung und die Abwanderung von jungen Leuten, die außerhalb des Mühlenkreises eine Ausbildung absolvieren oder den ersten Arbeitsplatz antreten.

Doch das Jahr 2016 ist ja noch nicht zu Ende, neigt sich diesem aber unweigerlich zu. Daher wünscht die IHK allen eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2017.


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