Historische Schlittschuhe einer Dame aus Minden-Rodenbeck

Mindener Museum hat im November und Dezember 2014 Schlittschuhe von 1900 als Objekt im Fokus

Diese Schlittschuhe trug eine Dame aus Rodenbeck um 1900 - Foto: Mindener Museum / minden.de
Diese “Überzieher”-Schlittschuhe trug eine Dame aus dem Mindener Stadtteil Rodenbeck um 1900 – Foto: Mindener Museum / minden.de

Im November und Dezember 2014 stellt das Mindener Museum im Rahmen des Projekts “Objekt im Fokus” ein Paar historische Schlittschuhe einer Dame aus Minden-Rodenbeck vor und erzählt ihre Geschichte:

Schlittschuhlaufen oder „Schrittschuhlaufen“, wie es damals auch genannt wurde, etablierte sich in Deutschland erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Auslöser für die Popularität der damals eher unbekannten Freizeitbeschäftigung waren die Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803) und sein Freund Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832). Die Schriftsteller priesen das Gleiten auf dem Eis in ihren Gedichten als ein großes Vergnügen und gewannen so viele Nachahmer.

Die Grundform des Schlittschuhs, wie wir ihn heute kennen, wurde in Holland erfunden. Dort war das Schlittschuhlaufen seit dem 16. Jahrhundert aufgrund der vielen Wasserwege ein weit verbreitetes Fortbewegungsmittel. Die Holländer entwickelten aus einer waagerecht unter den Fuß gebundenen Metallschiene die senkrecht aufstehende Kufe. Diese ermöglichte erstmals das Fortbewegen auf dem Eis ohne die Hilfe von Stöckern.

Vorläufer der Metallschiene war der Knochenschlittschuh. Dieser war in ganz Europa verbreitet. Die ältesten gesicherten archäologischen Funde von Knochenschlittschuhen stammen aus der Zeit um 3000 vor Christus. In Norwegen und Island benutzte man diese „Schlitterhilfe“ noch bis in das 19. Jahrhundert. In Mitteleuropa verwendete man in erster Linie den Schweinefußknochen, der dadurch bis heute den Namen „Eisbein“ trägt. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es dann verschiedene Innovationen in der Form des Schlittschuhs. Diese führten dazu, dass sich im 20. Jahrhundert ein Schlittschuh mit einer fest mit dem Schuh verbundenen Kufe entwickelte.

Der im Mindener Museum verwahrte Schlittschuh ist ein Vorläufer dieses Modells. Er wurde über dem normalen Schuh getragen. Seine Sohle besteht aus Holz und ist fest mit der schwungvoll geformten, eisernen Kufe verbunden. Der Vorderfuß wurde fest zwischen zwei Lederbahnen verschnürt und der Absatz in einem eisernen Fersenhalter mit einem Dorn befestigt. Ein weiterer langer Lederriemen wurde zum besseren Halt um den Knöchel gewunden.

Eislaufszene historisch by J. Baber Early 19XX Wikipedia gemeinfrei
Eislaufszene von J. Baber aus dem 19. Jahrhundert / Wikipedia gemeinfrei

Anfang des 19. Jahrhunderts kam das Schlittschuhlaufen so stark in Mode, dass darüber Bücher veröffentlicht wurden: “Das Schlittschuh-Laufen – Ein Taschenbuch für Freunde dieses edlen Vergnügens” (A. Maier, 1814) und “Der Eislauf oder das Schrittschuhfahren – Ein Taschenbuch für Jung und Alt” (Herausgeber C. S. Zindel, 1825). Die Bücher enthielten konkrete Anleitungen zu Übungen auf dem Eis und schwärmerische Abhandlungen über das Vergnügen des Schlittschuhfahrens.

Es wurden jedoch auch kritische Stimmen publiziert, die sich an den “müßigen Städter” richteten, “der aus eitler Langeweile sich der Gefahr aussetzt, im Eise einzubrechen” (Dinglers polytechnisches journal, 1807). Dass auch die Mindener schon früh Interesse an einer Eisbahn hatten, belegen um 1900 entstandene Postkarten, die den zugefrorenen Schwanenteich am Weserglacis zeigen.

Aktuell bewahrt das Mindener Museum rund 60.000 Objekte in seiner Sammlung auf. Wenn die im Aufbau befindliche Dauerausstellung fertig ist, werden noch immer 95 Prozent der Objekte verborgen im Magazin lagern. Wie bereits mit den Kabinettausstellungen möchte das Museumsteam die Vielfalt, die Geschichte und den Dokumentationsstand seiner Sammlung vorstellen. Im Rahmen des Projekts „Objekt im Fokus“ soll daher alle zwei Monate ein Objekt der Sammlung im Foyer des Museums ausgestellt und seine Geschichte erzählt werden.

Quelle: Minden.de / Mindener Museum

Wir finden, das ist doch eine nette Idee! So läuft man nicht nur monoton an Dutzenden von Museumsobjekten vorbei, die meist in Vergessenheit geraten, sondern konzentriert sich auf ein Objekt, mit dem man sich identifizieren und im Alter für einen kurzen Moment die Kindheit wiederaufleben lassen kann.

Anschrift des Museums:
Mindener Museum
Ritterstraße 23-33
32423 Minden
Telefon: 0571-9724020
museum@minden.de
www.mindenermuseum.de

Öffnungszeiten:
Di – So und an Feiertagen 12 – 18 Uhr
Sonderöffnungszeiten für Gruppen
ganzjährig geöffnet, außer 24., 25. und 31.12.2014, 01.01.2015

Eintritt:
Erwachsene 4 Euro
ermäßigt 3,50 Euro
Kinder bis 12 Jahre freier Eintritt
Jugendliche ab 12 Jahre 2 Euro
Ermäßigungen für Gruppen

Porta on Ice 2014Wer heutzutage lieber mit neuzeitlichen Schlittschuhen die Eisfläche erobern will, dem bietet sich übrigens ab dem 7. November 2014 die Familieneisbahn “porta on Ice” im beheizten Zelt am Porta Markt, Flurweg in Porta Westfalica, an. Öffnungszeiten und Preise finden Sie auf der Facebook-Seite.

 

 

 

 

 

 


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