Hille seit einer Woche ohne Bürgermeister

Michael Schweiß befindet sich seit dem 3. September 2015 im Ruhestand, hofft jedoch auf eine Wiederwahl - Mitstreiter Björn Horstmeier sieht keine Konkurrenz in ihm

An so einen historischen Schreibtisch braucht heutzutage im Hiller Bürgermeisterbüro zwar niemand mehr anzutreten, aber ein Stuhl im echten Büro wartet derzeit darauf, wieder besetzt zu werden – Symbolfoto: mikilnarayani pixabay CC0

Seit rund einer Woche ist der Stuhl im Büro des Bürgermeisters der Stadt Hille nicht mehr besetzt. Michael Schweiß befindet sich bereits im Ruhestand, wie gestern durch die Sendung Lokalzeit des Westdeutschen Rundfunks (WDR) verkündet wurde.

Hilles Ex-Bürgermeister Michael Schweiß stellt sich zur Wiederwahl – Foto: Gemeinde Hille

Nicht nur in Minden, sondern auch in 27 anderen Kommunen Ostwestfalen-Lippes finden am kommenden Sonntag, 13. September 2015, Bürgermeisterwahlen statt. Etliche amtierende Bürgermeister nutzen somit bis zum letzten Tag die Gunst der Stunde und zeigen sich hier und da noch präsent und führen ihre vielleicht letzten Amtshandlungen aus. Doch in der beschaulichen Stadt Hille im Kreis Minden-Lübbecke scheint die Verwaltung irgendwie anders zu laufen.

Michael Schweiß widmet sich seit Kurzem seiner Familie und Freunden anstatt um die Belange der Stadt Hille. Allerdings muss der 1960 in Minden geborene Diplom-Verwaltungswirt (FH) seinen Mitbürgern erklären, dass sein Ruhestand gar nichts mit ihm zu tun hat, sondern mit der Tatsache, dass so eine Amtszeit nur genau sechs Jahre gilt – und keinen Tag länger. Und diese ist am 3. September 2015 abgelaufen.

In dem gestrigen WDR-Fernsehinterview erklärt Helmut Spilker, allgemeiner Vertreter und Fachbereichsleiter Planen und Bauen, die Vorgehensweise wie folgt: “Das liegt daran, dass es bei der Wahl im August vor sechs Jahren außergewöhnlich schnell mit der Amtseinführung ging, damals bis zum 3. September. Die Amtszeit von sechs Jahren des Herrn Schweiß ist am 03.09. dieses Jahres abgelaufen. Somit ist auch die gesetzliche Grundlage für die Weiterführung der Amtsgeschäfte entfallen. Und der Herr Schweiß befindet sich seit diesem Zeitpunkt in Ruhestand.”

Doch der von Amts wegen verordnete Ruheständler denkt gar nicht daran, seine geliebte Stadt Hille aufzugeben: Er hat sich zur Wiederwahl gestellt und wittert gute Chancen. “In Hille bin ich tief verwurzelt: Hier bin ich aufgewachsen, hier lebe ich, hier habe ich Familie, Freunde, Bekannte. Die Verwaltungsarbeit habe ich von der Pike auf gelernt; die verschiedenen Bereiche sind mir bestens vertraut. Als Bürgermeister schöpfe ich aus einem umfangreichen Erfahrungsschatz”, wirbt SPDler Schweiß auf seiner Webseite.

Björn Horstmeier BM-Kandidat Hille
Wählen die Hiller am 13. September vielleicht Björn Horstmeier zum neuen Bürgermeister? – Foto: CDU Hille

Trotzdem hat sich der “Zettelmensch”, wie sich Schweiß selbst beschreibt, schon private “Arbeitszettel” geschrieben, die er übers Laptop verwaltet. Er kümmert sich beispielsweise um den Geburtstag seines Freundes in Vlotho und um das Heizkörperventil der Schwiegermutter, das mal wieder in Gang gebracht werden muss. Ab Montag soll es laut WDR-Interview mit dem Wohnmobil an die Nordsee gehen für ein paar Tage.

Doch sein Mitstreiter Björn Horstmeier (42 Jahre, CDU, Freie Wähler) mit seinem Wahlspruch “Björn packt’s an!” ist derweil nicht untätig. Für den gebürtigen Lübbecker und Diplom-Verwaltungswissenschaftler ist eine blitzartige Rückkehr von Ex-Bürgermeister Michael Schweiß aber schon deshalb kein Thema, weil es kaum einer weiß und kaum einer versteht, erklärt WDR-Moderator Tobias Reckmann, der den Wahlkampf in Hille als schräge Besonderheit bezeichnet. Für Horstmeier zählen vor allem Inhalte (siehe auch sein Webauftritt).

Wer die beiden Bürgermeisterkandidaten für Hille kurz vor der Wahl persönlich sprechen möchte, erhält mit hoher Wahrscheinlichkeit ab morgen, 11. September 2015, auf dem Hiller Herbstmarkt, der bis Sonntag läuft, sowie beim gleichzeitig stattfindenden Trecker Treck letztmalig die Gelegenheit, bevor es an die Wahlurne geht. Die beiden Kandidaten werden sich sicher dort blicken lassen. ;o)


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