Gut informiert vom SolarTag 2015 in Bückeburg zurück

Von Solartechnik, Photovoltaikanlagen bis Stromspeicher wurde alles rund um Sonnenenergie erklärt am SolarTag 2015 im Rathaussaal Bückeburg

SolarTag 2015 in Bückeburg
Beim SolarTag ergaben sich rege Gespräche rund um Sonnenenergie – Fotos: onm

Auf dem SolarTag 2015 im Bückeburger Rathaussaal konnten sich am Samstag Immobilienbesitzer über Solartechnik, Photovoltaikanlagen, Stromspeicher, Dämmvorrichtungen, Fördermittel und alles rund um Sonnenenergie sowie andere erneuerbare Energien informieren. Die Firmen Ahrens Dachtechnik / Solartechnik, HEAT4ALL®, die Sparkasse Schaumburg und andere Messeaussteller standen dabei Rede und Antwort.

Zuerst beantwortete Andreas Hägermann, Betriebsleiter der Ahrens Solartechnik Bückeburg / Solartechnik-Systeme Minden, mit einer Engelsgeduld unsere Fragen. Insbesondere interessiert uns brennend, ob es bereits einzelne Solarpaneele für Mieter auf dem Markt gibt, die man sich beispielsweise auf den Balkon oder die Terrasse stellen kann, um mit der gewonnenen Sonnenenergie zum Beispiel Computer mit Strom versorgen zu können. Doch – wie bei vielen anderen Messen – erhielten wir auch von Herrn Hägermann die Antwort, „dass dies schwierig sein dürfte“.

Im Gegensatz zu Ausstellern auf anderen Energiemessen haben wir von Herrn Hägermann aber tatsächlich eine Begründung erhalten, warum es bisher nur privaten Hausbesitzern und Unternehmen vorbehalten bleibt, Solartechnik für die Gewinnung und Einspeisung von Strom einzusetzen: Das maßgebliche Stichwort heißt „Eigenverbrauch„. Installiert beispielsweise eine Wohnungsgesellschaft mehrere Solarpaneele auf den Dächern der Mietshäuser und will den daraus gewonnenen Strom an die Mieter weitergeben, wird sie erst mal zum „Energielieferanten“ im Sinne des Gesetzes.

Da sie in dem Fall eine Photovoltaikanlage über 10 kWp (s. u. zu Einfamilienhaus) betreibt, muss sie lt. EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) ab 1. August 2014 für den selbst verbrauchten Solarstrom eine EEG-Umlage an den Staat abführen, die sich jährlich erhöht. Nun ist aber noch zu klären, ob die Wohnungsgesellschaft und/oder die Mieter, die ja den Strom beziehen, als „Eigenverbraucher“ anzusehen sind. Hier ist sich der Gesetzgeber wohl noch nicht einig. Genauere Informationen bietet hier die Webseite PVS Solarstrom.

Wie viele „Energielieferanten“ es bereits gibt, veranschaulichte sehr schön eine Landkarte, auf der alle sogenannten „Solarkraftwerkeim näheren Umfeld mit gelben Pinnnadeln markiert waren. Während in Bad Oeynhausen und anderen Gebieten Schaumburgs sehr viele dieser „Solarkraftwerke“ verbaut sind, besteht im westfälischen Minden noch Nachholbedarf.

Solarkraftwerke Minden und Schaumburg 1500
Solarkraftwerke in Minden und Schaumburg

Genauer gesagt gibt es sogenannte „VDE“-Vorschriften, hinter denen sich einer der großen europäischen Verbände für Branchen und Berufe der Elektro- und Informationstechnik verbirgt. Zurzeit berät wohl ein Ausschuss des VDE über die Problematik, verrät uns Herr Hägermann. Denn warum sollten nicht auch Mieter in den Genuss sauberer Energie kommen dürfen? „Wohnungsgesellschaften sind sehr wohl an Solaranlagen auf dem Dach interessiert, das ist doch eine super Investition, und sie könnten ihren Mietern kostengünstigeren Ökostrom anbieten„, erklärt der Fachmann weiter. „Doch dann müssten auch alle Mieter mitspielen. Sobald sich ein Mieter querstellt, könnte das Projekt des Vermieters kippen. Außerdem bestehe das Problem der Abmessung pro Mieteinheit. Aber das größte Problem stellt die aktuelle Gesetzgebung dar.“

Kurz recherchiert haben wir zwar Solarmodule für Mieter gefunden, beispielsweise von „Care Energy„. Doch „wenn Strom über die Steckdose eingespeist wird, könne es durch Überlastung des Stromkreislaufs zu Bränden kommen“, warnt der VDE lt. taz-Bericht. Weiter heißt es in Kommentaren unter diesem Bericht, dass in dem Fall eine spezielle Sicherung notwendig wäre und dass der Stromzähler bei Anschluss eines solchen Solarmoduls rückwärts laufen würde. Daran sind Stromanbieter selbstverständlich nicht interessiert. Rechtlich gesehen bewege sich das Thema in der „Grauzone“. Ob und wann auch Mieter von kostengünstigerem Solarstrom – ob vom Vermieter oder selbst produziert – profitieren können, steht somit noch in den Sternen.

SolarTag 2015 in Bückeburg

Zurück zu den privaten Haus- und Grundstücksbesitzern, die zahlreich erschienen und sich umfassend auf dem SolarTag in Bückeburg informierten. Was braucht man denn nun für eine Anlage auf dem Dach und was kostet das, und rentiert sich das überhaupt, erhält man Fördermittel vom Staat, was wird bezahlt, wenn man den Strom einspeist – und viele weitere Fragen rund um Solarenergie kamen auf. Wir löcherten Herrn Hägermann weiter (wofür wir uns an dieser Stelle herzlichst aus der Ferne bedanken!).

Vor den riesigen Solarpaneelen am Haupteingang stehend erklärt er uns, dass manche Hausbesitzer auch auf die Optik achten. Da macht so eine schwarze Rückseiten-Folie (s. Foto oben links) schon eine Menge her im Gegensatz zu einer normalen weißen, wo alle Zellenverbindungen durchschimmern. Schwarze Rückseiten-Folien „fressen“ jedoch mehr Licht, weswegen Solarmodule mit weißer Rückseiten-Folie ca. 5 Watt mehr Leistung bringen. Sodann unterscheidet man zwischen Solarzellen mit „monokristalliner“ (gleichmäßigerer) und „polykristalliner“ Silizium-Struktur.

Ein Standard-Solarmodul enthält 60 „Welver“ (einzelne Zellen), also 6 x 10 Zellen, die im Idealfall (sprich: viel Sonne) eine Leistung von bis zu 260 Watt Peak (engl. „peak“ = Spitze) erzeugen. Errechnet wird die Leistung im Bereich Photovoltaik, indem man in Testversuchen mit 1000 Watt bei 25 Grad Umgebungstemperatur auf die Module einstrahlt. Diesen Zustand erreicht man in Deutschland allerdings nicht über 365 Tage im Jahr. Pro Solarmodul (bzw. Solarpaneel) werden ca. 8 bis 10 Quadratmeter Fläche auf dem Dach benötigt.

Außerdem spielt die Lage des auf dem Dach montierten Moduls eine Rolle. Bei Südhanglage können demnach mit Solarmodulen auf dem Dach eines normalen Einfamilienhauses  bis zu 800 kW Strom bzw. 10 Kilowatt Peak (kWp) Leistung pro Jahr erzeugt werden, was rund 30 Prozent des normalen Strombedarfs deckt. Beispiel: 4 Module erzeugen eine Leistung von 1,04 kWp (Kilowatt Spitze). Bei einem normalen Einfamilienhaus belaufen sich die Kosten für Solarpaneele auf dem Dach auf rund 20.000 Euro (wobei wir jetzt nicht wissen, ob hier die Einbaukosten mit enthalten sind).

Wer sein eigenes kleines „Solarkraftwerk“ haben und bis zu 80 % unabhängig vom Stromanbieter sein will, dem bieten sich sogenannte Energiespeicher bzw. Stromspeicher an. Hier stellte auf dem SolarTag die Deutsche Energieversorgung GmbH aus Leipzig ihren vollautomatischen „SENEC.Home“ vor, der lt. Werbeprospekte über einen bis zu 97 % recycelfähigen Akku mit bis zu 15 Jahren Lebensdauer verfügt und für jede Photovoltaikanlage nachrüstbar ist (förderfähig durch KfW-Bankengruppe, s. u.). Das Gerät ist notstromfähig, für ca. 10.000 Euro zu erwerben, der Ersatzakku für rund 1.000 Euro. Wie der Name schon sagt, speichert der integrierte Akku die Sonnenenergie, die man mit den Solarpaneelen auf dem Dach „eingefangen“ hat, und gibt sie je nach Bedarf als Strom für den Haushalt ab.

Neben Sonnenenergie wurde auch Windkraft vorgestellt anhand kleiner Modelle sowie Infrarotheizungen von der Firma „HEAT4ALL®“, die man sich wie Bilder einfach an die Wand hängen kann. Ursprünglich aus der Idee der Firma Redwell entstanden, versicherte uns Axel Hausmann, Solarfachberater Ahrens Solartechnik, dass Infrarotheizkörper die Zentralheizung vollständig ersetzen können, ohne Angst vor Schimmelbildung haben zu müssen. Zudem gibt es sie auch mit entsprechenden Bildmotiven – hinter Mona Lisa’s Lächeln oder auch Spiegelglas könnte sich also demnächst eine neue Infrarotheizung aus Wien an der Wohnzimmerwand befinden. Diese wird mit Strom betrieben, und die Wärme strahlt – entgegen normalen Heizkörpern, deren Wärme nach oben steigt und sich dann im Raum verteilt – direkt in den Raum hinein, was für eine sofortige wohlige Wärme sorgt. Kombiniert mit Solarmodulen auf dem Dach, kann man ökologischer und günstiger wohl kaum das Haus beheizen.

Zuguterletzt ging es natürlich auch um die Finanzierung solcher Anlagen. Da konnte uns Andreas Massow, Vertreter der Sparkasse Schaumburg, Auskunft geben, der uns ein Merkblatt „KfW-Programm Erneuerbare Energien Speicher“ auf den Weg gab. Grundsätzlich ist hier zu sagen, dass, wer einen Kredit der KfW in Anspruch nehmen möchte, sich immer an die Hausbank wenden möchte. Anträge stellen können in- und ausländische Unternehmen, freiberuflich Tätige, Landwirte und natürliche Personen und gemeinnützige Antragsteller, die den mit einer Photovoltaikanlage erzeugten Strom einspeisen. Grundsätzlich ausgeschlossen von einer KfW-Förderung sind Kommunen, kommunale Gebietskörperschaften, kommunale Zweckverbände, der Bund, die Bundesländer und deren Einrichtungen, sowie Hersteller von förderfähigen Anlagen oder Komponenten.

SolarTag 2015

Alles in allem war der „SolarTag“ in Bückeburg eine sehr interessante Messe. So viel Input kann man allerdings nicht in diesem Beitrag unterbringen. Daher machen wir an dieser Stelle erst mal Schluss und verabschieden uns für heute mit einem kühnen Blick unseres Ansprechpartners Andreas Hägermann aus dem Firmenwagen heraus – selbstverständlich ein Fahrzeug mit Elektroantrieb, das die Fa. Ahrens für günstige 10.000 Euro in Osnabrück erwerben konnte, da Renault die Produktion dieses Modells „Fluence Z.E.“ schon nach kurzer Zeit einstellte.

Das als letzten Tipp, wenn Sie bereits mit Elektroautos liebäugeln: Schauen Sie sich doch einfach mal nach einem Auslaufmodell um. (Umfassende Informationen zum Thema Elektromobilität finden Sie auch in unserem vergangenen Bericht)


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