Guck an: 5 Jahre OctoberNews für Minden und Umgebung

Ein Selbstinterview: Redakteurin lässt nach fünf Jahren unabhängiger Berichterstattung die Hosen runter und sagt herzlichen Dank für Ihre Treue

Fünf Jahre OctoberNews ist schon eine Hausnummer – halten Sie sich fest: Die Redaktion lässt die Hosen runter – Symbolfoto (gesehen in Leverkusen): onm

Echt wahr: OctoberNews wird 5 Jahre alt. Mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, feiern wir unser erstes kleines Jubiläum: fünf Jahre unabhängige Berichterstattung aus Minden, Minden-Lübbecke, OWL, NRW, Lippe und Schaumburg. Und jetzt krallen Sie sich am Sessel fest: Unsere Redakteurin lässt die Hosen runter.

„Wie heißt Ihre Zeitung?“ „OctoberNews. Oktober mit c geschrieben wie im Englischen. Und das ist ein reines Online-Magazin. Also nur im Internet zu finden.“ „Oh. Und worüber schreiben Sie?“ „Über alles Mögliche aus Minden und Umgebung. Politisches, Soziales, Historisches, Veranstaltungen und vieles mehr.“ „Und wo finde ich Sie?“ „Auf der Website www.octobernews.de. Einfach mal draufschauen.“ „Das werde ich machen.“ „Prima.“

So oder so ähnlich verliefen bisher die meisten der Smalltalks vor oder nach einem Interview oder zufälligen Gespräch mit unserer Redakteurin. Demnächst werden sie voraussichtlich in etwa so ergänzt: „Und das seit fünf Jahren.“ „Schon fünf Jahre?“ „Ganz genau.“ „Wow!“ „Danke.“

Fünf Jahre ist doch schon eine Hausnummer, finden wir. Da kann man sich auch mal vom Sessel erheben, aus dem Fenster lehnen oder wie unsere Redakteurin Namira McLeod in einem Selbstinterview die Hosen runterlassen:

Butter bei die Fische – die ungeschminkte Wahrheit über OctoberNews

Wann wurde OctoberNews gegründet?

Meinem Kopf entsprungen ist die Idee zu OctoberNews im Oktober 2013. Die Website OctoberNews.de ging am 11. November 2013 das erste Mal online.

Warum der Name OctoberNews?

Weil andere Domainnamen, die mir durch den Kopf gingen, schon vergeben waren und keinerlei Bezug zu meinem Verständnis von Journalismus aufwiesen. Außerdem wollte ich einen Namen, mit dem ich mich identifizieren kann. Ich bin im Oktober geboren und verbinde mit dem Monat – privat wie beruflich – schöne Stunden, eine farbenfrohe Natur und interessante geschichtliche Ereignisse. Auch das Datum, als die Website online ging, hat eine Bedeutung. Der 11.11. steht für den Kölner Karneval. Ich habe rund acht Jahre in Köln gelebt und gearbeitet und liebe diese Stadt mit ihren fleißigen herzerfüllten offenen Menschen.

Stammen Sie aus Schottland?

Nein. Auch wenn sich der Name so anhört, ich bin in Berlin (West) geboren. „Namira McLeod“ ist mein offiziell im Ausweis eingetragener Künstlername. Namira besteht aus den Kürzeln meines Mädchennamens und McLeod wurde mir vor vielen Jahren von Highlander-Fans verliehen, mit denen ich auf Mittelalterfesten unter anderem in Bückeburg und Herford unterwegs war. Aufgrund des Namens stand ich sogar mal mit einem echten McLeod in Kontakt.

Warum ist OctoberNews ein Online-Magazin und kein Blog?

Ganz einfach. Hört sich besser an und ist journalistisch aufgebaut wie eine Zeitung oder ein Magazin. Ein Blog gliedert sich beispielsweise in Kategorien, OctoberNews in Rubriken, zum Beispiel: octobernews.de/rubrik/lokales.

Warum haben Sie journalistische Inhalte gewählt?

Zum einen, weil ich Abwechslung vom Büroalltag meines Homeoffices brauche, zum anderen, weil ich es leid hatte, mich auf zig verschiedenen Internetportalen einloggen zu müssen, um Blog- und Leserartikel zu veröffentlichen. Denn ich war gut dabei und die meisten meiner Leserartikel wurden in einer Schaumburger Zeitung entgeltlos abgedruckt. Als ich merkte, dass meine Artikel auch bei der Leserschaft ankamen, die mich sogar persönlich darauf ansprach, habe ich einem Leserreporter-Treff beigewohnt, in dem journalistische Grundlagen vermittelt wurden. Darauf aufbauend veröffentlichte ich OctoberNews-Berichte und bewarb mich bei Redaktionen.

Bereits die zweite Bewerbung war erfolgreich (mein Bericht und meine Fotos überzeugten), ich durfte sechs Monate lang fürs Mindener Tageblatt unterwegs sein. Doch ein „blöder Zufall“ (ein Fahrrad, das ich nach einer Auktion geschenkt bekam, über die ich fürs MT berichtete, wollte ich an einen Fahrradhändler verkaufen, der sich hintenrum beim MT beschwerte, weil er dessen Werbekunde sei), ein „Patzer“ (ein Pfarrer beschwerte sich beim MT, dass ich im Gespräch nicht den Unterschied zwischen Komponist und Intendant kannte, obwohl ich ihm meine Fotos kostenlos überließ und das im Bericht gar nicht zur Sprache kam) und ein locker verfasster Bericht über ein Mittelalterfest führte zu einem unschönen Abgang (weshalb ich ihn mit meinen eigenen Worten in OctoberNews veröffentlichte).

Zur Zeit der Gründung des Minden Kurier witterte ich übrigens meine erste Chance. Doch dazu kam es leider nie, wenngleich sich der Chefredakteur noch an das erste Gespräch erinnerte und mir nach dem zweiten Versuch in 2018 ein „Kompliment für meine Beharrlichkeit und Arbeitsergebnisse“ machte.

Also habe ich einfach mit meinen OctoberNews weitergemacht und Veranstaltungen der lfm (Landesanstalt für Medien) besucht. Und siehe da: Seit Januar dieses Jahres bin ich für den Petershäger Anzeiger unterwegs.

OctoberNews habe ich demnach immer als Referenz für meine journalistische Arbeit angesehen, mit der ich mich seit Neuestem auf der Website www.namira-mcleod.de präsentiere.

Lohnt sich regionale Berichterstattung für Einzelkämpfer in Minden?

Nö, nicht wirklich. Erstens dauert es Jahre, bis einem die Mindener einigermaßen vertrauen. Der Erklärung einer Arbeitsvermittlerin zufolge könnte das an der militärischen Geschichte Mindens liegen. Damals hatten die Mindener sich wohl ständig zu verteidigen, weshalb sie Außenstehenden erst einmal skeptisch gegenüberstehen und zur „Gegenwehr“ ansetzen. Die jüngere Generation ist da offener, wird von der alten Denkweise aber allzu oft noch ausgebremst. Zweitens gibt es mittlerweile viel zu viele regionale Blogs und Social-Media-Accounts, über die sich Menschen kostenlos informieren und austauschen können. War ich anfangs mit OctoberNews noch das Pendant zum Mindener Tageblatt, führe ich jetzt nur noch ein Online-Magazin unter vielen. Als „Einzelkämpferin“ muss ich also zusehen, dass ich woanders mein Geld herkriege.

Und wovon leben Sie?

„Leben“ ist zu viel gesagt und „mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“. Ich verdiene an den Aufträgen des Petershäger Anzeiger und ab und an zahlen mir OctoberNews-Leser/innen einen „Für ON zahl‘ ich freiwillig“-Obolus. All diesen Menschen bin ich unglaublich dankbar! DANKE, dass es Sie gibt!

Doch alle meine Bemühungen, in Minden beruflich Fuß zu fassen, sind bisher gescheitert. Hinzu kommen die ins Unermessliche gestiegenen Krankenversicherungsbeiträge für geringverdienende Selbstständige und die fast unbezahlbaren Lebenshaltungskosten. Außerdem fördert die Bundesregierung nur noch Jungunternehmer und Startups, und die Datenschutz-Grundverordnung gab im Mai den Gnadenstoß. Da blieb nur noch der Gang zum Jobcenter übrig. Ich beziehe also aktuell aufstockend Arbeitslosengeld II (auch Hartz IV genannt), arbeite aber hart daran, davon loszukommen.

Deshalb habe ich viele meiner ON-Texte bei VG Wort angemeldet, so unter dem persönlichen Motto „Kleinvieh macht auch Mist“. Erste Euros habe ich darüber bereits verdient. Und je mehr Leserinnen und Leser meine Berichte auf OctoberNews.de aufrufen, die mit Zählmarken versehen sind, umso mehr verdiene ich über die Verwertungsgesellschaft. Wie viel das pro Jahr ausmacht, wird sich erstmals 2019 herausstellen.

Sind Sie über die Künstlersozialkasse versichert?

Nein. Erst, wenn ich ein bestimmtes Durchschnittseinkommen erreicht habe, kann ich von der Künstlersozialkasse aufgenommen werden.

Warum spezialisieren Sie sich nicht auf ein Thema?

Glauben Sie mir, wenn ich es könnte, würde ich es machen. Doch ich interessiere mich nun mal für alles und jeden. Auch ein Grund, warum ich mich für den Journalismus entschieden habe. Und wenn mein Körper 50+ genauso wie mein Geist mitspielen würde, hätte ich längst Karriere gemacht. Ich bekomme jetzt halt auch die Tücken des Alters zu spüren. Nicht gerade aufbauend, wenn man an die gefürchtete Altersarmut denkt.

Warum stellen Sie Ihre Berichte auf OctoberNews kostenlos zur Verfügung?

Damit meine Berichte von Menschen aller Klassen – vor allem die mit kleinem Geldbeutel – vollständig gelesen werden können. Denn wie oft habe ich mich selbst darüber geärgert, nur die Titelzeilen großer Medienhäuser einsehen zu können, weil der Rest hinter einer Paywall versteckt ist. Das erschwert die Recherche insbesondere bei Themen historischen Inhalts. Und ich konzentriere mich wahnsinnig gern auf historische Architektur und deren Geschichte.

Haben Sie Fördergelder erhalten?

Nein. Weder kenne ich mich damit aus, noch hat mir irgendjemand weiterhelfen können. Und wenn man kein Jungunternehmer oder Startup ist und kein innovatives handfestes Geschäftskonzept vorlegen kann, hat man keine Chance auf Fördergelder. Da müsste mich schon jemand „an die Hand“ nehmen.

Wie viel haben Sie bisher an OctoberNews verdient?

Viel zu wenig, vor allem seit ich dem Gewerbeschein aus buchhalterischen Gründen den Rücken zugekehrt habe. Zu groß war der Aufwand für die bisherigen Werbeeinnahmen (Artikel- und Google-Anzeigen), die laut Finanzamt nach aktueller Kenntnis nicht über die Freiberuflichkeit abgerechnet werden dürfen. Zur Veranschaulichung füge ich eine Grafik bei:

OctoberNews Einnahmen/Ausgaben mit Stand September 2018

Wie Sie sehen, habe ich somit durchschnittlich rund 116 Euro pro Jahr an OctoberNews verdient. Selbst Ehrenamtliche verdienen mehr. Und mit den Peanuts kann man keine Printausgaben drucken, was mir für die Seniorinnen und Senioren sehr leidtut, die mich oft dazu anregten.

Warum wählen Sie kein Bezahlmodell?

Aus den oben genannten Gründen. Aber ich überlege ernsthaft, ob ich Micropayment testweise einführe. Zumindest bei den Berichten auf OctoberNews.de, die sich dauerhaft großer Beliebtheit erfreuen, zum Beispiel der über Katzenflöhe. Ich denke da an 10 bis 50 Cent pro Artikel, das kann sich meiner Meinung nach jeder leisten. Ob und wie das technisch umsetzbar ist, muss ich mich erst reinfuchsen.

Leserinnen und Leser können aber schon jetzt helfen, indem sie, wie oben beschrieben, einfach öfters auf der Website vorbeischauen oder einen „Für ON zahl‘ ich freiwillig“-Obolus per PayPal oder Überweisung zukommen lassen.

Viele Wege führen nach Rom. Unterstützen Sie unabhängigen regionalen Journalismus.

Ihr Schlusswort?

„Well, I’ll do my very best!“ Ganz im Sinne von Freddie Frinton, der mich mit „Dinner for One“ jedes Jahr Silvester aufs Neue zum Lachen bringt. Er verstarb vor 50 Jahren in London, am 16. Oktober 1968.

In diesem Sinne: Danke, dass Sie durchgehalten haben, liebe Leserinnen und Leser. Bleiben Sie mir treu!


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