GRÜNEN wollen Kreis Minden-Lübbecke als ‚Fairtrade-Town‘ sehen

Antrag der Kreistagsfraktion soll im Bauausschuss Juni 2019 auf die Tagesordnung - fairer Handel bedeute soziale Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung

Wird der Kreis Minden-Lübbecke das Siegel ‚Fairtrade-Town‘ erhalten? Der Antrag der Grünen wartet seit 2017 auf Antwort – Logo: TransFair

Der Antrag der GRÜNEN, den Mühlenkreis Minden-Lübbecke als ‚Fairtrade-Town‘ anzustreben, liege seit 2017 auf dem Tisch des Kreises. Da bis heute keine Regung zu spüren sei, beantragen die Parteipolitiker, den Punkt ‚Fairtrade-Kreis‘ in die Tagesordnung des Kreistags im Juni 2019 zur Beschlussfassung und zur Vorbereitung im Bauausschuss erneut aufzunehmen.

Am 19. September 2017 wurde im Ausschuss für Bau, Energie, Umwelt und Verkehr die Teilnahme und Registrierung des Kreises Minden-Lübbecke an der Kampagne zur Erlangung des ‚Fairtrade-Kreis‘-Siegels (bzw. ‚Fairtrade-Town‘-Siegels) zur Beratung an die Fraktionen verwiesen. Danach sollte das Thema erneut im Ausschuss für Bau, Energie, Umwelt und Verkehr vorgestellt werden, heißt es im Antrag der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/DIE GRÜNEN vom 21. Februar 2019 an Landrat Dr. Ralf Niermann. Da sich offensichtlich bis heute nichts getan habe, fordern die GRÜNEN, den ‚Fairtrade-Kreis‘ als Tagesordnungspunkt im Bauausschuss, der für Juni angesetzt ist, aufzunehmen.

Zur Begründung erläutert die grüne Kreistagsfraktionsvorsitzende Cornelia Schmelzer:

Cornelia Schmelzer – Foto: Bündnis 90/DIE GRÜNEN Minden-Lübbecke

„Ein Kreis, der sich für den fairen Handel engagiert und den Titel „Fairtrade-Kreis“ anstrebt, setzt ein Zeichen für soziale Gerechtigkeit und leistet so einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung. Indem er als Vorbild gegenüber Bürgerinnen und Bürgern selbst Produkte aus fairem Handel verwendet, setzt er sich insbesondere für eine nachhaltige Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Arbeitern und Kleinbauern sowie das Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit im globalen Süden ein. Auch ökologische Standards, wie ein schonender Umgang mit der Natur und den natürlichen Lebensgrundlagen, spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Kreistagsfraktionen haben sich bereits im September 2017 im Fachausschuss zu diesem Thema beraten. Jetzt wird es höchste Zeit, dass sich der Kreistag ganz klar für einen ‚Fairtrade-Kreis‘ ausspricht.“

Damit würde der Kreis Minden-Lübbecke in die Kampagne ‚Fairtrade-Towns‘ einsteigen, die den fairen Handel auf kommunaler Ebene unterstütze und die Akteure wie zum Beispiel (Kreis-) Schulen, Vereine, Agenda-Gruppen, Kirchen, Eine-Welt-Gruppen, lokale Verwaltungen, Politik und Wirtschaft vernetze, die sich für den fairen Handel vor Ort stark machten.

„So schaffen wir es, das Bewusstsein für gerechte Produktionsbedingungen sowie soziale und umweltschonende Herstellungs- und Handelsstrukturen in der Gesellschaft noch stärker zu verankern“, meint Schmelzer und erklärt weiter:

„Der Nachbarkreis Lippe und die Städte und Gemeinden Bad Oeynhausen, Minden und Hüllhorst haben bereits das Siegel ‚Fairtrade-Town‘. Als Erfolgsfaktor hat sich jetzt schon erwiesen, dass diese bereits Vorarbeit geleistet haben und ein starkes zivilgesellschaftliches Interesse besteht.“

Zudem versprechen sich die GRÜNEN davon einen Image-Gewinn für den Mühlenkreis, der sich „in allen Ebenen des Kreises widerspiegeln“ könne. Außerdem würde der Kreis Minden-Lübbecke damit seiner „Vorbildfunktion gegenüber seiner Bürgerinnen und Bürgern“ gerecht werden.

Den vollständigen Antrag vom 21. Februar mit Schilderungen zu den Kriterien, die ein ‚Fairtrade-Kreis‘ erfüllen muss, stellt die Kreistagsfraktion der GRÜNEN in einer PDF-Datei zur Verfügung.

Alle Informationen zur Kampagne ‚Fairtrade-Towns‘ findet man auf der Website www.fairtrade-towns.de.

++ UPDATE ++

Antrag der GRÜNEN wurde genehmigt

Am 8. Juli 2019 teilt die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/DIE GRÜNEN mit:

Im Fachausschuss hatten sich insbesondere CDU und SPD noch mehrheitlich gegen eine Teilnahme des Kreises an der Fairtrade-Towns-Kampagne ausgesprochen, doch im Kreistag gab es dann eine Mehrheit für den grünen Antrag. Dazu nehmen die Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Kreistag, Cornelia Schmelzer, und Herbert Vollmer, Sachkundiger Bürger im Ausschuss für Bauen, Energie, Umwelt und Verkehr des Kreises, wie folgt Stellung:

Hüllhorst, Minden und Bad Oeynhausen machen es dem Kreis vor. Sie tragen bereits den Titel „Fair Trade Stadt“. Wir freuen uns, dass die Mehrheit im Kreistag unserem Antrag gefolgt ist, nachdem im Fachausschuss mit einer kontroversen Diskussion die Teilnahme am Fairtrade-Kreis aus angeblichen Kostengründen abgelehnt wurde.

Wir begrüßen das Umdenken und die Entscheidung, dass der Kreistag mit der Teilnahme an der Fairtrade Kampagne soziale Verantwortung und eine Vorbildfunktion übernimmt. Wir bedauern, dass insbesondere die CDU an ihren antiquierten Vorstellungen festhält und sich der sozialen Verantwortung verweigert. Durch den Einsatz von Fairtrade gehandelten Produkten wird den Menschen in den Entwicklungsländern die Chance gegeben für etwas mehr soziale Gerechtigkeit. Weiterhin hat der Kreis die Möglichkeit, Kommunen, die sich bereits für Fairtrade entschieden haben, zum Beispiel über Vernetzungsarbeit zu unterstützen. Das würden aber auch die Kommunen Rahden, Stemwede und Preußisch Oldendorf begrüßen, die sich mit einer Mitgliedschaft bei Fairtrade-Towns beschäftigen. Zunehmend mehr Kommunen sind sich einer gesamtgesellschaftlichen und ökologischen Verantwortung bewusst und der Kreis ist jetzt bereit, eine Vorbildfunktion zu übernehmen.

Städte, Gemeinden und Kreise spielen heute eine entscheidende Rolle bei den Nachhaltigen Entwicklungszielen (Substainable Development Goals – SDGs) der Vereinten Nationen. Die Fairtrade-Towns-Kampagne geht weit über die Erfüllung dieser Kriterien hinaus, sie bringt die Menschen über ihr gemeinsames Engagement zusammen. Daraus entsteht eine ganz eigene Dynamik, die den Kreis bereichert und auf vielfache Weise Möglichkeiten zeigt: Zum Beispiel mit der Beschaffung von fairer Arbeitskleidung und Büromaterial für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst, Fairtrade-Produkten in der Kantine und bei Ausschusssitzungen bis hin zu fairen Fußbällen für Schulen, mit neuen Initiativen für Fairen Handel im Einzelhandel und der Gastronomie haben alle Beteiligten die Möglichkeit, Minden-Lübbecke zu einem Fairtrade-Kreis zu machen.“

Quelle: Pressemeldungen Bündnis 90/DIE GRÜNEN Minden-Lübbecke, Umformulierung/Ergänzung: OctoberNews


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