GRÜNEN: Alle Landwirte sollten Insektensterben verhindern helfen

Nach Begehung in Hüllhorst: DIE GRÜNEN Minden-Lübbecke fordern, die Überackerung zu stoppen - Landwirte sollten mehr Sensibilität für Flora und Fauna zeigen

Messungen der GRÜNEN in Hüllhorst zur Überackerung von grünen Wege- und Straßenseitenstreifen – Foto: Bündnis 90/DIE GRÜNEN Minden-Lübbecke

Die Kreistagsfraktion der GRÜNEN Minden-Lübbecke unternahm kürzlich mit Parteimitgliedern aus der Gemeinde Hüllhorst und anderen Ortsverbänden eine Begehung zur Überackerung von Wege- und Straßenseitenstreifen in Hüllhorst. Nach ihren Feldmessungen an verschiedenen Standorten habe sich gezeigt, dass in den Kommunen viel Potenzial stecke, grüne Wegeseitenstreifen zurückzugewinnen. Insektensterben und mangelnder Nahrungsraum für Vögel könnte entgegengewirkt werden, wenn Landwirte die Überackerung von Wege- und Straßenseitenstreifen stoppen und mehr Sensibilität für Flora und Fauna zeigen würden.

Dazu nimmt die Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Kreistag, Cornelia Schmelzer, wie folgt Stellung:

„Ein erschreckendes Ergebnis zeigten unsere Messungen bei Überackerungen von Wegeseitenstreifen an verschiedenen Feldrändern in Hüllhorst. Es wurden zum Beispiel am Mühlenweg an den Feldseitenrändern insgesamt mehr als zwei Meter öffentliche Grünstreifen übergepflügt. Das entspricht auf einer Straßenlänge von 500 Metern, einem ehemals wertvollen Grünstreifen für Tiere und Pflanzen, mehr als 1000 Quadratmeter. Dieses kommunale Eigentum nimmt der Landwirt unrechtmäßig in seine Bewirtschaftung auf, ohne dass es bislang Folgen für ihn hat. Und die Kommune vergibt die Chance, diesen wertvollen Grünstreifen nach ökologischen Gesichtspunkten zu pflegen.

Hüllhorst steht für uns hier beispielhaft für viele Städte, Gemeinden und den Kreis Minden-Lübbecke, die sich Biotope wegnehmen lassen und die Möglichkeit verpassen, sich auf den eigenen Flächen für mehr Natur- und Artenschutz einzusetzen. Diese Wege- und Straßenseitenstreifen sind bei einem standortgerechten Bewuchs unter anderem mit Blühpflanzen ein wertvolles Reservoir für Insekten und Amphibien und damit Nahrungsraum für unsere Vögel. Wir fordern, dass die Städte und Gemeinden mit dem Kreis zusammenarbeiten, um Strategien zur Rückgewinnung grüner Wege- und Straßenseitenstreifen zu entwickeln.

Denn es ist zu bedenken, dass der Landwirt nicht nur für die unrechtmäßig überackerte Fläche Pacht an die Stadt, Gemeinde oder den Kreis spart, sondern auch durch die zusätzliche Fläche mehr Ertrag erwirtschaftet. Und zusätzlich erhält er auch noch eine Flächenprämie. Diese Prämie der Europäischen Union wird über die Landwirtschaftskammer kontrolliert, gemessen und ausgezahlt. Aus grüner Sicht ist das rechtswidrig. Bei der Beantragung der Flächenprämie hat der Landwirt Einblick in die Flurstückgrenzen über das elektronische Programm der Landwirtschaftskammer ELAN (Programm für die Beantragung der EU-Prämien, ELAN-NRW). Er sieht also genau, ob es seine Fläche ist oder die eines anderem Eigentümers, zum Beispiel der öffentlichen Hand“, betont Schmelzer.

Jutta Klare-Steinbrink, grüne Ratsfrau aus Hüllhorst, ergänzt: „Wir wünschen uns von einigen Landwirten mehr Sensibilität zum Erhalt von wertvollen Biotopen für Pflanzen und Tiere. Denn ungeachtet der Tatsache, dass es schon viele Landwirte gibt, die Bereitschaft zeigen, an ökologisch ausgerichteten Förderprogrammen wie Vertragsnaturschutz teilzunehmen, konnte der Verlust wertvoller Arten bisher nicht verhindert werden.“

Feldwegeseitenstreifen bilden wertvolle Vernetzungsstrukturen und sind wichtige Rückzugsnischen für Insekten, erklären die GRÜNEN und weiter: Der Erhalt dieser streifenförmigen Lebensräume ist beim derzeitigen Insektensterben heute wichtiger denn je. Um ihnen einen Lebensraum zu erhalten, ist es notwendig, dass die Wege- und Straßenseitenstreifenvegetation hochwachsen kann und in diesem hohen Zustand auch in den Winter geht. Denn die meisten Insekten legen im Sommer ihre Eier besonders in die hohen Stängel ab, die darin überwintern. Deshalb ist es für die Kommunen und für den Kreis wichtig, bei der Pflege der Wegeseitenstreifen eine auf Ökologie ausgerichtete Mahd (Mähen von Gras und Getreide) durchzuführen. Der Verzicht einer jährlichen oder nur abschnittsweise späteren Mahd ermöglicht die Entwicklung und den Erhalt eines wichtigen Lebensraums für Tiere und Pflanzen. Dabei muss an (Verkehrs-) Kreuzungen sicherlich zur Unfallverhinderung und -verhütung mehrmals im Jahr gemäht werden.

Aus all diesen Gründen sind die GRÜNEN im Kreistag Minden-Lübbecke der Meinung, dass sie mit ihrem Antrag zur Rückgewinnung grüner Wegeseitenstreifen von 2018 (siehe unser Bericht) „auf dem richtigen Weg“ seien. Denn die Kreisverwaltung sei dabei, die kreiseigenen Wegeseitenstreifen konzeptionell in der Biodiversität zu betrachten. Und bei unbefugter Nutzung sollen sie wieder für die Natur zurückgewonnen werden, so die GRÜNEN abschließend.

Zur Veranschaulichung stellen die GRÜNEN Kartenmaterial der Geobasis NRW zur Büttendorfer Straße und zum Mühlenweg im PDF-Format bereit.

Quelle: Pressemeldung Bündnis 90/DIE GRÜNEN Minden-Lübbecke, Umformulierung/Ergänzung: OctoberNews


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