GRÜNE fordern lebendige Wegeseitenstreifen für die Tierwelt

Fraktion der GRÜNEN Minden-Lübbecke legt zum Kreistag am 18. Dezember 2017 Antrag auf Artenschutz vor - Randflächen von Straßen und Wegen sollen wieder begrünt werden

Der Weg zurück zur Natur kann mühsam und lang sein – die GRÜNEN nehmen den Kampf gegen das Artensterben im Kreis Minden-Lübbecke auf und fordern die Rückgewinnung von bepflanzten Wegeseitenstreifen – Symbolfoto: onm

Der ständig wachsende ökonomische Druck auf die Landwirtschaft führe zur Bearbeitung der Felder mit immer größeren und leistungsfähigeren, schweren Maschinen und in vielen Fällen zu einer allmählichen Überackerung der ausgewiesenen Begleitflächen. Umso wichtiger sei es, die Wegeseitenstreifen als Lebensräume für die verschiedenen Tier- und Pflanzenwelten zu erhalten, sind sich DIE GRÜNEN aus dem Kreis Minden-Lübbecke einig und fordern dies mit einem Antrag zum Artenschutz, den sie für den Kreistag am 18. Dezember 2017 einbrachten.

Die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft und Überdüngung der Felder hätten negative Spuren hinterlassen, erklären die Parteipolitiker. Ziel müsse daher die Rückgewinnung von grünen, lebendigen Wegeseitenstreifen, Graswegen und Böschungen sowie Grabenbereichen unter anderem an Bachläufen sein, teilt Petra Walter-Bußmann, Geschäftsführerin der Kreistagsfraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN Minden-Lübbecke, mit und erklärt: „Denn in der von Ackerbau und Viehzucht dominierten Kulturlandschaft sind grasbewachsene Grenzstreifen zwischen Äckern und Fluren so etwas wie ‚kleine Oasen der Wüste‘, die wir schützen wollen.“

Ungeachtet der Tatsache, dass Teile der Landwirtwirtschaft die Bereitschaft zeigten, an ökologisch ausgerichteten Förderprogrammen wie Vertragsnaturschutz teilzunehmen, nehme das Artensterben dennoch immer mehr zu, meinen die GRÜNEN aus dem Mühlenkreis.

„Es ist höchste Zeit zu handeln, denn das Insekten- und Bienensterben nimmt immer weiter zu. Auch die Bestandszahlen der Feldvogelarten wie Lerche, Rebhuhn und Kiebitz gehen immer weiter zurück. Das Ziel, den Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten, ist bislang verfehlt. Auch der Kreis Minden-Lübbecke kann seinen Anteil leisten und beispielsweise mit Blühstreifen an seinen eigenen Straßen Lebensraum für Insekten schaffen“, betont Cornelia Schmelzer, Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Kreistag.

Mit dieser Maßnahme würden auch Grundlagen für eine Biotopvernetzung geschaffen, so die GRÜNEN.

Mit Beschlussvorschlag vom 14. November 2017 an Landrat Dr. Ralf Niermann fordern die GRÜNEN die Kreisverwaltung Minden-Lübbecke auf,

„ein Konzept zu erstellen, in dem die kreiseigenen Wegeseitenstreifen überprüft werden und bei unbefugter Nutzung für die Natur als Blühstreifen zurückgewonnen werden.

Die Kreisverwaltung wird gebeten, mit den Städten und Gemeinden des Kreises sowie mit dem Landesbetrieb Straßen Nordrhein-Westfalen (NRW) in Kontakt zu treten mit dem Ziel, dass diese ebenfalls überprüfen, ob ihre Straßenbegleitflächen unbefugt bewirtschaftet werden, und falls ja, dass die Flächen aus ökologischen Gründen als Blühstreifen zurückgewonnen werden.

Die Verwaltung wird beauftragt, die im Katasteramt vorhandenen digitalen Datensätze und Karten den Städten und Gemeinden und auch dem Landesbetrieb Straßen NRW zur Verfügung zu stellen, sowie mit der Landwirtschaftskammer die Herausgabe der InVeKoS-Daten zu verhandeln.“

Wobei InVeKoS für „Integriertes Verwaltungs- und Kontrollsystem“ steht und es sich dabei um ein durch die Europäische Kommission schrittweise eingeführtes System von Verordnungen zur Durchsetzung einer einheitlichen Agrarpolitik in den EU-Mitgliedstaaten handelt (siehe Wikipedia).

Zu Begründung führen die grünen Parteipolitiker aus, dass „der Kreis Minden-Lübbecke circa 330 Hektor Straßengrundstücke mit straßenbegleitenden Randflächen habe, die nicht versiegelt seien. Diese Flächen könnten ein wichtiger Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinstlebewesen sein, wenn diese Streifen als Blühstreifen eine wertvolle Pflanzenvielfalt aufweisen“.

Außerdem befänden sich die Wege und Wegeränder größtenteils im Eigentum der Städte und Gemeinden. Die GRÜNEN appellieren daher auch an die Städte und Gemeinden des Kreises sowie an andere Grundstückseigentümer der „öffentlichen Hand“, „die grünen unbefestigten Wege aus eigenem Interesse und Verantwortungsbewusstsein zu erhalten“. Denn diese stünden in einer besonderen Pflicht, sich für den Erhalt der Artenvielfalt und der ökologischen Aspekte auf den ihnen gehörenden Grundstücken einzusetzen.

Zur Erklärung verweisen die GRÜNEN als Beispiel auf einen Fachartikel aus der Zeitschrift „Natur in NRW“, Ausgabe 1/15, unter der Überschrift „Rückgewinnung von grünen Wegen und Wegeseitenstreifen“ von Marianne Rennebaum (siehe PDF-Version Seiten 16 bis 19). Hier ist vom Kreis Soest die Rede, der mit Unterstützung des Landschaftsbeirates und des Ausschusses für Natur-und Landschaftsschutz eine Überprüfung durchgeführt habe, inwieweit öffentliche Flächen von privaten Grundstückseigentümern mitbewirtschaftet werden. Über eine digitale Auswertung wurde hier die Überackerung öffentlicher Flächen sichtbar.

Als Ergebnis dieser digitalen Auswertung wurden wohl im Kreis Soest bei circa 200 Hektar der kommunalen Flächen kreisweit Überschneidungen festgestellt, die als bloßer Hinweis darauf zu verstehen wären, dass bei betroffenen Grundstücken Aufklärungsbedarf bestehe, ob hier unbefugt bewirtschaftet werde. Auch die Kreise Düren und Herford würden an entsprechenden Projekten zur Rückgewinnung von grünen Wegen und Wegeseitenstreifen arbeiten.

Nach diesem Fachartikel fordern die GRÜNEN aus dem Mühlenkreis: „Auch für den Kreis Minden-Lübbecke sollten wir nach Auswertung der digitalen Datensätze und Begleitung in den entsprechenden Gremien dieses Projekt im Sinne des Artenschutzes durchführen und entsprechende Abstimmungsgespräche unter anderem zwischen den Städten und Gemeinden, den Naturschutzverbänden, der Biologischen Station, der Landwirtschaftskammer, dem landwirtschaftlichen Kreisverband und dem Landbetrieb Straßen NRW führen.“

Quelle: Pressestelle Kreistagsfraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN


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