Glacisbrücke in Minden weiterhin gesperrt

Seit September 2017 ist die Fußgängerbrücke, die Kanzlers Weide mit der Innenstadt verbindet, gesperrt - Ende nicht in Sicht?

Die Glacisbrücke in Minden ist seit September für Fußgänger und Radfahrer gesperrt – nur wielange noch? – Fotos: onm

Sie wurde im Jahr 2000 mit dem „Traffic Design Award“ für innovative Architektur in der Kategorie „Fußgängerbrücken“ ausgezeichnet und zierte 1998 sogar das Stadtlogo anlässlich der 1200-Jahr Feier: die Glacisbrücke in Minden. Dafür lässt sie Fußgänger und Radfahrer aber ziemlich oft „im Regen stehen“. Aktuell ist sie auf unbestimmte Zeit gesperrt. Ein Ende scheint nicht in Sicht.

Vom Architekten Jörg Schlaich entworfen und 1994 im Auftrag der Stadt Minden für rund 2,5 Millionen Euro erbaut, lässt die preisgekrönte Hängebrücke über der Weser, die das Park- und Veranstaltungsgelände Kanzlers Weide mit der Innenstadt Mindens verbindet, seit Jahren zu wünschen übrig. Im Juli/August 2012 wurde der Maschendrahtzaun erneuert, weshalb rund 800 Liebesschlösser entfernt werden mussten. Im September 2013 folgte die Hauptprüfung, und wieder mussten 300 Liebesschlösser drunter leiden. Im Juli/August 2014 wurde ein neuer Betonbelag aufgebracht. Im November 2016 wurde das Geländer erhöht. (Siehe auch unser Bericht vom 15.11.2016). Und jedes Mal waren die Arbeiten mit einer Sperrung verbunden.

Die Hängebrücke wird mit ca. 10 cm dicken Stahlseilen gehalten

Nun ist es wieder soweit. Seit dem 11. September dieses Jahres ist die Glacisbrücke „bis auf Weiteres“ komplett gesperrt.

Zur Begründung führte die Stadt Minden an: „Grund ist ein Stabbruch an einem Erdanker. Grund hierfür ist, dass bei einer routinemäßigen Schadensanalyse ein Stabbruch festgestellt wurde. Das hat zur Folge, dass die volle Tragfähigkeit der Glacisbrücke nicht mehr garantiert werden kann. Die Brücke wird an beiden Ufern von je vier Erdankern über ein rückwärtig verankertes Halteseil gehalten. Und in einem der Erdanker ist jetzt (am 11. September 2017) der Schaden festgestellt worden. Eine Fachfirma und ein Gutachter sind bereits vor Ort. Ein Statiker prüft die Brücke. Wann die Sperrung aufgehoben wird, dazu kann momentan keine Aussage getroffen werden. Fußgänger und Radfahrer werden gebeten, die Weser über die Weserbrücke zu überqueren.“

Zudem postete der Mindener Nico Ohlemeyer auf seiner Facebook-Seite „Minden an der Weser“ am 8. November, dass an der Glacisbrücke in Minden ein weiterer Schaden entdeckt wurde, die Brücke vermutlich deutlich länger als bislang angenommen gesperrt würde. Woher diese Information stammt, verrät er nicht.

Aber auch Jürgen Schnake veröffentlichte einen Post am 10. November: „Jüngst wurden neue Fehler und Zeitverzögerungen bei den Mindener Brücken bekannt. Daraufhin habe ich mal der Stadtverwaltung die unten stehende Anfrage geschickt. Die ist bis heute unbeantwortet. Was meiner Erfahrung nach schon eine Antwort für sich ist.“ Die Anfrage, auf die sich der Kommunalberater aus Minden bezieht, richtete sich an die Pressestelle der Stadt Minden, in der er Bezug nimmt auf einen Bericht des Mindener Tageblatts. In diesem Bericht vom 19. Oktober „wurde eine Öffnung der Glacisbrücke für Ende November in Aussicht gestellt“, so Schnake. Also fragte er nach, ob der Stichtag weiterhin gelte, und „falls nicht, wann wird die Brücke für die Öffentlichkeit wieder passierbar sein?“

Eine gute Frage, wie wir finden. Darum waren wir am Nachmittag des 13. November vor Ort und haben uns die Hängebrücke mal näher angeschaut. Den von der Stadt Minden beschriebenen Schaden konnten wir nicht erkennen, nur, dass die Rad- und Fußwegbrücke durch einen beschilderten Bauzaun versperrt ist (siehe Titelfoto) und der Betonbelag komplett mit Laub zugedeckt.

Ist an einem oder mehreren Bolzen der hier abgebildeten Erdanker beim Spannen der Stahlseile vielleicht der Fachfirma ein Fehler unterlaufen?

Im Normalfall dient die Brücke jedoch nicht nur Übergängern, sondern auch Obdachlosen als wichtiger Treffpunkt und Schutz vor Regen. So begaben wir uns auf der Innenstadtseite unter die Brücke und sprachen ein paar von ihnen an, ob sie denn etwas darüber wüssten, warum die Brücke gesperrt wurde, und ob sie diesbezüglich etwas gesehen oder gehört hätten. Schließlich sind sie ja jeden Tag hier – wenn also jemand etwas mitbekommen hat, dann sie.

Aufgeschlossen und sichtlich erfreut darüber, dass jemand die drei Männer auf dieses Thema ansprach, waren sich nach zahlreichen Ausführungen und Vermutungen alle Drei einig, dass sie an dem Tag, bevor die Brücke gesperrt wurde, beobachteten, wie Fachleute an den Bolzen „rumschraubten“, wahrscheinlich, um die circa 10 cm dicken Stahlseile zu spannen. Doch plötzlich gab es ihrer Aussage nach einen lauten Knall und laute Aufschreie, „als würde gleich die Brücke zusammenfallen“.

Nun sind wir ja bekanntlich nicht vom Fach, können uns demnach kein Urteil vom technischen Zustand der Glacisbrücke erlauben. Nach all den oben genannten Ausführungen und dass sich die Stadt Minden bisher nicht zum in Aussicht gestellten Wiedereröffnungstermin äußerte, lässt jedoch vermuten, dass hier eine Fachfirma am Werk war, die vielleicht den Schaden selbst verursacht haben könnte. Was wiederum die fehlenden Auskünfte der Stadtverwaltung erklären dürfte – muss aber nicht.

„Wenn Einsturzgefahr besteht“, so einer der drei Obdachlosen, „müsste aber eigentlich auch unterhalb der Brücke alles gesperrt werden.“ Soweit haben wir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gedacht, da von Einsturzgefahr bisher nicht die Rede war, klingt aber logisch.

Wollen wir den Teufel mal nicht an die Wand malen. Aber es wäre schon hilfreich, wenn die Stadt Minden dazu zeitnah Stellung nehmen würde, denn die Baustelle Glacisbrücke betrifft viele Mindener Bürgerinnen und Bürger wie auch Besucher, die alle zurzeit die in Sanierung befindliche Weserbrücke nutzen müssen, um ans andere Ufer zu gelangen. Und wenn man bedenkt, dass schon die erste Beleuchtung für den bevorstehenden Weihnachtsmarkt aufgehängt wurde, aber die Besucher schon die nächste Baustelle in der Innenstadt erwartet …

++ UPDATE ++

Stadt Minden reagiert auf unseren Bericht

Mit Pressemeldung vom 16. November 2017 teilt die Stadt Minden unter dem Titel „Glacisbrücke weiterhin für Radfahrer und Fußgänger gesperrt“ mit:

Die seit Mitte September gesperrte Glacisbrücke steht auch weiterhin nicht für Radfahrer und Fußgänger zur Verfügung. Die Sperrung der Brücke kann noch nicht aufgehoben werden. Grund dafür ist, dass bei einer routinemäßigen Schadensanalyse Stabbrüche festgestellt wurden. Das hat zur Folge, dass die volle Tragfähigkeit der Glacisbrücke nicht mehr garantiert werden kann.

Die Brücke wird an beiden Ufern von je zwei Mal vier Ankern über das rückwärtig verankerte Halteseil gehalten. Und in zwei der Ankerstäbe ist der Schaden aufgetreten. Die Schäden wurden im Rahmen der laufenden Prüfung festgestellt. Hier wurde mithilfe von Hydraulikpressen die Festigkeit überprüft. In einem Zugversuch wurde mit der Kraft an jedem Anker gezogen, die dieser entsprechend der statischen Berechnungen aushalten muss.

„Die beiden gerissenen Stäbe müssen bis auf vier Meter Länge aus dem Boden ausgebohrt und durch neue Stäbe ersetzt werden“, sagt Friedrich Lange, der bei den Städtischen Betrieben Minden (SBM) für Brücken zuständig ist. Das kann nur durch eine Spezialfirma gemacht werden. Diese war am vergangenen Freitag (10. November) vor Ort. Hier wurde unter anderem geklärt, welche Arbeiten gemacht werden und wo die Arbeitsgeräte aufgestellt werden können. Ein beauftragtes Ingenieurbüro hat bereits mit der statischen Berechnung für die Instandsetzungsanker begonnen und der Fachfirma die entsprechenden Angaben übermittelt.

Für die Sanierungsarbeiten muss der Untergrund mit Schotter befestigt werden. Da die Arbeiten im Winter gemacht werden, ist es notwendig, die Arbeitsstelle mit einem wetterfesten Zelt einzuhausen. „Über die Dauer der Instandsetzungsarbeiten kann momentan keine feste Aussage getroffen werden“, sagt Lange. Aber die SBM und die beauftragten Experten arbeiten mit Hochdruck an einer schnellen Lösung des Problems, damit die Glacisbrücke so schnell wie möglich freigegeben werden kann, unterstreicht er.

Parallel laufen die Arbeiten an der Weserbrücke (das werden wir in unserem anderen Bericht ergänzen).

Quelle: Pressestelle Stadt Minden, OctoberNews


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