GKV-Mitglieder sollten Gesundheitskosten nicht ausufern lassen

Verbraucherzentrale NRW in Minden berät zum Weltgesundheitstag gesetzlich Krankenversicherte zu Zuzahlungen für Medikamente und Behandlungen

VZ Minden
Brigitte Dörhöfer von der Verbraucherzentrale NRW in Minden klärt über Zuzahlungen im Krankenversicherungswesen auf

Jedes Jahr werden gesetzlich Krankenversicherte neben ihren monatlichen Beiträgen mit weiteren Zuzahlungen zur Kasse gebeten, weiß die Beratungsstelle Minden der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW). Damit diese Gesundheitskosten nicht ausufern, gelten nach Einkommen gestaffelte Belastungsgrenzen, die von den Krankenkassen jedoch nicht automatisch berücksichtigt werden.

Am 7. April 2016 ist Weltgesundheitstag. Aus diesem Anlass informiert die Verbraucherzentrale NRW zum Thema „Gesetzliche Zuzahlungen im Griff?“. Angefangen mit dem nötigen Rüstzeug wird Versicherten erklärt, wie sie Zusatzkosten für beispielsweise Medikamente, Hilfsmittel, Behandlungen in der Physiotherapie, im Krankenhaus, in der Reha-Klinik oder bei der häuslichen Krankenpflege so gering wie möglich halten zu können.

Zuallererst sollten „Versicherte selbst aktiv werden, Belege sammeln und einen Befreiungsantrag bei ihrer Krankenkasse stellen, sobald die Zusatzausgaben für Behandlungen und Medikamente ihre persönliche Belastungsgrenze übersteigen“, erklärt Brigitte Dörhöfer von der Beratungsstelle Minden anlässlich der Aktionswoche.

Doch „nicht alle Extrakosten, die Ärzte, Therapeuten, Apotheken oder Sanitätshäuser von den Patienten für ihre Leistungen und Produkte verlangen, gehören zu den gesetzlich vorgeschriebenen Zuzahlungen“, ergänzt sie. Versicherte sollten im Zweifel lieber nachfragen und sich nach günstigeren Alternativen erkundigen.

Damit gesetzlich Krankenversicherte (kurz: GKV-Mitglieder) argumentationstechnisch gewappnet sind, klärt die Verbraucherzentrale in Minden über gängige Gesundheitskosten auf:

Zuzahlungskosten kennen

Bei Arzneimitteln auf Rezept müssen Krankenversicherte in der Regel zehn Prozent des Abgabepreises zuzahlen. In der Apotheke dürfen mindestens fünf und höchstens zehn Euro zusätzlich für Medikamente verlangt werden.

Stationäre Aufenthalte schlagen mit zehn Euro pro Tag zu Buche. Die Zuzahlungspflicht ist hier in der Regel auf 28 Tage pro Jahr begrenzt. Bei Behandlungen wie Physiotherapie oder Logopädie und bei häuslicher Krankenpflege müssen zehn Prozent der Kosten plus zehn Euro für jede Verordnung extra entrichtet werden.

Belege sammeln

Um eine zu hohe Kostenbelastung nachzuweisen, müssen sich Versicherte sämtliche gesetzlichen Zuzahlungen quittieren lassen und die Belege sammeln. Darin müssen Datum, Vor- und Zuname des Versicherten, die konkrete Leistung, der Zuzahlungsbetrag und die Kontaktdaten des Leistungserbringers (zum Beispiel des Arztes) enthalten sein.

Belastungsgrenze ermitteln

Hierfür wird das Einkommen der Familienmitglieder im gemeinsamen Haushalt zusammengerechnet. Berechtigte Mitglieder sind verheiratete Paare, eingetragene Lebenspartnerschaften sowie Stief-, Enkel- und Pflegekinder. Kinder ab 19 Jahren zählen nur dazu, solange sie familienversichert sind.

Für genaue Berechnungen stehen die Mitarbeiter der Verbraucherzentrale NRW in Minden gern zur Verfügung.

Ausnahme für chronisch Kranke

Für chronisch Kranke gilt eine Belastungsgrenze von einem Prozent der Bruttoeinnahmen. Die reduzierte Zuzahlung gilt für die gesamte Familie. Voraussetzung ist, dass der behandelnde Arzt einem Patienten die chronische Erkrankung bescheinigt. Die niedrige Belastungsgrenze gilt auch bei Pflegestufe 2 oder 3, im Falle eine Behinderung oder einer Erwerbsminderung von mindestens 60 Prozent, falls diese auf einer chronischen Erkrankung basieren.

Zuzahlungsbefreiung jedes Jahr neu beantragen

Ist die Grenze der Belastung erreicht, können Versicherte einen Antrag zur Zuzahlungsbefreiung mit den Originalbelegen bei ihrer Krankenkasse einreichen. Krankenversicherte erhalten nach positiver Prüfung einen Befreiungsausweis. Betroffene können auch bis zum Jahresende warten und alle Belege nachträglich einreichen. Falls zu viel gezahlt wurde, erstattet die Krankenkasse die überschüssigen Beträge. Auch eine Vorauszahlung ist möglich. Fallen die tatsächlich geleisteten Zuzahlungen niedriger aus, gibt’s keine Rückerstattung. Die Befreiung gilt immer für das Kalenderjahr und muss jährlich neu beantragt werden.

Auskünfte zu den Zuzahlungsregelungen im Gesundheitswesen erteilt die Verbraucherzentrale in der Portastr. 9 in 32423 Minden (im Schinkelbau gegenüber dem Preußen-Museum, siehe Google Maps).

Eine persönliche Beratung zu rechtlichen Fragen bei der Prüfung einer Befreiung und zu anderen Gesundheitsthemen bietet Frau Brigitte Dörhöfer, die man unter der Telefonnummer 0571 / 38 63 79 01 erreichen kann. Die Öffnungs-/Sprechzeiten findet man auf der Website.

Quelle Text und Foto: VZ NRW Minden


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