Geländer der Mindener Glacisbrücke wird erhöht

Stadt Minden passt Geländerhöhe der Glacisbrücke in Minden aktuell gesetzlichen Vorgaben an - zusätzliches Stahlseil soll Sicherheit für Radfahrer erhöhen

glacisbruecke-minden_dsc4189-kopie1000
Die Glacisbrücke in der Stadt Minden bekommt höhere Geländer zum Schutz der Radfahrer gemäß neuesten gesetzlichen Auflagen – Fotos: onm

Das Geländer der Glacisbrücke in Minden wird erhöht und damit den neuesten gesetzlichen Anforderungen angepasst. Entlang der Brücke zieht eine Fachfirma neue zusätzliche Stahlseile an beiden Seiten der Brücke ein. Während der Seilmontage wird die Glacisbrücke nicht für  Fußgänger gesperrt, es kann aber zu punktuellen Einengungen kommen vom 21. bis 24. November 2016, teil die Stadt Minden mit. Hinweisschilder machen darauf aufmerksam.

„In den vergangenen Wochen war die Glacisbrücke für Fahrradfahrer gesperrt. Das war aus sicherheitsrelevanten und haftungsrechtlichen notwendig“, erklärt Peter Wansing, Betriebsleiter der Städtischen Betriebe Minden (SBM). Denn neueste gesetzlich festgelegte, sicherheitstechnische Auflagen schreiben eine Geländerhöhe von 1,30 Metern vor. Die Erhöhung des Brückengeländers ist somit eine Pflichtaufgabe entsprechend den aktuellen technischen Bestimmungen und soll dem Schutz der Radfahrer dienen.

Das Bauwerk / die Architektur „Glacisbrücke“

Entworfen von dem Stuttgarter Bauingenieur Jörg Schlaich wurde die Glacisbrücke von 1992 bis 1995 mit Fördermitteln von Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen (NRW) nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz gebaut, im Jahre 1994 fertiggestellt und im Mai 1995 für den Fußgänger- und Radverkehr freigegeben. Die Fördersumme betrug 2,1 Millionen Euro (80 Prozent), für die restliche Summe von rund 500.000 Euro musste die Stadt Minden allein aufkommen.

Schlaich konstruierte damit eine Hängebrücke von 177 Meter Länge, die die Weser in 103 Metern mit einer 3,50 Meter breiten Betonrampe überspannt und an nur zwei 22 Meter hohen Stahlrohrmasten mittels Stahlseilen aufgehängt ist. Die haupttragenden Seile wurden zudem in im Boden eingelassenen Betonpfeilern verankert. Aufgrund der ungewöhnlichen Bauweise erweckt die Brücke aus bestimmten Blickwinkeln einen schiefen Eindruck. Dem ist jedoch nicht so, das Auge des Betrachters wird getäuscht, Fußgänger können „ganz normal“ die Brücke überqueren.

glacisbruecke-minden_dsc4178-kopie1000
Die Glacisbrücke darf während der Sanierungsphase grundsätzlich nur zu Fuß überquert werden

Die südliche Seite der Hängebrücke mit Blick auf das Kaiser-Wilhelm-Denkmal und den Fernmeldeturm in Porta Westfalica wird manchmal nachts blau beleuchtet. Diese Illumination gehört zum „Blauen Band der Weser“, eine Wassersportveranstaltung, die alle zwei Jahre über 3000 Kanuten, Ruderer, Schwimmer, Drachenbootfahrer und Triathleten aus Deutschland und dem Ausland an die Weser und in die Freibäder zieht.

Die Mindener Glacisbrücke wurde sogar mit dem „Traffic Design Award 2000“ für innovative Architektur in der Kategorie „Fußgängerbrücken“ ausgezeichnet und von 1998 (anlässlich der 1200-Jahr-Feier Mindens) bis Ende März 2016 in das Stadtlogo mit aufgenommen, bis das neue Logo der Stadt Minden vorgestellt wurde (siehe unser Bericht). Alt-Bürgermeister Reinhard Korte erinnerte damals daran, dass der Bau der Brücke umstritten war.

Die Glacisbrücke verbindet die Ostseite Mindens mit dem Innenstadtzentrum. Genauer ist sie zwischen dem Großraumparkplatz bzw. Veranstaltungsgelände „Kanzlers Weide“ und dem Weserglacis gespannt, stellt daher einen wichtigen Übergang für Einwohner wie Touristen dar, die in der Innenstadt arbeiten und/oder shoppen gehen, Kulturveranstaltungen besuchen oder einfach Land und Leute zu Fuß oder per Fahrrad erkunden wollen.

Gesetzliche Auflagen erfordern weitere Maßnahmen

Die Stadt Minden besitzt und unterhält die Glacisbrücke als Baulastträger und ließ diese nach den damaligen gesetzlichen und technischen Vorschriften errichten, die den heutigen Normen jedoch nicht mehr entsprechen.

Nach einer Brückenhauptprüfung im Jahr 2013 wurde ein sogenanntes Maßnahmenprogramm verhängt. So wurde im August 2014 bereits die Oberflächenbeschichtung der Betonrampe erneuert und zu einem anderen Zeitpunkt Reparaturen an den Stahlseilen durchgeführt. Am 14. April 2016 wurde zudem die Beschilderung an beiden Seiten der Brücke durch die SBM als verkehrssicherungspflichtigem Baulastträger geändert.

Die aktuelle Beschilderung stellt die Glacisbrücke als reine Gehwegbrücke dar (ON: Am 20. September, an dem unsere Aufnahmen entstanden, war tatsächlich das Verkehrszeichen Nr. 239 „Gehweg“ angebracht). Sprich: Seit dem 14. April ist es lediglich Fußgängern erlaubt, die Brücke zu überqueren, sowie Kindern auf Fahrrädern bis 10 Jahre. Jugendliche und erwachsene Fahrradfahrer müssen vor der Brücke vom Fahrrad absteigen und es über die Brücke schieben.

Sodann erteilte die Stadt Minden am 1. August 2016 einen Auftrag zur „Geländererhöhung“ an eine Fachfirma aus Memmingen – ein weiterer Schritt des Maßnahmenpakets, der noch in diesem Jahr erledigt werden muss. Denn das Gesetz schreibt neuerdings bei Brücken eine Geländerhöhe von 1,30 Metern vor. Als Absturzsicherung muss nach den heutigen technischen und gesetzlichen Vorschriften (laut BASt und ZTV-ING Teil 8 der Bauwerksausstattung) ein zusätzlicher Geländerholm bzw. ein zusätzliches Stahlseil angebracht werden.

Um dies zu gewährleisten, wurden zuerst die Konfektionierung der Stahlseile und das Herstellen der Verbindungsteile drei Monate lang von der Fachfirma aus Bayern in die Wege geleitet. Jetzt können die entsprechenden Montagearbeiten an der Glacisbrücke beginnen.

glacisbruecke-minden_dsc4188-kopie1000
Um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, wird das Geländer der Glacisbrücke mittels zusätzlichen Stahlseilen auf 1,30 Meter erhöht

Ende dieser Woche bzw. Anfang nächster Woche bereitet eine heimische Stahlbaufirma die Endverankerung für die neuen Stahlseile vor, die an Endpfosten der Brücke angeschweißt werden müssen. Am Montag, 21. November, liefern die Seilspezialisten mit einem Klein-Lkw die Seile, Klemmen und erforderlichen Werkzeuge nach Minden. Im Anschluss werden sie mit den Arbeiten beginnen, die voraussichtlich vier Arbeitstage in Anspruch nehmen.

Zur Montage an sich: Die neuen Stahlseile werden auf zwei Rollen geliefert und anschließend auf Rollenständer gestellt. Dann werden sie abgerollt und punktuell mit Schellen am Hängeseil befestigt. An den Endpunkten werden Verbindungen auf die Eckpfosten geschweißt, die die Seilenden über besondere Ösen aufnehmen.

„Am 2. Juli 2023 endet die sogenannte ‚Zweckbindungsfrist‘ für die Glacisbrücke. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Stadt Minden dazu verpflichtet, die Funktion des Bauwerks als Radwegebrücke aufrecht zu erhalten“, verdeutlicht Bürgermeister Michael Jäcke abschließend den Hintergrund der Baumaßnahme.

Wer danach die Instandhaltung der Glacisbrücke übernimmt … „Schaun mer mal, dann sehn mer scho“, wie Fußballlegende Franz Beckenbauer und die Schwaben zu sagen pflegen. Und wer eine Körpergröße kleiner als 1,30 Meter misst, der wird jetzt mit dem Blick durchs Stahlseilgitter vorlieb nehmen müssen. Da fühlt man sich doch gleich wie auf’m Eiffelturm, oder?!

++ Update 17.12.2016 ++
Wir haben am 17. Dezember das erhöhte Geländer der Glacisbrücke besichtigt. Genau genommen ist ein Stahlseil ca. 10 Zentimeter über dem bisherigen Geländer gezogen worden (siehe Fotos). Bei genauer Beobachtung befinden sich die Lenker von Erwachsenen-Fahrrädern nun auf der Höhe des bisherigen Geländers und das neue Stahlseil somit ungefähr 10 Zentimeter drüber. Für Menschen mit kleiner Körpergröße ist so noch ein Blick zwischen „Maschendrahtzaun“ und Stahlseil gegeben. Aber hey, Hauptsache die neue Sicherheitsnorm ist erfüllt.

Quelle: Stadt Minden, Wikipedia, OctoberNews


Diesen Bericht teilen: