Geflasht von der Custombike-Show 2016

Zum 12. Mal fand die weltgrößte Messe für umgebaute Motorräder in Bad Salzuflen statt - Besucher gewinnt eine BMW R nineT - Custombike-Show erstmals mit Tattoo-Area

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Umgestylte Bikes, wohin das Auge reicht – die Custombike Show 2016 war ein voller Erfolg mit zahlreichen Attraktionen – Fotos: onm

Heiße Motorräder, Tattoos, Livemusik, Gewinnspiel-Verlosungen, Steilwand-Show und jede Menge Zubehör für Bikerinnen und Biker, wohin das Auge reicht, und viele weitere Attraktionen – das war die zwölfte Custombike-Show 2016 in Bad Salzuflen.

Total geflasht vom Veranstaltungs-Samstag sind wir auf dem fünfrädrigen Gefährt mit Armlehnen am Schreibtisch zurück, die Füße in Eiswasser gebadet – und hoffen, dass unsere Freikarten-Gewinner genauso viel Input gekriegt haben wie wir. In vier Hallen auf über 23.000 Quadratmetern Messegelände zeigten sich im ostwestfälischen Bad Salzuflen an drei Tagen rund 800 Custombikes und Neumotorige aller erdenklichen Marken in vollem Glanz und präsentierten mehr als 300 Firmen Tuning-Angebote und allerlei, um das eigene Motorrad noch spaciger oder historischer wirken zu lassen. Das Auge fährt ja bekanntlich mit.

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Tausende Besucher zog es zur Custombike-Messe nach Bad Salzuflen

Also auf los ging’s los. Umringt von Tausenden von Besuchern und beschallt von Rockmusik aus allen Ecken irrten wir Samstagnachmittag durch die zahlreichen Gänge und versuchten, hallenplanmäßig vorzugehen. Doch keine Chance – das Aufgebot an Menschen und Maschinen, gepaart mit unendlich vielen Ständen der Hersteller, machte das in drei zur Verfügung stehenden Stunden praktisch unmöglich. So versuchten wir, wenigstens ein paar „Burner“ vor die Linse zu kriegen, sei es ein besonderes Bike, Leute in Aktion oder eine Bühnenshow.

Vorbei an den ersten hundert individuell gestalteten Motorrädern stach zuerst das „P47N Thunderbolt“ mit der Startnummer 341 ins Auge. Startnummer deswegen, weil die durchgeknalltesten Kreationen beim International Custombike Championship Germany um begehrte Titel in 18 Kategorien kämpften. Der Champion 2016 erhielt einen von „Chikos Pinstriping“ individuell gestalteten Helm und einen Geldpreis von 2500 Euro.

Das Custombike aus 2016 von Erbauer und Besitzer Lukasz Muraszewski fiel deswegen sofort auf, weil es eher an den legendären „Silberpfeil“ aus der Mercedes-Benz-Formel-1-Garage erinnerte als an ein Motorrad, oder an diese Sitzfahrräder, da der Thunderbolt drei Speichenräder hat. Doch Muraszewski diente ein amerikanischer Kampfjet als Vorbild. Logo: Cockpit, Lenker, Sitz, Kopf, Rahmen und Gabel Marke Eigenbau liegen schließlich auf einem „Harley Davidson Flathead“-Motor von 1942. Mit Kardanwelle angetrieben und Elektro-Starter bestückt bringt der „Jet“ 40 modifizierte Pferdestärken bei einem Hubraum von 750 Kubik aufs Pflaster. Ist auf jeden Fall ein Eyecatcher.

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Der „P47N Thunderbolt“ von Lukasz Muraszewski ist nicht von dieser Welt

Während Motorradbegeisterte sich schon mal im Probesitzen übten, dröhnte aus einer anderen Ecke satter Choppersound. Dem Motorenklang folgend trafen wir auf Rocco Recycle am Stand von Choppers World Gelsenkirchen. Die Ein-Mann-Band aus Köln, bestehend aus Bernd Wisser alias Rocco Recycle und seinem mobilen Schlagzeug, verstopfte mit Gitarre und einer saugeilen Rockstimme schnell den Durchgang. Dabei zeigte er sich manierlich im „Alltagsoutfit“ anstatt versilbert am ganzen Körper, wie man es von seiner Website kennt. Dem Mann hätte man stundenlang zuhören können, aber es gab ja noch mehr zu sehen.

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Ein-Mann-Band Rocco Recycle unterhielt mit rockigen Sounds

Weiter herumschlendernd blitzte plötzlich eine schneeweiße 1953er Corvette auf. Ja ist denn jetzt schon Weihnachten? Nö, aber erwähnen kann man die Rennmaschine schon mal, die in einer Sekunde von Null auf Hundert schießt. Der Methanol schluckende, modifizierte Drag-Racer mit Karbon/Glasfaser-Gehäuse hat immerhin 3000 Pferdestärken unter der Haube und nahm am European Drag Racing Championship teil.

Dann schenkte uns der Gentleman unter den Custombikes seine Aufmerksamkeit. Zum Messepreis von 22.900 Euro war der „Sportster 48 Gentleman Racer“ mit zwei Jahren Harley-Garantie von Cult-Werk zu haben. Keine Ahnung, ob das nagelneue Bike im „Old School“-Design mit Sonderlackierung an den drei Ausstellungstagen einen neuen Besitzer fand, aber chic anzuschauen war der umgebaute Cafe Racer jedenfalls.

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Tanja Brockmann machte eine gute Figur auf der Indian am Stand von Wild East Motorcycles

Auf der Suche nach weiblichen Motorradliebhabern war Tanja Brockmann so nett und platzierte sich für uns auf einer Indian von Wild East Motorcycles aus Chemnitz. Die 28-Jährige posiert oft auf Motorrädern und weiß ihr bezauberndes Lächeln gekonnt einzusetzen. Zum ersten Mal dabei war hingegen die Tattoo-Area. Wer Lust auf eine neue Body-Verschönerung hatte und genug Zeit mitbrachte, konnte sich von einem bzw. einer der vier Tätowierer live vor Ort Farbe unter die Haut stechen lassen – in den wildesten Mustern, je nach Vorstellung.

Wir schauten kurz bei Dea Vectorink rein, denn ihre kunterbunten Tattoo-Katalogvorlagen, oft mit Tieren kombiniert, angehaucht im indisch-mediterranen Stil, stachen aus der Menge deutlich heraus. Die Tätowiererin aus Gerolstein fing gerade an bei einer Frau, deren Arm schon etliche Tattoos ziert, ein Blumenmotiv vorzuzeichnen. Da wollten wir nicht länger stören.

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Die Tätowiererin Dea Vectorink mag farbenprächtige Motive mit Tieren, sticht aber auch sonst alles, was des Kunden Herz begehrt, verriet sie.

Beim „Tattoo Talk“ präsentierten sich derweil auf der Hauptbühne Tätowierer und Tattoomodels und tauschten Informationen aus der Tattoo-Szene aus. Auch der volltätowierte Custombike-Liebhaber Ingo Kantorek aus der TV-Serie „Köln 50667“ soll als Special Guest dabei gewesen sein.

Unser Weg durch die Menschenmasse führte uns als Nächstes zu der Bühne, wo zwei Schrauber-Teams aus Frankreich (Nicolas Pigeyre mit Esteves Motorcycle Design) und Deutschland (Martin Becker mit MB Cycles) um den Sieg im European Biker Build-Off 2016 kämpften. Die beiden Teams hatten an den drei Veranstaltungstagen Zeit, um live vor den Augen der Messebesucher jeweils ein Custombike fertigzustellen.

Den Titel holte sich schließlich – gewählt von den Besuchern – das Team „MB Cycles“ aus Heidelberg. Martin Becker gehört mit seiner Firma zu den aktuell bekanntesten Customizern Deutschlands. Seit 2001 baut er professionell Motorräder – ob Harley, Suzuki, Chopper, Bobber, Oldschoolbike, Cafe Racer oder ein Mix aus verschiedenen Stilen. Mit seinen Custombikes konnte Becker schon zahlreiche Preise abstauben.

Moderator Frank Sander hielt die zwei Fachteams währenddessen bei der Stange, spornte sie immer wieder an und erklärte den Zuschauern alles rund um die entstehenden Custombikes. Der 54-jährige Journalist und Fotograf ist schon seit rund 20 Jahren weltweit für Magazine unterwegs, unter anderem war er in Dubai und Südafrika. Und seit zehn Jahren moderiert er für die Custombike-Show.

Doch nicht nur Teilnehmer vom Fach konnten etwas gewinnen, auch unter den Messebesuchern wurden Preise verlost im Gesamtwert von über 35.000 Euro. Und hier wurde gar nicht lange gefackelt auf der Hauptbühne. Sehr zur Freude der überwiegend männlichen Zuschauer zog eine blonde Schönheit die Gewinner aus der Lostrommel, übergab die Lose dem Moderator Martin „Frau“ Reuter, der wiederum jeden Gewinnernamen solange durchs Mikrofon schallen ließ, bis sie auftauchten – unter ständig lautstarker Unterbrechung einer Gruppe von Männern.

„Frau Reuter“, wie der gute Mann aufgrund seiner Redegewandtheit genannt wird, ließ sich nicht beirren und überreichte die Preise. Hauptgewinner des Samstags, Martin Stamm, konnte es wohl nicht fassen, dass sein Name ausgerufen wurde. Der 33-Jährige aus Nohra brauchte ein bisschen, die Bühne zu betreten. Kein Wunder, denn auf ihn wartete die nagelneue BMW „R nineT“ im Wert von rund 15.000 Euro. Die 1200er Maschine wird ihn zukünftig mit 110 PS unterm Hinterteil über die Straßen tragen. Andrea Thiele, Produktspezialistin BMW Motorrad Deutschland, höchstpersönlich stellte das Motorrad vor und gratulierte dem glücklichen Gewinner.

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Martin Stamm reißt die Arme hoch als stolzer Gewinner der BMW „R nineT“ – überreicht von Andrea Thiele, BMW Deutschland

Doch das Spaßigste kommt wie immer am Schluss. Der „fliegende Holländer“ zog wieder seine Kreise durch die „Wall of Death“. Auf originalen, historischen Indians kreisten Henny Kroeze und seine Tochter Kim mit bis zu 60 Stundenkilometern durch die fast zehn Meter hohe Steilwand-Holztrommel. Dabei trotzen sie einer erzeugten Zentrifugalkraft von bis zu 5 g (g = Erdbeschleunigung). Als die beiden auch noch freihändig durch die Trommel jagten und Henny „aus Versehen“ Fehlzündungen knallen ließ, gab es kräftigen Applaus des Publikums an der Holzwand. Doch sehen und vor allem hören Sie selbst (Achtung, sehr laut):

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Zuguterletzt ging es noch mit der Rolltreppe nach oben in die „Save the Choppers“-Area – eine Ausstellung vollgepackt mit echten Chopper-Schätzchen, wo man sich endlich frei bewegen konnte. Könnte natürlich auch schwer daran gelegen haben, dass wir noch 20 Minuten bekamen, bis der „Laden“ schloss. Aber die genossen wir mit allen Zügen.

Auf 1500 Quadratmetern wurde man hier durch eine Zeitreise der Chopper-Geschichte geführt mit Motorrädern aus fünf Jahrzehnten – von der Captain America, einer originalgetreu nachgebildeten Maschine aus dem Kult-Film „Easy Rider“, signiert von Peter Fonda in 2009 – bis hin zum Chopper 2.0. Okay, die Feuershow auf dieser Etage haben wir knapp verpasst, genau wie das Bodypainting und weitere Attraktionen. Auch die dieses Jahr zur „Miss Custombike“ gekürte Sabrina Herbst, 36 Jahre, aus Hamburg kriegten wir nicht mehr mit. Aber hey, mehr konnten die Stiefel echt nicht tragen, und es war ja Feierabend am Samstag.

Nur ein paar Bildchen haben wir noch übrig:

Die nächste Custombike-Show findet vom 1. bis 3. Dezember 2017 statt. Weitere Informationen unter www.custombike-show.de.


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