Finanzamt: Bei der Betriebsprüfung mit Fehlern offen umgehen

Experten der Finanzverwaltung gaben Selbstständigen und Unternehmern in einer IHK-Veranstaltung hilfreiche Tipps rund um die Betriebsprüfung mit auf den Weg

Betriebspruefer FA Minden
Sie wissen, worauf es bei einer Betriebsprüfung durch das Finanzamt ankommt: (v. li.) Olaf Lohmeier vom Finanzamt Bielefeld, Jennifer Meise vom Finanzamt Minden und Günter Hagedorn, IHK-Vollversammlungsmitglied aus Hille – Foto: IHK Minden

Sie ist eher gefürchtet, wenig beliebt und kann jedes Unternehmen treffen: die Betriebsprüfung durch das Finanzamt. Wie sie dennoch gut gemeistert werden kann, erläuterten in einer IHK-Veranstaltung zwei Experten vom Finanzamt Minden und Bielefeld bei einer Vortragsveranstaltung im Preußen-Museum Minden.

Mindens Zweigstellenleiter der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen zu Bielefeld, Karl-Ernst Hunting, lud am 7. April 2016 Selbstständige und Unternehmer aus der gewerblichen Wirtschaft zu einem rund zweistündigen kostenlosen Seminar „Fit für die Betriebsprüfung“ ein (siehe Ankündigung), in der Betriebsprüfungsexperten Jennifer Meise (Finanzamt Minden) und Olaf Lohmeier (Finanzamt Bielefeld) hilfreiche Tipps mit auf den Weg gaben.

Moderiert von Günter Hagedorn, Geschäftsführer der G.U.T. (Gesellschaft für Unternehmensberatung und Training) mbH aus Hille, wurden unter anderem folgende Gründe für eine Betriebsprüfung genannt:

„Neben einer Zufallsauswahl können die erwirtschafteten Gewinnaufschläge ein Prüfungsgrund sein, wenn sie nicht dem Branchendurchschnitt entsprechen“, erläuterte Lohmeier. Anlass könnte auch eine Anzeige aus dem Umfeld sein. Skeptisch würden die Finanzbeamten auch dann, wenn das erklärte Einkommen des Unternehmers nicht die Lebenshaltungskosten abdecke.

Sodann würden in der Regel die letzten drei Geschäftsjahre geprüft (ON: bei der ersten Betriebsprüfung auch gern die letzten zehn Jahre, innerhalb derer i.d.R. eine Pflicht zur Aufbewahrung der Unterlagen gilt). Ob es Steuernachzahlungen oder -erstattungen gebe, hänge von der geprüften Sachlage ab.

„Finanzbeamte bekommen übrigens keine Provision für Steuernachzahlungen“, räumte Lohmeier mit einem Klischee auf.

Wichtig sei, dass die Unternehmen ihrer Mitwirkungspflicht bei der Betriebsprüfung auch nachkommen. Dies gelte beispielsweise für die Erteilung von Auskünften, der Überlassung eines eventuell vorhandenen Arbeitsplatzes und die Vorlage sämtlicher notwendiger Unterlagen. Eine Betriebsprüfung beim Steuerberater könne nur erfolgen, wenn in den Geschäftsräumen des Unternehmens nachweislich kein Platz vorhanden sei und die Prüfung vor Ort im Finanzamt keinen Sinn mache. „Betriebsprüfungen im Betrieb gehen zudem oft schneller“, so Meise.

Was die Buchführung an sich angeht, sollte diese ordnungsgemäß durchgeführt werden, damit sie durch „sachverständige Dritte“, wie beispielsweise Finanzbeamte, in angemessener Zeit nachvollziehbar sei. Werden Buchführungsmängel erkannt, kommt dem Finanzamt eine sogenannte „Schätzungsbefugnis“ zu. Das heißt, je nach Sachlage könnten dann die vom Unternehmen angegebenen Umsätze um bis zu zehn Prozent erhöht und entsprechende Steuern nachgefordert werden.

Für Rechnungen gelte: Diese müssten unveränderlich sein und Korrekturbuchungen offen ausgewiesen werden. Wer die private Nutzung eines Firmenwagens steuerlich über ein handschriftliches Fahrtenbuch regle, müsse ebenfalls sehr gewissenhaft vorgehen. Korrekte elektronische Fahrtenbücher seien selten, so die beiden Finanzamtsexperten: Eintragungen müssten „unveränderlich“ sein, also keine Bearbeitungsmöglichkeiten über ein anderes Programm zulassen.

Insbesondere bemängelten Meise und Lohmeier die Abrechnung von offenen Kassen. „Hier sind geschätzte 90 Prozent der Kassenführungen nicht in Ordnung“, so Meise. Teilweise seien die im Handel befindlichen Vordrucke nicht geeignet. Wichtig sei hier die Einhaltung der steuerrechtlichen Regelungen bei der Kassenführung und täglichen Abrechnung.

Eingang Finanzamt Minden
Das Finanzamt Minden stellt Merkblätter zur Kassenführung bereit und liefert Steuerinformationen auf der Website – Foto: onm

Bei elektronischen Registrierkassen sei darauf zu achten, dass die verwendeten Programme keine nachträglichen Änderungen zuließen. Digitale Kassen müssten bis zum Jahresende außerdem bestimmte technische Standards erfüllen.

Schlussendlich appellierten die beiden Betriebsprüfer an alle Selbstständigen und Unternehmen: „Bei einer Betriebsprüfung sollten Firmenlenker offen mit Fehlern in der Buchführung umgehen.“

Ein Merkblatt zur Kassenführung ist übrigens beim Finanzamt Minden telefonisch unter 0571 / 80 41 709 bestellbar. Weitere Informationen, Kontaktmöglichkeiten und aktuelle Meldungen des Finanzamts Minden findet man unter www.finanzamt-minden.de.

Unser TIPP:
Das Finanzministerium Nordrhein-Westfalen (NRW) ruft zur Bürgerbefragung 2016 auf. Jeder kann mitmachen, im Rahmen dieser Befragung die Arbeit der NRW-Finanzverwaltung zu bewerten. Sie soll wertvolle Hinweise liefern, in welchen Bereichen die Finanzverwaltung bereits gut unterwegs ist und wo sie noch bürgerfreundlicher werden kann. www.machmit.nrw.de

Textquelle: IHK Minden, Ergänzung: OctoberNews


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