Festivalkult Umsonst & Draußen 2014 – der Sonntag

Impressionen vom Festivalkult Umsonst & Draußen in Veltheim / Porta Westfalica am 3. August 2014

Das Festivalkult Umsonst & Draußen - ein Musikfestival der multikulturellen Art - Fotos: onm
Das Festivalkult Umsonst & Draußen – ein Musikfestival auch der multikulturellen Art – Fotos: onm

Letztes Wochenende war der Bär los in der ostwestfälischen Kleinstadt Veltheim auf den Weserwiesen – nach einjähriger Pause war das Festivalkult Umsonst & Draußen wieder da und wartete an drei Tagen mit zahlreichen Livebands unter freiem Himmel auf.

Mit diesem Festival wollten nach eigener Aussage „Träumer und Macher beweisen, dass man kulturelle Großveranstaltungen ohne Kommerz und zu einhundert Prozent selbstorganisiert durchführen kann“. Das Festival biete eine Alternative zu den Kommerzfestivals. Deshalb hatte man den Verein „Umsonst & Draussen Kultur e. V. Vlotho“ gegründet und zum Ende der Hippie-Generation 1975 das erste Festival veranstaltet. Damals noch geprägt von freier Liebe, Auflehnung und Provokation, wird bis heute Wert darauf gelegt, „Verantwortung für Mensch und Natur“ zu übernehmen und miteinander rücksichtsvoll umzugehen.

Es ging zwar – wie schon bei den Weserliedern 2014 – entgegen der Aussage, dass es sich um ein Umsonst-Festival handele – auch in Veltheim (nahe Vlotho) nicht ohne Kommerz und Security (die aus Sicherheitsgründen alles an Glasflaschen sowie alle Plastikflaschen, die mit Alkohol gefüllt waren, einsammelte). Auf deren Webseite wird beispielsweise darauf hingewiesen, dass „das Festival sich fast ausschließlich durch den Verkauf von Getränken, Speisen, Parkgebühren und den Standmieten der Händler finanziert. Darum kauft an unseren Ständen!“

Doch alles in allem ist uns bei unserem Besuch am Sonntagnachmittag das Security-Personal sehr freundlich und rücksichtsvoll und nicht so aufdringlich, wie es bei den Weserliedern der Fall war, begegnet – und es war wieder eine angenehme Musikveranstaltung mit multikulturellem Besucherstrom und viel Platz zum Bewegen auf dem Gelände.

Als „Loveparade-Kenner“ aus Berlin fand unsere Redakteurin natürlich besonderen Anklang an der Techno-Tanzfläche mit DJs. Und TANZWUT (s. Bildergalerie), die das Abschlusskonzert zum Festival bildeten, hat sie mit ihrer großartigen neuen Show „Höllenfahrt“ einfach total fasziniert – die Jungs können nach so vielen Jahren einfach immer noch fantastisch spielen und singen, ganz abgesehen von den starken Kostümen. Eine Drone am Himmel wollte sich das Konzert auch nicht nehmen lassen.

Aber auch die Gewinner des Bandvotings „As We Arise“ aus Stadthagen überzeugten durchaus mit ihrem Metalcore. Insbesondere, weil Max den harten Sound anschlägt und Timo am Bass durch seine sanfte Stimme wieder besänftigt, was im Gesamtbild eine unglaublich gute Mischung ist und eine gewisse Professionalität vermittelt. Die – natürlich im Oktober <smile> – 2012 gegründete Band mit fünf Jungs hat sicher gute Chancen auf Folgeauftritte, wenn sie in dieser Formation zusammenbleibt.

Fast völlig unbeachtet blieb jedoch ein älteres Pärchen etwas rechts gelegen von der Weserbühne. Die Frau spielte auf einer Säge und der Mann sang und spielte auf einer Mandoline (oder Laute o. Ä.) und Akustikgitarre. Neben vielen anderen Songs spielten sie tatsächlich auch gekonnt den Song „Running up that hill“ von Kate Bush – eine seit den 80er Jahren bekannte, absolut geniale britische Sängerin und Songwriterin, die aktuell auf Tour geht.

Außerdem rangen in der Mittelalterecke zwei jüngere Leute mit Strohsäcken um den besten Platz auf einem schwebenden Holzstamm. Und am Bratwurst-Stand wurden die letzten Würste verschachert mit den Worten „man könnte sie ja jetzt verlosen“ und „oder die Preise erhöhen von wegen Angebot und Nachfrage“ usw.

Nach dem Abschlusskonzert von Tanzwut bedankten sich die Veranstalter bei allen Beteiligten mit einem Danke-Rap auf der Weserbühne: „Danke Parkplatz, Danke Infozelt, Danke Bierwagen … Danke Besucher, denn ihr seid das Festival!“ Alle, die das schwarze T-Shirt mit der Aufschrift „Crew“ auf dem Rücken trugen, waren „auf der guten Seite der Macht“, denn es handelte sich dabei um tatkräftige Festival-Helfer. Wer im nächsten Jahr ebenfalls seinen Teil dazu beitragen möchte, konnte sich beim Arbeitsamt-Stand melden und eintragen lassen.

Zum 40-jährigen Jubiläum in 2015 wollen die Veranstalter des Festivalkults einen besonderen Headliner auf die Bühne bringen (Stefan Gehrmann, der das Booking-Gesamtprogramm organisiert, träumt ja von „Motörhead“). Man darf gespannt sein.

Uns hat es am Sonntagnachmittag jedenfalls gut gefallen auf dem Festival in Veltheim, wie schon in den Jahren 2010 bis 2012. War zwar nicht alles „umsonst“ (z. B. Parkgebühr 5 Euro), dafür war man „draußen“ bei schönem Sommerwetter in friedlicher Atmosphäre und unter netten Leuten aller Nationen.

Daher sagen wir: Danke Sabine Schwarze (1. Vors.), Danke Manuela Worbs (2. Vors.), Danke an alle Macher und Helfer, Danke an alle Sponsoren (vor allem das Kraftwerk Veltheim, was für Baustromverteilung und Wasserversorgung sorgte, und am 1. Juli 2015 schließen muss lt. mt.de), DANKE Festivalkult Umsonst & Draußen!


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