Essbare Stadt Minden e.V. von UN-Dekade ausgezeichnet

UN-Dekade Biologische Vielfalt aus Hürth würdigt Mindener Vereinsprojekt „Pflücken erlaubt statt betreten verboten“ in einem Sonderwettbewerb

Stefan Schröder (li.) und Bettina Fuhg vom Verein „Essbare Stadt Minden“ freuen sich, dass ihr Speiseraum-Projekt von der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet wurde und halten zusammen mit dem Stellvertretenden Mindener Bürgermeister Egon Stellbrink das Banner hoch – Foto: Detlef Müller

Das Projekt „Pflücken erlaubt statt betreten verboten“ des Vereins Essbare Stadt Minden e.V. wurde als offizielles Projekt im Rahmen des Sonderwettbewerbs „Soziale Natur – Natur für alle“ von der UN-Dekade Biologische Vielfalt aus Hürth gewürdigt. In einer feierlichen Veranstaltung überreichte der Stellvertretende Bürgermeister Egon Stellbrink die Auszeichnung „Vielfalt-Baum“ am 10. Januar 2018 in der Bürgerhalle des Mindener Rathauses.

Seit Ende 2013 heißt es „Pflücken erlaubt statt betreten verboten“ in der Stadt Minden – eine Idee, die der DIE LINKE-Politiker und Online-Redakteur der Mindener Rundschau, Stefan Schröder, ein Jahr vorher aus dem rheinländischen Andernach mitnahm und in der Weserstadt umsetzte (siehe Bericht Essbare Stadt Minden). Zusammen mit Bettina Fuhg, Schmuckdesignerin und GRÜNEN-Politikerin, die sich eher an dem „High Line Park“ in New York orientierte, entstand die Bürgerinitiative „Essbare Stadt“. Am 15. Juni 2014 war es dann soweit: der Verein „Essbare Stadt Minden“ war geboren – mit Fuhg an der Spitze sowie dem ökosozial engagierten Detlef Müller und Biogärtnerin Andrea Sperr als Beisitzer der ersten Stunde.

Unter dem Motto „Die Stadt ist unser Garten“ schlossen sie sich dem Münchener Manifest Urban-Gardening an, das unter anderem zur Bedeutung von Gemeinschaftsgärten und Stadtnatur als Gemeingüter beitragen soll. So entstanden zum Beispiel zahlreiche mobile „Speiseräume“ in der Mindener Innenstadt, an denen sich jeder kostenlos für den Eigenbedarf mit Kräutern (siehe unser Bericht) eindecken kann – frei nach dem „Pflücken erlaubt“-Prinzip.

Damit wurde das Modell der „Essbaren Stadt“ – eine Sonderform des städtischen Gärtnerns, das als weltweite „Urban-Gardening-Bewegung“ immer mehr von sich reden macht – in Minden als erste Stadt in Nordrhein-Westfalen (NRW) verwirklicht.

„Mit diesem vorbildlichen Projekt wird ein bedeutendes Zeichen für das Engagement an der Schnittstelle von Natur und sozialen Fragen in Deutschland gesetzt. Diese Aktivitäten haben die Jurorinnen und Juroren des UN-Dekade-Wettbewerbs sehr beeindruckt“, so Stellbrink, der im Namen der UN-Dekade Biologische Vielfalt Geschäftsstelle nova-Institut GmbH aus Hürth die ökologische und soziale Ausrichtung des Vereins hervorhob und sich eine stetige Ausweitung des Projekts im Stadtgebiet wünscht.

Die 1. Vorsitzende Bettina Fuhg nimmt stellvertretend für alle Vereinsmitglieder des „Essbare Stadt Minden e.V.“ die Auszeichnung von Mindens Stellvertretendem Bürgermeister Egon Stellbrink entgegen, der in seiner Rede die ökologische und soziale Ausrichtung des Vereins hervorhob – Foto: Detlef Müller

Im Anschluss überreichte der Stellvertretende Bürgermeister neben einer Urkunde und einem Auszeichnungsbanner „UN-Dekade Biologische Vielfalt – Ausgezeichnetes Projekt“ der 1. Vorsitzenden des Vereins „Essbare Stadt Minden“, Bettina Fuhg, einen „Vielfalt-Baum“, der symbolisch für die bunte Naturvielfalt stehe. Diese Ehrung werde an vorbildliche Projekte verliehen, die mit ihren Aktivitäten auf die Chancen aufmerksam machen, die die Natur und die biologische Vielfalt für den sozialen Zusammenhalt bieten.

Zudem wird das Mindener Projekt auf der deutschen UN-Dekade-Webseite vorgestellt.

Weitere Essbare Stadt Minden e.V.-Projekte

Dass die Vereinsmitglieder nicht nur Kräuter-Pflanzkästen in der Innenstadt aufstellen können, beweisen ihre weiteren Aktionen. So wurden zum Beispiel auch mobile Pflanzkästen mit Schnittlauch, Petersilie, Oregano und Pfefferminze bestückt an der Grundschule Hohenstaufenschule aufgestellt, die in Patenschaft mit den Schülerinnen und Schülern gehegt und gepflegt werden.

Am Café Klee in der Oberen Altstadt Mindens ist ebenfalls ein Kasten mit Kräutern aufgestellt worden, der von Menschen mit Handicap betreut wird.

Weil sich die Kooperation mit dem Café Klee so gut entwickelt habe, konnten die Aktiven sogar eine rund 300 Quadratmeter große Kleingartenparzelle anmieten, die seit März 2017 unter dem Namen „Wesergarten“ bewirtschaftet wird. Seitdem wird hier gemeinschaftlich Obst und Gemüse angebaut (siehe unser Bericht).

Der „Speiseraum Nr. 2“ ist nur einer von vielen Pflanzkästen im Mindener Stadtgebiet, die der Verein „Essbare Stadt Minden“ jedes Jahr aufstellt – Archivfoto: onm

In Kooperation mit dem Interkulturellen Garten Minden e.V. luden sie auch 2015 zum „offenen Workshop – Kompostierung im Garten“ ein im Stadtteil Bärenkämpen (siehe unsere damalige Ankündigung).

Im gleichen Jahr veranstalteten sie gemeinsam mit dem Aktionsbündnis „Aktiv für/in Königstor“ die erste Pflanzentauschbörse (siehe unsere Ankündigung), die weiterhin jährlich stattfindet im Bezirk Königstor. In Kooperation mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) pflanzten sie im Goethepark auch Mirabellen-, Zwetschgen- und Kirschbäume.

Außerdem überraschten sie Mindener Altstadtbewohner mit Minipflanzkästen bei ihrer Aktion „50 Pflanzen für 50 Bürger – Nimm‘ deine kleine essbare Stadt mit nach Hause“ (siehe unser Bericht).

„Last but not least“ laden sie jedes Jahr zu einem Kochevent mit eigenem und regionalem Gemüse und Kräutern ein (siehe z.B. Einladung aus 2014), die sie in einer Schnippel-Aktion mit den Marktbesuchern verarbeiten.

Zum Wettbewerb und der UN-Dekade Biologische Vielfalt

Das an den Verein „Essbare Stadt Minden“ ausgezeichnete Projekt hat an einem Sonderwettbewerb teilgenommen und eine Jury entschied über die Qualität der eingereichten Projekte. Der fortlaufende Wettbewerb wird von der Geschäftsstelle der UN-Dekade Biologische Vielfalt mit Sitz in Hürth ausgerichtet. Mit der Auszeichnung sollen sich möglichst viele Menschen von diesen vorbildlichen Aktivitäten begeistern lassen und selbst in der Natur aktiv werden, um so langfristig das Naturbewusstsein in der Gesellschaft zu stärken. Im Vordergrund stehen dabei Projekte aus den drei Themenbereichen „Grüne Orte“, „Naturerlebnisse und Aktionen“ und „Kontaktpunkte mit der Natur“.

Die Auszeichnung „Vielfalt-Baum“ soll auch andere davon überzeugen, sich aktiv für die biologische Vielfalt und das gesellschaftliche Miteinander einzusetzen – Foto: Detlef Müller

Die Auszeichnung findet im Rahmen der Aktivitäten zur UN-Dekade Biologische Vielfalt statt, die von den Vereinten Nationen für den Zeitraum von 2011 bis 2020 ausgerufen wurde. Ziel der internationalen Dekade sei es, den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Dazu strebt die deutsche UN-Dekade eine Förderung des gesellschaftlichen Bewusstseins in Deutschland an.

Die Auszeichnung nachahmenswerter Projekte soll dazu beitragen, die Menschen zum Mitmachen zu bewegen. Insgesamt wünscht sich die Geschäftsstelle, durch den Sonderwettbewerb „Soziale Natur – Natur für alle“ mehr Menschen mithilfe der Natur zusammenzubringen, dabei soziale Grenzen und Hindernisse zu überwinden und gleichzeitig mit vereinten Kräften einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt zu leisten.

Interessierte Einzelpersonen, ehrenamtlich Tätige und Institutionen, die sich für die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch Forschungs-, Bildungs- oder Naturschutzmaßnahmen einsetzen, sind eingeladen, sich an dem fortlaufenden Wettbewerb zu beteiligen. Die Jury entscheidet etwa halbjährlich über die Auszeichnungen. Seit Juni 2012 werden wöchentlich beispielhafte Projekte ausgezeichnet und offiziell vorgestellt.

Eine entsprechende Bewerbung kann ausschließlich online bei der Geschäftsstelle UN-Dekade Biologische Vielfalt auf der Webseite Projekt einreichen beantragt werden.

Textquelle: Pressemeldung Essbare Stadt Minden e.V., Umformulierung/Ergänzung: OctoberNews


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