Erstes Frühlingsfest im neuen Tierheim Minden gut besucht

Zwei- und Vierbeiner erfreuten sich an dem großen Hunde-Außengehege und bewunderten das Vorankommen des neuen Tierheims Minden in Päpinghausen

Hunde toben
Auf dem neuen Außengehege des in Bau befindlichen Tierheims Minden-Päpinghausen können sich große Hunde nach Herzenslust austoben – Fotos: onm

Der Andrang war groß beim ersten Frühlingsfest im neuen Tierheim Minden im Stadtteil Päpinghausen. Sechs Stunden lang konnten sich Besucher mit ihren geliebten Vierbeinern am 17. April 2016 auf dem riesigen Gelände des ehemaligen Bauernguts nach Herzenslust austoben, die Einrichtungen begutachten, an Flohmarktständen stöbern und Kaffee und Kuchen im Wintergarten genießen.

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1. Vorsitzender Klaus Friedrich war überwältigt von der Besuchermasse beim Frühlingsfest in Päpinghausen

Wir „erwischten“ Klaus Friedrich, den 1. Vorsitzenden des Tierschutzvereins Minden und Umgebung e.V., bei einer Besucher-Führung auf dem rund 22.000 Quadratmeter großen Tierheimgelände gegen 16 Uhr, der gerade von einem spendenwilligen Besucher darauf angesprochen wurde, ob man noch Farbe benötige. Zu dieser Zeit war der große Ansturm von unzählbar vielen Besuchern schon vorbei, was uns die Gelegenheit gab, die zahlreichen Räume und freien Areale in Ruhe zu besichtigen.

Auf dem ehemaligen Gutshofsgelände in Päpinghausen, ein 1934 erbautes Anwesen, das 2012 vom Tierschutzverein Minden erworben wurde, tat sich schon einiges in der Zwischenzeit:

Im Haupthaus konnte bereits die Hausmeisterwohnung bezogen werden; der Besprechungsraum für zukünftige Tierbesitzer nimmt schon Form an; ebenso wie das Vorstandsbüro, wo schon Tische, Stühle und Aktenschränke unterstehen; und die Krankenstation für Tierärzte. Die geräumige Cafeteria inklusive Küche, Bedientheke und Sitzgelegenheiten steht bereits und wurde am Sonntag von den Besuchern reichlich genutzt – genau wie der anliegende Wintergarten mit Blick aufs freie Feld. Hier ein Vorher-Nachher-Vergleich:

„Sinn der Cafeteria“, erläuterte Friedrich gegenüber unserer Redakteurin bei ihrem letzten Besuch in 2014, „ist das Zusammenbringen von möglichst vielen Menschen aus der Region, um sich näher kennenlernen und das Tierheim bekannter machen zu können.“ Die Idee für eine Cafeteria habe man sich im Tierheim Lingen abgeguckt.

Da der Umzug der im aktuell, wesentlich kleineren Heim an der Werftstraße untergebrachten Hunde ins neue Tierheim in Päpinghausen für Spätsommer/Herbst dieses Jahres geplant ist, so Friedrich, setzen das siebenköpfige Tierheimteam gemeinsam mit zahlreichen ehrenamtlichen Helfern alles dran, um die Räumlichkeiten bis dahin fertigzustellen.

Zwar sind schon aus den ehemaligen Schweineställen (siehe Fotos) mit großem Aufwand rund 650 Kubikmeter Gülle aus dem Boden geholt und weggefahren worden (wohlbemerkt war die Gülle nicht in Fässern gelagert) sowie sämtliche alten Stallgitter abgebaut worden. Doch erinnern die haushohen Räume noch an Pferdeställe, die Böden wurden mit Sand bedeckt (siehe Fotos). Ein ebener Untergrund aus Estrich muss noch verlegt werden, damit die Böden auch gereinigt werden können.

Schließlich sollen die Hunde zukünftig in geschlossenen, gemauerten Einzelräumen mit Fenstern untergebracht werden, was sich positiv auf ihr Verhalten auswirken wird, und womit Reihengebelle (wenn einer anfängt, machen die anderen mit) und jeglicher Stress der Vierbeiner vermieden werden kann. Außerdem sollen auf dem Innenhof Auslaufboxen für kleine Hunde entstehen.

Zukünftig untergebrachte große Hunde hingegen können sich schon heute auf zwei riesige eingezäunte Außengehege-Flächen freuen, was ihnen bisher verwehrt bleibt. Als Besonderheit wurde ein doppeltüriger Eingang gebaut, der ein unbeabsichtigtes Weglaufen der Hunde unmöglich macht. Besucher des Frühlingsfestes machten sich dies zunutze und ließen ihren Vierbeinern freien Lauf, was in der Stadt Minden Seltenheitswert habe, so eine Hundebesitzerin.

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„Thyssen“ erholte sich vom Toben

Unübersehbar war „Thyssen“, ein 56 Kilogramm schwerer American Akita, der sich gerade im Schatten einer Holzhütte auf dem links gelegenen Außengehege ausruhte. Dieser Pfundskerl mit dem kuschelweichen Fell sei zwar unberechenbar, so sein Frauchen, weshalb sie ihn ansonsten nicht von der Leine lassen könne, warf sich dann aber auf den Rücken, um sich liebevoll von den Töchtern streicheln zu lassen. Auf jeden Fall sah man ihm – wie allen anderen Hunden an dem Tag – an, dass sie sich pudelwohl und frei auf dem Gelände fühlten, wo sie sich richtig austoben konnten.

TIPP: Bis zum Umzug können Hundebesitzer gegen eine Spende das Päpinghausener Gelände nutzen.

Sichtbare Erfolge konnten die fleißigen Tierfreunde auch beim Katzenhaus zeigen. Der ursprüngliche Bau wurde von den Schweinestall-Gestellen befreit und wird bald als inneres Freigehege für die Katzen ausgebaut. Im länglichen weißen Anbau befinden sich bereits gemauerte Einzelräume mit Fenstern und Heizkörpern. „Denn Katzen brauchen viel Wärme“, erklärte Friedrich. Außerdem besteht jetzt eine direkte überdachte Verbindung zwischen Hunde- und Katzenhaus, damit die Mitarbeiter des Tierheims besser hantieren können.

Eine ehemalige Traktorengarage dient zukünftig als Quarantänestation für neu eingetroffene Katzen. Da Katzen seuchenanfällig sind, ist geplant, diese nach ihrer Impfung hier rund vier bis sechs Wochen verweilen zu lassen (solange braucht es, bis die Impfung greift), bevor sie sich zu ihren Artgenossen gesellen dürfen. „Mit dieser Methode haben wir bisher gute Erfahrungen gemacht“, so Friedrich, „und sehen wir als Möglichkeit, die Tiere gesund zu halten. So kann dem Katzensterben effektiv vorgebeugt werden. Leider verstehen das manche Tierschutzaktivisten nicht, mit denen wir vor einiger Zeit deswegen Probleme hatten.“

Unglaublich schön gestaltet wurde auch der Vorgarten vor dem Haupteingang, hier grünt und blüht es, als hätte es nie anders ausgesehen. Dabei war dies vor zwei Jahren noch eine brache Sandfläche. Hinter dem Haupthaus wurde eine Art Hochbeet angelegt, das mit künstlerisch gestalteten Figuren aus Holz und Metall verziert wurde, und später wohl als Freigehege für Kleinsttiere wie Hamster dienen wird. Denn entsprechende Räume für Vögel aller Art, Hamster, Kaninchen, Ratten und andere Kleintiere werden ebenfalls im Haupthaus entstehen, mit kleinem Außengelände, so Friedrich.

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Alina Borkent (re.) und ihre Freundin sind die „Nickelbande“ und überzeugten mit Spezialfuttermischungen für Kaninchen

Nach so viel Input rund ums neue Tierheimgelände und Irrgänge durch die zahlreichen Flure und Zimmer, die an ein Labyrinth erinnern, haben wir uns dann im Flohmarkthaus umgeschaut, wo wir unter anderem Alinas Nickelbande aus Rödinghausen antrafen. Geschäftsinhaberin Alina Borkent klärte auf, dass es sich bei den Papiertüten mit Kräuterinhalt nicht um Teesorten handele (weswegen sie viele fragende Blicke erhaschte), sondern um Spezialfuttermischungen für Kaninchen bzw. Karnickel, daher der Firmenname. Die „Kaninchenmama“ hält viel von artgerechter Haltung und vor allem gesunder Ernährung. Ihrer Meinung nach sollte eine Mischung aus getrocknetem Obst, Gemüse, Kräutern und Saaten auf dem Speiseplan der Nager stehen. So hat sie sich darauf spezialisiert und erstellt sogar Ernährungspläne für ihre Kundschaft.

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Der Grill wurde geschlossen, Feierabend für die ehrenamtlichen Helfer

Draußen wurden dann die letzten Würste auf den Grill geschmissen, die schon reserviert wurden, bevor sie durch waren. Petra Yarwood klärte auf, dass am Vormittag das Grillfleisch, genau wie die selbstgebackenen Torten in der Cafeteria, ratzfatz von den Besuchern verputzt wurden. Es gab einen regelrechten Besucheransturm, womit keiner so richtig gerechnet hatte. „Heute Morgen verkauften wir sogar rund 140 Biobratwürste, extra produziert für diese Veranstaltung vom Biohof Wietler“, erklärte sie. „Doch das war leider zu wenig.“  „Kurz nach 13 Uhr waren alle Bratwürste weg“, ergänzte Friedrich.

Und keiner von den 20 bis 30 ehrenamtlichen Helfern am Tag des Frühlingsfestes kennt sich wohl besser aus, wenn’s um Fleisch geht, als „Peter“. Auf Nachfrage, wie das denn zusammenpasse, Fleischerberuf und Tierschutzverein, antwortete er: „An der Tötung von Tieren finde ich grundsätzlich nichts Schlimmes, ich esse gerne Fleisch. Nur quälen darf man sie nicht.“ Der 51-jährige Lagerist aus Bölhorst arbeite schon lange nicht mehr in seinem erlernten Beruf, ist aber seit 30 Jahren Mitglied im Tierschutzverein und habe damals noch „vernünftige Haltung und Schlachtung“ erlebt. Durch die Internetpräsentation des Mindener Tierschutzvereins ist er so zum ehrenamtlichen Helfer geworden, hilft beim Auf- und Abbau sowie bei der Sanierung des Tierheims an Wochenenden.

Außerdem unterstützt er bei „Tiernachkontrollen“, was heißt, dass jedes vermittelte Tier innerhalb des ersten halben Jahres im neuen Zuhause besucht und erkundet wird, wie es dem Tier geht. „In 99 Prozent der Fälle sind das angenehme Besuche, nur ganz wenige sind mit der Pflege der Tiere überfordert, aber das ist die Ausnahme.“

Schlussendlich empfehlen wir, das Tierheim Minden auf dem neuen Gelände in Päpinghausen in der Straße Zweihöfe einmal selbst zu besuchen, oder besser: sich dort als freiwilliger Helfer zu melden. Denn es stehen noch jede Menge Arbeiten an. Auch über Sachspenden wie Tiernahrung in größeren Mengen oder Sanierungsmaterialien für den Ausbau ist der Tierschutzverein Minden dankbar. Zum Beispiel hat die Firma GEWE neue Fenster und Türen gespendet und eine Mindener Firma 1000 Quadratmeter Bodenfliesen.

Für den letzten Abschnitt „Hundehaus“ wären allerdings Geldspenden hilfreicher, so Friedrich. Denn alle Boxen müssen noch erstellt werden, Beton und Estrich verlegt und Zwischenwände eingezogen werden. Die Kontoverbindung findet man auf der Website unter Geld spenden. Alle Kontaktdaten findet man direkt auf der Hauptseite.

Und hier noch ein paar Impressionen:


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