Erste Forschungsergebnisse nach Renaturierung der Bastau in Minden

Sohlgleite für Fische wohl geglückt: Schülerprojekt des Mindener Ratsgymnasiums in Zusammenarbeit mit den SBM liefert erste Ergebnisse nach Rückbau des Bastauwehrs

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Sohlgleite in der Mindener Bastau nach der Renaturierung und Rückbau des Bastauwehrs – Foto: onm

Seit dem Rückbau des historischen Bastauwehrs und Herstellung einer Sohlgleite nach EG-Richtlinien, um unter anderem Fischen aus der Weser zu ermöglichen, in dem Bastau-Gewässer „hinaufzusteigen“, begleitet eine Schülerprojektgruppe des Mindener Ratsgymnasiums in Zusammenarbeit mit den Städtischen Betrieben Minden (SBM) die Arbeiten der Stadt Minden an der Bastau.

Gummistiefel, Wathose, Kescher, Messbrett und elektrische Angel – das sind nicht die klassischen Unterrichtsmaterialien für den Biologiekurs. Aber einige Schüler des Mindener Ratsgymnasiums kennen diese Ausrüstung bereits sehr gut. Ein Leistungskurs der Jahrgangsstufe Q1 arbeitet am Schülerprojekt „Monitoring zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit am unteren Bastauwehr“ mit.

Unter Leitung von Biologielehrer Dr. Christian Frenz untersuchen die Jugendlichen Veränderungen im Gewässer und erfassen und dokumentieren ihre Beobachtungen. Hintergrund des Schulprojekts ist der Teilrückbau der Wehrschwelle im Mündungsbereich der Bastau zur Weser seit Juli 2015 (siehe Bericht).

Neben den fachlichen Grundlagen steht für die Schüler auch die praktische Anwendung des Wissens vor Ort im Vordergrund: Sie sollen an das Öko-Thema „Wasser und heimatliche Gewässer“ herangeführt werden. Für das Abitur ist im Lehrplan auch gefordert, dass sie Vorkommen, Häufigkeit und Ausbreitung von Lebewesen im Freiland untersuchen, auswerten und lernen, zu bewerten, wie sich etwa die Nutzung auf den Lebensraum auswirkt.

Da lag es nahe, die am Schulgelände vorbeifließende Bastau zu untersuchen. Und sie haben sich richtig ins Zeug gelegt und mit Klamotten ins Wasser begeben.

Messung der Wasserströmung
In Wathose und Gummistiefel in der Bastau stehend messen die Schülerinnen und Schüler des Mindener Ratsgymnasiums die Wasserströmung – Foto: Stadt Minden

Gemeinsam mit den Städtischen Betrieben Minden (SBM) wurde beim Start der Bauarbeiten im Sommer 2015 besprochen, welche konkreten Maßnahmen und Untersuchungen den Rückbau des Bastauwehrs begleiten sollen. Die Projektgruppe fertigte sodann im Sommer und Herbst erste Video- und Fotoaufnahmen von der Bauphase und nach der Fertigstellung an. Im Anschluss gab es Gewässerbegehungen, um sich ein genaues Bild der Gegebenheiten machen zu können.

„Die SBM waren von Anfang an von dem Schülerprojekt überzeugt, und wir erwarten mit Spannung, welche Ergebnisse die Jugendlichen uns präsentieren werden“, betont Peter Wansing, Betriebsleiter der SBM.

Mehrere Teams, auch aus der Jahrgangsstufe Q2, waren beim Vortest im Oktober 2015 mit dabei. Als Erstes nutzten die Schüler die sogenannte „Elektrofischerei“, um das Fischaufkommen in der Bastau zu erfassen. Bei dieser Fischereimethode wird durch das Wasser ein Gleichstrom geleitet. Bei sachgemäßer Anwendung schwimmen die im Stromkreis befindlichen Fische zur Anode, wo sie eingesammelt werden können.

Die eingesammelten Fische wurden dann in einen großen Wassereimer gesetzt, um sie von dort aus einzeln vermessen zu können. Dazu legten die Jugendlichen jeden Fisch auf ein Messbrett. Die jeweilige Länge und Fischart wurde in einem Protokoll festgehalten.

Elektrofischen in der Bastau Foto Stadt Minden
Elektrofischen in der Bastau – Foto: Stadt Minden

Erste Ergebnisse des Projekts zeigen, dass die neu gestaltete Bastau-Anlage es den Fischen ermöglicht, aus der Weser die Bastau „hinaufzusteigen“. Auf der gesamten Strecke fanden die Schüler unterschiedliche Fischarten, wie Rotauge, Brasse oder Gründling, aber auch andere kleinere bis mittlere Fische tummelten sich im Gewässer.

Beobachtet wurde auch, dass mehrere Zweige und Äste in den Steinschlitzen und daran hängengebliebene Blätter den Wasserabfluss verändert haben. (ON: Mal abgesehen von den Plastikbechern, Tüten und sonstigem Müll, der in die Bastau geworfen wird).

Ende März / Anfang April 2016 hatte die Bastau solche Wassertemperaturen erreicht, in denen die Fischarten langsam mit dem Aufstieg beginnen sollten. Die Aufstiegskontrolle wurde jetzt durch ein Reusen-Barriere-System unterstützt, sprich: es wurde ein Netz durchs Wasser gespannt. Unterschiedliche Helfergruppen haben dann die Fische, die mithilfe der Reuse gefangen wurden, gezählt und protokolliert.

Festgestellt wurde bei fast täglichen Überwachungen durch die Schüler, dass Rotaugen beispielsweise sehr häufig vorkommen. „Unsere Kontrolle der Reuse hat unterschiedliche Ergebnisse geliefert. Manchmal waren nur ein bis drei Fische in der Reuse zu finden. An anderen Tagen dann aber sogar bis zu 99 Fische mehrerer unterschiedlicher Arten“, betont Biologielehrer Frenz. Der beeindruckendste Fund war ein Aal-Weibchen mit einer Länge von 85 Zentimetern.

Vermessung eines Aal-Weibchens
Stolz vermisst die Schülerprojektgruppe ihren beeindruckendsten Fund: ein Aal-Weibchen mit einer Länge von 85 cm – Foto: Stadt Minden

Neben den Fischzählungen messen die Jugendlichen auch Wassertiefen, Fließgeschwindigkeiten und andere Einflussgrößen auf den Fischwechsel in der Sohlgleite bei verschiedenen Abflussverhältnissen. Unter Vorbehalt der noch auszuwertenden Daten zeichnet sich ab, dass der Fischaufstieg in der Bastau in wechselseitiger Abhängigkeit vom Wasserstand in Weser und Bastau erfolgt. Auch die jeweiligen Wassertemperaturen im Mündungsbereich wirken sich maßgeblich aus.

Die zu Beginn der Untersuchung im Biologiekurs gestellte Frage „Funktioniert denn die neue Sohlgleite als Fischaufstiegshilfe?“ wird sich auf Grundlage der Untersuchungen später differenziert beantworten lassen.

Der Rückbau der Mindener Wehrs war nach Angaben der Stadt Minden erforderlich, um die EG-Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen. Sie verfolge das Ziel, einen guten ökologischen Zustand der heimischen Oberflächengewässer zu erreichen. Dazu war es notwendig, dass die Durchgängigkeit des Gewässers hergestellt wurde. Diese wurde jedoch ab der Bastau bereits wenige Meter nach der Einmündung in die Weser durch eine Wehranlage stark eingeschränkt. Diese Schwelle stellte für Fische eine unüberwindbare Barriere dar.

Neben dem Teilrückbau der Wehrschwelle wurde der Abschnitt auch strukturell verbessert, so die Stadt Minden weiter. Beispielsweise wurde eine sogenannte „raue Rampe“ von der historischen Fußgänger- und Radfahrerbrücke bis zum Schwanenteich geschaffen. Diese sei eine naturnahe Alternative zu den technischen Bauwerken (wie beispielsweise Fischtreppen), und soll den ungehinderten Fischaufstieg gewährleisten. Mit dem Umbau wurde ein großer Beitrag zur Wiederanbindung des 113 Quadratkilometer großen Einzugsgebiets der Bastau an das Gewässersystem der Weser gewährleistet.

Quelle: Pressestelle Stadt Minden, Wikipedia

Siehe auch unseren Bericht mit Bilderstrecke, wie das Bastauwehr vorher aussah.


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