Entdeckt: Goldener Oktober am Steinhuder Meer

Ein Streifzug am Tag der Landtagswahl 2017 durchs Nachbarland Niedersachsen - mit rotgoldenem Sonnenuntergang am Steinhuder Meer und Sommerdreieck über Rodenberg

An dem wohl schönsten Goldenen Oktober Tag 2017 den Sonnenuntergang am Steinhuder Meer erleben – ein „Ritt“ ins Nachbar-Bundesland Niedersachsen, der sich gelohnt hat – Fotos: onm

Während die deutsche Medienlandschaft gar nicht genug bekommen kann vom „großen Sieg“ der Sozialdemokraten zur Landtagswahl in Niedersachsen am vergangenen Sonntag, erinnern wir an den wohl schönsten Goldenen-Oktober-Tag 2017 und entdeckten das Steinhuder Meer.

Der 15. Oktober war ein Goldener-Oktober-Tag, wie er im Buche steht: rund 20 Grad Außentemperatur, strahlender Sonnenschein und kein Wölkchen am Himmel. Da zog es die Niedersachsen nicht nur in die Wahlkabinen, sondern vor allem ans Wasser. Was liegt da näher als der Besuch des größten See Nordwestdeutschlands: das Steinhuder Meer. Das wollten wir Wahl-Mindener auch.

Blick auf den „Steinhuder Meer Beach“ vom Steg aus

Gesagt, getan. Von Minden aus rund 50 Kilometer Autostrecke hingelegt, landeten wir – nach Baustellen-Chaos-Umwegen kurz vorm Ziel – bei Mardorf an der „Weißen Düne“ – einem Badestrand an der Nordküste am anderen Ende des Sees gegenüber der Touristen-Stadt Steinhude. Fahrzeug auf einem beschrankten Waldparkplatz (für 3 Euro am Tag) abgestellt und los ging’s zu Fuß.

Vorbei an einem naturgeschützten flachen Hügel, wo zahlreiche Baumpilze zum Greifen nah sprießten, am DLRG-Toiletten-Imbiss-Häuschen (auch Pommes frites kosten hier 3 Euro) sowie am gut gefüllten Badestrand konnte man direkt „übers Wasser laufen“. Nun ja, nicht ganz wie Jesus, halt mit Stegbrettern unter den Füßen, aber direkt aufs „Meer“ hinaus, Steinhuder Meer, also auf See sozusagen. Egal. Die Hauptsache war ja, wir wollten ans Wasser an dem wunderschönen Oktober-Tag.

Ein Segelschiff spiegelt sich im Wasser

Und der Weg hat sich gelohnt. Die seichten Wellenbewegungen ein paar Zentimeter unterm Holzsteg und der weite Blick aufs blaue Wasser (8 Kilometer über die Länge und 4,5 Kilometer über die Breite des Sees) in den Nachmittagsstunden machten insbesondere all die Anstrengungen unserer Redakteurin wett, die sie in Minden tagtäglich auf sich nehmen muss, seitdem sie Ende 2013 hierher zog (von Behördenwillkür über Missgunst bis hin zu Jobverlust und Armut). Den Kaliberg und gleitende Segelschiffe am Horizont im Auge – an diesem Ort konnte man Kraft tanken.

Okay, wenn da nicht diese junge Frau gewesen wäre, die redete wie ein Wasserfall. Naja, Sitzfleisch wollten wir auch nicht ansetzen. So führte uns ein ausgeschilderter Rundwanderweg durch (teils mit Stacheldraht) umzäunte Grundstücksgebiete bis zu einem weitläufigen Platz, wo Wohnmobil-Camper und Hundestrand sich kreuzten. Einst um 1800 als Fähren-Anlegestelle ausgelegt, gab es hier wieder einen Steg – mit deutlich näherer Sicht auf die Inselfestung Wilhelmstein (auf dem Steinhuder Meer).

Ein Ausflugsschiff bei einer Rundfahrt mit dem Kaliberg im Hintergrund

Außerdem schwebte gerade ein Fesselballon über den See und ein Rundfahrtschiff fuhr Richtung Segelschiffanleger. Doch wie es das Phänomen Mensch so mit sich bringt: Kaum hatte man sich allein irgendwo niedergelassen, kamen andere Leute dazu. So versuchte ein Junge mit einem Handnetz Fische zu fangen, von einem Ruderboot erklangen italienische Gesangslaute, ein Halter ermunterte lauthals seinen Hund, durchs Schilf zu schwimmen, und zuguterletzt fragte uns eine Zeugin Jehovas, was wir denn glauben würden, wie es auf der Welt in Zukunft weitergehen würde: eher schlechter, besser oder ob alles so bleiben würde.

Wie ein Pfeil bildete sich ein Vogelschwarm am Himmel

Keine Ahnung, was die Zukunft bringen wird. Aber mit einem lilafarbenen Infoblatt in der Hand nahmen wir den weiteren Weg am Bootsverleih Kielhorn vorbei bis zum Yacht-Club Niedersachsen Hannover (YCN Hannover) auf uns. Interessante Ecke. Doch in einer Kehrtwende eilten wir zur „Weißen Düne“ zurück, weil wir schließlich am Goldenen-Oktober-Tag den Sonnenuntergang überm Wasser nicht verpassen wollten. Die beste Sicht hatte man halt von diesem bestimmt 150 Meter langen Steg am Steinhuder Meer Beach aus.

Überraschenderweise genossen verhältnismäßig wenige Menschen, vereinzelt Pärchen, das rot-goldene Himmelsspektakel, das sich perfekt im See spiegelte, hielten es mit dem Smartphone fest oder ließen sich einfach faszinieren von Mutter Natur. Während der Horizont und das Wasser in allen Spektralfarben leuchteten, zogen auch Vogelschwärme ihre figurformenden Bahnen.

Der rotgoldene Sonnenuntergang über dem Steinhuder Meer schloss den goldenen Oktobertag perfekt ab

Gewartet, bis die Sonne unterging, hieß es nun Abschied nehmen von einem wahrhaft faszinierenden Ort an einem Goldenen Oktobertag, wie er schöner nicht abschließen könnte. Tatsächlich fuhren wir am gleichen Abend aber noch zu einem Astrotreff nach Rodenberg.

Die, wenn auch nur drei, beleuchteten Flügel der Windmühle Rodenberg sieht man schon bzw. noch aus weiter Ferne

Bevor die Rodenberger Windmühle zu leuchten begann (stets von 21 bis 23 Uhr), ließen wir uns von Joachim Stürck in die Welt der Astronomie entführen. Der Hobby-Astronom der Sternfreunde Rodenberg/Deister zeigte rund 20 Teilnehmern per Teleskop und Laserpointer, was an diesem sternklaren Abend am Himmel beobachtet werden konnte.

Besonders auffällig war die Sternenkonstellation Sommerdreieck. So beinhalte diese die Sternbilder Schwan, Adler und Leier. Außerdem rank der Kopf des Schwans in die Dreieckskonstellation hinein und leuchtete orange. Das Besondere daran: Es handelt sich hier um einen Doppelstern: Der größere leuchtet orange, der kleinere blau (wobei der blaue Stern deutlich besser zu erkennen war).

Nach der ausführlichen und sehr netten Exkursion in unendliche Weiten erhaschten wir noch einen Blick ins Innere der 1850 erbauten Windmühle Rodenberg (die zwar kein Mahlwerk mehr besitzt, aber unter anderem im ersten Stock wohl einen kleinen Lesesaal), bevor wir uns wohlverdient und voller neuem Lebensmut auf den Rückweg machten, auf dem wir noch Bodennebel über den Feldern und einem Fuchs begegneten.


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