Entdeckt: Goldener Oktober 2021 in Espelkamp

park espelkamp goldener oktober 2021
Herbstimpression vom „See am Kleihügel“ in der „Großen Aue“ in Espelkamp – Fotos: Namira McLeod

Auf der Suche nach dem Goldenen Oktober 2021 sind wir in Espelkamp hängen geblieben – in einem sehenswerten Park, wo Mensch und Wildtier friedlich nebeneinander leben, entspannen und genießen können.

„Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.“ Johann Wolfgang von Goethes literarische Erinnerung könnte auf diesen Ort besonders zutreffen, den wir am 10. Oktober entdeckt haben: die „Große Aue“. Im westlichen Teil des Kreises Minden-Lübbecke und wiederum im westlichen Teil von Espelkamp gelegen, tat sich uns eine Erholungslandschaft auf, die wir in dieser Stadt weder vermutet, geschweige denn je zuvor besucht haben. Umgeben von Waldgebieten, versteckt vor jeglichen Landstraßen, als großer Park angelegt mit zwei Seen – einer als Badesee, der andere zum Schutz der Tiere.

Doch fangen wir von vorne an. Der Oktober ist ja nunmal „unser“ Monat. Unser Sitz liegt in der Stadt Minden. Diese befindet sich im Mühlenkreis Minden-Lübbecke (Nordrhein-Westfalen). Den Goldenen Oktober am Steinhuder Meer haben wir bereits entdeckt, nun galt es einen neuen Ort zu finden, der dem gerecht wird. Mit dem Finger auf der Landkarte stoßen wir auf einen kleinen blauen Flecken zwischen Minden und dem Dümmer See. Ist ja nicht weit weg, nur 30 Minuten Fahrtzeit. Also nichts wie hin. Am „Wanderparkplatz Großer Aue See“ geparkt und schon kann der zweistündige Fußmarsch beginnen.

Wir folgen einem älteren Paar, das kennt sich sicher aus. Zack, fünf Minuten später (rechts und links vom Waldweg bemerken wir unzählig vertrocknetes Farn) standen wir schon am Wasser, am Rande eines sehr gepflegten Parks mit kleinen Hügeln. Irgendeiner lässt oben auf dem Hügel seine Musikbox laufen, die Musik hört sich religiös an und beschallt halbwegs leise den Park. Es sind kaum Menschen unterwegs, nur einige wenige Familien und Paare. Alle wirken total entspannt. Es stellt sich sofort ein Wohlgefühl ein. Und wir konnten es kaum fassen: Wir wurden von jedem Menschen, ob jung, mittel oder alt, im Vorbeigehen mit einem freundlichen „Hallo“ und einem netten Lächeln begrüßt, das wir natürlich gerne erwiderten.

Das Staunen geht weiter. Der See ist als Badesee ausgeschildert. Ein echter öffentlich zugänglicher Badesee, ohne Hinweis auf „dieser See gehört dem Angelverein XY“ oder irgendeinem Yachtclub oder sonstwie privat und nicht zugänglich. Zudem sieht das Wasser sauber und klar aus, was vermutlich den Zuläufen des „Großen Aue“-Bachs rund ums Gelände zu verdanken ist. Die Stadt Espelkamp erklärt auf ihrer Webseite, dass in den 1980er Jahren an dieser Stelle ein „Erholungs- und Badesee geschaffen wurde, um Möglichkeiten für eine naturnahe Erholung zu bieten“. Außerdem füge sich der „See am Kleihügel“ hervorragend in das Landschaftsbild ein (den Namen des Hügels findet man sogar auf einer Parkbank wieder). „Flachwasserbereiche und sich unmittelbar anschließende Sumpf- und Feuchtwiesengebiete sowie die im See gelegenen Sumpfinseln geben auch hier vielen Pflanzenarten Lebensraum. Der Badestrand bietet Erholungssuchenden zudem ausreichend Raum für Sport- und Freizeitaktivitäten“, heißt es weiter vonseiten der Stadt.

Dem ist von unserer Seite aus nichts hinzuzufügen. Scherz beiseite. 😉 Erstens erweckt der Park nicht den Anschein, dass er über 40 Jahre auf dem Buckel hat, sondern sieht aus wie neu erschaffen. Zweitens war das längst nicht alles, was man in der „Großen Aue“ erleben kann. Die perfekt durchdacht angelegte Flora wird offensichtlich mit viel Liebe gehegt und gepflegt, ohne „schnöselhaft“ zu wirken. Die Fußwege schlängeln sich mitten durch die Natur, um die Seen herum und am Bach entlang. Einen Gang runterschalten passiert hier ganz automatisch. Radfahrer klingeln nicht nervig und bedanken sich sogar, wenn man ihnen als Fußgänger den Weg frei macht.

Plötzlich hört man lautes Geschreie. Gänse-Geschreie. Hundert oder mehr Wildgänse tummeln sich im „Auesee“ nebenan, während wir irgendwie vom Weg abkamen und uns in einem kleinen Waldstück verlaufen haben. Offenbar hat an dieser Stelle der Borkenkäfer zugeschlagen oder ein Sturm oder beides. Eine Waldschneise mit zahlreich umgestürzten und gefällten Bäumen lässt jedenfalls darauf hindeuten. Giftige Pilze, die wie große Maronen aussehen, sind an dieser Stelle ebenfalls zu finden. Die Wildgänse schreien und schnattern weiter, jetzt wollen wir sie auch mal zu Gesicht bekommen. Doch rund 100 Meter weiter finden wir uns an der wohl höchsten Stelle der „Großen Aue“ wieder – mit Parkbank und Mülleimer. Überhaupt stehen im ganzen Park überall Parkbänke und Mülleimer. Zwar ist die Anhöhe super geeignet zum Ausruhen, aber Schilfrohr und anderes Dickicht verbaut den Blick auf den Auesee. Also weiterlaufen (hört sich nach anstrengendem Weg an, war aber nicht so, denn die Wege sind alle kurzgehalten).

Als Landschaftssee von der Stadt Espelkamp gedacht, um „ausreichend Lebensraum für geschützte Pflanzen und Tierarten“ zu bieten (ein Teil der Fläche ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen), umschließt den kleinen Auesee dichtes Gestrüpp, damit die wilde Tierwelt auch möglichst geschützt bleibt. Was der menschlichen Neugierde keinen Abbruch tut, denn auch daran wurde gedacht. Eine kleine Schneise im Gestrüpp und eine Holzwand mit großen Guckschlitzen erlaubt den ungestörten Blick auf Wildgänse und andere Vogelarten, die sich in Scharen auf und über dem Wasser sammeln.

Und das alles inmitten bunter Blätter, die sich im Wasser spiegeln. Ein Goldener-Oktober-Nachmittag, wie er nicht schöner hätte sein können. Den Rest müssen Sie selbst entdecken. 🙂

Wir sagen herzliche Grüße in die Große Aue nach Espelkamp, kommen im Sommer gerne wieder und verabschieden uns mit einer kleinen Fotogalerie (Tipp: im Vollbildmodus wirkt’s noch schöner):


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