Elektro-Automobilität auf der energie & umwelt Messe

Stadthalle Lübbecke präsentierte am Wochenende Elektrofahrzeuge

Kraftfahrzeuge mit Elektroantrieb sind auf dem Vormarsch. Fotos: onm

Am Wochenende 25./26. Januar 2014 fand die 7. Messe energie & umwelt in der Stadthalle Lübbecke statt, eine informative Veranstaltung rund um Energiesparen und Klimaschutz. Neben Pelletheizung, Umwälzpumpen, Solaranlagen und alles rund um Haustechnik richtete sich ein Augenmerk auf das Thema Elektro-Automobilität, was OctoberNews zum Anlass nahm, die eintrittsfreie Messe am Sonntag zu besuchen.

„energie & umwelt ist unsere Sache“, lautete das Motto des Veranstalters Rolf Cornelius, Jazzliebhaber und Fan der Handballmannschaft TuS N-Lübbecke, denn „die Energiewende beginnt im Kopf“. Genau. Und da man Augen im Kopf hat, möchte man die innovativen Produkte auch sehen können, bevor man in Erwägung zieht, sie anzuschaffen. Außerdem möchte man sie am liebsten anfassen und sich beraten lassen. Und das alles bot diese kleine, aber feine Messe in hervorragender Präsentation.

Dieser Beitrag setzt sich nun allein mit Elektro-Automobilität auseinander, ein komplexes Thema, wovon der eine oder die andere schon mal gehört hat, aber sich nicht wirklich herantraut, weil noch so viele Fragen offenstehen, die es gilt, zu beantworten.

Auf dieser Messe wurden Kraftfahrzeuge mit reinem Elektroantrieb der Hersteller VW, Renault und Tesla vorgestellt. Wir haben die Modelle „e-up!“ von VW und „ZOE“ von Renault unter die Lupe genommen und den Beratern Löcher in den Bauch gefragt, die geduldig und professionell alles am Auto zeigten und erklärten, was man wissen muss als potenzieller Käufer.

Der VW „e-up!“ erinnert an die Golf-Klasse oder den Seat Ibiza Vivo, schnittig und sportlich, Fünf-Sitzer, silberne Lackierung, mit normalem Glasschiebedach, 60 kW (ca. 82 PS), elektrischen Fensterhebern, Viertürer mit jedoch relativ kleinem Kofferraum, passend für zwei Getränkekisten – normaler Mittelklassewagen halt, aber mit attraktiver LED-Tagfahrlichtleiste, die sich über den gesamten vorderen Stoßfänger zieht. Der Innenraum erscheint übersichtlich und aufgeräumt, kein Schnickschnack zu sehen. Wenn man sich die Werbeaufkleber mit dem VW-Motto „Think Blue“ wegdenkt, ist dieses Modell von herkömmlichen Benzinern nicht zu unterscheiden für Außenstehende. Wenn da nicht die Technik wäre (s. auch VW-Beschreibung) – und die hat es in sich.

Angefangen mit dem sportlichen „Schaltknüppel“, der nur die Buchstaben R, N und D enthält sowie die Symbole „+“ und „-„. Handelt sich also um ein Automatik-Modell, denkt man. Stimmt ja auch irgendwie, aber Tobias Warkentin, Verkaufsberater des Autohaus Lübbecke, klärt auf: Das „R“ steht natürlich für den Rückwärtsgang, das „N“ steht für Normalbetrieb, das „D“ steht für Freilauf, wo der Motor ohne Energieverbrauch beim Antrieb rollt, wobei „D“ in fünf Stufen unterteilt ist, unter der man die Reichweite mit Plus und Minus regeln kann, die sog. „Rekuperation“ sorgt für ein energiesparendes Bremsverhalten des Fahrzeugs, wenn der Akku nicht voll geladen ist. Die Einstellung „D“ ist also eine der wichtigsten Einstellungen beim VW „e-up!“, denn die Reichweite ist bei Fahrzeugen mit reinem Elektroantrieb begrenzt.

Wer ein aktuell auf dem Markt angebotenes Elektrofahrzeug fahren will, muss rechnen können und sich vorher genau überlegen, wohin man fährt, denn die Reichweite der aufzuladenden Batterie beträgt ca. 120 bis 200 km, je nach Modell. Ein Auto mit reinem Elektromotor ist daher als Zweitwagen geeignet bzw. an Berufstätige und Shopping-Tourer gerichtet, die regelmäßig kürzere Fahrtstrecken zurücklegen müssen. Für längere Strecken wie Urlaubsfahrten und Autobahn-Pendler ist ein Elektroauto (noch) nicht geeignet.

Bestes Beispiel war ein Ehepaar, was beim Renault-Vertragshändler in Lübbecke anfragte, ob sie dort „Zwischenstation“ an der Ladestation machen könnten, um den Akku ihres Fahrzeugs aufzuladen, um weiter nach Aurich zu kommen, erzählt uns Miriam Bekemeier, eine der zwei Geschäftsführer des Autohaus Bekemeier, die uns netterweise anbot, nach Voranmeldung den „ZOE“ auch mal probefahren zu dürfen. Dieses Angebot werden wir sicher mal wahrnehmen – vielen Dank für die Einladung! Schließlich will man auch wissen, wie sich ein Elektroauto so fährt, soll ja ein geräuschloses „Dahingleiten“ sein, wenn man nicht zusätzlich einen Geräuschsimulator einprogrammiert, um das Gefühl des Fahrens nicht zu verlieren bzw. andere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer rechtzeitig vor einem herannahenden Fahrzeug warnen zu können.

Eine absolute Ausnahme, was die Kilometerreichweite bei Elektrofahrzeugen betrifft, ist das „Modell S“ von Tesla – die weltweit erste Elektro-Luxuslimousine, die 400-500 km schafft mit einer Aufladung. Der knallrote amerikanische Luxusschlitten war ebenfalls auf der Messe ausgestellt und wurde extra aus Bayern überführt. Mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h bei 421 PS wurde das Modell spontan als „car of the year“ in den USA ausgepriesen. Der Preis von ca. 115.000 Euro ist vollkommen gerechtfertigt und dürfte nun auch Besserverdiener überzeugen können, auf Elektro umzusteigen (s. auch Artikel bei autoZeitung).

Aber wenn man das alles so liest, lohnt sich der Kauf eines Elektrofahrzeugs dann bei einem Preis von ca. 26.000 Euro? Selbstverständlich, versichert uns Herr Warkentin. Der „e-up!“ als erstes Serien-Elektrofahrzeug von VW verbraucht auf 100 km nur ca. 11,7 kWh Strom. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 25,8 Cent pro Kilowattstunde kosten 100 km Fahrtstrecke nur noch unglaubliche 3,02 Euro. Rechnen wir doch mal nach: Ein vergleichbares älteres Kraftfahrzeug (z. B. Seat Ibiza Vivo) mit einem 40-Liter-Tank verbraucht ca. 8 Liter im Stadtverkehr auf 100 km. Bei einem Benzinpreis von aktuell € 1,50 pro Liter kommt man somit auf 12 Euro. Mit dem „e-up!“ spart man also gegenüber dem Benziner zurzeit tatsächlich 8,98 Euro auf 100 km Fahrtstrecke bzw. ca. 9 Cent pro Kilometer! Vorausgesetzt, die Strompreise steigen aufgrund der Elektro-Automobilität und der allgemeinen Energiewende nicht ins Unermessliche, wie es bei den Benzinpreisen der Fall ist.

Allerdings muss man beachten, dass ausnahmslos alles im Auto Energie verbraucht, das Fahren an sich wie auch die Heizung, das Scheinwerferlicht, das Blinklicht, das Radio, das angeschlossene Smartphone via USB usw. Es gibt zwar den ECO-Modus, womit besonders energiesparend gefahren werden kann, aber von Zusatzgeräten wie Tablets, Laptops oder gar elektrischen Kühltaschen wird abgeraten – wobei ein Zigarettenanzünder oder gar beleuchteter Aschenbecher uns nicht aufgefallen ist im Interieur (haben wir vielleicht übersehen).

Der Strompreis richtet sich dabei nach dem ganz normalen Haushaltsstrom, ob man den im Fahrzeug verbauten Akku an einer öffentlichen Ladestation auflädt oder über eine zusätzliche „Wall Box“, wie Renault sie anbietet, den Strom aus der hauseigenen Steckdose bezieht. Dabei sind die Ladekabel aller Autohersteller genormt gefertigt und für 3,7 bis 43 kW Lademodi ausgelegt, die sich wie folgt unterscheiden:

3,8 kW steht für serienmäßige Standardladung, Anschluss 230 V AC, 16 A, 1-phasig, Ladedauer ca. 6-9 Stunden
 11 kW steht für Schnellladung, Anschluss 400 V AC, 16 A, 3-phasig, Ladedauer ca. 2 Stunden
 22 kW steht für Schnellladung, Anschluss 400 V AC, 32 A, 3-phasig, Ladedauer ca. 1 Stunde (80 %)
 43 kW steht für Schnellladung, Anschluss 400 V AC, 63 A, 3-phasig, Ladedauer ca. 30 Minuten (80 %)

Letztgenannte Anschlussart von 43 kW ist nur für öffentliche Stromtankstellen geeignet, alle anderen überwiegend für die Heimladung.

Das „Tanken“ mit einem Ladekabel ist dabei sichtlich einfach: Tankklappe öffnen, Stecker reinstecken und los geht’s! Die Ladepistole rastet automatisch ein, ohne ein Einrastgeräusch zu hören, nur ein leises Summen ist vernehmbar. Während des Ladevorgangs leuchtet neben dem Tank eine LED-Leuchte auf. Am Bildschirm der „Zapfsäule“ kann man erkennen, wieweit die Ladung der Akku-Batterie im Kraftfahrzeug fortgeschritten ist – halt so wie bei der Akkuladung zu Hause, nur größer. ;o)

Aber Moment mal, da muss man ja mindestens 30 Minuten an der Tankstelle verbringen oder sogar 1 oder 2 Stunden, je nach Ladestation, wenn man danach gleich weiterfahren will. Das wäre für Fahrer von Elektroautos sozusagen eine Zwangspause, die man einkalkulieren muss. Entweder man vertreibt sich alle ca. 70 km die Zeit der Aufladung mit einem Snack und/oder Telefonieren, Simsen o. Ä., wobei man bedenken muss, dass Stromladestationen leider noch nicht allzu sehr verbreitet sind in Deutschland, oder – was seitens der Automobilhersteller empfohlen wird – man lädt in aller Ruhe über Nacht sein Auto zu Hause auf, damit es am nächsten Morgen fahrbereit ist.

Und da ist leider der nächste Haken. Denn um sein Auto von zu Hause aus aufladen zu können, muss man über eine Garage oder einen ähnlichen, möglichst sicher abgeschlossenen, Bereich direkt am Haus verfügen, um das Ladekabel mit dem Stromnetz zu verbinden. Denn was nützt es, wenn der Pkw 100 Meter weiter auf dem Sammelparkplatz steht oder gar an der nächsten Straßenecke parken muss. Einzige Möglichkeit wäre, das Elektroauto bei einer in unmittelbarer Nähe liegenden Tankstelle mit Ladestation abzustellen, bis es vollständig aufgeladen ist. Diese Möglichkeit liegt aber noch in ferner Zukunft.

Der Kreis von potenziellen Käufern von Elektrofahrzeugen für den täglichen Gebrauch wird damit merklich eingeschränkt, da bisher überwiegend Hausbesitzer davon profitieren können – und natürlich die Glücklichen, die vor der Tür eine E-Tankstelle vorfinden. Und das ist zumindest schon in neun Ländern der Fall. Sehr praktisch bietet sich da der E-Tankstellen-Finder im Internet an, auf den man auch via iPhone, iPad, Android Smartphone und per GPS zugreifen kann.

Renault hatte mal die geniale Idee, verrät uns Frau Bekemeier, Anlaufstellen anzubieten, wo man mit seinem Elektromobil auf eine Rampe fährt und der Akku, der sich meist am Unterboden des Fahrzeugs befindet, einfach ausgewechselt wird – praktisch wie beim Formel 1: ranfahren, wechseln, losfahren. Leider ist Renault davon abgekommen, weil es sich wohl nicht rentierte. Schade eigentlich, allein die Vorstellung ist schon cool!

Und Renault-Entwickler wissen, wovon sie sprechen – schließlich haben sie schon mehrere Elektrofahrzeugmodelle auf den Markt gebracht, den neuesten Mittelklassewagen ZOE, den Elektro-Cityflitzer Twizy und den Kleintransporter Kangoo Z.E (Z.E. = Zero Emission). Alle auf der energie & umwelt Messe ausgestellten Fahrzeugmodelle sind 100 % elektrisch und verbrauchen 0 % Emissionen.

Sollten also zukünftig alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden und Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energien wie Sonne, Wind und Wasser gewonnen werden, dürfte der grenzenlosen umweltfreundlichen Elektro-Automobilität nichts mehr im Wege stehen.

Zuguterletzt muss man noch wissen, dass die Motoren von Elektrofahrzeugen sehr kompakt und verbaut sind, sodass man gerade noch selbst Kühlwasser, Bremsflüssigkeit und Scheibenwischwasser nachfüllen kann. Alle anderen Motorteile müssen von speziell ausgebildeten Fachkräften, sog. „Electric Vehicle Supply Equipment“-Technikern, also Kfz-Elektrikern für Elektrofahrzeuge, gewartet und ggf. repariert werden. Basteln und Schrauben am eigenen Motor wird passé. Karosserie-Tuner und -Designer freuen sich aber bestimmt schon auf’s Aufmotzen.

Zündkerzen sucht man natürlich vergeblich, es gibt ja nichts mehr zu verbrennen. Dafür stehen jetzt jede Menge Kabelverbindungen. Versucht man sich dann trotz Warnung selbst am Motor, wird der Spruch „du stehst wohl unter Strom“ eine ganz andere Bedeutung erhalten.

Lustig war auf jeden Fall die Feinstaubplakette an den Frontscheiben – die wurde halt angebracht, damit Knöllchen-Schreiber keine Strafzettel unter den Scheibenwischer klemmen, weil man nicht sofort erkennen kann, dass es sich um ein Elektrofahrzeug handelt, erklärt Tobias Warkentin vom VW-Autohaus und schmunzelt.

Ansonsten wird ein Elektroauto wohl von der Kfz-Steuer befreit werden, nehmen wir an. Und Fördermittel kann man beantragen.

Schlussendlich war die Lübbecker Messe „energie & umwelt“ eine gelungene Veranstaltung mit kompetenten Ansprechpartnern, die es jederzeit lohnt, wieder zu besuchen.

So, das war’s jetzt für’s Erste, nach diesem aufregenden Beitrag noch ein paar Impressionen zur Veranschaulichung:

Ups, eine Frage haben wir vor lauter Staunen um die innovative Fahrzeugtechnik doch noch vergessen zu stellen, die nach dem TÜV, also ob ein Elektrofahrzeug alle 2 Jahre oder jährlich oder überhaupt noch zum TÜV bzw. zur Hauptuntersuchung muss. Obwohl, tragende Teile, Rost, Unfallschäden u. a. müssen ja weiterhin untersucht werden, also wird sich die Frage wohl erübrigt haben.


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